Tbt

Hallo!

Habe gleich mehrere Fragen:

  1. TBT wurde doch in der Höschenwindel nachgewiesen. Was gibt es da für ein Nachweisverfahren? Nachweisreaktion?
  2. Darf TBT heute noch verwendet werden? TBT wurde früher zumindest in der Schifffahrt eingesetzt, um eine Festsetzung von Algen zu verhindern.
    Und wie schaut es mit den Kunststoffen aus? TBT wurde doch in PVC eingesetzt (zum haltbar machen) - Wieso wird durch die TBT Zugabe etwas haltbarer oder stabiler? Welche Stoffe können TBT ersetzten?

Danke schon mal!
Verena

Hallo Verena
Ein einfaches Nachweisverfahren für metallhaltige Verbindung in Zelluloseverbindung ist zum Beispiel die Flammenfärbung .
Viele Metalle leuchten in einem speziellem Spektrum des Lichtes , wenn sie auf hohe Temperaturen gebracht werden .
Bei Google findet man jede Menge Info zum Thema Tributylzinn .
Beim Thema PVC und Weichmacher ist es so :
Man möchte die spröde und deswegen leicht brechende Struktur des PVC’s auflockern , es wird davon elastischer und deshalb stabiler und auch etwas temperaturbeständiger .
Die Anwendung von Weichmachern war zumindest früher ein Problem des Preises , das heißt , ein ungiftiger Weichmacher war zu teuer .
Ich selber habe manchmal den Eindruck , das PVC gerne zum Entsorgen sonst unliebsamer Chemikalien benutzt wird .
Mit freundlichen Grüßen

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Hallo!

Ich arbeite in der Forschung&Entwicklung des Farbherstellers, welcher die Druckfarben für die besagten Windeln herstellt. In dieser Eigenschaft kann ich hoffentlich etwas zur Klärung der Fragen beitragen.

  1. Zum Nachweisverfahren:
    So einfach wie schon behauptet ist der Nachweis nicht, ansonsten wäre es auch leichter ( und billiger ), das unerwünschte TBT festzustellen. Die Methode der Flammfärbung gilt vielleicht für einige simple Pickanalysen ausgewählter Metalle. Hier ist sie jedoch nicht anwendbar, da sowohl Zinn (II)- als auch Zinn (IV)-Ionen im fernen Ultraviolett emittieren ( stärkste Linie bei 224,6 nm ). Sieht also kein Mensch in der Flamme. Zinn läßt sich im analytischen Trennungsgang mit allerlei Schwierigkeiten als Phenylarsonsäuresalz ( Zinn IV ) oder z.B. Cassiusscher Goldpurpur ( Zinn II ) darstellen. Leichter gehts über die Lumineszenzreaktion, bei der das gesamteZink zur Stufe II sauer reduziert wird. Anschließend wird ein mit kaltem Wasser gefülltes Reagenzglas in die Lösung gehalten und danach in die nichtleuchtende Brennerflamme. Eine blaue Lumineszenz ( am Glas, keine Flammenfärbung ) ist sehr spezifisch und empfindlich als Nachweis für Zinn, nur Niobium luminesziert noch auf diese Art.
    ABER: Wir sprechen hier vom Nachweis von ZINN, nicht TBT!!! Woher das vielleicht gefundene Zinn stammt, kann niemand sagen. Außerdem ist es sehr schwierig, aus einer metallorganischen Verbindung das Metall für derart primitive Nachweismethoden herauszubekommen.
    Metallorganik ist nur über apparative Methoden bestimmbar.
    Gebräuchlichste Bestimmung für Organozinn-Verbindungen ist folgende Methode:
  2. sauer aufschließen
  3. mit Hexan extrahieren
  4. Derivatisierung mit Natriumtetraethylborat
  5. qualitative und quantitative Bestimmung mittels GC-AAS ( Gaschromatografie gekoppelt mit Atom-Absorptionsspektrometrie ).

Dazu ein hilfreicher Link zum Analytiklabor GALAB:

httP://www.galab.de/english/environment/soil/eamsel…

Hier findest Du alles wissenswerte über TBT, seinen Nachweis und seine Umwelteinflüsse.

  1. Zum Einsatz:
    TBT darf gemäß EU-Biozidrichtlinie europaweit nicht mehr als Biozid eingesetzt werden. Dies betrifft alle Produkte, Schiffsfarben wie Druckfarben oder Desinfektionsmittel, Textilien, Agroprodukte. Ähnliche Regelungen gelten für andere zivilisierte Länder in der Welt. Allerdings hindert niemand einen z.B. koreanischen Schiffbauer daran, in Indien hergestellte TBT-haltige Farbe auf sein Schiff zu pinseln, das dann unter Panamaflagge für eine deutsche Reederei in der Ostsee fährt. Dies nur mal als Hinweis…
    Eine kurze Anekdote zur Windel: Selbstverständlich enthielten unsere Farbrezepte nie so ein Teufelszeug. Allerdings werden bestimmte Pigmente unter Katalyse von Organozinn-Verbindungen hergestellt. Dies ist unumgänglich und ein weiteres großes Einsatzgebiet dieser Substanzen, allerdings gelangen diese nicht ins Endprodukt, wenn sie korrekt umgesetzt werden. Die uns gelieferten Vorprodukte enthielten aber offensichtlich durch Schlamperei TBT- Reste aus der Synthese, welche nicht ordentlich ausgewaschen wurden. Mittlerweile stellen wir diese Vorprodukte lieber selber her, da weiß man, was man hat. Auf eine Stellungnahme unseres Lieferanten warten wir bis heute ( Ich sage nur : USA… )
    In Kunststoffen wurde TBT als Weichmacher eingesetzt, welcher PVC thermisch stabiler, UV-unempfindlicher ( Verwitterung ) und flexibler macht.
    Zumindest in Deutschland wird kein TBT mehr als Weichmacher eingesetzt, über andere Länder kann ich nur spekulieren; ich vermute aber, daß der Einsatz als Weichmacher ebenfalls europaweit untersagt ist.
    Es gibt andere Substanzen als Alternative. Ich möchte allerdings den Zahn ziehen, daß diese „ungiftig“ im Sinne des Laien sind. Alle Weichmacher sind genauso ökologisch bedenklich wie unabdingbar in der Herstellung. Der Einsatz eines spezifischen Stoffes ist mehr eine Frage dessen, welche Deals zur Einstufung und Klassifizierung zwischen Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden gerade gemacht werden.
    Mit Sicherheit sind jedoch alle Alternativen weit WENIGER bedenklich als TBT!Entschieden wirdersprechen möchte ich den Behauptungen, es würden keine „ungiftigen“ Weichmacher eingesetzt, nur weil diese zu teuer seien. Es gibt mehr freiwillige Selbstverpflichtungen z.B. seitens des Druckfarbenverbandes zum Schutze der Umwelt als der Laie glaubt. Und auch die Kunden ( z.B. Procter&Gamble, siehe Windeln ) sind aufgeweckter, als manche Horrorszenarien dem nicht Eingeweihten glauben machen möchten.
    Ebenso entschieden widerspreche ich der Behauptung, PVC sei die „Müllkippe“ der Kunststoffindustrie. Auch PVC unterliegt den Umweltgesetzgebungen. Man mag diese für sinnvoll oder weniger sinnvoll halten, aber kein Hersteller erlaubt sich die illegale Sondermüllentsorgung in seinen Produkten. Dies unterschreibe ich zumindest für unsere Zeit und Deutschland/Europa.

Ich hoffe, Dir mit meinen Antworten und dem Link zur GALAB weitergeholfen zu haben…

Gruß

Fitzcarraldo