'Eltern-Instinkt' bei Kaninchen?

Hallo ihr,

ich hab lange überlegt, wo ich diese Frage reinstelle. Hab mich für die Biologie (gegen Haustiere, Psychologie, …) entschieden…

Hintergrund: bis vor ein paar Monaten hatte ich ein Kaninchen, das ziemlich „wild“ war. Wilder jedenfalls als meine anderen. Wenn sich eine Hand näherte war das mindeste was sie tat knurren. Oft schnappte sie auch nach der Hand. Dabei ist mir jedoch aufgefallen, dass das Patenkind (1,5 Jahre) meiner Frau beim Kaninchen quasi „Narrenfreiheit“ hatte. Obwohl die Babyhand sicherlich nicht zärtlich mit dem Kaninchen umging und oft sogar recht heftig nach dem Tier schlug (Kind halt), hat das Kaninchen niemals gebissen oder geschnappt und sehr selten geknurrt. Daher meine Frage: kann man sich vorstellen, dass das Kind eine „kindliche Ausstrahlung“ hatte, die beim Kaninchen die „Narrenfreiheit“ auslöste. Tierjunge genießen ja auch eine „Narrenfreiheit“ solange sie aufwachsen. Ist soetwas artenübergreifend ???
Rein optisch kann es für ein Kaninchen ja keinen Unterschied ausmachen, ob das Gegenüber jetzt 10 oder 20 mal so groß ist wie es selber? Und daran, dass das Tier mich besser kannte als das Kind, kann es auch nicht liegen, denn der Effekt trat beispielsweise nicht auf, als andere (dem Kaninchen fremde), erwachsene Personen zu Besuch waren.

Also: Gibt es etwas in der Ausstrahlung eines Lebewesens, das erkennen lässt „Ich bin ein junges Lebewesen.“? Wie hab ich mir das vorzustellen ?

Vielleicht weiss ja einer mehr.

Gruß
Don

Hi Don,

ja, so etwas gibt es. Man nennt es das „Kindchenschema“.
Schau Dir mal einen Welpen an und wie Menschen darauf reagieren. „Ach, wie süß…“ ist da noch die harmlosere Variante.
Das Kindchenschema macht sich an den Körper- und vor allem Gesichtsproportionen fest. In Erinnerung ist mir noch der im Vergleich zum Rumpf größere Kopf und die höher stehenden Augen. Wenn Du es genau wissen willst, brauchst Du nur zu googlen und Du wirst alle Besonderheiten des Kindchenschemas finden.
Und wie Du an der Reaktion von Menschen auf junge Hunde, Katzen, Kaninchen usw. leicht feststellen kannst, ist dieses Schema artenübergreifend. Zumindest bei Säugetieren dürfte es nahezu ausnahmslos vorhanden sein.

Grüße
Stefan

Hi,

es gibt auch noch die Möglichkeit der geschlechtsspezifischen Abneigung. Soll heißen, daß ein Tier den Geruch des ein oder anderen (menschlichen) Geschlechts identifiezieren kann, oder eben den körperlichen Habitus nebst Stimme und eben dann einfach nicht mag.
Unser Papagei war ein ausgesprochener Frauenvogel, weibliche Wesen konnten ihn mühelos anfassen, aber wehe, wenn das Gleiche ein Mann versuchte :smile:
Andersherum habe ich einen Kater, der sich bei jedem Kerl auf den Schoß pflanzt und richtig aufdringlich wird, bei weiblichem Besuch ist er dagegen sehr zurückhaltend oder reagiert gar nicht.

Gruß Maja

Hallo,
dass es soetwas wie ein „Kindchenschema“ gibt, wusste ich schon. Allerdings kann ich mir das nur bis zu einer gewissen Größe hin vorstellen (im Verhältnis zum Betrachter). Wenn das „Kindchen“ aber 10-15 mal so groß ist wie ich, ist es nicht mehr „niedlich“, oder ? Wäre ein Baby-Dinosaurier (nicht im Fernsehen/Trickfilm, dort ist er sehr klein) 15 Meter hoch für uns wirklich niedlich ??? Wenn es noch so große Augen hat…
In etwa so ist doch die Relation Kaninchen-Mensch.

Vielen Dank für deine Anregung
Gruß
Don

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Hallo,
wenn Geschlechter am Geruch unterscheidbar sind, sind es vielleicht auch Kindesalter - Erwachsenenalter ??? Geschlechtsspezifische Unterschiede traten jedenfalls beim beschriebenen Verhalten nicht auf: Zank mit Schwiegermama, Schwiegeroma, meiner Schwester(23) - Toleranz bei Patenkind(w - 1,5) und Schwester vom Patenkind(4)

Vielen Dank schonmal
Gruß
Don

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Nennt man auch Welpenschutz - ich kenne keine fachlichen Berichte, dass es artübergreifend funktioniert, aber solche Geschichten habe ich schon häufiger gehört, also muss ja was dran sein. Ich kenne das zB von meiner kleinen Schwester und der damaligen Katze: Die Katze war ein richtiges Biest, aber zusammen mit meiner Schwester, die auch wild am Schwanz zog oder die Katze am Hinterbein hinter sich herschleppte, wurde die richtig zahm. Nie kamen die Krallen raus, und obwohl jeder dachte, gleich schreit jemand (optional die Katze oder meine Schwester) ist nie was passiert…
Cess

Hi,

heißt das „ich kenne keine fachlichen Berichte, dass es artübergreifend funktioniert, aber solche Geschichten habe ich schon häufiger gehört, also muss ja was dran sein“ , dass dort noch ein Forschungsfeld der Biologie unbestellt ist ???
Wie ist nochmal der N.C. für Bio ? :wink:
Forschungsschwerpunkt: „Artübergreifender Welpenschutz. Herkunft und Gründe.“

Im Ernst:
Danke für die Antwort !

Gruß
Don

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