Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

Von: , Frage gestellt am Do, 25. Sep 2003

Es geht um den speziellen Fall eines fertigen Lebensmittels (Kartoffelpuffer), leicht am Rande angetaut waren. Nun wurde ich mit der allgemein vorherrschenden Meinung:"angetaute Lebensmittel soll man nicht wieder einfrieren" konfrontiert. Mir fiel aber kein Grund ein, die doch bereits (industriell) verarbeiteten und sauber verpackten Kartoffelpuffer nicht wieder einzufrieren.

Bei Fleisch und Gemüse wäre ein Qualitätsverlust oder eine Kontamination zu befürchten, aber bei den Kartoffelpuffern?

Wenn also jemand was dazu einfällt, warum man letztere nicht wieder einfrieren sollte?

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

    Hi Stephan !!

    Es geht bei dieser Warnung und speziell bei Deinen Kartoffelpuffern um den Erhalt der Qualität.

    Ein weiterer Grund, speziell bei Fleisch, könnte sein:
    (Vermutung meinerseits!!)

    Die evtl. vorliegenden Bakterien beginnen beim Auftauen sich zu vermehren. Frierst Du sie wieder ein, so gelangen sie in eine Stresssituation und beginnen mit der Sporenbildung.
    Wenn Du jetzt das Nahrungsmittel wieder auftaust und zubereitest, überleben die Bakterien die Pfanne oder den Backofen und erwachen wieder in Deinem Magen :-0

    Beim Schockgefrieren in der Fabrik bleibt den Mikroorganismen keine Zeit zur Sporenbildung. Reste vom Mittagessen sind gekocht und damit +/- steril.

    Gruss

    Thomas

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

      Hallo Thomas,

      das mit den Dauersporen ist ein guter Punkt. Den hatte ich mir in der Form noch nicht überlegt. Es stimmt, daß diese, sobald einmal gebildet, Erhitzen und unseren Säuremagen recht gut überstehen können. Und Sporen werden gebildet, sobald sich die Umwelt für die Bakterien lebensfeindlich entwickelt - also auch über die Kälte. Im Falle von Clostridien nicht ganz ungefährlich. d.h. über das Auftauen/Einfrieren steigt nicht unbedingt die Lebendkeimbelastung, jedoch die Sporenbelastung.

      Danke für die Antwort.

      Stephan

      PS. leider kann ich noch keine Sterne verteilen. Die zündende Idee wäre zumindest einen wert! [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

      Hallo, Die evtl. vorliegenden Bakterien beginnen beim Auftauen sich
      zu vermehren. Frierst Du sie wieder ein, so gelangen sie in
      eine Stresssituation und beginnen mit der Sporenbildung.
      ich erlaube mir die Bemerkung, daß Bakterien mit Sporen herzlich wenig zu tun haben. Bakterien vermehren sich durch Zellteilung und nicht über Sporen.

      Gruß,
      Christian

      • Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

        Hi Christian !!

        Die von mir erwähnte Sporenbildung hat nichts mit Fortpflanzung zu tun.
        Wie Stephan bereits beschrieben hat, können Bakterien unter Stresseinwirkung bei schlechten Umweltbedingungen in sog. Dauersporen übergehen.

        Konkrete Vorgänge kann ich Dir nicht erklären, doch der gesamte Stoffwechsel wird lahm gelegt und es bildet sich eine derbe und sehr resistente Sporenwand.
        Auf diese Art und Weise können Bakterein Hitze, Kälte und heftige pH-Werte überleben. Werden die Umweltbedingungen wieder "lebenswert", so wandelt sich das Bakterium wieder um und lebt ganz normal weiter.

        Es wurden schon Dauersporen aus Insekten isoliert, welche mehrere tausend Jahre in Bernstein eingeschlossen waren. Die Bakterien konnte man ohne grössere Probleme "reanimieren".

        Die analoge Bezeichnung zu Pilzsporen wurde vielleicht gewählt weil es gewisse Ähnlichkeiten (Aussehen, Verbreitung durch Wind, 1 Spore reicht aus um neuen Lebensraum zu ergründen,...) gibt

        Gruss

        Thomas

      • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

        Hallo Christian,

        das ist mir bekannt. Allerdings können Bazillus- und Clostridien-Arten sog. Dauer- oder Endosporen bilden - so wie (Heavy Metal) Thomas schon erklärt hat.

        Die physiologischen Vorgänge der Sporenbildung könnte ich Dir sogar aufzählen - wäre aber mit Arbeit verbunden und zudem todlangweilig für alle, die es nicht interessiert.

        Mit besten Grüßen,


        Stephan [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

    Wie kommst du darauf, dass die Kartoffelpuffer sauber sind?
    Bei Flaeisch, das ja heutzutage leider auch quasi industriell gefertigt wird, bist du sehr viel skeptischer...
    Letztendlich bietet jedes Lebensmittel, bei dem die Tiefkühlkette unterbrochen wird, einen Nährboden für Keime. Wir können davon ausgehen, dass auch Kartoffelpuffer nicht keimfrei eingefroren werden. Jedes Überschreiten einer bestimmten Temperaturgrenze führt also zur Vermehrung der Keime. Diese verläuft zudem exponentiell!!!
    Abgesehen davon würde ich die Kartoffelpuffer dennoch essen, aber bald!!! [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

      Hallo Thorino,

      die Kartoffelpuffer sind industriell vorfrittiert. Deshalb gehe ich davon aus, daß die Keimbelastung hier marginal und vernachlässigbar ist.

      Bei behandeltem Fleisch (etwa gebratenen Burgern) wäre ich genauso wenig skeptisch, wie bei den Kartoffelpuffern, da hier bereits eine Keimabtötung stattgefunden hat und über das alleinige Einfrieren/Auftauen per se keine Kontamination stattfinden sollte.

      Die vollständig aufgetauten und aus der Packung herausgenommenen (also angefaßten) Kartoffelpuffer verzehre ich selbstverständlich (zu Befehl! ;-). Aus oben genannten Gründen.

      Beste Grüße,

      Stephan [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re:Kontamination

    Hallo

    Auch Kartoffelpuffer können kontaminiert sein bzw. rekontaminiert werden. Vielleicht sogar eher wie unverarbeitetes Gemüse, da in der Rohmasse zur Herstellung der Puffer eine sehr große Produktoberfläche vorliegt (da die Kartoffeln zerkleinert sind), an welcher Mikroorganismen angreifen können. Auch die bei der Zerkleinerung teilweise zerstörten Zellen der Kartoffelteile bieten einen guten Nährboden, da hier viele Nährstoffe und Wasser freigesetzt werden. Wasserzugabe macht das Produkt ebenfalls mikrobiell anfälliger.

    Gehen wir mal von einem unerwünschten Fall aus und der Puffer ist "verkeimt". Zwar wird er vorfrittiert, jedoch ist nicht sicher, ob die Masse auch im Kern die kritische Temperatur überschreitet und damit die Keime abgetötet sind. Sind also in diesem Fall noch einige Keime "lebendig" können die sich natürlich im angetauten Produkt super vermehren. Die frierst Du dann wieder mit ein und beim nächsten Auftauen sind es dann schon viel mehr Ausgangskeime, die sich vermehren könnten.

    Der nächste mögliche Fall ist die Rekontamination. Mag sein, Dein Puffer war nahezu keimfrei nach dem Frittiervorgang. Doch auch in der schnellsten und durchdachtesten Verarbeitung haben die Keime die Möglichkeit sich zu vermehren, da der Puffer abkühlen wird und so zumindest über eine gewisse Zeit wieder in einen Temperaturbereich kommt, in welchem die Keime sich wohlfühlen. Sie vermehren sich also lustig und werden wieder mit eingefroren. Das Folgende kennst Du schon- Auftauen-Vermehren-Auftauen-Vermehren-Verderb...

    Du kannst also nicht sicher sein das sich keine Keime auf dem Produkt befinden, nur weil es sich um ein "sauber" verpacktes Lebensmittel handelt. (weitere Gedankenansätze möglicher Kontamination: unsaubere Verpackungsmaschine, verkeimtes Verpackungsmaterial, undichte Verpackung und Eindringen von Keimen während Lagerung, Aufbringen von Keimen während des Rausholens einiger Puffer, erhöhte Luftkeimzahlen und dadurch Kontaminationen, Wachstum von kälteliebenden Keimen trotz Einfrierens, .........da gibt es noch so viele Möglichkeiten)

    Diese Keime führen dann im besten Fall nur zum Verderb Deines Lebensmittels und Du musst es wegwerfen. Schlimmer wird es, wenn sich Keime gebildet haben, die die Möglichkeit hatten, Toxine zu bilden und Du die dann zu Dir nehmen würdest, oder Du das Produkt im Kern nicht ausreichend erhitzt und die Keime mit aufnimmst.....


    Aber nicht nur im Hinblick auf die Mikrobiologie ist das "Wiedereinfrieren" nicht zu empfehlen. Die Qualität leidet in jedem Fall. Bei der Herstellung werden die Puffer sehr schnell eingefroren --> es bilden sich viele kleine Eiskristalle in den Zellen und im Zellzwischenraum. Die Zellen bleiben zum größten Teil erhalten. Daheim kannst Du nur langsam einfrieren und es bilden sich große Eiskristalle, die dann die Zellen zerstören. beim nächsten Auftauen verliert das Produkt übermäßig viel Wasser und die Qualität ist deutlich schlechter.

    Sicherlich gibt es noch einige andere Möglichkeiten, was so mit Deinen Kartoffelpuffern passieren kann. Aber die paar sollten für den Anfang genügen.

    liebe Grüße
    EV
    *die die angetauten Puffer nicht mehr essen würde*

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2:Kontamination

      Hallo Evelyn,

      danke zunächst für die ausführliche Antwort.

      Daß die Anlagen des Herstellers regelmäßig auf ihren Hygienezustand überprüft werden, davon gehe ich eigentlich aus. Unser Lebensmittelrecht ist in Deutschland eines der strengsten überhaupt. Auch gehe ich davon aus, daß regelmäßig Produktproben gezogen werden und entweder von hauseigenen Labors oder im Auftrag auf potentielle Keime getestet werden.

      Das Kontaminationsrisiko von verpackter Ware ist denkbar gering - vorausgesetzt, es verläßt die Firma in einigermaßen teil-sterilen Zustand. Im Haushalt hat man zwar eine gewisse Sporenbelastung, die aber hauptsächlich von Schimmelpilzen (und dies auch nicht unbedingt von den gefährlichsten Arten) herrührt und nicht von Dauersporen der Bazillen und Clostridien. Deshalb würde ich hier nicht überreagieren, nur weil die Puffer in der Verpackung kurz angetaut wurden.

      Die Pflanzenzellen sind - verglichen zu tierischen Zellen - mit einer recht festen Zellwand ausgestattet und können osmotischem Druck, wie auch Eiskristallen einigermaßen widerstehen. Verstärktes Auftauen/Einfrieren läßt die Qualität allerdings deutlich schlechter werden - in dem Punkt gebe ich Dir Recht.

      Alle Denkmodelle der Produktkontamination würden theoretisch dazu führen, daß das Produkt nach dem Auftauen sich hemmungslos auflösen würde, mit Botulinustoxin randvoll gefüllt wäre und/oder wegen der Eiskristalle in einer breiigen Masse zerlaufen würde :-))

      Dagegen:

      Kurz auftauen und einfrieren (sofern grundsätzlich unter 4°C) erhöht die Keimzahl praktisch überhaupt nicht. Selbst die psychrophilsten Bakterien (unter den Lebensmittelverderbern) benötigen Stunden, um sich hier zu verdoppeln.

      Die Kontaminationsgefahr in einem "normalen" Haushalt incl. der Hautflora (bei Anfassen der Ware) wird grundsätzlich überbewertet - vor allem beim Abgleich harmlose/pathogene Mikroorganismen.

      Eingefrorene Fertigprodukte sind eigentlich auf diesen Prozess des Einfrierens optimiert worden. Enthalten also Emulgatoren und Salz/Zuckergemische, die beim Einfrieren einen osmotisch stabilen Zustand (mit weniger Eiskristallen) aufrecht erhalten. Der Verbraucher würde ansonsten das Produkt rein geschmacklich - oder konsistentiell - sehr schnell meiden.

      Weißt Du übrigens, wie man Salami herstellt? Hackfleisch + Gewürze + Starterkultur in einer Klimakammer 14 Tage bis 3 Monate reifen lassen. Würde man hier auf die hygienischen Bedingungen gehen (vor allem denen von italienischen Landbauern), dann würde es keine Salami geben :-)) Offene Verarbeitung, kein Hand- und Mundschutz + Klimatisierung zwischen 15 und 30°C.

      Dies aber nur am Rande (von außen einmal unsere hyperhygiene menschliche Umwelt betrachtet :-))

      Stephan [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!