Hallo!
In der Literatur findet man verschiedene Zeitangaben zur Frage, in welchem Zeitraum man den Menschen mit Begriffen wie „Embyro“ oder „Fötus“ bezeichnet. Mein ehemaliger Professor für Allgemeine Psychologie, Entwicklungspsychologie und psychologische Methodenlehre, Dirk Wendt, hat in seinem Buch „Entwicklungspsychologie“ folgendes dazu geschrieben:
"Der sich entwickelnde Mensch heißt (nach Rauh, 1987a und nach Cole & Cole, 1989, S. 74ff) in den ersten 8 bis 10 Tagen (Konzeptionsalter) bis zur Einnistung im Uterus Ovum , nach einer anderen Terminologie auch bis zum 15. Tag nach der Befruchtung Präembryo (Dickman, 1996), dann ab der Implantation im Uterus (im Blastula-Stadium) Embryo - wie lange er so genannt wird, dazu gibt es in der Literatur verschiedene Angaben: nach Cole & Cole (1989) bis zur 8. Woche der Gestationszeit, nach Pschyrembel (1994, S. 393) die ersten zwei Monate der Schwangerschaft bis zum Abschluß der Organogenese, nach Rauh (1987a) die ersten 8 bis 12 Wochen, nach Meyers (1981, Bd. 6, S. 132) bis zum Ende des 4. Schwangerschaftsmonats. In dieser Zeit bilden sich alle Organe. […]
Der Mensch heißt dann Fötus oder Fetus ab dem dritten Monat nach Abschluß der Organogenese nach Pschyrembel (1994, S. 465), ab der 9. Woche nach Cole & Cole (1989), dagegen ab dem 3. Monat nach Rauh (1987a) bzw. ab dem 5. Monat nach Meyers (1981, Bd. 7, S. 53) der Gestationszeit nach dem Erhärten der ersten Knochen (Ossifikation)" (Wendt, 1997, S. 71).
Begriffe wie Konzeptionsalter, Gestationsalter bedeuten folgendes:
Lebensalter: Zeitraum gerechnet ab der Geburt.
Konzeptionsalter: Zeitraum ab der Befruchtung der Eizelle (bevorzugt bei der Beschreibung der neurologischen Entwicklung).
Gestationsalter: Zeitraum ab der letzten Menstruation (also 14 Tage = 2 Wochen vor der Empfängnis).
Der Mensch ist im biologischen Sinn Mensch ab der Verschmelzung von Eizelle und Spermium. Die biologische Betrachtungsweise ist für die gesellschaftliche Diskussion, wann ein Mensch ein Mensch ist, aber von untergeordneter Bedeutung.
Gruß,
Oliver Walter