Re^2: Escherichia coli K12
Hallo
Ich habe in einem Mikrobiologiepraktikum mit dem E. coli
Wildtypstamm K12 gearbeitet.
Im Internet suchte ich bereits nach Informationen zu diesem
Stamm, und bin darauf gestoßen das dies ein Sicherheitsstamm
sei, der auserhalb des Labors sowie im menschlichen Darm nicht
leben kann.
Warum bezeichnet man ihn dann als Wildtypstamm, wäre es nicht
eher ein Laborstamm oder sowas?
Ciao
Micha
Kommentar von Paul Stoll:
Als Wildtyp im engeren Sinn würde E. coli(Mikroorganismus) bezei-chnet wenn er in einem Minimalmedium (Z.B. Glucose + anorg. Salze) die notwendigen Aminosäuren selber bilden kann.
In der Literatur wird E. coli K12 aber oft als Wildtyp (1; S.111)bezeichnet. Als Wildtyp wird auch ein besonders häufiger Phäno-typ (1, S.272) bezeichnet; da E. coli K12 berühmt und (auch indu-
striell) vielfach eingesetzt wird, ist das verständlich, aber un-
logisch.
Die von E. coli K12 abstammenden E. coli C600 oder CR34 weisen als Merkmale auf: F-, sapE44, thi-1, thr-1, leu B6, lac Y1, tonA21, lambda- (= Phagen-sensitiv). In Lit. (3, S.411) ist erwähnt dass E. coli K12 trotz dieser Auxotrophien als sogenann-ter Wildtypstamm verwendet wird.
Auxotroph = E. coli K12 benötigt komplexe Stoffe (u.a. Aminosäu-ren) im Nährmedium. F- (= Fertilität) bedeutet dass E. coli K12 kein F-Plasmid (2, S.49, extrachromosomale ringförmige DNA, 94,5 Kb) hat, damit auch keine Sex-Pili (Übertragungsschlauch für DNA) bilden kann, d.h. keinen Gen-Austausch mit weiblichen E. coli (F-) durchführen kann, was neben den erwähnten Auxotrophien ein weiteres erwünschtes Sicherheitsmerkmal ist.
1.: Rolf Knippers, Molekulare Genetik, 5.Aufl., 1990, G. Thieme
2.: Steph.G. Oliver, Wörterbuch der Gentechnik, 1988, G. Fischer
3.: Ernst-L. Winnacker, Gene und Klone, 1990, VCH-Verlag
Viel Spass Paul Stoll