Aufgetaute Lebensmittel wieder einfrieren?

Es geht um den speziellen Fall eines fertigen Lebensmittels (Kartoffelpuffer), leicht am Rande angetaut waren. Nun wurde ich mit der allgemein vorherrschenden Meinung:„angetaute Lebensmittel soll man nicht wieder einfrieren“ konfrontiert. Mir fiel aber kein Grund ein, die doch bereits (industriell) verarbeiteten und sauber verpackten Kartoffelpuffer nicht wieder einzufrieren.

Bei Fleisch und Gemüse wäre ein Qualitätsverlust oder eine Kontamination zu befürchten, aber bei den Kartoffelpuffern?

Wenn also jemand was dazu einfällt, warum man letztere nicht wieder einfrieren sollte?

Hi Stephan !!

Es geht bei dieser Warnung und speziell bei Deinen Kartoffelpuffern um den Erhalt der Qualität.

Ein weiterer Grund, speziell bei Fleisch, könnte sein:
( Vermutung meinerseits!!)

Die evtl. vorliegenden Bakterien beginnen beim Auftauen sich zu vermehren. Frierst Du sie wieder ein, so gelangen sie in eine Stresssituation und beginnen mit der Sporenbildung.
Wenn Du jetzt das Nahrungsmittel wieder auftaust und zubereitest, überleben die Bakterien die Pfanne oder den Backofen und erwachen wieder in Deinem Magen :-0

Beim Schockgefrieren in der Fabrik bleibt den Mikroorganismen keine Zeit zur Sporenbildung. Reste vom Mittagessen sind gekocht und damit +/- steril.

Gruss

Thomas

Wie kommst du darauf, dass die Kartoffelpuffer sauber sind?
Bei Flaeisch, das ja heutzutage leider auch quasi industriell gefertigt wird, bist du sehr viel skeptischer…
Letztendlich bietet jedes Lebensmittel, bei dem die Tiefkühlkette unterbrochen wird, einen Nährboden für Keime. Wir können davon ausgehen, dass auch Kartoffelpuffer nicht keimfrei eingefroren werden. Jedes Überschreiten einer bestimmten Temperaturgrenze führt also zur Vermehrung der Keime. Diese verläuft zudem exponentiell!!!
Abgesehen davon würde ich die Kartoffelpuffer dennoch essen, aber bald!!!

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Hallo Thomas,

das mit den Dauersporen ist ein guter Punkt. Den hatte ich mir in der Form noch nicht überlegt. Es stimmt, daß diese, sobald einmal gebildet, Erhitzen und unseren Säuremagen recht gut überstehen können. Und Sporen werden gebildet, sobald sich die Umwelt für die Bakterien lebensfeindlich entwickelt - also auch über die Kälte. Im Falle von Clostridien nicht ganz ungefährlich. d.h. über das Auftauen/Einfrieren steigt nicht unbedingt die Lebendkeimbelastung, jedoch die Sporenbelastung.

Danke für die Antwort.

Stephan

PS. leider kann ich noch keine Sterne verteilen. Die zündende Idee wäre zumindest einen wert!

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Hallo Thorino,

die Kartoffelpuffer sind industriell vorfrittiert. Deshalb gehe ich davon aus, daß die Keimbelastung hier marginal und vernachlässigbar ist.

Bei behandeltem Fleisch (etwa gebratenen Burgern) wäre ich genauso wenig skeptisch, wie bei den Kartoffelpuffern, da hier bereits eine Keimabtötung stattgefunden hat und über das alleinige Einfrieren/Auftauen per se keine Kontamination stattfinden sollte.

Die vollständig aufgetauten und aus der Packung herausgenommenen (also angefaßten) Kartoffelpuffer verzehre ich selbstverständlich (zu Befehl! :wink:. Aus oben genannten Gründen.

Beste Grüße,

Stephan

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Hallo

Auch Kartoffelpuffer können kontaminiert sein bzw. rekontaminiert werden. Vielleicht sogar eher wie unverarbeitetes Gemüse, da in der Rohmasse zur Herstellung der Puffer eine sehr große Produktoberfläche vorliegt (da die Kartoffeln zerkleinert sind), an welcher Mikroorganismen angreifen können. Auch die bei der Zerkleinerung teilweise zerstörten Zellen der Kartoffelteile bieten einen guten Nährboden, da hier viele Nährstoffe und Wasser freigesetzt werden. Wasserzugabe macht das Produkt ebenfalls mikrobiell anfälliger.

Gehen wir mal von einem unerwünschten Fall aus und der Puffer ist „verkeimt“. Zwar wird er vorfrittiert, jedoch ist nicht sicher, ob die Masse auch im Kern die kritische Temperatur überschreitet und damit die Keime abgetötet sind. Sind also in diesem Fall noch einige Keime „lebendig“ können die sich natürlich im angetauten Produkt super vermehren. Die frierst Du dann wieder mit ein und beim nächsten Auftauen sind es dann schon viel mehr Ausgangskeime, die sich vermehren könnten.

Der nächste mögliche Fall ist die Rekontamination. Mag sein, Dein Puffer war nahezu keimfrei nach dem Frittiervorgang. Doch auch in der schnellsten und durchdachtesten Verarbeitung haben die Keime die Möglichkeit sich zu vermehren, da der Puffer abkühlen wird und so zumindest über eine gewisse Zeit wieder in einen Temperaturbereich kommt, in welchem die Keime sich wohlfühlen. Sie vermehren sich also lustig und werden wieder mit eingefroren. Das Folgende kennst Du schon- Auftauen-Vermehren-Auftauen-Vermehren-Verderb…

Du kannst also nicht sicher sein das sich keine Keime auf dem Produkt befinden, nur weil es sich um ein „sauber“ verpacktes Lebensmittel handelt. (weitere Gedankenansätze möglicher Kontamination: unsaubere Verpackungsmaschine, verkeimtes Verpackungsmaterial, undichte Verpackung und Eindringen von Keimen während Lagerung, Aufbringen von Keimen während des Rausholens einiger Puffer, erhöhte Luftkeimzahlen und dadurch Kontaminationen, Wachstum von kälteliebenden Keimen trotz Einfrierens, …da gibt es noch so viele Möglichkeiten)

Diese Keime führen dann im besten Fall nur zum Verderb Deines Lebensmittels und Du musst es wegwerfen. Schlimmer wird es, wenn sich Keime gebildet haben, die die Möglichkeit hatten, Toxine zu bilden und Du die dann zu Dir nehmen würdest, oder Du das Produkt im Kern nicht ausreichend erhitzt und die Keime mit aufnimmst…

Aber nicht nur im Hinblick auf die Mikrobiologie ist das „Wiedereinfrieren“ nicht zu empfehlen. Die Qualität leidet in jedem Fall. Bei der Herstellung werden die Puffer sehr schnell eingefroren --> es bilden sich viele kleine Eiskristalle in den Zellen und im Zellzwischenraum. Die Zellen bleiben zum größten Teil erhalten. Daheim kannst Du nur langsam einfrieren und es bilden sich große Eiskristalle, die dann die Zellen zerstören. beim nächsten Auftauen verliert das Produkt übermäßig viel Wasser und die Qualität ist deutlich schlechter.

Sicherlich gibt es noch einige andere Möglichkeiten, was so mit Deinen Kartoffelpuffern passieren kann. Aber die paar sollten für den Anfang genügen.

liebe Grüße
EV
*die die angetauten Puffer nicht mehr essen würde*

Hallo Evelyn,

danke zunächst für die ausführliche Antwort.

Daß die Anlagen des Herstellers regelmäßig auf ihren Hygienezustand überprüft werden, davon gehe ich eigentlich aus. Unser Lebensmittelrecht ist in Deutschland eines der strengsten überhaupt. Auch gehe ich davon aus, daß regelmäßig Produktproben gezogen werden und entweder von hauseigenen Labors oder im Auftrag auf potentielle Keime getestet werden.

Das Kontaminationsrisiko von verpackter Ware ist denkbar gering - vorausgesetzt, es verläßt die Firma in einigermaßen teil-sterilen Zustand. Im Haushalt hat man zwar eine gewisse Sporenbelastung, die aber hauptsächlich von Schimmelpilzen (und dies auch nicht unbedingt von den gefährlichsten Arten) herrührt und nicht von Dauersporen der Bazillen und Clostridien. Deshalb würde ich hier nicht überreagieren, nur weil die Puffer in der Verpackung kurz angetaut wurden.

Die Pflanzenzellen sind - verglichen zu tierischen Zellen - mit einer recht festen Zellwand ausgestattet und können osmotischem Druck, wie auch Eiskristallen einigermaßen widerstehen. Verstärktes Auftauen/Einfrieren läßt die Qualität allerdings deutlich schlechter werden - in dem Punkt gebe ich Dir Recht.

Alle Denkmodelle der Produktkontamination würden theoretisch dazu führen, daß das Produkt nach dem Auftauen sich hemmungslos auflösen würde, mit Botulinustoxin randvoll gefüllt wäre und/oder wegen der Eiskristalle in einer breiigen Masse zerlaufen würde :smile:)

Dagegen:

Kurz auftauen und einfrieren (sofern grundsätzlich unter 4°C) erhöht die Keimzahl praktisch überhaupt nicht. Selbst die psychrophilsten Bakterien (unter den Lebensmittelverderbern) benötigen Stunden, um sich hier zu verdoppeln.

Die Kontaminationsgefahr in einem „normalen“ Haushalt incl. der Hautflora (bei Anfassen der Ware) wird grundsätzlich überbewertet - vor allem beim Abgleich harmlose/pathogene Mikroorganismen.

Eingefrorene Fertigprodukte sind eigentlich auf diesen Prozess des Einfrierens optimiert worden. Enthalten also Emulgatoren und Salz/Zuckergemische, die beim Einfrieren einen osmotisch stabilen Zustand (mit weniger Eiskristallen) aufrecht erhalten. Der Verbraucher würde ansonsten das Produkt rein geschmacklich - oder konsistentiell - sehr schnell meiden.

Weißt Du übrigens, wie man Salami herstellt? Hackfleisch + Gewürze + Starterkultur in einer Klimakammer 14 Tage bis 3 Monate reifen lassen. Würde man hier auf die hygienischen Bedingungen gehen (vor allem denen von italienischen Landbauern), dann würde es keine Salami geben :smile:) Offene Verarbeitung, kein Hand- und Mundschutz + Klimatisierung zwischen 15 und 30°C.

Dies aber nur am Rande (von außen einmal unsere hyperhygiene menschliche Umwelt betrachtet :smile:)

Stephan

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Hi Stephan,

hier hilft mal wieder Christoph Drösser mit seiner Kollumne ‚Stimmts‘ weiter

unter

http://www.zeit.de/stimmts/1999/199938_stimmts_einfrier

findet sich folgendes:

Stimmt es, dass Nahrungsmittel nicht zweimal tiefgefroren werden dürfen?

Anne Reiter, Mülheim/Ruhr

Stimmt nicht. Ein typisches Beispiel dafür, dass ein gut gemeinter und sinnvoller Ratschlag, wenn er zu wörtlich genommen wird, zu absurdem Verhalten führen kann. Wer ein aufgetautes Stück Fleisch lieber zwei Tage im Kühlschrank aufbewahrt, weil es durchs Wiedereinfrieren ja „giftig“ werden könnte, der gefährdet sogar seine Gesundheit.

Die entsprechenden Hinweise, die man auf allen europäischen Tiefkühlpackungen findet, sind nur als Warnung gedacht - und sollen vielleicht auch die Hersteller vor Schadenersatzforderungen bewahren. Denn anders als beim Kochen werden beim Einfrieren die Mikroorganismen in der Nahrung nicht getötet - sie fallen bei minus 18 Grad nur in Tiefschlaf und können nach dem Auftauen ihr übles Werk weiter tun. Essen, das schon „Antauschäden“ hat (so heißt das in der Fachsprache), wird also durchs Einfrieren nicht wieder genießbar. Außerdem macht das mehrfache Auf- und Abtauen die Nahrungsmittel weder ansehnlicher noch vitaminreicher. Deshalb ist es sinnvoll, nur so viel aufzutauen, wie man wirklich essen will.

Für den Fall, dass man dann doch etwas ein zweites Mal einfrieren will, gibt der AID-Verbraucherdienst ein plausibles Kriterium: „Das Wiedereinfrieren ist aus hygienischer Sicht immer dann möglich, wenn die Frage: ,Könnte das Lebensmittel jetzt zubereitet und/oder verzehrt werden?’ mit einem uneingeschränkten Ja beantwortet werden kann.“

© DIE ZEIT 38/1999

Gandalf

Hallo Gandalf (der Graue),

mein Reden … :smile:))

Eigentlich mit klaren Vorsätzen gemeint, wird der Ratschlag nun als Grundsatz angewendet. Falsch machen kann man damit nicht viel - bzw. wenn man die Kühlschrank-Regeln nicht beachtet, dann natürlich schon. Zumindest erspart es der Industrie (und dem Verbraucher), eine feiner Differenzierung vorzunehmen, die teilweise auch nach hinten losgehen kann (wer liest schon Verpackungsanweisungen?).

Stephan (der Blaue)

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Hallo,

Die evtl. vorliegenden Bakterien beginnen beim Auftauen sich
zu vermehren. Frierst Du sie wieder ein, so gelangen sie in
eine Stresssituation und beginnen mit der Sporenbildung.

ich erlaube mir die Bemerkung, daß Bakterien mit Sporen herzlich wenig zu tun haben. Bakterien vermehren sich durch Zellteilung und nicht über Sporen.

Gruß,
Christian

Hi Christian !!

Die von mir erwähnte Sporenbildung hat nichts mit Fortpflanzung zu tun.
Wie Stephan bereits beschrieben hat, können Bakterien unter Stresseinwirkung bei schlechten Umweltbedingungen in sog. Dauersporen übergehen.

Konkrete Vorgänge kann ich Dir nicht erklären, doch der gesamte Stoffwechsel wird lahm gelegt und es bildet sich eine derbe und sehr resistente Sporenwand.
Auf diese Art und Weise können Bakterein Hitze, Kälte und heftige pH-Werte überleben. Werden die Umweltbedingungen wieder „lebenswert“, so wandelt sich das Bakterium wieder um und lebt ganz normal weiter.

Es wurden schon Dauersporen aus Insekten isoliert, welche mehrere tausend Jahre in Bernstein eingeschlossen waren. Die Bakterien konnte man ohne grössere Probleme „reanimieren“.

Die analoge Bezeichnung zu Pilzsporen wurde vielleicht gewählt weil es gewisse Ähnlichkeiten (Aussehen, Verbreitung durch Wind, 1 Spore reicht aus um neuen Lebensraum zu ergründen,…) gibt

Gruss

Thomas

Hallo Evelyn,

Hallo Stephan

danke zunächst für die ausführliche Antwort.

Gerne doch ;o)

Daß die Anlagen des Herstellers regelmäßig auf ihren
Hygienezustand überprüft werden, davon gehe ich eigentlich
aus. Unser Lebensmittelrecht ist in Deutschland eines der
strengsten überhaupt. Auch gehe ich davon aus, daß regelmäßig
Produktproben gezogen werden und entweder von hauseigenen
Labors oder im Auftrag auf potentielle Keime getestet werden.

Stimmt (ich arbeite in einem solchen Labor). Die Waren werden jedoch auch freigegeben, wenn eine Keimzahl nur knapp unterschritten wird. Also kann die Grenze der Keimbelastung bei Antauen schnell mal überschritten werden.

Das Kontaminationsrisiko von verpackter Ware ist denkbar
gering - vorausgesetzt, es verläßt die Firma in einigermaßen
teil-sterilen Zustand. Im Haushalt hat man zwar eine gewisse
Sporenbelastung, die aber hauptsächlich von Schimmelpilzen
(und dies auch nicht unbedingt von den gefährlichsten Arten)
herrührt und nicht von Dauersporen der Bazillen und
Clostridien. Deshalb würde ich hier nicht überreagieren, nur
weil die Puffer in der Verpackung kurz angetaut wurden.

Ein teil-steriler Zustand ist bei Kartoffelpuffern, die in einem Karton verpackt sind, nicht anzunehmen. Davon kannst Du nur ausgehen, wenn es sich um Ware handelt, die in Folie unter Schutzatmosphäre oder unter veränderter Atmosphäre verpackt wurde.
Um Clostridien brauchst Du Dir eh keine Sorgen machen, da die nur anaerob wachsen und Toxine bilden und sicherlich nicht auf Puffern in einem Karton.
In der Luft befinden sich nicht nur Schimmelpilze. Denn ich meinte auch die Luft in der Firma wo verpackt wird, beim Transport, bei der Lagerung im Supermarkt… Hier können durchaus auch „schlimmere“ Keime wie ein paar Schimmelchen draufkommen.

Die Pflanzenzellen sind - verglichen zu tierischen Zellen -
mit einer recht festen Zellwand ausgestattet und können
osmotischem Druck, wie auch Eiskristallen einigermaßen
widerstehen. Verstärktes Auftauen/Einfrieren läßt die Qualität
allerdings deutlich schlechter werden - in dem Punkt gebe ich
Dir Recht.

Den Eiskristallen können sie ganz gut „entgegenhalten“ solange diese klein sind. Wie gesagt- bei langsamem Einfrieren werden sie aber größer und sprengen die Zellwände. Da hält auch keine feste Zellwand stand (wenn Eis soger Stein sprengen kann).

Alle Denkmodelle der Produktkontamination würden theoretisch
dazu führen, daß das Produkt nach dem Auftauen sich
hemmungslos auflösen würde, mit Botulinustoxin randvoll
gefüllt wäre und/oder wegen der Eiskristalle in einer breiigen
Masse zerlaufen würde :smile:)

Das ist nicht richtig. Wie gesagt- Botulinustoxin bildet sich ausschließlich anaerob- also niemals auf Kartoffelpuffern in einem Karton.
Hemmungslos auflösen ist auch nicht richtig- genausowenig wie in Brei zerlaufen. Es ist aber durchaus denkbar, dass sich Toxine anderer Keime bilden oder dass sich pathogene Keime über eine kritische Grenze vermehren. Das bedingt noch lange kein „Zerlaufen“.
Ich sage auch nicht, dass es unbedingt und immer zu Keimwachstum und Verderb führen muss. Es besteht jedoch die Möglichkeit. Und den Verderb kann man leider nicht immer sofort erkennen, was zu Krankheiten führen könnte.

Dagegen:

Kurz auftauen und einfrieren (sofern grundsätzlich unter 4°C)
erhöht die Keimzahl praktisch überhaupt nicht. Selbst die
psychrophilsten Bakterien (unter den Lebensmittelverderbern)
benötigen Stunden, um sich hier zu verdoppeln.

Psychrophile Keime können sich auch bei Gefriertemperaturen vermehren, dh. sie wachsen auch wenn das Produkt komplett gefroren ist. Also ist es egal, ob sie Stunden brauchen, weil der Puffer ja vielleicht Tage in der Gefriertruhe liegt. Nur ist eben in der Zwischenzeit die Keimzahl deutlich angestiegen, während das Produkt angetaut war.

Die Kontaminationsgefahr in einem „normalen“ Haushalt incl.
der Hautflora (bei Anfassen der Ware) wird grundsätzlich
überbewertet - vor allem beim Abgleich harmlose/pathogene
Mikroorganismen.

Das mag sein. Muss wohl jeder für sich entscheiden.

Eingefrorene Fertigprodukte sind eigentlich auf diesen Prozess
des Einfrierens optimiert worden. Enthalten also Emulgatoren
und Salz/Zuckergemische, die beim Einfrieren einen osmotisch
stabilen Zustand (mit weniger Eiskristallen) aufrecht
erhalten. Der Verbraucher würde ansonsten das Produkt rein
geschmacklich - oder konsistentiell - sehr schnell meiden.

Was hat der osmotische Druck mit dem Einfrieren zu tun? das Wasser kann nicht mehr diffundieren wenn es in Kristallform vorliegt. Die kleinen Eiskristalle, wie sie in industriell eingefrorenen Produkten vorliegen rühren daher, dass die Produkte sehr schnell auf die niedrige Temperatur gebracht werden können, was im Haushalt nunmal schwer möglich ist. Also kein Zusammenhang zur Osmose an dieser Stelle.

Weißt Du übrigens, wie man Salami herstellt?

ja, selbst schon hergestellt…

Hackfleisch +
Gewürze + Starterkultur in einer Klimakammer 14 Tage bis 3
Monate reifen lassen. Würde man hier auf die hygienischen
Bedingungen gehen (vor allem denen von italienischen
Landbauern), dann würde es keine Salami geben :smile:) Offene
Verarbeitung, kein Hand- und Mundschutz + Klimatisierung
zwischen 15 und 30°C.

Das ist ein komplett anderes Produkt, was Du nicht einfach mit jedwedem anderen Lebensmittel vergleichen kannst. Der Wassergehalt in einer Salami ist deutlich geringer, wie in einem z.B. Kartoffelpuffer. Dazu kommt, dass das Wasser nicht frei vorliegt, da eine hohe Salzkonzentration herrscht. Die Mikroorganismen benötigen aber Wasser zur Vermehrung. Also ist eine Salami ein relativ stabiles und unkritisches Lebensmittel.
Die Keime die von Anfang an im Inneren enthalten sind, können aufgrund der Lebensbedingungen nicht schnell wachsen und werden zusätzlich noch von Arten verdrängt, welche sich in diesem Milieu wohl fühlen, wie z.B. Milchsäurebakterien (Starterkulturen). Solange noch genügend Wasser enthalten ist wachsen diese und verdrängen die anderen Arten.

Es ist also was komplett anderes und Du kannst nicht viele Parallelen zu einem Kartoffelpuffer ziehen.

Dies aber nur am Rande (von außen einmal unsere hyperhygiene
menschliche Umwelt betrachtet :smile:)

Stephan

Mag sein, dass es eine hyperhygienische Welt ist. Du hattest aber die Frage gestellt, warum man besser keine angetauten Waren wieder einfrieren sollte und ich hab es Dir erklärt. Was Du damit anfängst bleibt Dir überlassen. Und ich denke auch, dass man es nicht grenzenlos mit der Hygiene übertreiben sollte (in Richtung alles desinfizieren und antibakterielle Müllbeutel und diese Art von „Spinnereien“)

Grüße
EV

Hallo Evelyn,

erschlagende, wie gleichsam auch erschütternde Antwort :smile:)

Ich versuche in kürzerer Form darauf einzugehen und bitte um Nachsicht, wenn ich (unabsichtlich) etwas unterschlagen sollte.

Hallo Evelyn,

Hallo Stephan

danke zunächst für die ausführliche Antwort.

Gerne doch ;o)

Daß die Anlagen des Herstellers regelmäßig auf ihren
Hygienezustand überprüft werden, davon gehe ich eigentlich
aus. Unser Lebensmittelrecht ist in Deutschland eines der
strengsten überhaupt. Auch gehe ich davon aus, daß regelmäßig
Produktproben gezogen werden und entweder von hauseigenen
Labors oder im Auftrag auf potentielle Keime getestet werden.

Stimmt (ich arbeite in einem solchen Labor). Die Waren werden
jedoch auch freigegeben, wenn eine Keimzahl nur knapp
unterschritten wird. Also kann die Grenze der Keimbelastung
bei Antauen schnell mal überschritten werden.

Nichts hinzuzufügen. Wir sind uns also einig, daß laut Lebensmittelrecht die Waren die Produktionsanlage in einem - für den Verbraucher - einwandfreien Zustand verlassen. Wobei hier je nach Lebensmittel andere Richtlinien gelten. Die Grenzen der Keimbelastung, die beim Antauen schon mal überschritten werden können (nicht: müssen!), werden hierbei durch die (verpflichenden) Angaben auf der Verpackung berücksichtigt.

Das Kontaminationsrisiko von verpackter Ware ist denkbar
gering - vorausgesetzt, es verläßt die Firma in einigermaßen
teil-sterilen Zustand. Im Haushalt hat man zwar eine gewisse
Sporenbelastung, die aber hauptsächlich von Schimmelpilzen
(und dies auch nicht unbedingt von den gefährlichsten Arten)
herrührt und nicht von Dauersporen der Bazillen und
Clostridien. Deshalb würde ich hier nicht überreagieren, nur
weil die Puffer in der Verpackung kurz angetaut wurden.

Ein teil-steriler Zustand ist bei Kartoffelpuffern, die in
einem Karton verpackt sind, nicht anzunehmen. Davon kannst Du
nur ausgehen, wenn es sich um Ware handelt, die in Folie unter
Schutzatmosphäre oder unter veränderter Atmosphäre verpackt
wurde.
Um Clostridien brauchst Du Dir eh keine Sorgen machen, da die
nur anaerob wachsen und Toxine bilden und sicherlich nicht auf
Puffern in einem Karton.
In der Luft befinden sich nicht nur Schimmelpilze. Denn ich
meinte auch die Luft in der Firma wo verpackt wird, beim
Transport, bei der Lagerung im Supermarkt… Hier können
durchaus auch „schlimmere“ Keime wie ein paar Schimmelchen
draufkommen.

Clostridien waren ein schlechtes Beispiel. Stimmt, fakultative Anaerobier - die fallen hier natürlich nur unwesentlich ins Gewicht.

Produkt: eingeschweißt in einer Plastikfolie. Welche schlimmen Keime sollen an das Produkt durch Transport und Lagerung gelangen?

Vor allem, was ist schlimmer als die Mycotoxine der Schimmelpilze? Vor allem bei einer oralen Aufnahme der Lebensmittel über den Magen-Darmtrakt?

Die Pflanzenzellen sind - verglichen zu tierischen Zellen -
mit einer recht festen Zellwand ausgestattet und können
osmotischem Druck, wie auch Eiskristallen einigermaßen
widerstehen. Verstärktes Auftauen/Einfrieren läßt die Qualität
allerdings deutlich schlechter werden - in dem Punkt gebe ich
Dir Recht.

Den Eiskristallen können sie ganz gut „entgegenhalten“ solange
diese klein sind. Wie gesagt- bei langsamem Einfrieren werden
sie aber größer und sprengen die Zellwände. Da hält auch keine
feste Zellwand stand (wenn Eis soger Stein sprengen kann).

Die Zellen enthalten ein gewisses Ionenpotential bzw. Wasseraktivität und bilden so schnell keine Eiskristalle. Den Rest hält die Zellwand aus. Die Zellen besitzen zudem untereinander auch Poren, die für einen Druckausgleich sorgen. Sonst würde keine Pflanze den Winter überleben.

Alle Denkmodelle der Produktkontamination würden theoretisch
dazu führen, daß das Produkt nach dem Auftauen sich
hemmungslos auflösen würde, mit Botulinustoxin randvoll
gefüllt wäre und/oder wegen der Eiskristalle in einer breiigen
Masse zerlaufen würde :smile:)

Das ist nicht richtig. Wie gesagt- Botulinustoxin bildet sich
ausschließlich anaerob- also niemals auf Kartoffelpuffern in
einem Karton.
Hemmungslos auflösen ist auch nicht richtig- genausowenig wie
in Brei zerlaufen. Es ist aber durchaus denkbar, dass sich
Toxine anderer Keime bilden oder dass sich pathogene Keime
über eine kritische Grenze vermehren. Das bedingt noch lange
kein „Zerlaufen“.
Ich sage auch nicht, dass es unbedingt und immer zu
Keimwachstum und Verderb führen muss. Es besteht jedoch die
Möglichkeit. Und den Verderb kann man leider nicht immer
sofort erkennen, was zu Krankheiten führen könnte.

Oben genanntes war ein ideologisch angehauchtes Horrorszenario, wie man auf Grund von einseitiger Informationsvermittlung gnadenlos überziehen kann. Deshalb stimmen Deine Argumente natürlich :smile:)

Dagegen:

Kurz auftauen und einfrieren (sofern grundsätzlich unter 4°C)
erhöht die Keimzahl praktisch überhaupt nicht. Selbst die
psychrophilsten Bakterien (unter den Lebensmittelverderbern)
benötigen Stunden, um sich hier zu verdoppeln.

Psychrophile Keime können sich auch bei Gefriertemperaturen
vermehren, dh. sie wachsen auch wenn das Produkt komplett
gefroren ist. Also ist es egal, ob sie Stunden brauchen, weil
der Puffer ja vielleicht Tage in der Gefriertruhe liegt. Nur
ist eben in der Zwischenzeit die Keimzahl deutlich
angestiegen, während das Produkt angetaut war.

Psychrophile Keime können nur dann wachsen, wenn ihre Enzymaktivität noch einigermaßen funktioniert und ihr Innenleben einen fluiden Zustand hat. Das funktioniert bei bestimmten Keimen noch unter 0°C, stoppt jedoch bei spätestens -8°C. Auch darüber ist die Vermehrungsrate marginal (verglichen zu höheren Temperaturen). Zudem kälteresistente Keime bei der Pathogenese der Bevölkerung nur eine geringe bis gar keine Rolle spielen.

Die Kontaminationsgefahr in einem „normalen“ Haushalt incl.
der Hautflora (bei Anfassen der Ware) wird grundsätzlich
überbewertet - vor allem beim Abgleich harmlose/pathogene
Mikroorganismen.

Das mag sein. Muss wohl jeder für sich entscheiden.

Siehe: Statistiken über die Todesfälle hinsichtlich verdorbener Lebensmittel. Einschränkend: Haushalt/gefrorene, wiederaufgetaute Produkte.

Eingefrorene Fertigprodukte sind eigentlich auf diesen Prozess
des Einfrierens optimiert worden. Enthalten also Emulgatoren
und Salz/Zuckergemische, die beim Einfrieren einen osmotisch
stabilen Zustand (mit weniger Eiskristallen) aufrecht
erhalten. Der Verbraucher würde ansonsten das Produkt rein
geschmacklich - oder konsistentiell - sehr schnell meiden.

Was hat der osmotische Druck mit dem Einfrieren zu tun? das
Wasser kann nicht mehr diffundieren wenn es in Kristallform
vorliegt. Die kleinen Eiskristalle, wie sie in industriell
eingefrorenen Produkten vorliegen rühren daher, dass die
Produkte sehr schnell auf die niedrige Temperatur gebracht
werden können, was im Haushalt nunmal schwer möglich ist. Also
kein Zusammenhang zur Osmose an dieser Stelle.

Osmotischer Druck ist in Relation zur Wasseraktivität ist in Relation zum Gefrierpunkt von Wasser und auch in direktem Bezug zur Bildung von Eiskristallen. Je mehr osmotisch aktive Substanzen (polare Gruppen bzw. Ionen) in einer Lösung vorhanden sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich regelmäßige Wasser/Eiskristalle ausbilden können. Die Mischung „sulzt“ dann ein. Die Zellmorphologie bleibt erhalten.

Weißt Du übrigens, wie man Salami herstellt?

ja, selbst schon hergestellt…

Hackfleisch +
Gewürze + Starterkultur in einer Klimakammer 14 Tage bis 3
Monate reifen lassen. Würde man hier auf die hygienischen
Bedingungen gehen (vor allem denen von italienischen
Landbauern), dann würde es keine Salami geben :smile:) Offene
Verarbeitung, kein Hand- und Mundschutz + Klimatisierung
zwischen 15 und 30°C.

Das ist ein komplett anderes Produkt, was Du nicht einfach mit
jedwedem anderen Lebensmittel vergleichen kannst. Der
Wassergehalt in einer Salami ist deutlich geringer, wie in
einem z.B. Kartoffelpuffer. Dazu kommt, dass das Wasser nicht
frei vorliegt, da eine hohe Salzkonzentration herrscht. Die
Mikroorganismen benötigen aber Wasser zur Vermehrung. Also ist
eine Salami ein relativ stabiles und unkritisches
Lebensmittel.
Die Keime die von Anfang an im Inneren enthalten sind, können
aufgrund der Lebensbedingungen nicht schnell wachsen und
werden zusätzlich noch von Arten verdrängt, welche sich in
diesem Milieu wohl fühlen, wie z.B. Milchsäurebakterien
(Starterkulturen). Solange noch genügend Wasser enthalten ist
wachsen diese und verdrängen die anderen Arten.

Es ist also was komplett anderes und Du kannst nicht viele
Parallelen zu einem Kartoffelpuffer ziehen.

Mir ging es bei dem Vergleich darum, daß ein eigentlich sehr anfälliges Produkt (Hackfleisch) so hergerichtet werden kann, daß es trotz aller unhygienischen Umstände dennoch kein Gefährdungspotential mehr hat.

Dies aber nur am Rande (von außen einmal unsere hyperhygiene
menschliche Umwelt betrachtet :smile:)

Stephan

Mag sein, dass es eine hyperhygienische Welt ist. Du hattest
aber die Frage gestellt, warum man besser keine angetauten
Waren wieder einfrieren sollte und ich hab es Dir erklärt. Was
Du damit anfängst bleibt Dir überlassen. Und ich denke auch,
dass man es nicht grenzenlos mit der Hygiene übertreiben
sollte (in Richtung alles desinfizieren und antibakterielle
Müllbeutel und diese Art von „Spinnereien“)

Grüße
EV

Da die Hersteller hier nicht unterscheiden wollen oder können und auch kein Risiko eingehen wollen (oder können), ist es wohl am sinnvollsten, dem Verbraucher einzureden, ein einmal aufgetautes Produkt nicht mehr einzufrieren. Ich selbst nehme mir aber die Freiheit, hier dennoch zu unterscheiden. Daher auch meine Fragestellung, falls ich in der Hinsicht irgendwas übersehen haben sollte. Nun weiß ich zumindest sehr viel mehr Aspekte, als mir selbst dazu eingefallen wären :smile:)

Thanks & best wishes,

Stephan

Fakultativ = obligat …
Korrektur: nicht fakultativ, sondern natürlich obligate Anaerobier.

Hallo Stephan

nur noch kurz…

Produkt: eingeschweißt in einer Plastikfolie. Welche schlimmen
Keime sollen an das Produkt durch Transport und Lagerung
gelangen?

Das ist natürlich eine andere Ausgangssituation. Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um die Standard-Kartoffelpuffer handelt, die ich so kenne. Und die sind nicht in einer Folie, sondern nur lose in einem Karton.

Vor allem, was ist schlimmer als die Mycotoxine der
Schimmelpilze? Vor allem bei einer oralen Aufnahme der
Lebensmittel über den Magen-Darmtrakt?

Oooch- da gibts sicherlich ein paar Sachen, die da mithalten können. Genaues kann ich da nicht sagen, weil die Mikrobiologie nicht mein Hauptgebiet ist. Aber Salmonellen, Listerien, usw. sind nicht zu verachten, wenn sie erstmal im Darm sind ;o)

Da die Hersteller hier nicht unterscheiden wollen oder können
und auch kein Risiko eingehen wollen (oder können), ist es
wohl am sinnvollsten, dem Verbraucher einzureden, ein einmal
aufgetautes Produkt nicht mehr einzufrieren. Ich selbst nehme
mir aber die Freiheit, hier dennoch zu unterscheiden. Daher
auch meine Fragestellung, falls ich in der Hinsicht irgendwas
übersehen haben sollte. Nun weiß ich zumindest sehr viel mehr
Aspekte, als mir selbst dazu eingefallen wären :smile:)
Thanks & best wishes,

Natürlich darfst Du Dir Freiheiten nehmen zu essen was Du möchtest. Ich hoffe jedenfalls, ein bischen zur Antwortfindung beigetragen zu haben.

viele Grüße
EV

Hallo Christian,

das ist mir bekannt. Allerdings können Bazillus- und Clostridien-Arten sog. Dauer- oder Endosporen bilden - so wie (Heavy Metal) Thomas schon erklärt hat.

Die physiologischen Vorgänge der Sporenbildung könnte ich Dir sogar aufzählen - wäre aber mit Arbeit verbunden und zudem todlangweilig für alle, die es nicht interessiert.

Mit besten Grüßen,

Stephan

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]