Gedankenübertragung? Sprache zur Kodierung nötig.
Hallo!
Was waere, wenn wir Menschen statt zu sprechen Gedanken und
damit Bilder uebertragen wuerden?
Es gaebe keine Probleme mit Fremdsprachen…
Letzteres wäre natürlich toll! Wird aber wohl nix, das Ganze ist etwas komplizierter.
Erstens sind Gedanken nicht immer Bilder und zweitens reicht es nicht, nur mit Hilfe von Bildern zu kommunizieren.
Wie ists zum Beispiel mit Gerüchen? „Es stinkt faulig“ mag bei Manchem auch die Assoziation zu einem Bild wecken, letztlich aber meist die Erinnerung an einen unangenehmen Geruch.
Schwieriger ist es, abstrakte Begriffe in Bilder umzuwandeln. Was für ein Bild könnte man beispielsweise an Stelle des Begriffes „Abstraktion“ verwenden?
Darüber hinaus betreffen unsere Gedanken nicht nur einzelne Begriffe und ihre Eigenschaften (Apfel: rund, gesund, schmeckt säuerlich …), sondern auch Beziehungen zwischen diesen (Hund ist ein Lebewesen). Aber auch motorische Fertigkeiten sind Bestandteil unserer Gedanken, zum Beispiel die Kraft, mit der man einen Schnürsenkel zubinden muß, damit er nicht gleich wieder aufgeht: wie soll man das in ein Bild bringen?
Nun gut, wie siehts dann wenigstens mit der direkten Datenübertragung „irgendwie“ zwischen Hirnen aus?
Schlecht, weil nicht jedes Volk eine eigne Sprache spricht, sondern jedes Hirn seine Infos auf unterschiedliche Weise speichert und handhabt. Der Pianist nutzt z.B. weit mehr Nervenzellen für seine Finger, als normalerweise üblich. Selbst wenn es gelänge, deren Strommuster rüber in ein andres Hirn zu schicken, hätten die plötzlich keine organische Grundlage, Gedanken übers Klavierspielen zu erzeugen bzw. zu „sein“. Würden sich die Ströme mal eben andre Nervenzellen aussuchen, oje, da wär was los! Er würde stattdessen mit dem Arm zucken oder mit den Ohren wackeln.
Der Pianist muß schon bewußt umkodieren in Sprache, wenn er Laien vom Klavierspielen erzählen will. Daß es dabei Schwierigkeiten gibt, kann man sich vorstellen, selbst ohne Fremdsprachen zu berücksichtigen. Dasselbe Wort assozierit nämlich jeder Mensch anders. Bei Labkraut etwa denkt der Landwirt sofort an störendes Unkraut, die Mutter denkt vielleicht daran, wie sie’s ihrem Kind an die Jacke geheftet hat und beide viel Spaß hatten. Bloßs Kodieren reicht also nicht zur Kommunikation, man muß dabei auch den Empfänger berücksichtigen.
Kurz gesagt: Auf verschiedenen Ebenen zerstiebt die Hoffnung der Mühelosigkeit bei Kommunikation.
a) Gedanken sind breiter zu sehen als nur als Bilder.
b) Übertragung von Hirn zu Hirn muß über Kodierung und Dekodierung erfolgen.
Tschuess, Sven.