Samen von Tollkirsche und Stechapfel giftig?

Hallo,
wie giftig sind die Samen von Tollkirsche und Stechapfel wirklich?
Ab wann können bereits Vergiftungserscheinungen eintreten?
Es geht darum, dass wir mit einer Gruppe Kinder in einem längerem Projekt Pflanzen anbauen wollen, und mir u.a. auch diese Samen angeboten wurden. Mir wurde aber von Bekannten gesagt, dass es eventuell gefährlich sein könnte…

danke schon einmal für die Antworten.

Thomas

Hallo Thomas,

wie giftig sind die Samen von Tollkirsche und Stechapfel
wirklich?
Ab wann können bereits Vergiftungserscheinungen eintreten?

bei Belladonna können bei Kindern 3-5 Beeren tödlich wirken, bei Hyosciamus 15-18 Samen. Hyosciamus deswegen besonders problematisch, weil die Früchte im unreifen Zustand leicht süß und relativ wohlschmeckend sind.

Vor dem Hintergrund Deiner persönlichen Verantwortung also dringend abzuraten. Im pädagogischen Zusammenhang musst Du selber entscheiden, ob man Kinder von Giftpflanzen isolieren sollte oder ob man sinnvoll dafür sorgt, dass die Aussage „das ist giftig, daran kann man sterben“ wörtlich verstanden und aufgefasst wird.

Schöne Grüße

MM

Hallo!

bei Belladonna können bei Kindern 3-5 Beeren tödlich wirken,
bei Hyosciamus 15-18 Samen. Hyosciamus deswegen besonders
problematisch, weil die Früchte im unreifen Zustand leicht süß
und relativ wohlschmeckend sind.

Von Hyosciamus war zwar nicht die Rede, sondern von Datura stramonium (Stechapfel), aber die Giftigkeit ist ähnlich. Dass die Auswirkung der Vergiftung wegen der unterschiedlichen Inhaltsstoffe (Hyoscyamin/Atropin bzw. Scopolamin) eine andere ist, sollte bedeutungslos sein.

Vor dem Hintergrund Deiner persönlichen Verantwortung also
dringend abzuraten.

Auch ich rate von stark giftigen Pflanzen ab. Der pädagogische Effekt kann wahrscheinlich genauso an ungefährlicheren Pflanzen demonstriert werden. Allerdings wachsen alle drei (oder vier) angesprochenen Arten Atropa belladonna, Hyoscyamus niger bzw. alba sowie Datura stramonium) im Garten oder Blumentopf gut.

Aber vermeide diese Pflanzen in unmittelbarer Nähe von kleinen Kindern. Wenn sie grösser sind, sollten sie aber doch auch etwas über Giftpflanzen lernen.

Grüße
Bernd

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Hi Ihr,

danke schon einmal für die Antworten. Jetzt noch eine allgemeine Frage, béi der Ihr Experten mir ja vielleicht auch helfen könnt:
wie gefährlich sind diese Pflanzen für Erwachsene?

Gruß Thomas

Nochmals: giftig!
Hi,

wie gefährlich sind diese Pflanzen für Erwachsene?

Ziemlich - wenn man sie denn isst. Die Tropan-Alkaloide Hyoscyamin (bzw. dessen Racemat Atropin) und Scopolamin sind sehr toxische Verbindungen. Das ist auch schon mehrfach in die - ältere - Krimanalgeschichte eingegangen. Der Verzehr dieser Pflanzen ist daher auch Erwachsenen abzuraten. Aber das alleinige Berühren der Pflanzen führt, wenn man nicht gerade die Haut intensiv damit einreibt, nicht zu Vergiftungserscheinungen; Ansehen oder Riechen ohnehin nicht. Deswegen: solange man sie nicht isst (wofür man bei Kindern natürlich nicht garantieren kann), sind sie genauso harmlos wie andere Pflanzen!

Die Bilsenkräuter (Hyoscyamus) sind zum einen nicht wirklich häufig in Mitteleuropa - zumindest nicht im südlichen Teil. Ausserdem besitzt besonders das Schwarze Bilsenkraut (H. niger) einen eher widerlichen Geruch. Stechapfel ist häufig, aber eigentlich nicht auffällig. Versehentliches Verschlucken ist daher ziemlich unwahrscheinlich. Einzig Tollkirschen könnte man (bei viel botanischer Planlosigkeit) mit essbaren Früchten verwechseln. Ich kenne aber in der jüngeren Geschichte keinen entsprechenden Fall unabsichtlicher Vergiftung mit A. belladonna.

Trotzdem gibt es mit allen genannten Pflanzen immer wieder Berichte über Vergiftungen. Das beruht darauf, dass manche Tropan-Alkaloide (zu denen z. B. auch Cocain gehört) halluzinogen wirken und daher zu Rausch-Versuchen genutzt werden. Diese landen meist im Krankenhaus, weil die Dosis kaum abzuschätzen ist und ausserdem die Wirkung von Hyoscyamin weniger in Richtung Euphorie, denn in Richtung akuter Nervenschaden geht. Aerzte haben aber mit Physostigmin ein wirksames Gegengift.

Also: bitte die genannten Arten nicht verfolgen oder verteufeln. Giftpflanzen sind ein wichtiger und extrem interessanter Teil der Natur. Viele Gifte haben auch medizinische Bedeutung. Scopolamin ist in Pflastern gegen Seekrankheit enthalten und Atropin ist eines der Gegengifte gegen chemische Kampfstoffe (Phosphonsäureester). Aber Kinder sollte man damit besser nicht spielen lassen!

Gruß
Bernd

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