Stammzellen und Clonen

Hai, ihr Ahnungsvollen,

ich hab da zwei Fragen…

a) wenn ich mich richtig erinnere, schwimmen doch auch in einem erwachsenen Körper Stammzellen rum - kann man die eigentlich irgendwie rausfiltern?

Wenn ja, dann Frage b) (ansonsten hat sich dieser Teil der Anfrage erledigt)
Warum werden für Clon-Forschung nicht die Kerne von Stammzellen verwendet? Das müsste doch, unter dem Aspekt der „Entwicklungsfortschritt-Rückstellung“ wesentlich günstiger sein?

Gruß
Sibylle

Hi Sibylle,

a) wenn ich mich richtig erinnere, schwimmen doch auch in
einem erwachsenen Körper Stammzellen rum - kann man die
eigentlich irgendwie rausfiltern?

ja.

Warum werden für Clon-Forschung nicht die Kerne von
Stammzellen verwendet? Das müsste doch, unter dem Aspekt der
„Entwicklungsfortschritt-Rückstellung“ wesentlich günstiger
sein?

Es gibt einige praktische Schwierigkeiten. Zum einen ist es recht kompliziert sie zu isolieren, ohne sie dabei zu schädigen und zum anderen ist deren Handhabung auch schwieriger. Man kann sie z.B. nicht so einfach ‚dirigieren‘ wie embrionale Stammzellen.

Mir wäre es auch weitaus lieber, wenn man mit adulten Stammzellen arbeiten könnte.
Gandalf

Hallo Sibylle: Im Körper des Menschen gibt es in praktisch allen Organen Stammzellen wie z.B. im Hirn, Haar, Haut, Baby-Zähnen, Herz, Brust, Fettgewebe, Pancreas, Nabelschnurblut und im Knochenmark. Die Stammzellen aus dem Knochenmark die über das Blut zur Zellerneuerung in die verschiedenen Organe transportiert werden, sind damit zwar ein wichtiger ein Typus, aber einer unter vielen. Zur Aussortierung der Stammzellen werden sie nach einem patentierten Verfahren mit einem Farbmarker gekoppelt und danach im Zellsorter separiert. Im Zellsorter wird die Zellsuspension in feinste Tröpfchen überführt, sodass ein Tröpfchen nur eine Zelle enthalten soll; beim Durchgang einer Lichtschranke werden die Zellen dann je nach Farbmarker ins linke oder rechte Gläschen aussortiert.
Die verschiedenen Stammzell-Typen sind zahlenmässig (ca. einige bis 100) beschränkt und nur aus wenigen Organen (z.B. Fettgewebe, Rückenmark, Nabelschnurblut, abgetriebene Föten) isolierbar ohne die Quelle (Mensch, Tier) zu schädigen oder zu töten. Ob dies ein Grund ist warum keine Zellkerne von Stammzellen zum Klonen verwendet werden weiss ich nicht. Es gibt immer mehr Forschungsberichte die Zellen von gewünschten Gewebetypen durch Transdifferenzierung aus adulten Zellen herstellen. So wurden aus im Blut des Menschen in Millionen vorhandenen Monozyten (ein Typ weisser Blutkörperchen) aussortiert, mit Wachstumsfaktor M-SCF zu pluripotenten f-Macrophagen transdifferenziert, die dann zu verschiedenen Zelltypen (z.B. Epithel-, Endothel-, Leberzellen, Neuronen) umgewandelt werden konnten.
Die Entwicklungsrückstellung wird beim clonen bisher durch die in der entkernten Eizelle vorhandenen Substanzen bewerkstelligt.
Gruss

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Hai, Grauer,

Warum werden für Clon-Forschung nicht die Kerne von
Stammzellen verwendet? Das müsste doch, unter dem Aspekt der
„Entwicklungsfortschritt-Rückstellung“ wesentlich günstiger
sein?

Es gibt einige praktische Schwierigkeiten. Zum einen ist es
recht kompliziert sie zu isolieren, ohne sie dabei zu
schädigen und zum anderen ist deren Handhabung auch
schwieriger. Man kann sie z.B. nicht so einfach ‚dirigieren‘
wie embrionale Stammzellen.

Mir wäre es auch weitaus lieber, wenn man mit adulten
Stammzellen arbeiten könnte.

Da hab ich mich wohl Mist-verständlich ausgedrückt: zum Klonen werden bisher die Kerne von Hautzellen benutzt, die dann, in der entkernten Eizelle untergebracht, erst mal dazu gebracht werden müssen, sich selbst wieder für den Kern einer undifferenzierten Zelle zu halten - wenn der Prozess des Aussortierens allerdings zu Schäden an der Stammzelle führen, könnte das die Erklärung dafür sein, daß sie nicht als „Kern-Spender“ benutzt werden können.
Embryonale Stammzellen dafür zu benutzen wäre insofern nicht zielführend, weil es ja um die Frage geht, wie man erwachsene Individuen klonenn könnte…

Gruß
Sibylle

Hai, Paul,

Im Körper des Menschen gibt es in praktisch

Laß uns von Kühen reden - dann lässt es sich freier herumtheoretisieren, ohne daß irgendwer sich gemüßigt fühlt, uns mangelnde Ethik vorzuwerfen…

Aussortierung der Stammzellen werden sie nach einem
patentierten Verfahren mit einem Farbmarker gekoppelt und
danach im Zellsorter separiert. Im Zellsorter wird die

Sind die Stammzellen dann noch ungeschädigt? Oder macht der Marker den Zellkern kaputt?

isolierbar ohne die Quelle (Mensch, Tier) zu schädigen oder zu
töten. Ob dies ein Grund ist warum keine Zellkerne von
Stammzellen zum Klonen verwendet werden weiss ich nicht. Es

Wär aber auch 'ne Möglichkeit - man möchte ja die Ursprungskuh (die, von der der Kern kommt) zu Vergleichszwecken wahrscheinlich übrigbehalten…

Die Entwicklungsrückstellung wird beim clonen bisher durch die
in der entkernten Eizelle vorhandenen Substanzen
bewerkstelligt.

Hmmm - ich hör immer was von Energiestößen, die noch benötigt würden…

Gruß
Sibylle

Hi Sybille,

hier noch ein paar Antworten:

a) wenn ich mich richtig erinnere, schwimmen doch auch in
einem erwachsenen Körper Stammzellen rum - kann man die
eigentlich irgendwie rausfiltern?

Blutstammzellen lassen sich ganz gut aus dem Körper isolieren (z.B. bei Knochenmarkspende), auch in der Haut gibt es „Haut“-Stammzellen. Selbst im Gehirn hat man neulich im Huhn Stammzellen nachgewiesen (an die kommt man so gut wie nicht ran).

Diese Stammzellen sind keine allgemeinen Stammzellen mehr, sie haben sich schon in Richtung eines Zelltyps entwickelt. Aber da hast Du recht… sie sind noch ursprünglicher als fertig ausgewachsene (differenzierte) Zellen. DIE Stammzelle ist eigentlich die befruchtete Eizelle, die kann wirklich noch alles. Schon kurz darauf im Blasenkeim haben z.B. die Zellen, die den eigentlichen Embryo bilden, z.B. die Fähigkeit verloren da embryonale Gewebe, das den Embryo versorgt zu bilden.

Das heißt, das man z.B. aus Embryonalen Stammzellen alleine keinen neuen Organismus bilden kann, weil diese Stammzellen keine Eihäute mehr bilden können.

Wenn ja, dann Frage b) (ansonsten hat sich dieser Teil der
Anfrage erledigt)
Warum werden für Clon-Forschung nicht die Kerne von
Stammzellen verwendet? Das müsste doch, unter dem Aspekt der
„Entwicklungsfortschritt-Rückstellung“ wesentlich günstiger
sein?

Klon-Forscher wollen zeigen, daß eine Reprogrammierung möglich ist, also das man aus adulten Zellen neue Individuen machen kann.

Bei Dolly wurde daher heftig diskutiert, ob der Forscher nicht zufällig eine Haut-Stammzelle als Kernspender erwischt hätte und es nur deshalb geklappt hat. Weil dann das Forschungsergebnis lange nicht so revolutionär gewesen wäre.

Ein anderer Grund keine Stammzellen zu verwenden als Kernspender zu verwenden ist die Handhabbarkeit dieser Zellen. Sie sind meist klein und der Zellkern ist nicht so gut sichtbar wie bei z.B. Hautzellen. Er läßt sich daher schlechter entfernen.

Stammzellen muß man auch in der Zellkultur sehr sorgfältig behandeln, da sie ansonsten weiter zu ausgewachseneren Zelltypen differenzieren. Es wäre eben einfacher eine „lumpige“ irgendwas Zellkultur nehmen zu können und gerade Haut läßt sich gut kultivieren.

Weitergeholfen?

Gruß Julia

Hallo Sibylle: Anbei zusätzliche Info’s aus der Literatur; zur Ethik hat eh jeder eine andere Meinung.
z.B. Leukämiepatient: Beim Zellspender oder Leukämiepatienten werden mit einem gentechnisch hergestellten Wachstumsfaktor die blutbildenden
Stammzellen zur Teilung und Vermehrung angeregt. Diese Stammzellen werden mit Zellseparatoren herausgefiltert, und durch Fluoreszenzmarkierung weiter angereichert. Beim Leukämie-Patienten werden durch Bestrahlung und Chemotherapie die krankhaft veränderten
Blutzellen und ihre Vorläufer (möglichst vollständig!) zerstört; anschliessend wird die Blutbildung durch Transfusion gesunder Blut bildender Stammzellen neu aufgebaut.
Durch „therapeutisches Klonen“ (nucleus transfer) erzeugte embryonale Stammzellen (ntES-Zellen): Eizellen werden in vitro die Chromosomen entfernt. Eine Spenderzelle mit doppeltem Chromosomensatz wird zwischen
Cytoplasma und Eihülle (perivitelliner Raum) in die entkernte Eizelle eingebracht. Durch elektrische Impulse wird eine Aufnahme der Spenderzelle ins Cytoplasma der Eizelle bewirkt; zusätzlich erfolgt eine Aktivierung der Eizelle durch elektrische oder chemische Stimuli.
Der entstandene Embryo kann in vitro bis zum Blastocystenstadium kultiviert und zur Gewinnung von ntES-Zellen verwendet werden.
Gruss

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