Schwimmen im Atomkraftwerk

Von: , Frage gestellt am Mi, 3. Sep 2003

In dem Buch "Ganz unten" von Günther Wallraff arbeitet der Autor zeitweise als Türke "Ali" zeitweise in einem Atomkraftwerk, um über die dortigen Mißstände zu berichten (eg. Schweisser werden aus der Türkei eingeflogen, arbeiten 2 Stunden, haben die Jahrestrahlenhöchstdosis erreicht und fliegen zurück).
Andere Arbeiter berichten ihm über Reinigungen am Rand vom Ablagerungsbecken:

"Dann arbeitet einer direkt am Becken, und einer hält ihn fest, also gesichert mit einem Seil. Denn wenn einer in das Wasser fällt, muß er innerhalb von 10 Sekunden wieder rausgezogen werden, weil man in dem Wasser nicht schwimmen kann."

Meine Frage: Warum kann man in diesem Wasser (schwerem Wasser?) nicht schwimmen? Da es eine höhere Dichte hat, müsste man doch umso leichter schwimmen können, oder ist nur gemeint, dass die Strahlendosis in kurzer Zeit zu hoch wäre?

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Schwimmen im Atomkraftwerk

    Hallo !

    Hier der Text aus einem Fachbuch :

    Schweres Wasser. (Deuterriumoxid)
    Wasser in dem beide Wasserstoffatome durch Deuteriumatome ersetzt sind.
    Gefrierpunkt 3,82° C, Siedepunkt 101,42°C.
    Dichte bei 20°C 1,105 g/cm³.
    Gewonnen wird schweres Wasser durch Elektrolyse aus natürlichem Wasser, dessen Wasserstoff zu etwa 0,015 % Deuterium enthält.
    Im Rückstand des Elektrolyten kann sich schweres Wasser bis zu über 98% anreichern. Hochprozentiges schweres Wasser ist sehr giftig.

    Wallraff hat wohl gemeint, man darf dort nicht schwimmen. Oder, etwas zynisch, wenn er sagt, kann dort nicht schwimmen, Tote können nicht schwimmen.

    Frag mich nicht noch mehr, ich weiß es nicht. Aber, wir haben hier für alles Experten.

    Gruß Max

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Schwimmen im Atomkraftwerk

      Hi,

      ich glaube nicht, daß man schweres Wasser in offenen Becken aufbewahrt, das verdunstet ja bei den auftretenden Temperaturen recht schnell und das wird dann teuer. Im Abklingbecken sehe ich auch keinen Sinn dafür.
      LG
      Stuffi

      • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Schwimmen im Atomkraftwerk

        Ins Abklingbecken darf man wohl nicht springen, w e i l dort Radioaktives zwischenlagert und abklingt. Mit schwerem Wasser hat das nichts zu tun, das ist richtig.
        Gruß max

        • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
          Buchtipp

          Danke für die interessanten Antworten.

          Das Buch stammt aus der Mitte der 80er Jahre und man kann es als ebook laden. Bei Fragen einfach Email an mich ....

          • Antwort von nach 9 Stunden 2 hilfreich
            Re: Buchtipp

            Man bekommt es auch in jedem kleinen Buchladen im die Ecke. Innerhalb von 24 Stunden ohne Versandkosten

            gruß max

  2. Antwort von nach 6 Stunden 2 hilfreich
    Re: Schwimmen im Atomkraftwerk

    Hallo,

    ich bin gewiss kein Freund der Atomkraft, aber das sind unsinnige Horrorstories! In dem Buch "Ganz unten" von Günther Wallraff arbeitet der
    Autor zeitweise als Türke "Ali" zeitweise in einem
    Atomkraftwerk, um über die dortigen Mißstände zu berichten
    (eg. Schweisser werden aus der Türkei eingeflogen, arbeiten 2
    Stunden, haben die Jahrestrahlenhöchstdosis erreicht und
    fliegen zurück).
    Damit ein Mitarbeiter überhaupt im Kontrollbereich arbeiten darf, bedarf es eines amtlichen Gesundheitszeugnisses und jährlicher ärztlicher Untersuchungen (für Arbeiter Kat. A). Mag sein, dass es irgendwo irgendwann irgendwie solche Missstände gibt, iA ist es aber besser, nicht irgendwelche 0-8-15 Schweisser (nichts gegen die türkische Schweisskunst, das betrifft alle Nationen) solche Arbeiten erledigen zu lassen, sondern Leute, die sich im entsprechenden Einsatzgebiet auskennen.
    Für schlimm halte ich eher, dass sich die MA teilweise darum reissen, in den Kontrollbereich zu gehen, da das Risikozuschläge bedeutet. Da kommt es dann zu Fällen, dass die MA versuchen ihre Dosimeter zu manipulieren um länger drin bleiben zu dürfen. Andere Arbeiter berichten ihm über Reinigungen am Rand vom
    Ablagerungsbecken:
    Hat er "Ablagerungsbecken" geschrieben? Eigentlich heißt es Abklingbecken. Das wenigstens sollte er wissen. Wenn er nicht mal die einfachsten Fachausdrücke kennt, lässt das Rückschlüsse auf seine "Recherchetätigkeit" zu.
    "Dann arbeitet einer direkt am Becken, und einer hält ihn
    fest, also gesichert mit einem Seil. Denn wenn einer in das
    Wasser fällt, muß er innerhalb von 10 Sekunden wieder
    rausgezogen werden, weil man in dem Wasser nicht schwimmen
    kann."
    Wieso sollte man nur 10 Sekunden drin schwimmen können? Das ist normales Wasser. Das Wasser dient der Abschirmung und der Kühlung der abgebrannten Brennelemente. Die Abschirmung funktioniert recht gut. Das Wasser selber strahlt nicht, es können aber durch Leckage der Brennelemente Spaltprodukte darin enthalten sein, so dass sich verschlucken oder schwimmen nicht empfiehlt. In jedem Fall wird die Strahlendosis mit Annäherung an die Brennelemente steigen.

    Übrigens: Dachdecker arbeiten oft direkt an der Dachkante, gesichert nur durch ein Seil (manchmal auch nicht, man ist ja ein echter Mann). Weil wenn der Mann fällt, kann er höchstens wenige Sekunden in der Luft schwimmen (hängt von der Höhe des Dachs ab).

    Gruss, Niels

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Schwimmen im Atomkraftwerk

      Damit ein Mitarbeiter überhaupt im Kontrollbereich arbeiten
      darf, bedarf es eines amtlichen Gesundheitszeugnisses und
      jährlicher ärztlicher Untersuchungen (für Arbeiter Kat. A).
      So stehts im Handbuch... Hat er "Ablagerungsbecken" geschrieben? Eigentlich heißt es
      Abklingbecken. Das wenigstens sollte er wissen. Wenn er nicht
      mal die einfachsten Fachausdrücke kennt, lässt das
      Rückschlüsse auf seine "Recherchetätigkeit" zu.
      Naja, warum sollte man das irgendeinem "türkischen Ali", der in 2 Wochen eh wieder fort ist so genau erklären? Vielleicht sthets im Buch aber auch richtig - ist bei mir schon länger her.

      Bevor Du die Recherchetätigkeit anzweifelst, lies das Buch - ist schon interessant und absolut glaubwürdig. Sicher ist es schon länger her und hat seinerzeit auch einigen Staub aufgewirbelt, sodaß manche dier beschriebenen Missstände heute wahrscheinlich nicht mehr vorkommen, dafür gibt es sicher neue.

      LG
      Stuffi

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Re^3: Schwimmen im Atomkraftwerk

        Hallo, Damit ein Mitarbeiter überhaupt im Kontrollbereich arbeiten
        darf, bedarf es eines amtlichen Gesundheitszeugnisses und
        jährlicher ärztlicher Untersuchungen (für Arbeiter Kat. A).
        So stehts im Handbuch...
        ja, wenn man sich in diesem Punkt nicht an das "Handbuch" hält, wieso sollte man dann auf der anderen Seite den "Ali" nach Erhalt der Jahresdosis wieder nach Hause schicken? Wenn man schon die Untersuchungen nicht macht, wieso dann die Grenzwerte beachten? Das ist für mich die Ungereimtheit an der Aussage im Buch.

        Gruss, Niels

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Schwimmen im Atomkraftwerk

          ja, wenn man sich in diesem Punkt nicht an das "Handbuch"
          hält, wieso sollte man dann auf der anderen Seite den "Ali"
          nach Erhalt der Jahresdosis wieder nach Hause schicken? Wenn
          man schon die Untersuchungen nicht macht, wieso dann die
          Grenzwerte beachten? Das ist für mich die Ungereimtheit an der
          Aussage im Buch.
          Es ging nicht darum, daß die Personen eine Jahrsdosis erhalten haben, sondern wesentlich mehr. Wenn sie nun wieder in Südostanatolien sind, ist die Chance relativ gering, daß davon, bzw von etwaigen Schäden, jemals ein Wort an die deutsche Öffentlichkeit dringt.

          AFAIR gibt es zu diesem Fall auch handfeste Beweise (Bild/Tonaufzeichnungen)

          Stuffi



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