Herdentiere und Hierarchie

Von: , Frage gestellt am Mo, 12. Mai 2003

hallo!

nochmal eine frage auf die ich keine antwort finde:
herdentiere haben eine rangordnung; die wird üblicherweise (?) durch kämpfe bestimmt; am ende dieser ganzen kämpferei (die natürlich nie ganz vornei ist) gibt es ein "alpha-male" (oder female).

jetzt ist es aber so dass oftmals gerade die männlichen tiere die herden wechseln und die alteingesessenen tiere wesentlich mehr ahnung von der umgebung haben als "die neuen".
sapolsky schreibt auch dass bei den pavianen die weibchen sich wesentlich besser auskennen und das denen bei der futtersuche alle nachrennen weil sie dann wissen dass es was zu futtern gibt.

was ist also der sinn dieser hierarchie???
bringt doch ausser energieverschwendung nicht viel?!

danke

matthias

p.s. ich hoffe das war jetzt verständlich formuliert.

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 16 Stunden 4 hilfreich
    Re: Herdentiere und Hierarchie

    Hi,

    so pauschal kann man das nicht beschreiben. Eine Ansammlung von Tieren ist noch lange keine Herde. Ausserdem sind die Strukturen solcher Verbände sehr unterschiedlich... und auch die Ziele der Rangordnung.

    * Bei Gnus zum Beispiel hat die Herde keine besondere Sozialstruktur. Innerhalb dieser Herden kämpfen die Bullen zur Paarungszeit entweder um einzelne Weibchen oder kleinere Grüppchen. Hier gehts nur um die Paarung. Sonst nichts. Wer gewinnt kommt zum Zug, wer nicht der kann immer noch beschummeln :)

    * Bei Löwen sind die Damen der Gruppenkern. Die Männchen übernehmen für eine gewisse Zeit ein Rudel, paaren sich und werden irgendwann ducrh ein oder mehrere Gegner abgekämpft. Essen und Rudelplanung besorgen die Frauen. Diese haben untereinander auch keine soo starre Hirarchie und paaren dürfen sich auch alle. Man ist ja ausserdem verwandt.

    * Bei Wölfen gibts zwei Rangordnungen; die männliche und die weibliche. Nur die Alphatiere der beiden Hirarchien haben Junge. Die anderen helfen in Form des Rudels bei der Aufzucht und hoffen selber mal irgendwann zum Zug zu kommen. Gelenkt wird das Rudel rel. gleichberechtigt durch die beiden Alphas. Ein Wolf alleine kommt meist nicht weit. So macht diese Sozialstruktur auch für Tiere Sinn die sich nicht selber fortpflanzen.

    * Bei einer Elefantenherde ist meist die älteste und erfahrendste Kuh das Leittier. Hier wurde also nicht durch kämpfen geregelt wer anführt. Die Bullen tingeln als Junggesellengruppen oder später Einzeltiere von Herde zu Herde und suchen nach paarungsbereiten Kühen. Bei mehreren Bewerbern kommt es unter diesen auch zu Rangeleien und Schau- bis Ernstkämpfen.

    Und und und. Es kommt also darauf an wie die "Herde" ansich organisiert ist und welchen "Sinn" das Zusammenleben hat.

    JD [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
      vielen dank!!

      hallo!

      vielen dank für die perfekte antwort!
      das war genau das was ich wissen wollte.

      weiterführende frage (weil deine VIKA leer ist):
      ist das mit dem alpha-männchen eines dieser mythen im bereich der zoologie (oder wie auch immer) das durch wenig fundierte literatur (zeitschriften) aufrechterhalten wird?

      und welchen sinn (d.h. welche theorien) hat man entwickelt um das vorhandensein einer solchen struktur zu begründen?

      danke

      matthias

      • Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
        Re: vielen dank!!

        Hi,

        ein Mythos in dem Sinne ists ja nicht. Die Alpha-Männchen Geschichte ist eben nur nicht die einzige Form der Sozialstruktur.

        Bei Wölfen scheint der Sinn dieser beiden Hirarchien zu sein, dass ein Wolfsrudel andere Nahrungsquellen erschliessen kann. Hirsche, Elche etc. sind für einen ausgewachsenen Wolf alleine einfach ne Nummer zu fett. Vielleicht wenn sie schon halb tot sind aber ansonsten... wenig Chancen.

        Das Rudel ermöglicht also ein anderes Nahrungsspektrum. Wobei aber tatsächlich Mäuse und anderes Kleingetier das Grundgerüst des Wolfsspeiseplans bilden :)

        Andersrum wäre aber ein Rudel in dem sich alle reifen Tiere vermehren zu viel für ein Revier. Selbst verwandte Tiere würden sich die Lebensgrundlage streitig machen. Die Jagd auf große Tiere ist meist Saisonarbeit...

        Auch Tiere die soweit unten in der Reihenfolge stehen, dass sie wahrscheinlich nie zum Zug kommen werden haben einen Vorteil beim Leben in der Gemeinschaft. Sie überleben. Und da es sich dabei auch öfters um Tiere aus vorherigen Würfen handelt sorgen sie bei der Aufzucht ihrer Geschwister ja auch für die Verbreitung ihrer eigenen Gene.

        Grob kann man sagen, dass Nahrungsquellen die alleine nicht zu nutzen sind ein Gruppenleben favorisieren. Oder einfach weil das Leben in einer Gruppe sicherer ist. Wenn aber die Niesche nicht genug Grundlagen für beliebig viele Individuen bietet, dann findet sich ein System die Anzahl zu regulieren. Eine Möglichkeit ist eben dieses Alpha Tier Zeugs. Andererseits hat auch die weibliche Selektion solcher Machos ihre Auswirkungen :))


        JD [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          nochmal danke!

          hallo!

          nochmal vielen dank für die ausführungen. so sieht wer-weiss-was in hochform aus!

          tschüss

          matthias

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!