Fett - 'gut' und 'schlecht'

Von: , Frage gestellt am Mo, 29. Sep 2003

Hai, Ihr Bio-Chemie-Experten,

mir geht es um Verwendung von Fetten in der Küche - da texten einen ja Hinz und Kunz zu, daß man doch für alles mögliche kaltgepresste, pflanzliche Fette benutzen soll... (Cholesterin, ungesättigte Fettsäuren - alles in einen Topf und gut gerührt...)

Nun brut *ggg* ich gestern Bratkartoffeln in Butterschmalz und frug *gngngn* mich, was der Vorteil eines kaltgepressten Pflanzenöls gewesen wäre.

Cholesterin ignorier ich geflissentlich... (wo mein Körper sich doch sowieso die Cholesterinmenge und -variante macht, auf die er Bock hat)

Das Sonnenblumenöl höher zu erhitzen ist, bevor es verbrennt, war auch unerheblich... (Bratkartoffeln mach ich auf mittlerer Stufe)

Ungesättigte Fettsäuren dürften sich nach 25 min. schmurgeln auch erledigt haben...

Also - warum soll ich "gutes" Öl nehmen und nicht "böses" Butterschmalz???

Fragt sich - nein, Euch
Sibylle

17 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 14 Minuten 0 hilfreich
    Re: Moden und andere Zeiterscheinungen

    Hallo Sibylle,

    nun haben wir aber unser Fett weg!

    Zum Thema:
    In der Lebensmittelkunde und Medizin sehen wir viele Moden kommen und gehen.
    Schließlich müssen einige (leider unbestreitbare) Tatsachen erklärt werden.
    Da leben einige Völker gesünder als andere und es liegt, je nach Erklärungsmodell (aka Mode) am Olivenöl mit einer einfach ungesättigten Fettsäure, nein, brüllen andere, der Weinkonsum ist es, was andere vehement verneinen, weil sie das Gemüse/Hammelfleisch/Fisch/Käse/etc. als Lebensverlängerer ausgemacht haben.
    Jeder will recht haben und hat sicher auch ein wenig recht, aber an einem(!) Faktor läßt sich ein solch komplexer Zusammenhang wie 'Gesundheit' selten festmachen.
    Da spielen sicher 1001 Faktoren eine Rolle, wahrscheinlich mehr.
    Als da sind:
    Ernährung
    Bewegung
    Lebenseinstellung
    Menge der Nahrungsmittel
    Soziale Situation
    und was weiß ich noch alles.

    Aber das ist zu kompliziert um es griffig und publikumswirksam darstellen zu können, daher immer wieder diese Vereinfachungen, die bis zu Verfälschungen vereinfacht werden.

    Wenn Du einigermaßen abwecchlungsreich kochst/ißt, Dich ausreichend bewegst und Dich gut dabei fühlst, machst Du m.E. nichts falsch.

    es gibt zwar einige krankhafte Fälle, aber den größten Teil der Menschen betrifft das nicht.

    Außerdem finde ich spindeldürre Hungerhaken zum einen potthäslich undzum anderen krank (zumindestens meist im Kopf)

    Gandalf

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Moden und andere Zeiterscheinungen

      Hai, Grauer,

      Generell stimm ich Dir zu - von wegen Ernährungsmoden - ich hab da 'ne Tante, die sich jede dieser Aussagen zu Herzen nimmt und für absolut wahr hält. Es ist ein besonderes Erlebnis, zuzuhören, wie sie "Ein Mensch braucht jeden Tag eine warme Mahlzeit" und "Nur Rohkost ist gesund" erklärungstechnisch unter einen Hut stopft... Außerdem finde ich spindeldürre Hungerhaken zum einen
      potthäslich undzum anderen krank (zumindestens meist im Kopf)
      schlank - mager - Kate Moss? Oder: "Die will man nicht f*****, sondern füttern"? (Appelt)

      ...aber eigentlich wollte ich nur wissen, wie es begründet wird, daß pflanzliche Fette auch beim Braten gesünder wären...

      Gruß
      Sibylle

      • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
        Re^3: Moden und andere Zeiterscheinungen

        Hi Sibylle,
        ...aber eigentlich wollte ich nur wissen, wie es begründet
        wird, daß pflanzliche Fette auch beim Braten gesünder wären...
        also auch da streiten sich die Gelehrten, weil Beobachtungen erklärt werden wollen.

        Weitestgehender Konsens herscht bei der Behauptung, das Fett mit mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Distelöl, Leinöl) zum Bratenwenig geeignet sind, weil sie schnell verharzen und diese Harze zum einen nicht besonders munden und zum anderen auch nicht besonders bekömmlich sind.

        Bei den einfach ungesättigten (z.B. Olivenöl) ist die Meinungslage dann nicht mehr so einheitlich.
        Einige (Lebensmittel)Chemiker haben bewiesen, daß bei starkem Erhitzen auch die einfach ungesättigten Fettsäuren verharzen (wir Chemiker nennen so was dimerisieren), aber viele Südländer benutzen solche Fette unverschämterweise trotzdem zum Braten und leben (noch unverschämterweise) trotzdem gut damit.
        Nun ist der Gebrauch von Olivenöl in der mediteranen Küche sehr verbreitet, aber man hüte sich, diesen isolierten Aspekt (wer Olivenöl ißt, lebt gesund) auf unsere Eßgewohnheiten zu übertragen.

        Meine Meinung(!) ist, daß eine abwechslungsreiche Kost, dessen Portionsgröße auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist, soooooo schlecht nicht sein kann. Daher meide ich fast alle Ernährungsratgeber und lasse meine Kinder in Maßen (nicht Massen) auch Fritten und Süßkrams essen und bisher gedeihen sie prächtig. Allerdings müßen sie ihr Essen auch schwer erarbeiten, indem sie täglich mindestens drei Stunden draußen spielen, auch bei Regen und Frost, dafür gibt es geeignete Kleidung.

        Wenn Dir also Pflanzenöl beim Braten geschmacklich zusagt, sehe ich keine Probleme damit.

        Gandalf

        • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Moden und andere Zeiterscheinungen

          Hai, Grauer, Einige (Lebensmittel)Chemiker haben bewiesen, daß bei starkem
          Erhitzen auch die einfach ungesättigten Fettsäuren verharzen
          (wir Chemiker nennen so was dimerisieren), aber viele
          Aaaah!!! Südländer benutzen solche Fette unverschämterweise trotzdem
          zum Braten und leben (noch unverschämterweise) trotzdem gut
          damit.
          Tzzz - Frechheit von denen! Einfach gesund zu sein, wo sie sich doch soo ungesund ernähren... *kopfschüttel* Meine Meinung(!) ist, daß eine abwechslungsreiche Kost, dessen
          Portionsgröße auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist,
          soooooo schlecht nicht sein kann.
          Der Meinung kann ich mich nur anschließen - ich war doch nur neugierig...

          Dank Dir, Gruß
          Sibylle

      • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
        *ggg* wer sonst (owT)

        schlank - mager - Kate Moss? Oder: "Die will man nicht f*****, sondern füttern"? (Appelt)

  2. Antwort von nach 31 Minuten 1 hilfreich
    Re: Fett - 'gut' und 'schlecht'

    Hai-Sibylle,

    Vorteile planzliches Fett:
    # mehr ungesättigte Fettsäuren (vor allem mehrfach ungesättigte Fettsäuren) als in tierischem- und vor allem in Butterfett.
    # kein Cholesterin - unabhängig davon, ob nun die neuesten Forschungsergebnisse belegen, daß der körpereigene Cholesterinspiegel abhängig oder unabhängig von zugeführtem Cholesterin ist fährt man hier auf der völlig sicheren Seite.
    # mehr fettlösliche Vitamine

    Vorteil kaltgepreßt:
    Die Qualität des Fettes mindert sich durch Erhitzen (siehe Fritierfett), da gerade die Doppelbindungen der ungesättigten (pflanzlichen) Fettsäuren Quervernetzungen ausbilden, die sehr Magen-Darm-unverträglich sind.

    Für die gebratenen Kartoffeln ist das tierische Fett also idealer gewesen. Bei Salaten würde ich (persönlich) allerdings (vor allem wegen Geschmack und so) pflanzliches Öl bevorzugen.

    Hochachtungsvoll,

    Stephan [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Fett - 'gut' und 'schlecht'

      Hai, Stephan, # kein Cholesterin - unabhängig davon, ob nun die neuesten
      Forschungsergebnisse belegen, daß der körpereigene
      Cholesterinspiegel abhängig oder unabhängig von zugeführtem
      Cholesterin ist fährt man hier auf der völlig sicheren Seite.
      Na, oder auch nicht, sollten wir das Zeug doch für irgendetwas brauchen... egal - wenn ich Bock auf'ne Butterstulle habe, dann futter ich eine... # mehr fettlösliche Vitamine
      Die haben sich nach ausgiebigen Braten doch auch erledigt, oder? Für die gebratenen Kartoffeln ist das tierische Fett also
      idealer gewesen.
      Ah ja! Na, mein ich doch, daß sich Fettsäuren durch Hitze sättigen... Bei Salaten würde ich (persönlich) allerdings
      (vor allem wegen Geschmack und so) pflanzliches Öl bevorzugen.
      *ggg* Soso, Du magst also keinen Tomatensalat mit lecker Butterflöckchen? Feldsalat mit Schmalz?

      Gruß
      Sibylle

      • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
        Re^3: Fett - 'gut' und 'schlecht'

        Hai Lander (wenn schon!), Hai, Stephan, # kein Cholesterin - unabhängig davon, ob nun die neuesten
        Forschungsergebnisse belegen, daß der körpereigene
        Cholesterinspiegel abhängig oder unabhängig von zugeführtem
        Cholesterin ist fährt man hier auf der völlig sicheren Seite.
        Na, oder auch nicht, sollten wir das Zeug doch für irgendetwas
        brauchen... egal - wenn ich Bock auf'ne Butterstulle habe,
        dann futter ich eine...
        Brauchen tun wir die Cholesterine schon. Nur über eine Cholesterinverpackung bleibt das Fett im Blut löslich bzw. emulgiert. Ansonsten würde der Blutkreislauf völlig verfetten. Allerdings kann der Körper alles Cholesterin, das er braucht, selbst herstellen. # mehr fettlösliche Vitamine
        Die haben sich nach ausgiebigen Braten doch auch erledigt,
        oder?
        Nö, warum? Die meisten Vitamine sind hitzestabil. Das Herauslösen durch Kochen ins Wasser ist eher ein Problem, als eine Hitzeinaktivierung. Für die gebratenen Kartoffeln ist das tierische Fett also
        idealer gewesen.
        Ah ja! Na, mein ich doch, daß sich Fettsäuren durch Hitze
        sättigen...
        Sie werden nicht satter, sondern vernetzter. War undeutlich von mir artikuliert. Bei Salaten würde ich (persönlich) allerdings
        (vor allem wegen Geschmack und so) pflanzliches Öl bevorzugen.
        *ggg* Soso, Du magst also keinen Tomatensalat mit lecker
        Butterflöckchen? Feldsalat mit Schmalz?
        Keine Ahnung, habe ich noch nie probiert. Da ich aber weder Tomatensalat, noch Schmalz (zumindest im Salat) mag, werde ich wohl hier nie in Versuchung kommen. Gruß
        Sibylle
        With respect,

        Stephan

        • Antwort von nach 11 Stunden 1 hilfreich
          Re^4: Fett - 'gut' und 'schlecht'

          Hai Lander (wenn schon!), Hai, Stephan, # kein Cholesterin - unabhängig davon, ob nun die neuesten
          Forschungsergebnisse belegen, daß der körpereigene
          Cholesterinspiegel abhängig oder unabhängig von zugeführtem
          Cholesterin ist fährt man hier auf der völlig sicheren Seite.
          Na, oder auch nicht, sollten wir das Zeug doch für irgendetwas
          brauchen... egal - wenn ich Bock auf'ne Butterstulle habe,
          dann futter ich eine...
          Brauchen tun wir die Cholesterine schon. Nur über eine
          Cholesterinverpackung bleibt das Fett im Blut löslich bzw.
          emulgiert. Ansonsten würde der Blutkreislauf völlig verfetten.
          Allerdings kann der Körper alles Cholesterin, das er braucht,
          selbst herstellen.
          -> Quieeetsch, so nicht ganz richtig.......kurze Fettsäuren werden doch an Serumalbumin als Transporter gebunden, langkettige FS werden über die Lipoproteine (jajaja, die enthalten Cholesterine ich weiß!!!) transportiert.....aber nicht den Eindruck entstehen lassen, daß Cholesterin frei im Blut vorkommt. Das Zeug ist maximal amphiphatisch mit einem Sterangrundgerüst, das sowas von unpolar ist, daß es vieles ist aber sicher NICHT frei löslich im Blut!!!!!!!!!!! # mehr fettlösliche Vitamine
          Die haben sich nach ausgiebigen Braten doch auch erledigt,
          oder?
          Nö, warum? Die meisten Vitamine sind hitzestabil. Das
          Herauslösen durch Kochen ins Wasser ist eher ein Problem, als
          eine Hitzeinaktivierung.
          -> schon wieder Quieeeeetsch........erinnere mich dunkel an meine Biochemie Vorlesung und die sagt mir, daß ein nicht unerheblicher Teil weder Hitze noch Einfrieren noch Licht abkann......anbraten geht, aber lange kochen ist definitiv ein Vitaminkiller, genau so wie Sonnenlicht!!! (Ausnahme ist VitD, das erst durch Sonneneinstrahlung in den Keratinocyten gebildet wird) Für die gebratenen Kartoffeln ist das tierische Fett also
          idealer gewesen.
          Ah ja! Na, mein ich doch, daß sich Fettsäuren durch Hitze
          sättigen...
          -> Nicht nur das, leider entstehen auch (gerade bei ungesättigten Fetten!!) diverse unerwünschte und CANCEROGENE Nebenprodukte! Die Doppelbindungen machen allen möglichen Quatsch in der Bratpfanne, es entstehen diverse seltsame Abbauprodukte, zusammen mit den Proteinen erst recht......wie war das, beim Frittieren von Kartoffeln entsteht doch sogar Acrylamid, wenn ich mich nicht irre....... Sie werden nicht satter, sondern vernetzter. War undeutlich
          von mir artikuliert. Bei Salaten würde ich (persönlich) allerdings
          (vor allem wegen Geschmack und so) pflanzliches Öl bevorzugen.
          *ggg* Soso, Du magst also keinen Tomatensalat mit lecker
          Butterflöckchen? Feldsalat mit Schmalz?
          Keine Ahnung, habe ich noch nie probiert. Da ich aber weder
          Tomatensalat, noch Schmalz (zumindest im Salat) mag, werde ich
          wohl hier nie in Versuchung kommen.
          -> Pflanzliche, ungesättigte, gute Öle machen wirklich nur Sinn, wenn man sie entsprechend schonend behandelt. Die Braunglasflasche macht da schon Sinn (auch hier gilt, Licht ist ein Radikalstarter und somit setzt es zusammen mit O2 oxidative Prozesse in Gang), Kühlschrank oder zumindest ein dunkler, kühler Schrank sind die besten Aufbewahrungsorte.....dann schmeckt das Olivenöl auch nach 3 Monaten noch, wenn man's über Tomaten, Mozarella und Basilikum schüttet :)


          Gruß
          Felix Gruß
          Sibylle
          With respect,

          Stephan



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