Schwimmen im Atomkraftwerk

In dem Buch „Ganz unten“ von Günther Wallraff arbeitet der Autor zeitweise als Türke „Ali“ zeitweise in einem Atomkraftwerk, um über die dortigen Mißstände zu berichten (eg. Schweisser werden aus der Türkei eingeflogen, arbeiten 2 Stunden, haben die Jahrestrahlenhöchstdosis erreicht und fliegen zurück).
Andere Arbeiter berichten ihm über Reinigungen am Rand vom Ablagerungsbecken:

„Dann arbeitet einer direkt am Becken, und einer hält ihn fest, also gesichert mit einem Seil. Denn wenn einer in das Wasser fällt, muß er innerhalb von 10 Sekunden wieder rausgezogen werden, weil man in dem Wasser nicht schwimmen kann.“

Meine Frage: Warum kann man in diesem Wasser (schwerem Wasser?) nicht schwimmen? Da es eine höhere Dichte hat, müsste man doch umso leichter schwimmen können, oder ist nur gemeint, dass die Strahlendosis in kurzer Zeit zu hoch wäre?

Hallo !

Hier der Text aus einem Fachbuch :

Schweres Wasser. (Deuterriumoxid)
Wasser in dem beide Wasserstoffatome durch Deuteriumatome ersetzt sind.
Gefrierpunkt 3,82° C, Siedepunkt 101,42°C.
Dichte bei 20°C 1,105 g/cm³.
Gewonnen wird schweres Wasser durch Elektrolyse aus natürlichem Wasser, dessen Wasserstoff zu etwa 0,015 % Deuterium enthält.
Im Rückstand des Elektrolyten kann sich schweres Wasser bis zu über 98% anreichern. Hochprozentiges schweres Wasser ist sehr giftig.

Wallraff hat wohl gemeint, man darf dort nicht schwimmen. Oder, etwas zynisch, wenn er sagt, kann dort nicht schwimmen, Tote können nicht schwimmen.

Frag mich nicht noch mehr, ich weiß es nicht. Aber, wir haben hier für alles Experten.

Gruß Max

Hi,

ich glaube nicht, daß man schweres Wasser in offenen Becken aufbewahrt, das verdunstet ja bei den auftretenden Temperaturen recht schnell und das wird dann teuer. Im Abklingbecken sehe ich auch keinen Sinn dafür.
LG
Stuffi

Hallo,

ich bin gewiss kein Freund der Atomkraft, aber das sind unsinnige Horrorstories!

In dem Buch „Ganz unten“ von Günther Wallraff arbeitet der
Autor zeitweise als Türke „Ali“ zeitweise in einem
Atomkraftwerk, um über die dortigen Mißstände zu berichten
(eg. Schweisser werden aus der Türkei eingeflogen, arbeiten 2
Stunden, haben die Jahrestrahlenhöchstdosis erreicht und
fliegen zurück).

Damit ein Mitarbeiter überhaupt im Kontrollbereich arbeiten darf, bedarf es eines amtlichen Gesundheitszeugnisses und jährlicher ärztlicher Untersuchungen (für Arbeiter Kat. A). Mag sein, dass es irgendwo irgendwann irgendwie solche Missstände gibt, iA ist es aber besser, nicht irgendwelche 0-8-15 Schweisser (nichts gegen die türkische Schweisskunst, das betrifft alle Nationen) solche Arbeiten erledigen zu lassen, sondern Leute, die sich im entsprechenden Einsatzgebiet auskennen.
Für schlimm halte ich eher, dass sich die MA teilweise darum reissen, in den Kontrollbereich zu gehen, da das Risikozuschläge bedeutet. Da kommt es dann zu Fällen, dass die MA versuchen ihre Dosimeter zu manipulieren um länger drin bleiben zu dürfen.

Andere Arbeiter berichten ihm über Reinigungen am Rand vom
Ablagerungsbecken:

Hat er „Ablagerungsbecken“ geschrieben? Eigentlich heißt es Abklingbecken. Das wenigstens sollte er wissen. Wenn er nicht mal die einfachsten Fachausdrücke kennt, lässt das Rückschlüsse auf seine „Recherchetätigkeit“ zu.

„Dann arbeitet einer direkt am Becken, und einer hält ihn
fest, also gesichert mit einem Seil. Denn wenn einer in das
Wasser fällt, muß er innerhalb von 10 Sekunden wieder
rausgezogen werden, weil man in dem Wasser nicht schwimmen
kann.“

Wieso sollte man nur 10 Sekunden drin schwimmen können? Das ist normales Wasser. Das Wasser dient der Abschirmung und der Kühlung der abgebrannten Brennelemente. Die Abschirmung funktioniert recht gut. Das Wasser selber strahlt nicht, es können aber durch Leckage der Brennelemente Spaltprodukte darin enthalten sein, so dass sich verschlucken oder schwimmen nicht empfiehlt. In jedem Fall wird die Strahlendosis mit Annäherung an die Brennelemente steigen.

Übrigens: Dachdecker arbeiten oft direkt an der Dachkante, gesichert nur durch ein Seil (manchmal auch nicht, man ist ja ein echter Mann). Weil wenn der Mann fällt, kann er höchstens wenige Sekunden in der Luft schwimmen (hängt von der Höhe des Dachs ab).

Gruss, Niels

Ins Abklingbecken darf man wohl nicht springen, w e i l dort Radioaktives zwischenlagert und abklingt. Mit schwerem Wasser hat das nichts zu tun, das ist richtig.
Gruß max

Damit ein Mitarbeiter überhaupt im Kontrollbereich arbeiten
darf, bedarf es eines amtlichen Gesundheitszeugnisses und
jährlicher ärztlicher Untersuchungen (für Arbeiter Kat. A).

So stehts im Handbuch…

Hat er „Ablagerungsbecken“ geschrieben? Eigentlich heißt es
Abklingbecken. Das wenigstens sollte er wissen. Wenn er nicht
mal die einfachsten Fachausdrücke kennt, lässt das
Rückschlüsse auf seine „Recherchetätigkeit“ zu.

Naja, warum sollte man das irgendeinem „türkischen Ali“, der in 2 Wochen eh wieder fort ist so genau erklären? Vielleicht sthets im Buch aber auch richtig - ist bei mir schon länger her.

Bevor Du die Recherchetätigkeit anzweifelst, lies das Buch - ist schon interessant und absolut glaubwürdig. Sicher ist es schon länger her und hat seinerzeit auch einigen Staub aufgewirbelt, sodaß manche dier beschriebenen Missstände heute wahrscheinlich nicht mehr vorkommen, dafür gibt es sicher neue.

LG
Stuffi

Buchtipp
Danke für die interessanten Antworten.

Das Buch stammt aus der Mitte der 80er Jahre und man kann es als ebook laden. Bei Fragen einfach Email an mich …

Man bekommt es auch in jedem kleinen Buchladen im die Ecke. Innerhalb von 24 Stunden ohne Versandkosten

gruß max

1 „Gefällt mir“

Hallo,

Damit ein Mitarbeiter überhaupt im Kontrollbereich arbeiten
darf, bedarf es eines amtlichen Gesundheitszeugnisses und
jährlicher ärztlicher Untersuchungen (für Arbeiter Kat. A).

So stehts im Handbuch…

ja, wenn man sich in diesem Punkt nicht an das „Handbuch“ hält, wieso sollte man dann auf der anderen Seite den „Ali“ nach Erhalt der Jahresdosis wieder nach Hause schicken? Wenn man schon die Untersuchungen nicht macht, wieso dann die Grenzwerte beachten? Das ist für mich die Ungereimtheit an der Aussage im Buch.

Gruss, Niels

ja, wenn man sich in diesem Punkt nicht an das „Handbuch“
hält, wieso sollte man dann auf der anderen Seite den „Ali“
nach Erhalt der Jahresdosis wieder nach Hause schicken? Wenn
man schon die Untersuchungen nicht macht, wieso dann die
Grenzwerte beachten? Das ist für mich die Ungereimtheit an der
Aussage im Buch.

Es ging nicht darum, daß die Personen eine Jahrsdosis erhalten haben, sondern wesentlich mehr. Wenn sie nun wieder in Südostanatolien sind, ist die Chance relativ gering, daß davon, bzw von etwaigen Schäden, jemals ein Wort an die deutsche Öffentlichkeit dringt.

AFAIR gibt es zu diesem Fall auch handfeste Beweise (Bild/Tonaufzeichnungen)

Stuffi

Uns wurde bei der Besichtigung eines Atomkraftwerks von dem dortigen PR-Typen erzählt, dass das Wasser auf die ersten Meter ungefähr so „aktiv“ (tolles Wort, klingt gleich viel besser als „versrahlt“, oder?) sei wie das Wasser in den Heilbädern in der Rhön. Nur näher bei den Elementen wirds dann gefährlicher.
Naja, wie gesagt, wars halt Pr vom Atomkraftbetreiber. Ich weiss nich, was davon stimmt.

Hallo,

Es ging nicht darum, daß die Personen eine Jahrsdosis erhalten
haben, sondern wesentlich mehr.

OK, das stand so nicht im Ausgangsposting.

Wenn sie nun wieder in
Südostanatolien sind, ist die Chance relativ gering, daß
davon, bzw von etwaigen Schäden, jemals ein Wort an die
deutsche Öffentlichkeit dringt.

Das ist natürlich klar.

AFAIR gibt es zu diesem Fall auch handfeste Beweise
(Bild/Tonaufzeichnungen)

Es ist klar, dass in den (Energie)konzernen keine frommen Lämmer sitzen. Bloß halte ich es für falsch, daraus eine generelle Praxis abzuleiten. Mag sein, dass ich da zuviel in das Ausgangsposting hineininterpretiert habe.

Gruss, Niels

Hallo,

„aktiv“ (tolles Wort, klingt gleich viel
besser als „versrahlt“, oder?)

das ist nun mal der korrekte Begriff (eigentlich genauer radioaktiv). „Verstrahlt“ ist ein Wort das den Sachverhalt nicht trifft. Wenn schon dann müsste es „strahlend“ heissen.

sei wie das Wasser in den
Heilbädern in der Rhön. Nur näher bei den Elementen wirds dann
gefährlicher.
Naja, wie gesagt, wars halt Pr vom Atomkraftbetreiber. Ich
weiss nich, was davon stimmt.

Das kommt schon hin. Schließlich arbeiten in diesem Bereich nicht nur türkische Alis sondern auch deutsche Facharbeiter. Und weil die für den Betreiber wichtiger sind und weil die Strahlung leichter zu prüfen ist als die Einhaltung der Jahresdosis / Arbeitszeit, wird auf korrekte Strahlenwerte im Arbeitsbereich geachtet.

Gruss, Niels

Niels, ich danke Dir für Dein obiges posting !

Gruss vom wölfchen
(Strahlenschutzbeauftragter)