Ich habe in einem Mikrobiologiepraktikum mit dem E. coli Wildtypstamm K12 gearbeitet.
Im Internet suchte ich bereits nach Informationen zu diesem Stamm, und bin darauf gestoßen das dies ein Sicherheitsstamm sei, der auserhalb des Labors sowie im menschlichen Darm nicht leben kann.
Warum bezeichnet man ihn dann als Wildtypstamm, wäre es nicht eher ein Laborstamm oder sowas?
irgendwas ist da durcheinander gekommen
Ich habe auch recherchiert, und hier folgt eine Zusammenfassung:
Wildtypstamm ist die Bezeichnung für die als normal klassifizierte Ausprägung, z. B. eines unveränderten E. Colistammes.
E. Coli K 12 (Plasmid pQE 30 ) ist aber kein Wildstamm, sondern ein Sicherheits- bzw. Laborstamm, weil es sich um einen gentechnisch veränderten Organismus (GVO) handelt, der in diesem Fall über keine spezifischen Pathogenitätsmerkmale verfügt.
Dieser Bakteriumtyp wird vor allem in der Grundlagenforschung angewandt und wird als Modellorganismus in der Erforschung der bakteriellen Genetik, Physiologie und Molekularbiologie verwendet. E. coli K12 ist in die Risikogruppe 1 eingeordnet und seit langem als biologische Sicherheitsmaßnahme anerkannt.
Gruß, Renate
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Ich habe in einem Mikrobiologiepraktikum mit dem E. coli
Wildtypstamm K12 gearbeitet.
Im Internet suchte ich bereits nach Informationen zu diesem
Stamm, und bin darauf gestoßen das dies ein Sicherheitsstamm
sei, der auserhalb des Labors sowie im menschlichen Darm nicht
leben kann.
Warum bezeichnet man ihn dann als Wildtypstamm, wäre es nicht
eher ein Laborstamm oder sowas?
Ciao
Micha
Kommentar von Paul Stoll:
Als Wildtyp im engeren Sinn würde E. coli(Mikroorganismus) bezei-chnet wenn er in einem Minimalmedium (Z.B. Glucose + anorg. Salze) die notwendigen Aminosäuren selber bilden kann.
In der Literatur wird E. coli K12 aber oft als Wildtyp (1; S.111)bezeichnet. Als Wildtyp wird auch ein besonders häufiger Phäno-typ (1, S.272) bezeichnet; da E. coli K12 berühmt und (auch indu-
striell) vielfach eingesetzt wird, ist das verständlich, aber un-
logisch.
Die von E. coli K12 abstammenden E. coli C600 oder CR34 weisen als Merkmale auf: F-, sapE44, thi-1, thr-1, leu B6, lac Y1, tonA21, lambda- (= Phagen-sensitiv). In Lit. (3, S.411) ist erwähnt dass E. coli K12 trotz dieser Auxotrophien als sogenann-ter Wildtypstamm verwendet wird.
Auxotroph = E. coli K12 benötigt komplexe Stoffe (u.a. Aminosäu-ren) im Nährmedium. F- (= Fertilität) bedeutet dass E. coli K12 kein F-Plasmid (2, S.49, extrachromosomale ringförmige DNA, 94,5 Kb) hat, damit auch keine Sex-Pili (Übertragungsschlauch für DNA) bilden kann, d.h. keinen Gen-Austausch mit weiblichen E. coli (F-) durchführen kann, was neben den erwähnten Auxotrophien ein weiteres erwünschtes Sicherheitsmerkmal ist.
1.: Rolf Knippers, Molekulare Genetik, 5.Aufl., 1990, G. Thieme
2.: Steph.G. Oliver, Wörterbuch der Gentechnik, 1988, G. Fischer
3.: Ernst-L. Winnacker, Gene und Klone, 1990, VCH-Verlag
Viel Spass Paul Stoll