Wann entscheidet sich das Geschlecht ?

Hallo,

vielleicht eine banale Frage: Wann entscheidet sich das Geschlecht des Menschen ? Ich behauptete neulich, daß es sich im Prinzip unmittelbar nach der Vereinigung von Samen und Eizelle entscheide. Meine Diskutanten meinten, es würde sich erst nach einigen Wochen im Mutterleib entscheiden; bis dahin sei es „offen“.

Was stimmt ?

Danke für Info im voraus,

Lothar

Hi,

das entscheidet sich sogar noch vorher.

Die weibliche Eizelle hat immer 1 X-Chromosomen, die Spermien entweder X oder Y. Kommt nun ein X- Spermium zum Zuge (Kombination X+X), wird’s ein Mädchen, kommt ein X- Spermium zuerst(X+Y), wirds ein Junge. Sobald das Spermium (bzw dessen Kopf) in die Eizelle eindringt, verhindert diese den Zutritt für die nachfolgenden.

Die Y Chromosomen gelten als etwas weniger vital, so dass extensive Saunanutzung bei den Finnen und ebensco schädigende Einflüsse bei Berufstauchern für einen relativ höheren Anteil Mädchen sorgen sollen.

Gruss
Andreas

Aha und warum haben Jungs dann Brustwarzen, wenn es so früh entschieden wird?
Gruß max

genothypisch - phänotypisch
Hallo Max,

Aha und warum haben Jungs dann Brustwarzen, wenn es so früh
entschieden wird?

genotypisch wird das Geschlecht im Moment des Eindringens der Samenzelle entschieden. Phämotypisch erst später, nämlich dann, wenn durch Testosterongabe der Mutter die Entwicklung hin zum Mann initiiert wird. Unterbleibt diese Gabe, oder fehlen bestimmte Rezeptoren beim Emryo, bleibt das Individuum phänotypisch weiblich, obwohl es genothypisch männlich ist. Bis zu dieser Entscheidung werden aber schon einige Merkmale angelegt (z.B. besagte Brustwarzen), die nach der Entscheidung nicht mehr zurückgebildet werden.
Es gibt gar nicht so wenig ‚Frauen‘, deren Kinderwunsch unerfüllt bleiben und bei einer eingehenden Untersuchung meist geschockt feststellen müssen, eigentlich ein Mann zu sein.

Gandalf

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Danke !!

Hallo Gandalf,

genotypisch wird das Geschlecht im Moment des Eindringens der
Samenzelle entschieden. Phämotypisch erst später, nämlich
dann, wenn durch Testosterongabe der Mutter die Entwicklung
hin zum Mann initiiert wird. Unterbleibt diese Gabe, oder
fehlen bestimmte Rezeptoren beim Emryo, bleibt das Individuum
phänotypisch weiblich, obwohl es genothypisch männlich ist.

Jetzt mal für so einen Doofen wie mich: Was bedeutet phänotypisch weiblich obwohl es genotypisch männlich ist; platt gefragt: gibt’s (optisch) einen Mann oder eine Frau.

Sorry, ich kenne zwar phänotyp/genotyp aber kann mir konkret nichts darunter vorstellen.

Danke für Deine Hilfe, Lothar

Hi,

also von den Genen her (genotypisch) ein Mann = X+Y Chromosomen
Phänotypisch (vom äußeren Aussehen, seltner auch von den Geschlechtsteilen) her eine Frau.

Hab allerdings noch nicht gehört das so was häufiger auftritt.

Würde also heißen, dass das (dominante)- Chromosomen aus irgend einem Grund nicht „funktioniert“, damit von Beginn der Keimentwicklung keine männlichen Hormone entstehen und damit das verbleibende X - Chromosom eine (allerdings nicht vollwertige) Änderung in „weiblich“ verursacht.
Es gibt noch andere solche Erbkrankheiten, z.B. wenn der Chromosomensatz aus 3 statt 2 Geschlechtschromosomen besteht z.B. XXY.

Gruss
Andreas

Hallo !

So erklärt unsere Zeitung das (für die gebildeten Stände) :

Im frühesten Entwicklungsstadium sind männliche und weibliche Embryonen gleich.

Wenn der Fötus vom Vater ein Y-Chromosom mitbekommen hat, wird ein hormonelles Signal erzeugt. Die Schamlippen verschmelzen zu einem Hodensack, die Gonaden werden zu Hoden und am Ende wird ein männliches Wesen daraus. Ohne dieses Signal läuft alle Entwicklung auf ein Mädchen hinaus.
Die Symmetrie männlicher und weiblicher Anlagen zeigt sich beim Erwachsenen in einer Vielzahl von Strukturmerkmalen. Und so besitzen Männer Brustwarzen, weil diese eben bereits angefangen haben sich zu entwickeln, bevor das Signal zum „Umschalten“ auf die männliche Ausprägung empfangen wurde. In den meisten Fällen wird damit die Ausbildung von Brüsten gestoppt, aber die Brustwarzen werden nicht wieder zurückgebildet.

Gruß Max

Wenn es tatsächlich relativ viele solcher „männlichen Frauen“ gibt, so müssten bei Sportlerinnen neben Dopingtests auch Gentests durchgeführt werden…

Marco

Hallo !

Im frühesten Entwicklungsstadium sind männliche und weibliche
Embryonen gleich.

Das war meine ursprüngliche Frage. Darauf wurde mir anfangs geantwortet, die Pärgung ist schon vorher. Was stimmt jetzt wirklich ?

Wenn der Fötus vom Vater ein Y-Chromosom mitbekommen hat, wird
ein hormonelles Signal erzeugt.

Salopp gefragt: Kann der Fötus auch anders „entscheiden“ ?

Gruss, Lothar

Hallo !

Im frühesten Entwicklungsstadium sind männliche und weibliche
Embryonen gleich.

Das war meine ursprüngliche Frage. Darauf wurde mir anfangs
geantwortet, die Pärgung ist schon vorher. Was stimmt jetzt
wirklich ?

Hi,

„gleich“ ist ein wenig verwirrend. Sie sind NICHT gleich, da der eine Embryo XY Chromosomen hat und der andere eben XX. Lediglich die Entwicklung der Embryonen verläuft zu Beginn gleich.

Die Ausprägung der Eigenschaft „Mann“ wird erst später zugeschaltet. Dennoch ist der Embryo ab dem Moment der Kernschmelze (hört sich hier irgendwie komisch an :smile:) ein Mann.

Und nein, es ist keine „Entscheidung“ oder durch äussere Einflüsse zu verändernde Gegebenheit (ok, vielleicht Strahlung blabla…). Bei uns Menschen ist das Geschlecht eben genetisch festgelegt. Bei Krokos zum Beispiel nicht. Hier entscheidet die Temperatur während der Entwicklung über die Geschlechter…

Oder bei Drosophila, diesen kleinen Fruchtfliegen, die Anzahl der X Chromosome obs Männlein oder Weiblein wird. Bei anderen Tieren (Clownsfische z.B.) der soziale Rang ob ein Tier nun zum Weibchen werden kann…

Wenn es beim Menschen zu einer derartigen „Fehlbildung“ kommt, dass das genetische Merkmal „Mann“ nicht ausgebildet wird (weil die entsprechenden Signale nicht kommen oder nicht verstanden werden) dann entsteht ein fast echtes weibliches Menschlein. Diese Frauen bekommen auch ihre Periode und sind mit allem ausgestattet was auch sonst eine Frau ausmacht. Aber die Fruchtbarkeit ist nicht gegeben, da scheinbar ein einzelnes X Chromosom ohne seinen Gegenpart, nicht ausreicht für Fortpflanzung.

Alle anderen XXY, XXX, XYY Chromosomensätze sind „Fehlleistungen“ bei der Keimzellenentwicklung und ziehen mehr oder weniger starke Behinderungen mit sich. Während ein „weiblicher Mann“ ansonsten ein ganz normales Individuum ist.

JD

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Wenn es tatsächlich relativ viele solcher „männlichen Frauen“
gibt, so müssten bei Sportlerinnen neben Dopingtests auch
Gentests durchgeführt werden…

Marco

Hätte ja keinen Sinn… diese Frauen sind fast echte Frauen. „Nur“ der Chromosomensatz ist männlich. Sie haben dadurch keinerlei männliche Eigenschaften, die ihnen im Sport Vorteile bringen könnten. Sie sind ja auch ansonsten keine Männer… Es sind faktisch Frauen. In körperlicher wie in emotionaler Hinsicht. Manche vielleicht etwas maskuliner in Ihren Empfindungen… jetzt bitte nicht an bartstoppelige „Tunten“ denken! Aber das kommt auch bei „normalen“ Frauen vor.

JD