'Natur'-Völker mit 'umgekehrter Rollenverteilung'

Hallo,

bei einigen „Natur“-Völkern gab bzw. gibt es eine „umgekehrte Rollenverteilung“:
die Frauen haben eine eher „männliche“ Rolle (Jagd, Verteidigung, Stammesoberhaupt etc.), während die Männer eher „weibliche“ Aufgaben haben (Kindererziehung, sich um Kranke kümmern, Früchte und Pflanzen sammeln, Nahrungszubereitung etc.)

Hat jemand Infos zu diesem Thema?

Grüße,
Nina (habe schon erfolglos gegoogelt)

hallo!

soviel ich weiss trifft das nur auf bestimmte dinge zu-und nicht auf
die umkehrung des ganzen systems, d.h. die jagd ist überwiegend
männersache.
natürlich gibt es situationen in denen die frauen das übernehmen
müssen-und zwar wenn eine relative „männerknappheit“ herrscht.
umgekehrt wird das problem einfacher gelöst (so wie es sich scheinbar
bewährt hat): man überfällt andere stämme/dörfer und entführt die
frauen.

einen sehr guten überblick über dieses thema findest du in „The
tangled wing“ von Melvin Konner.
die „klassische“ rollenverteilung ist sehr sehr stabil, d.h. überall
anzutreffen und wird nur in besonderen fällen aufgeweicht (wie z.b.
besondere geographische lage, …).

tschüss

matthias

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

soviel ich weiss trifft das nur auf bestimmte dinge zu-und
nicht auf
die umkehrung des ganzen systems, d.h. die jagd ist
überwiegend
männersache.

doch, ich hatte einmal davon gelesen (weiß leider nicht mehr, wo…):
in diesen Völkern sind/waren Jagd und „Regierung“ reine „Frauensache“ (genauso, wie in den meisten Völkern diese Dinge allein den Männern erlaubt sind/waren).

natürlich gibt es situationen in denen die frauen das
übernehmen
müssen-und zwar wenn eine relative „männerknappheit“ herrscht.

soviel ich weiß, handelte es sich hierbei nicht um „Notsituationen“ (wie eine „natürliche“ Männerknappheit, oder Fälle, in denen die Jäger des Stammes/der Familie ums Leben gekommen sind) - die „typischen Frauentätigkeiten“ wurden ja komplett von den Männern übernommen (was schon mal bei einer Männer-Knappheit nicht vorkommen würde: dabei würden eher die verbliebenen Männer zusammen mit den stärksten Frauen zur Jagd gehen)

Grüße,
Nina

Hi,

so etwas wird sich sicherlich ber trotzdem immer auf Ausnahmen beschränken.

Ein Volk, dessen Frauen sich mit vorwiegend - der relativ zu Landwirtschaft und Sammeln riskanten - Jagd und Kriegführung befassen, würde einen hohen Verlust an gebährfähigen Frauen, damit einen Einbruch bei dem Nachwuchs haben. Es sei denn man schickt nur ältere Frauen auf die Jagd…Auf einen Mann weniger kommt es da nicht so an. Selbges kann man bei fast allen Säugern beachten.

Jagdmethoden, die nicht auf höher entwickelten Waffen, sondern auf Muskelkraft, räumliches Koordinationsvermögen und kurzzeitige Höchstgeschwindigkeit der meisten Hand- und Fernwaffen der Naturvölker kommen den biologischen Leistungsvoraussetzungen des durchschnittlichen (Naturvolk-)Mannes eher entgegen, als denen der Frau. Und Säuglinge auf die Jagd mitschleppen, ist vielleicht auch nicht so intelligent, wenn die dann durch rumschreien die Jagd zum vorzeitigen Misserfolg führen(na ja, vielleicht als Köder für Raubkatzen…)

Gruss
Andreas

hallo nochmal!

das einzige was ich bis jetzt gefunden habe liest sich so:
„Even amongst the Agta of the Philippines, the one culture where
women do about half the hunting, …“.

war das eine „seriöse“ quelle in der das mit der umgekehrten
rollenverteilung stand?-oder wollte das nur jemand so darstellen um
sich einen traum zu erfüllen? (wär schliesslich nicht das erste mal)

tschüss

matthias

Hallo (ebenfalls nochmal :wink:)

war das eine „seriöse“ quelle in der das mit der umgekehrten
rollenverteilung stand?-oder wollte das nur jemand so
darstellen um
sich einen traum zu erfüllen? (wär schliesslich nicht das
erste mal)

ja, das war eine „seriöse“ Quelle (Wissenschaftsmagazin, Facharbeit oder ähnliches) - kann sogar sein, dass es wwww.wissenschaft-online.de war (Suchfunktion hat allerdings nichts gebracht)

Gruß,
Nina

Hi Andreas,

Ein Volk, dessen Frauen sich mit vorwiegend - der relativ zu
Landwirtschaft und Sammeln riskanten - Jagd und Kriegführung
befassen, würde einen hohen Verlust an gebährfähigen Frauen,
damit einen Einbruch bei dem Nachwuchs haben. Es sei denn man
schickt nur ältere Frauen auf die Jagd…Auf einen Mann
weniger kommt es da nicht so an. Selbges kann man bei fast
allen Säugern beachten.

ja, das trifft natürlich zu - und ist daher sicherlich auch der Grund, warum eben in den allermeisten Völkern und Gruppen die Männer für die „gefährlicheren Jobs“ zuständig sind/waren.

Jagdmethoden, die nicht auf höher entwickelten Waffen, sondern
auf Muskelkraft, räumliches Koordinationsvermögen und
kurzzeitige Höchstgeschwindigkeit der meisten Hand- und
Fernwaffen der Naturvölker kommen den biologischen
Leistungsvoraussetzungen des durchschnittlichen
(Naturvolk-)Mannes eher entgegen, als denen der Frau.

Zustimmung - wobei ich mir allerdings vorstellen kann, dass Training doch sehr viel bringt (Kondition, Kraft etc.).
Und die natürliche Auslese wird auch dazu führen, dass in diesen Völkern vornehmlich kräftige Frauen vorkommen. Ähnliches bemerkt man ja auch allgemein bei Naturvölkern: ihre genetischen Eigenschaften sind ihrer Lebensweise angepasst - so haben z.B. Menschen aus Naturvölkern, in denen große Strecken zurückgelegt werden müssen (es mehr auf Ausdauer, als auf Geschwindigkeit ankommt), optimale „Ausdauerläufer-Muskeln“, während in anderen Völkern die Menschen eindeutig „Sprinter-Muskeln“ haben.

Und wenn man höher entwickelte Waffen (hierzu zähle ich sehr wohl auch Pfeil und Bogen, sowie Speere und Steinschleudern) einsetzt, dann kommt es nicht mehr auf die pure Muskelkraft und Geschwindigkeit drauf an (Vögel, baumbewohnende Tiere, schnell flüchtende Tiere etc. lassen sich mit Pfeil und Bogen sicherlich besser erlegen, als sie in den Bäumen zu verfolgen und im Würgegriff zu töten :wink:). Für Pfeil und Bogen braucht man natürlich auch Kraft, aber man muss dazu sicherlich kein „Muskelprotz“ sein. Und außerdem, man muss ja auch nicht die schwere Beute in einem Stück nach Hause zerren - dann nimmt man sich eben Messer, Beil etc. mit und trägt die Beute zerteilt nach Hause.

Und
Säuglinge auf die Jagd mitschleppen, ist vielleicht auch nicht
so intelligent, wenn die dann durch rumschreien die Jagd zum
vorzeitigen Misserfolg führen(na ja, vielleicht als Köder für
Raubkatzen…)

Ich glaube kaum, dass die (kleinen) Kinder auf die Jagd mitgenommen wurden - erstens aus dem Grund, den du bereits genannt hast, und zweitens würde das die Überlebenschancen der Kinder doch immens mindern (Verletzungen bei der Jagd, verloren gehen, schlappmachen…).

Sicherlich lässt sich das aber entsprechend organisieren (Männer hüten die Kinder während die Frauen auf der Jagd sind, und es müssen ja nicht immer alle Frauen gleichzeitig auf die Jagd gehen, sodass bestimmt einige im Lager bleiben können, um die Säuglinge zu stillen, dann wird sich eben abgewechselt), und das muss hierbei auch der Fall gewesen sein, denn sonst hätten diese Völker keine Chance gehabt zu existieren.

Grüße,
Nina

Grüße,
Nina

Hallo Nina,

mythologisch gibts da die Amazonen :wink:

Aber im Ernst:
Das einzige, was mir da einfällt ist ein Volk in Nepal/Buthan, wo das Erbrecht über die weibliche Linie geht und die Frauen das Recht haben, mehrere Männer zu heiraten. Wobei die ‚Nebenmänner‘ eher die Rolle von Knechten haben, weil sie keine Kinder zeugen dürfen. Diese Variante wird gewählt, damit die Höfe nicht zererbt werden.

Gandalf

Hallo Gandalf,

Das einzige, was mir da einfällt ist ein Volk in Nepal/Buthan,
wo das Erbrecht über die weibliche Linie geht und die Frauen
das Recht haben, mehrere Männer zu heiraten. Wobei die
‚Nebenmänner‘ eher die Rolle von Knechten haben, weil sie
keine Kinder zeugen dürfen. Diese Variante wird gewählt, damit
die Höfe nicht zererbt werden.

das ist schonmal interessant - danke für die Info!

Das was ich mal gelesen hatte, bezog sich eher auf Naturvölker, die ähnlich wie „Regenwald-Indianer“ leben.
Nun, vielleicht findet sich dazu auch noch etwas.

Grüße,
Nina

Hallo, Nina, Gandalf,

mythologisch gibts da die Amazonen :wink:

die sind in Ninas Sinn eigentlich nicht verwertbar. Zuviel Mythologie steckt dahinter und bei den Reitervölkern (Sauromaten) im Gebiet mnördlich des Kaukasus auf die siech offenbar diese Myauch die Frauen jagten und den Stamm verteidigten. Also kein ausgesprochenes Matriarchat. http://www.gilians.de/amazonen/
Mir fällt in diesem Zusammenhang nur ein Volk im Mündungsgebiet des Senegal, von dem ich einmal las, ein, bei denen die Frauen eindeutig das Sagen hatten und die Männer sich hübsch machten um eine abzubekommen, und wenn auch nur als Nebenmann. Leider habe ich keinerlei Quellen dazu gefunden.
Gruß
Eckard.

Hallo Eckard,

die sind in Ninas Sinn eigentlich nicht verwertbar. Zuviel
Mythologie steckt dahinter

ich glaub, das war auch nur ironisch gemeint (jedenfalls habe ich es so aufgefasst - wegen dem „:wink:“)

Mir fällt in diesem Zusammenhang nur ein Volk im
Mündungsgebiet des Senegal, von dem ich einmal las, ein, bei
denen die Frauen eindeutig das Sagen hatten und die Männer
sich hübsch machten um eine abzubekommen, und wenn auch nur
als Nebenmann. Leider habe ich keinerlei Quellen dazu
gefunden.

Trotzdem schon mal danke für die Info - auch wenn du keine Quellen dazu gefunden hast.

Grüße,
Nina

Hallo,

zu empfehlen:

„Female husbands in southern bantu societies“
O`Brien Denise

„Sie, und Er -Frauenmacht und Männerherrschaft im Kulturvergleich“
Gisela Völger (hrsg.)

„male daughters female husbands - gender and sex in african societies“
Amadiume Ilfi

„Die Braut, geliebt, verkauft, getauscht, geraubt.zur Rolle der Frau im Kulturvergleich“
Gisela Völger (hrsg.)

In diesen Büchern findest du sicher einiges.
Ansonsten kann ich dir nur sagen, daß es in manchen afrikanischen Gesellschaften die Möglichkeit gibt, daß eine Frau dir Rolle des Mannes übernimmt, wenn ansonsten soziale Rollen mit viel Status vererbungstechnisch nicht in der Familie bleiben könnten.
Und in Tibet gibt es ein Familienmodell, in dem die Frau mehrere Ehemänner hat, das sind dann aber alles Brüder, die sich die Frau teilen.

Viel Erfolg weiterhin

Catrin

hallo!

hier findest du ein sehr umfassendes literaturverzeichnis:
http://www.henryholt.com/tangledwing/

da sollten einige weiterführende quellen drin sein-v.a. bei „chapter
six: the beast with two backs“ wird genau das erwähnt was du suchst.

tschüss

matthias