Hi!
Ich fange einfach mal ganz vorne an.
Vor der Mitose liegen die Chromosomen als Zweichromatid-Chromosomen vor, das heißt, jedes Chromosom besteht aus zwei absolut identischen Kopien, die an einer bestimmten Stelle, dem Centromer, miteinander verbunden sind.
Außerdem ist eine normale menschliche Zelle diploid. D.h., diese Zelle hat immer zwei homologe Chromosomen - eins stammt von der Mutter, eins vom Vater des Individuums, welche für dieselben Merkmale (z.B. Augenfarbe) codieren, aber evtl. für verschiedene Merkmalsformen (z.B. grüne und braune Augenfarbe).
Betrachten wir z.B. eine menschliche Zelle. Sie enthält insgesamt 46 Chromosomen. 23 davon stammen von der Mutter der Person, weitere 23 von dem Vater. Diese Chromosomen kann man - bis auf die Geschlechtschromosomen, wenn die Person männlich ist - paarweise anordnen. Man findet zu jedem mütterlichen Chromosom ein homologes väterliches und umgekehrt. Auf ihnen liegen Gene, die dieselben Sachen codieren, nur eben unterschiedliche Ausprägungsformen dieser Merkmale. Jedes dieser Chromosomen liegt vor der Kernteilung als Zweichromatid-Chromosom vor, besteht also aus zwei "zusammengebundenen" Kopien, bei der Kernteilung werden die sogenannten Schwesterchromatiden (die zwei Chromatiden, die ein Zweichromatid-Chromosom bilden) voneinander getrennt. Dabei werden diese Chromatiden zu eigenständigen Chromosomen, den Einchromatid-Chromosomen. In der Interphase später werden wieder von jedem Chromosom identische Kopien, also neue Chromatiden, erstellt, sodass die Chromosomen wieder in der Zweichromatid-Form vorliegen.
Hier sind in Kürze die einzelnen Phasen der Mitose:
1. Prophase - die Zweichromatid-Chromosomen kondensieren und werden im Mikroskop sichtbar. Die Mitosespindel wird aufgebaut, die Kernhülle und Kernkörperchen lösen sich auf.
2. Metaphase - die Chromosomen ordnen sich in der Äquatorialebene an, die Kernspindel ist komplett ausgebildet. Die Schwesterchromatiden zeigen jeweils zu verschiedenen Polen.
3. Anaphase - die Chromatiden der einzelnen Chromosomen werden voneinander getrennt und durch die Kernspindel zu verschiedenen Zellpolen befördert. Die einzelnen Chromatiden werden nun zu eigenständigen Chromosomen, den Einchromatid-Chromosomen.
4. Telophase - zwei neue Zellkerne bilden sich nun aus. Es erfolgt im Prinzip die Umkehrung der Prophase.
Darauf folgt die Zytokinese (die eigentliche Zellteilung, Mitose ist ja nur Kernteilung) und die Interphase, in der aus den Einchromatid-Chromosomen der beiden neu entstandenen Zellen wieder Zweichromatid-Chromosomen werden und die Zelle durch Synthese von Stoffen wächst.
Die Mitose ist also letztlich ein Kernteilungsvorgang, bei dem aus einer diploiden Mutterzelle zwei mit ihr und untereinander genetisch identische, ebenfalls diploide Tochterzellen entstehen. Durch die Mitose werden sämtliche Erbinformationen an alle neuen Zellen weitergegeben. Sie dient der Wundheilung, Entwicklung und dem Wachstum. Bei sich ungeschlechtlich fortpflanzenden Organismus dient sie auch der Vermehrung, wobei dadurch ein Klon entsteht. Die Mitose läuft generell in (fast) allen Körperzellen ab (außer bei der Entstehung von Keimzellen!).
Nun zur Meiose. Du weißt doch, dass bei der Befruchtung normalerweise zwei Zellen (Ei- und Samenzelle) verschmelzen, wodurch die Zygote (befruchtete Eizelle) entsteht. Beide Keimzellen tragen ihr genetisches Material zur Zygote bei, aus der sich dann das neue Individuum entwickelt. Wären diese Keimzellen genetisch gesehen normale Körperzellen, dann würde sich die (eigentlich artspezifische) Chromosomenzahl mit jeder Generation verdoppeln. Um das zu vermeiden, gibt es die Meiose. Sie läuft bei Menschen in Eierstöcken und Hoden ab, wo Keimzellen (Ei- und Spermazellen) durch diesen Vorgang produziert werden. Dabei wird der diploide Chromosomensatz der Mutterzelle zum haploiden reduziert, deshalb wird die Meiose auch als Reduktionsteilung bezeichnet. Die Meiose beinhaltet insgesamt zwei Zellteilungen, aus einer Mutterzelle entstehen dabei vier haploide, genetisch weder untereinander noch mit der Mutterzelle identische Keimzellen.
Meiose I (erste Teilung: Trennung der homologen Zweichromatid-Chromosomen):
1. Prophase I - die homologen Chromosomen finden zusammen, dabei findet auch Crossing-over (Genaustausch zwischen Nicht-Schwesterchromatiden homologer Chromosomen) statt. Ansonsten werden aber ebenfalls Kernhülle und Kernkörperchen aufgelöst und die Kernspindel aufgebaut.
2. Metaphase I - die "gepaarten" homologen Chromosomen ordnen sich BEIDERSEITS der Äquatorialebene an (d.h., das eine, ursprünglich mütterliche Zweichromatid-Chromosom zeigt zum einen Zellpol, das andere, väterliche, zum anderen).
3. Anaphase I - Die homologen Chromosomen werden zu den entgegengesetzten Polen gezogen. (Das bedeutet, die Tochterkerne erhalten damit verschiedene Informationen, im Beispiel oben enthält der eine Tochterkern die Informationen für grüne Augen und der andere für braune Augen! Im Gegensatz dazu werden bei der Mitose nur die absolut identischen Schwesterchromatiden aufgetrennt.)
4. Telophase I - nun liegt an jedem Zellpol ein haploider Chromosomensatz vor (weil ja die homologen Chromosomen auf die Zellpole aufgeteilt wurden).
Die Meiose II läuft genauso wie die Mitose ab, dabei werden in jedem der in der Meiose I entstandenen Zellkerne die Schwesterchromatiden der Chromosomen aufgetrennt, sodass du im Endeffekt vier Zellkerne (und damit letztlich vier Zellen) vorliegen hast.
Die Meiose dient, wie oben bereits geschildert, der Erhaltung des artspezifischen Chromosomensatzes. Außerdem werden in der Meiose I die homologen Chromosomen völlig willkürlich auf die beiden Zellkerne aufgeteilt, wodurch es sehr viele verschiedene Möglichkeiten gibt, welche Kombinationen der Erbinformationen die Keimzellen letztlich erhalten. Eine dieser Kombination in der Eizelle verschmilzt mit einer anderen solchen Kombination in der Samenzelle, sodass letztlich eine totale Neukombination der Gene entsteht, die die individuellen Unterschiede der Lebewesen bedingt.
Hier noch mal die Unterschiede zwischen der Mitose und Meiose zusammengefasst:
Mitose:
- besteht aus einer Kernteilung
- führt zu zwei diploiden Tochterkernen, die genetisch sowohl untereinander als auch mit dem Mutterkern identisch sind
- dient der Wundheilung, dem Wachstum und der Entwicklung (bei sich ungeschlechtlich fortpflanzenden Individuen auch der Vermehrung)
Meiose:
- besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Kernteilungen
- führt zu vier haploiden Tochterkernen, die genetisch weder untereinander noch mit dem Mutterkern identisch sind
- dient der Erhaltung des artspezifischen Chromosomensatzes nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle und der Neukombination der Gene (--> individuelle, genetische Variabilität der Nachkommen)
Hoffe, ich konnte Dir damit weiterhelfen.
Gruß,
Anja