Wertigkeit

Von: , Frage gestellt am Mo, 5. Jan 2004

Hallo zusammen!!

Kann mir jemand bestätigen ob meine Annahmen richtig sind oder mir es dann gegebennenfalls erklären.

Also:

Nehmen wir ein Beispiel:

Chlor braucht noch ein Elektron um Edelgaskonfiguration zu haben. Deshalb verbindet sich Chlor z.B mit Natrium.

Schwefel braucht eigentlich noch zwei Elektronen um Edelgaskonfiguration zu erreichen.
Nun gibt es ja die Verbindung Schwefeldioxid.
Das ist eine Atomare Bindung.(würd ich mal sagen)
Nun teilt sich ein Sauerstoffatom mit dem Schwefel zwei Elektronen.
Das andere Sauerstoffatom teilt sich auch zwei Elektronen mit dem Schwefel.
Nun hätte ja der Schwefel zwei Elektronen zu viel oder?
1.Ist es nun so das ich mir jeweils nur eine Schwefel Sauerstoff Verbindung anschauen darf?(Dann würde es ja passen jedes Atom wäre glücklich).
2.Oder ist es vielmehr so dass, das in dieser Verbindung benutzte Schwefel ein Ion ist das von vorn herein zwei Elektronen zuwenig hat.

Das was ich unter 2. geschrieben habe glaube ich eher nicht weil mir dann das mit der Wertigkeit dann nicht klar ist).
Schwefel ist in dieser Verbindung von der Wertigkeit her 4+.
Kann ich das durch die 2 Doppelbindungen erklären da ja Sauerstoff immer 2- sein muß.

Wenn das was ich hier geschrieben habe komplett falsch sein sollte, sorry(aber eine Erklärung wäre trotzdem toll!!!)

Mfg Spongebob

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 20 Minuten 0 hilfreich
    Re: Wertigkeit

    Hi Spongebob

    Also wenn ich das richtig verstehe interressieren Dich die Bindungen zwischen S und O
    Also Schwefel kann sowohl +4 als auch seltener +2 "wertig" sein.
    Wenn es +2 Wertig ist, dann Bildet sich SO mit einer Doppelbindung und wenn es +4 ist SO2 mit zwei Doppelbindungen. Alle Bindungen sind Kovalente Bindungen und keine Ionischen.
    Das ist hauptsächlich auf der Elektronegativität von S und O begründet.

    So ich hoffe ich konnte helfen

    GRuß

    FElix Herbst [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Wertigkeit

      Also wenn ich das richtig verstehe interressieren Dich die
      Bindungen zwischen S und O
      Also Schwefel kann sowohl +4 als auch seltener +2 "wertig"
      sein.
      Im Schwefeltrioxid hat es sogar die Wertigkeit (besser Oxidationszahl) +6 und wenn man sich nicht auf die Oxide beschränkt, sind alle Oxidationszahlen von -2 bis +6 bekannt. Das ist hauptsächlich auf der Elektronegativität von S und O
      begründet.
      Um es konkreter zu machen: Eine Bindung mit einem elektronegativeren Element erhöht die Oxidationszahl und umgekehrt. Sind die Elektronegativitäten gleich (bei Verbindungen zweier Atome desselben Elementes), dann hat die Bindung keinen Einfluß auf die Oxidationszahl. Bei Ionen muß man zusätzlich beachten, an welchen Atomen die Ladungen hängen und diese zu den Oxidationszahlen des betreffenden Atoms addieren.

      Beispiel: Dischwefelmonoxid S=S=O

      Das linke Schwefelatom verfügt über zwei Bindungen zum mittleren Schwefelatom und hat deshalb eine Oxidationszahl von Null.
      Das mittlere Schwefelatom ist zweimal an das linke Schwefelatom gebunden (was keinen Einfluß auf seine Oxidationszahl hat) und zweimal an den elektronegativeren Sauerstoff, was ihm eine Oxidationszahl von +2 verleiht.
      Der Sauerstoff ist zweimal an das elektropositivere Schwefelatom gebunden und hat daher eine Oxidationszahl von -2.

    • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Wertigkeit

      Mir geht das mit der Wertigkeit irgendwie nicht runter.
      Woher weis ich wieviel wertig der Schwefel jetzt ist.

      Woher weis ich das der Schwefel beispielsweise auch 3 Sauerstoffatome binden kann? (Das ist halt so oder)
      Das sind ja dann kovalente Bindungen.

      O=S=O

      Der Schwefel stellt nun 4 seiner Elektronen zur Verfügung.Er braucht aber nur noch zwei. Wiso darf das andere Sauerstoffatom dann die anderen Elektronen benutzen.
      Der Schwefel wäre doch dann "übersättigt"?

      Oder muß ich das bei einer kovalenten Bindung anders sehen? Wenn ja wie??
      (Beispielsweise so das der Schwefel garnicht weis das ein 2.Sauerstoffatom da ist(nur Vermutung von mir))

      Mfg Spongebob

      • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Wertigkeit

        Hallo Oli, Mir geht das mit der Wertigkeit irgendwie nicht runter.
        Woher weis ich wieviel wertig der Schwefel jetzt ist.
        Ich will mal eine Antwort versuchen. Du brauchst das nicht alles verstehen. Überflieg es einfach und lies dann den letzten Absatz.

        S ist in der dritten Periode. Das mit der Wertigkeit -> Edelgaskonfiguration funktioniert nur gut bis zur zweiten Periode (also bis zum Neon). Aber warum? Weil die Natur etwas komplizierter ist als unsere einfachen Modelle von ihr. Um das besser verstehen zu können, muß man das "Schalenmodell", das du kennst, erweitern zum "Orbitalmodell". Das kann ich dir in diesem Rahmen natürlich nicht genau erklären, du kannst dich aber je nach Interesse im Internet nach der Stichwortsuche weiterbilden. Hier werde ich jetzt mit "Lügen für Laien" weitermachen und hoffe, das dich das auf den richtigen Weg bringt:

        Elektronen laufen nicht wirklich auf "Bahnen" um den Atomkern. Besser lassen sie sich beschreiben als "schwingende Ladung" in der Nähe des Atomkerns. Versuche nicht, dir das vorzustellen! Darum geht es nicht. Es ist ein mathematisches Modell, welches gut beschreibt, wie sich Atome verhalten. Entsprechend dieser "stehenden (Elektronen-)Wellen" um die Atomkerne herum kann man berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit man ein Elektron in einem bestimmten Raumgebiet antreffen kann. Das Raumgebiet, in denen man das Elektron mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit (zB. 99%) antrifft, bezeichnet man als "Aufenthaltsraum" bzw. als Orbital. Daher nennt man das ganze "Orbitalmodell". Im einfachsten Fall ist ein solches Orbital eine Kugel, es kann aber auch sehr sonderbare Formen haben, je nach Energie des Elektrons. Nun kann ein Orbital von genau zwei Elektronen besetzt sein. Das liegt daran, dass Elektronen eine quantenmechanische Eigenschaft (den Spin) haben, in denen sich zwei ansonsten identische Elektronen unterscheiden können. Dieser Spin kann genau zwei unterschiedliche Werte annehmen, daher kann jedes Orbital maximal von zwei Elektronen besetzt sein.

        Nun ordnen sich Elektronen immer so, dass Orbitale möglichst niedriger Energie besetzt werden. Einfach besetzte Orbitale sind energetisch ungünstig. Dieser Zustand kann von den Atomen umgangen werden, indem die Schwingungen energetisch ähnlicher Orbitale in Resonanz gebracht werden, wobei neue, sogenannte Hybridorbitale entstehen, die nun mit anderen Orbitalen in Wechselwirkung treten können, um die "Elektronenlücken" zu füllen. Das Bilden von Hybridorbitalen ist also zunächst etwas ungünstig, die dadurch ermöglichte Umverteilung der Elektronen gleicht das aber mehr als aus.

        Soooo, nun zum Schwefel. Wei gesagt, 3. Periode. Die inneren Schalen haben die Neon-Konfiguration, um die müssen wir uns nicht kümmern. Es bleiben die Valenzelektronen der 3. Schale, das sind 6 Stück. Dort, in der 3. Schale, gibt es drei mögliche Sorten von Orbitalen, die nennt man s, p und d-Orbitale. Die s-Orbitale sind kugelförmig. Davon gibt es in jeder Schale eines. p-Orbitale sind hantelförmig und in jeder Schale gibt es drei, die mal als px, py und pz unterscheidet. Von den recht kompliziert aussehenden d-Orbitalen gibt es sogar 5.

        Die 6 Elektronen besetzen nun die Orbitale wie folgt: 2 im s-Orbital, die restlichen 4 in den p-Orbitalen, wobei eines der p-Orbitale zwei Elektronen abbekommt und die anderen beiden nur noch eines. Die d-Orbitale sind alle unbesetzt. Also, das Problem des Schwefels ist es also, die beiden einzelnen Elektronen so mit anderen zu paaren, das es keine einzeln besetzten Orbitale mehr gibt. Dafür hat Schwefel nun einige Möglichkeiten, Hybridorbitale zu bilden.

        Im SO2, so sagt das mathematische Modell, hybridisieren zwei der p-Orbitale mit dem s-Orbital und bilden drei sp²-Hybridorbitale. Eines davon ist doppelt besetzt, die anderen beiden enthalten je ein Elektron. Dem verbliebenen p-Orbital verbleiben noch 2 Elektronen. Nun wird Sauerstoff zur Bindung genutzt. Da machen die beiden einfach besetzten sp²-Orbitale mit, die nicht zum selben Sauerstoffatom binden können (das geht wegen der Form der Orbitale eben nicht, weil die "Bindungsstellen" in verschiedene Richtungen zeigen). Also müssen zwei Sauerstoffatome gebunden werden, und die wollen ja jedes gerne eine Doppelbindung eingehen. Wenn dafür Platz geschaffen werden kann, wäre das energetisch sehr günstig. Und das geht, weil ja in der dritten Schale des S noch unbesetzte d-Orbitale sind. So wird ein Elektron aus dem doppelt besetzten p-Orbital in ein d-Orbital verfrachtet. Das p-Orbital kann nun die zweite Bindung mit dem einen O-Atom eingehen und das d-Orbital die zum anderen O-Atom.

        Übrigends stehen die drei sp²-Orbitale des S-Atoms wie die Zacken eines Mercedes-Sterns zueinander. Daher ist die O=S=O - Bindung auch nicht so, wie gezeichnet, in einer Linie, sondern die S=O-Bindungen stehen in einem Winkel zueinander: Das Molekül ist tatsächlich V-förmig, wie man zeigen kann (übrigends im Ggs. zu CO2, wo das C sp-hybridisiert ist).

        Beim SO3 ist die Sache komplizierter. Hier hybridisieren gleich zwei der d-Orbitale mit einem der p-Orbitale und bilden 3 einfach besetzte pd²-Hybridorbitale. die beiden anderen p-Orbitale hybridisieren mit dem s-Orbital zu drei ebenfalls einfach besetzten sp²-Orbitalen. Je ein sp²- und ein pd²-Orbital kann nun eine Bindung zu einem O-Atom eingehen, mach insgesamt drei Doppelbindungen zu drei O-Atomen.

        Beim SO4 ist es wieder einfacher: das s-Orbital hybridisiert mit allen drei p-Orbitalen zu vier einfach besetzten sp³-Orbitalen, die beiden restlichen Elektronen weichen auf d-Orbitale aus. So können vier O-Atome gebunden werden, zwei davon mit einer Doppelbindung (einmal sp³ plus einmal d). Zwei Sauerstoffatome haben dann noch das Problem, das ihnen je ein Elektron fehlt, welches sie sich extern besorgen müssen (zb aus dem Wasser oder von einem Alkalimetall), so das SO4 als SO4(2-) Anion vorliegt. Damit können diese Elektronen auch energiegünstig in die Nutzung der d-Orbitale einbezogen werden, so das sich eigentlich das S und die vier O-Atome 8 Elektronen in einem Bindungssystem teilen, welches 4 d-Orbitale umfaßt. Woher weis ich das der Schwefel beispielsweise auch 3
        Sauerstoffatome binden kann? (Das ist halt so oder)
        Die Mathematik bzw. die Quantenmechanischen Modelle, die dahinterstehen sind sehr kompliziert und oft nicht mal von Profis lösbar. Du kannst - theoretisch - alle Zustände der Elemente aus den Modellen berechnen bzw. vorhersagen und auch schließen, welcher Zustand unter welchen Bedingungen der günstigste ist. Praktisch ist das aber zu schwer bis unmöglich. Also ist es am besten, Du nimmst es einfach hin: Das ist halt so.

        Grüße,
        Jochen

        PS: Hoffentlich war das das, was Du gefragt hast, dann hat die Mühe etwas gelohnt.

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