z-Tranformation und Fehlerstreuung der Differenz
Hallo Sabine,
die Standardabweichung ist kein Maß dafür, wie gut die Messungen sind, sondern ein deskriptives Maß, um etwas über die Variabilität der Daten auszusagen. Die Güte der Messung kann u.a. als ihre Validität aufgefaßt werden. Aber ich glaube, daß Du eher die Meßgenauigkeit im Sinn der Reliabilität meinst. Wenn Du Messungen miteinander vergleichen willst, um zu erfahren, ob ein größerer Meßwert tatsächlich auf eine größere Eigenschaft hindeutet und nicht nur durch den Meßfehler bedingt ist, dann benötigst Du die Fehlerstreuung der Meßwertedifferenzen. Da Du anscheinend von 2 verschiedenen Standardabweichungen sprichst, nehme ich an, daß Du Meßwerte hast, die unterschiedlich skaliert sind (unterschiedlichen Mittelwert und/oder unterschiedliche Standardabweichungen aufweisen). Deshalb solltest Du erst einmal die beiden Skalen anpassen. Das machst Du mit der z-Transformation:
zX1=(x1-M(X1))/sX1
x1: Meßwert der Variable X1
M(X1): Mittelwert der Variable X1
sX1: Standardabweichung der Variable X1
Nachdem Du alle Meßwerte von X1 so transformiert hast, machst Du dasgleiche mit allen Meßwerten von X2, wobei Du natürlich von diesen Werten den Mittelwert von X2 abziehst und durch die Standardabweichung von X2 teilst.
Anschließend haben beide Variablen X1 und X2 den Mittelwert 0 und die Standardabweichung 1.
Um zu überprüfen, ob einzelne Meßwerte aus unterschiedlichen Skalen sich voneinander unterscheiden, mußt Du die Fehlerstreuung der Differenz zweier Meßwerte aus unterschiedlichen Skalen berechnen:
seDiff=sX*SQRT(2-(Rel(X1)+Rel(X2))
wobei
seDiff: Fehlerstreuung der Differenz
sX: Standardabweichung von X (nach der z-Transformation sind die beiden Standardabweichungen gleich und 1, weshalb Du den Wert auch weglassen kannst).
SQRT: Quadratwurzel
Rel(X1): Reliabilität von X1
Rel(X2): Reliabilität von X2.
Diese Fehlerstreuung benutzt Du um einen kritischen Wert zu berechen, den die Differenz zweier Meßwerte übersteigen muß, damit sich die Meßwerte signifikant voneinander unterscheiden:
Dkrit=1,96*seDiff
1,96 ist der Wert, der in der Standardnormalverteilung rechts 2,5% der Fläche unter der Kurve abschneidet, d.h. daß Du auf dem 5%-Niveau beidseitig testest.
Überschreitet die Meßwertedifferenz den kritischen Wert, dann ist sie auf dem 5%-Niveau signifikant und Du kannst mit 5%-Irrtumswahrscheinlichkeit sagen, daß die Meßwerte sich unterscheiden, weil die dahinterliegenden „wahren“ Werte unterschiedlich sind.
Gruß,
Oliver Walter