Escherichia coli K12

Von: , Frage gestellt am Fr, 14. Mär 2003

Hallo

Ich habe in einem Mikrobiologiepraktikum mit dem E. coli Wildtypstamm K12 gearbeitet.
Im Internet suchte ich bereits nach Informationen zu diesem Stamm, und bin darauf gestoßen das dies ein Sicherheitsstamm sei, der auserhalb des Labors sowie im menschlichen Darm nicht leben kann.

Warum bezeichnet man ihn dann als Wildtypstamm, wäre es nicht eher ein Laborstamm oder sowas?

Ciao
Micha

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Escherichia coli K12

    Hallo Micha,

    irgendwas ist da durcheinander gekommen :-)
    Ich habe auch recherchiert, und hier folgt eine Zusammenfassung:

    Wildtypstamm ist die Bezeichnung für die als normal klassifizierte Ausprägung, z. B. eines unveränderten E. Colistammes.

    E. Coli K 12 (Plasmid pQE 30 ) ist aber kein Wildstamm, sondern ein Sicherheits- bzw. Laborstamm, weil es sich um einen gentechnisch veränderten Organismus (GVO) handelt, der in diesem Fall über keine spezifischen Pathogenitätsmerkmale verfügt.
    Dieser Bakteriumtyp wird vor allem in der Grundlagenforschung angewandt und wird als Modellorganismus in der Erforschung der bakteriellen Genetik, Physiologie und Molekularbiologie verwendet. E. coli K12 ist in die Risikogruppe 1 eingeordnet und seit langem als biologische Sicherheitsmaßnahme anerkannt.

    Gruß, Renate [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Escherichia coli K12

      Hallo

      Ich habe in einem Mikrobiologiepraktikum mit dem E. coli
      Wildtypstamm K12 gearbeitet.
      Im Internet suchte ich bereits nach Informationen zu diesem
      Stamm, und bin darauf gestoßen das dies ein Sicherheitsstamm
      sei, der auserhalb des Labors sowie im menschlichen Darm nicht
      leben kann.

      Warum bezeichnet man ihn dann als Wildtypstamm, wäre es nicht
      eher ein Laborstamm oder sowas?

      Ciao
      Micha
      Kommentar von Paul Stoll:
      Als Wildtyp im engeren Sinn würde E. coli(Mikroorganismus) bezei-chnet wenn er in einem Minimalmedium (Z.B. Glucose + anorg. Salze) die notwendigen Aminosäuren selber bilden kann.
      In der Literatur wird E. coli K12 aber oft als Wildtyp (1; S.111)bezeichnet. Als Wildtyp wird auch ein besonders häufiger Phäno-typ (1, S.272) bezeichnet; da E. coli K12 berühmt und (auch indu-
      striell) vielfach eingesetzt wird, ist das verständlich, aber un-
      logisch.
      Die von E. coli K12 abstammenden E. coli C600 oder CR34 weisen als Merkmale auf: F-, sapE44, thi-1, thr-1, leu B6, lac Y1, tonA21, lambda- (= Phagen-sensitiv). In Lit. (3, S.411) ist erwähnt dass E. coli K12 trotz dieser Auxotrophien als sogenann-ter Wildtypstamm verwendet wird.
      Auxotroph = E. coli K12 benötigt komplexe Stoffe (u.a. Aminosäu-ren) im Nährmedium. F- (= Fertilität) bedeutet dass E. coli K12 kein F-Plasmid (2, S.49, extrachromosomale ringförmige DNA, 94,5 Kb) hat, damit auch keine Sex-Pili (Übertragungsschlauch für DNA) bilden kann, d.h. keinen Gen-Austausch mit weiblichen E. coli (F-) durchführen kann, was neben den erwähnten Auxotrophien ein weiteres erwünschtes Sicherheitsmerkmal ist.
      1.: Rolf Knippers, Molekulare Genetik, 5.Aufl., 1990, G. Thieme
      2.: Steph.G. Oliver, Wörterbuch der Gentechnik, 1988, G. Fischer
      3.: Ernst-L. Winnacker, Gene und Klone, 1990, VCH-Verlag
      Viel Spass Paul Stoll

      • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Escherichia coli K12

        Hi Paul

        vielen Dank für deinen Beitrag und besonders für die Quellenangaben

        Ciao
        Micha

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