Vogelgrippe

Hallo!
Frage eines unbedarften Pflanzenphysiologen an die
Genetiker/Mikribiologen/Virologen.
Anlass ist die in der Presse angegebene Kreuzungsgefahr
Vogelgrippe-Menschengrippe.
Können sich Viren kreuzen? Gibt es einen (horizontalen) Gentransfer?
Verstehe ich da was falsch?
???
Dank & Gruss,
Stefan

Hi,

Hallo!
Frage eines unbedarften Pflanzenphysiologen an die
Genetiker/Mikribiologen/Virologen.
Anlass ist die in der Presse angegebene Kreuzungsgefahr
Vogelgrippe-Menschengrippe.
Können sich Viren kreuzen? Gibt es einen (horizontalen)
Gentransfer?

soweit ich weiß nicht. Bin aber auch nicht auf dem aktuellsten Stand der Dinge.

Andererseits sind gerade Viren ja recht variabel und verändern sich teils rasant. Unter Umständen kann eine Veränderung im Erbmaterial ein vormals für Menschen ungefährliches Virus für Menschen „passend“ machen.

Auch sind manche Viren zwar nicht direkt für Menschen gefährlich aber eben auch nicht gerade UNgefährlich. Dies Geflügelgrippe, also die klassische Geflügelpest, war auch vorher nicht ungefährlich für den Menschen. Gelangten Viruspartikel durch Schmierinfektion auf Augen- Schleim- und Bindehäute, dann konnten sich tumoröse Gewebswucherungen bilden. Von daher war eine gewisse „Passgenauigkeit“ bereits gegeben :smile:)

JD

Verstehe ich da was falsch?
???
Dank & Gruss,
Stefan

Hi,

erstmal ein link zum Robert-Koch-Institut. Hier werden alle allgemeinen aktuellen Fragen behandelt.

http://www.rki.de/INFEKT/GP/GP_FAQ.PDF

Zu Deiner Frage wegen der Kreuzungsgefahr. Es handelt sich hier nicht um klassische Kreuzung, sondern um einandersartiges Phänomen. Ist ein Mensch mit einer normalen (humanen) Grippe infiziert und kommt dazu noch die Geflügelgrippe, dann kann es in einer von beiden Viren befallenen Zelle zu einer neuen Durchmischung von den einzelnen Vierenbestandteilen kommen und ein neuer veränderter Virus entstehen.

Kann man sich vereinfacht so vorstellen, als ob eine Auto-Fabrik (Zelle) nicht nur Bauteile für einen Golf (Grippe-Virus) geliefert, bekommt, sondern auch die für einen Porsche (menschlicher Grippe Virus). Wenn dann aus den Einzelteilen ein neues Auto zusammengesetzt wird, entsteht quasi ein neuartiger Virus. Und wenn es dumm läuft ist der eben dann von Mensch zu Mensch übertragbar (Fähigkeit des menschlichen Grippe-Virus) und hat noch die Pathogenität des Hühnervirus. Also ein Golf mit Porsche-Motor.

Es können natürlich auch andere Varianten, die geringere Pathogenität oder Übertragbarkeit haben entstehen. (Porsche mit Kofferraum vom Golf und Golf-Sitze) :wink:). Das ist letztendlich Zufall.

Gruß Julia

Es können natürlich auch andere Varianten, die geringere
Pathogenität oder Übertragbarkeit haben entstehen. (Porsche
mit Kofferraum vom Golf und Golf-Sitze) :wink:). Das ist
letztendlich Zufall.

Eine Kombination von hoher Übertragbarkeit und geringer oder besser noch fehlenden Pathogenität, wäre natürlich wünschenswert, weil eine Ansteckung mit diesem Virus zu einer Imunisierung gegen die gefährlichen Formen führen könnte.

Hi Ihr,
zwei Sätze verlier ich jetzt doch mal dazu. Erst einmal find ich die Verquickung von Pest mit Influenza A Viren immer wieder spannend. Auch wenn die Unart, alle möglichen Krankheiten als Pest zu bezeichnen (pestilentia (lat.) Seuche), es sei noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt, diese Erkrankungen haben nichts mit der klassischen Beulenpest gemein, die durch ein Bakterium mit dem klangvollen Namen Yersinia pestis ausgelöst und durch Rattenflöhe übertragen wird. Vogelgrippe ist tatsächlich nichts weiter als die allseits bekannte Grippe beim Menschen, ausgelöst durch das Influenza A Virus (Familie der Orthomyxoviridae, membranumhülltes Virus mit 8 einzelsträngigen RNA-Genomsegmenten in Negativstrangorientierung mit einer Länge zwischen 0,9 und 2,3 kb, codierend für je 1-2 Virusgene). Vögel (insbesondere wassergebundene Zugvögel) gelten als das natürliche Reservoir für das Virus, so daß hier auch die größte Bandbreite an Subtypen gefunden wurde…
Warum ist das wichtig? Nun, eigentlich ist eine direkte Übertragung auf den Menschen nicht möglich, was mit der Spezifität eines viralen Enzyms, der sogenannten Neuraminidase zu tun hat…die spaltet auf den Zelloberflächen Sialinsäurereste ab, ein Prozeß, der für das Eindringen der Viren in die Epithelzellen der Schleimhäute essentiell ist…nun befällt aber das menschliche Virus eher unseren Bronchialtrakt, bei Vögeln den Magen-Darm-Trakt und eigentlich unterscheiden sich die extrazellulären Glykodendrimere der Matrix aber bezüglich iher Sialinsäurereste.
Wie infiziert das Virus dann einen Menschen, fragt man sich da? Es gibt derer zwei Möglichkeiten…

  1. Das Virus mutiert und bringt eine Neuraminidase hervor, die menschliche Glykostrukturen aufbrechen kann und somit den Viruseintritt in die menschliche Zelle erlaubt (so geschehen 1918 bei der spanischen Grippe, 1957 bei der asiatischen Grippe, 1997 bei der Hong Kong Grippe und jetzt 2004) (sogenannter Anitgen. Drift)
  2. Das Vogelvirus vermischt sich in einem Zwischenwirt mit dem Menschenvirus und durch die Neukombination der Gensegmente entsteht ein ‚neues‘ Virus, das humanpathogen und für das Immunsystem so unbekannt ist, daß es eine neue Epidemie auslösen kann (Antigen. Shift)

Um Deine Frage zu beantworten, horizontaler Gentransfer zwischen Viren ist vielleicht tatsächlich der falsche Ausdruck, in der Virologie spricht man von sogenannten Reassortanten, die bei allen Viren mit segmentiertem Genom vorkommen können, teilweise aber nur in vitro nachgewiesen wurden. Prinzipiell ist Influenza-Genetik ein sehr komplexes Thema und grade die Übertragung der einzelnen Subtypen aus Vögeln beschäftigt nach wie vor die Wissenschaft. Ein Mensch, um den man da nicht rumkommt, wenn man von WIRKLICHEN Fachleuten spricht, ist Robert Webster, der mit seinen Entdeckungen zu Grippeviren in der Influenza-Genetik ziemlich Bahnbrechendes geleistet hat (gib mal unter PubMed Webster und Influenza ein, da findest Du einige sehr gute Reviews zu dem Thema)

Ich könnt jetzt noch in epischer Breite weiterschreiben…oder es einfach lassen…
bei Fragen…ihr wißt ja…schreibt.

Gruß

Felix

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Hi,

ist aber eine sehr unsichere Geschichte, da mit zunehmender Verbreitung auch wieder die Wahrscheinlichkeit einer Variation steigt… und damit eine mögliche Pathogenität.

JD

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ist aber eine sehr unsichere Geschichte, da mit zunehmender
Verbreitung auch wieder die Wahrscheinlichkeit einer Variation
steigt… und damit eine mögliche Pathogenität.

Natürlich ist das unsicher, aber die nicht pathogenen Viren hätten gegenüber den pathogenen einen Vorteil, weil sie nicht bekämpft werden. Eine pathogene Variante könnte sich zwar im infiziereten Körper schneller ausbreiten, aber sobald die Infektion erkannt (und darauf richtig reagiert) wird, verringern sich die Chancen einer Übertragung erheblich. Dagegen kann die nicht pathogene Variante sich weitgehend ungehindert in der Population verbreiten. Wenn die beiden Spezies ähnlich genug sind, wird ein Großteil der Bevölkerung auf diese Weise gegen beide Varianten immunisiert (natürlich vorausgesetzt, daß eine Immunisierung möglich ist - was aber bei Influenza-ähnlichen Viren der Fall sein sollte) und die Ausbreitung der pathogenen Variante eingedämmt.

Aber wie gesagt: Das ist der denkbar günstigste Fall. Es ist ebenso möglich, daß eine Variante mit der Virulenz von Influenza und der Mortalität der Vogelgrippe entsteht. Dagegen wäre SARS ein Kindergeburtstag.

Öhm,

die Krankheit des Geflügels hieß nun mal „Geflügelpest“. Das die nun gar nix mit der nicht virenbedingten Pest zu tun hat ist klar. Man nannte das Krankheitsbild einfach so… die tatsächlichen Hintergründe kamen „etwas“ später :smile:

JD

Hi JD,
ich fürchte, das ist Volksmund, meine Virologie-Bücher (deutsch- wie englischsparachige) erwähnen nix von Geflügelpest oder fowls-disease oder gar fowls-plague, im Gegensatz zu Rinderpest z.B.,das ein Paramyxovirus und ein Vetter von Masernviren ist…

Gruß

Felix

die Krankheit des Geflügels hieß nun mal „Geflügelpest“. Das
die nun gar nix mit der nicht virenbedingten Pest zu tun hat
ist klar. Man nannte das Krankheitsbild einfach so… die
tatsächlichen Hintergründe kamen „etwas“ später :smile:

JD

Hi,

ich kenne das Zeug noch so aus einem Viro-Praktikum und hatte mich noch dran erinnert weil wir damals schon darauf achten mussten dass uns nix in die Augen kommt.

JD

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