Re^5: grau mein Freund ist alle Theorie
Ein Abzug (besser gesagt der Unterschrank der aber auch an der
Abluft hing (geprüft!)) wurde von alten Chemikalienschätzen
befreit. Nach Aussage des Assistenen wurde dieser Schrank seit
Jahren nicht mehr verwendet. Quecksilber wurde dort nicht
gelagert, wir fanden aber im hintersten Eck ziemlich viel
Hg-Tröpfchen, die wir mit einer Spezialzange aufnahmen (dürfte
bekannt sein). Wir fanden sage und schreibe fast 150 g Hg.
Wenn das Qecksilber aber so langsam verdunstet, dann genügt das nicht um die Grenzwerte zu überschreiten - nicht bei den geringen Mengen, die in einem Thermometer sind. Bei 150g sieht das zwar anders aus, aber in unserem Institut wurden unter einem Labortisch-Einsatz mehrere Kilo von dem Zeug gefunden - und das nur wenige Wochen nachdem eine Schadstoffmessung im selben Labor keine Belastung erbracht hat. Also entweder das Qecksilber aus dem Thermometer verdunstet schnell, dann werden die Grenzwerte überschritten, aber nur für kurze Zeit oder es verdunstet langsam, dann liegen die Konzentrationen unterhalb der Grenzwerte. Ein Problem ist das nur für Allergiker (die beispielsweise auich Probleme mit Amalgam-Plomben haben), aber die sind äußerst selten.
Die Panik, die beim Freisetzen von Quecksilber verbreitet wird, geht darauf zurück, daß die Sicherheitsbestimmung unabhängig von der Menge gelten. Natürlich ist jeder gut beraten, frei gesetztes Quecksilber so zu entsorgen, wie es vorgeschrieben ist. Damit ist man auf der sicheren Seite. Aber es besteht kein Grund entsetzt vor einem Quecksilberthermometer zurückzuschrecken. Von dem Ding geht kein unmittelbares Risiko aus und daß man sie aus dem Verkehr zieht, liegt hauptsächlich daran, daß Herstellung und Entsorgung problematisch sind. Wenn in tausenden Haushalten Quecksilber aus kaputten Thermometern ins Klo gespült oder in den Müll geworfen wird (früher ging man damit ganz anders um als heute), dann handelt man sich damit langfristig echte Probleme ein und wer beruflich mit dem Zeug zu tun hat, setzt sich wirklich einem hohen Risiko aus und in diesen Bereich fällt die überwiegende Zahl von Fällen, in denen es durch Quecksilberdämpfe zu gesundheitlichen Schäden oder gar tödlichen Folgen kam. Um das zu verhindern wurden die strengen Sicherheitsvorschriften erlassen, die ihrerseits dazu geführt haben, daß man Quecksilber nur noch dort einsetzt wo es unbedingt notwendig ist und in einem Fieberthermometer ist es nicht notwendig.