Genmanipulierte Hefe ?

Liebe Freunde,

ohne hier einen Monsterthread um Weltanschauungen lostreten zu wollen, wird beim Bierbrauen genmanipulierte Hefe verwendet ?
Folgender Hintergrund:
ich sitze gestern in meiner Stammkneipe beim Weizenbier als ein Bekannter sagte, ich solle besser Pils trinken, da für´s Weizen genmanipulierte Hefe im großen Stil verwendet würde. Er habe das im Fernsehen gesehen.

Frage: ist dem so ?
Und nur beim Weizen, nicht aber bei anderen Bieren ?

Dank und Gruß
(und trotzdem Prost!)
Bernd

Hallo Bernd

Jedes Bier wird mit Hefe gemacht, ob Genmanipuliert oder nicht. Beim Hefe-Weizen ist die Hefe noch im Bier, deswegen ist dieses so trüb. Bei Kristallklarem Weizen ist keine oder zumindest nicht so viel Hefe drin.

Ich kann mir eigendlich nicht vorstellen das diese Hefe genmanipuliert ist, da ich keinen Grund dafür sehe. Es könnte evtl. sein das eine Genmanipulierung zwecks Kultivierung vorgenommen wurde, d.h. man manipuliert das Genom damit bei der Hefeproduktion bessere Ergebnisse erziehlt werden, dies kann ich mir jedoch auch nicht vorstellen, da Hefe eigendlich leicht zu vermehren ist, und sollte es doch der Fall sein sollte dein Kumpel abstand von Brotwaren nehmen da diese Hefe nun mal die Bier- und Bäckerhefe ist.

Ich verstehe nicht was so schlimm daran ist genmanipulierte Hefe zu trinken? (Das könnte jetzt eine Grundsatzdiskusion auslösen :smile:)
Wenns um Gemüse oder sowas geht spielt es wohl eine Rolle das evtl. gute Stoffe wie Vitamine usw. beim schnellwachstum auf der Strecke bleiben, das Bier aber trinkt man ja nicht wegen den Vitaminen :smile:

MfG
Micha

Hi Bernd,

davon hab ich bisher noch nichts gehört. Beim Bierbrauen kommt es weninger auf eine Ausbeuteoptimierung an, als vielmehr auf eine konstante Geschmackqualität an.
Dazu gibt es sog. Reinzuchthefen, die durch Zucht gewonnen werden. Diese Stämme sind das Gold der Brauereien, denn sie machen zu einem guten Teil den typischen Geschmack der Biere aus.

Genetisch veränderte Organismen neigen aber häufig dazu, unkontrolliert zurückzmutieren, d.h. sie schmeißen das ihnen eingepflanzte Genmaterial wieder raus. Das kann bei Brauhefe dazu führen, daß unkontrolliert eine Geschmackänderung eintritt, was einer mittleren Katastrophe gleichkäme.

Daher glaube ich nicht so recht daran, daß solche Viecher beim Brauen verwendung finden.

Allerdings ist mein Wissen über Gentechnik nicht mehr blitzneu.

Gandalf

Hi

Wo es auch anwndung finden könnte wären die sogenannten Biofilme die auf den Anlagen der Brauerei entstehen und das Bier (Pils) trüb werden lassen, das Bier ist dadurch noch trinbar, jedoch will keiner ein Bier kaufen das schmutzig aussieht wenn es klar sein sollte.
Wenn man Hefen hat die Ansiedlungen solcher Organismen die Biofilme ausbilden verhindern könnten (durch geschmacksneutrale und unschädliche Schreckstoffe) wäre das in den Brauereien bestimmt ein großer Vorteil.
Ob das jedoch wirklich gemacht wird weiss ich nicht, das ist lediglich ein möglicher Grund für Gengeveränderte Hefen.

MfG
Micha

1 „Gefällt mir“

Hallo Michael,

Nur, weil du gefragt hast:

Ich verstehe nicht was so schlimm daran ist genmanipulierte
Hefe zu trinken?

Nur ein möglicher Grund: Weil man sog. „Selektionsmarker“ braucht. Irgendwie muß man ja diejenigen Hefezellen finden, die das Wunschgen aufgenommen haben. Am einfachsten geht das, indem man den Viechern auch noch ein Resitenzgen für ein Antibiotikum mitgibt und sie dann alle in antibiotikahaltigem Medium wachsen läßt. So überleben nur die, welche auch das Wunschgen haben. Dieses Gen könnten sie aber in freier Wildbahn an andere Mikroorganismen weitergeben. So verbreiten sich Resistenzen besser - was man ja nicht will.

Gruß
Jochen

Hallo Diskutanten,

habe zu diesem Thema mal einen diplomierten Braumeister gefragt. Martin Härle ist Braumeister bei einer kleinen unbeugsamen Brauerei in Oberschwaben (wens interessiert: http://www.koenigsegger.de), die Bewertungen bei beertest.de sprechen für seine Kompetenz. Er schreibt zu der vorliegenden Frage:

"Forschungen über die Möglichkeiten von Genmanipultion bei Bierhefe
gab es meines Wissens schon Ende der achtziger Jahre, auch in Deutschland.
Da unser Reinheitsgebot von 1516 solche Dinge nicht berücksichtigen
konnte, wäre grundsätzlich alles in dieser Richtung möglich, mir
persönlich ist aber nichts  über besondere Erfolge oder gar den Einsatz
genmanipulierter Hefen bekannt. Man hat wohl eher die genetischen
Eigenschaften untersucht um Hefezellen eindeutig differenzieren zu können.
Warum (unpopuläre) genmanipulerte Hefen einsetzen? Für Bier gibt es
genug bewährte Hefestämme und Abkömmlinge aus konventioneller Reinzucht.

Für Biermischgetränke sucht man derzeit nach neuen Hefestämmen welche
„passende“ Aromastoffe / Gärnebenprodukte bilden, aber auch da habe
ich noch nichts von Genmanipultionen gehört. Becks hatte Anfang der
neunziger Jahre mal zu Forschungszwecken Hefe ins Weltall geschickt.
Ob das nur ein PR Gag blieb oder tasächlich auch neue Erkenntnise oder
interessante Mutationen dabei rauskamen ist mir allerdings nicht bekannt.

Was die Zukunft bringt, bleibt wohl abzuwarten. Die deutschen Brauer
haben früher ihren Markt durch das Reinheitsgebot und den Glauben
der Deutschen an die Unverfälschtheit des deutschen Bieres nach aussen
abgeschottet. Jetzt übernehmen aber ausländische Konzerne vermehrt
Anteile am nationalen Markt und damit könnte auch die Hemmschwelle
für neue Verfahren fallen?"

Schöne Grüße

MM

Hefe und Antibiotikaresistenz?
Sorry,

aber bei Hefen wird durch Komplementation eines metabolischen Defekts selektioniert. Antibiotika wirken bei Eukarioten nicht.

Außerdem kann man das Transgen durchaus stabil in Hefe einbringen, so daß das Transgen nicht bei der „nächsten Gelegenheit“ verloren geht entfernt wird.

Gruß Julia

Hi,

aber bei Hefen wird durch Komplementation eines metabolischen
Defekts selektioniert.

Ja, im Labor. Ich denke mir nur, daß das bei Hefen für’s Bierbrauen nicht so gut ist, weil man dem Sud ja diese Extra-Substrate zusetzen müßte, und das kann sich auf den Geschmack auswirken.

Antibiotika wirken bei Eukarioten nicht.

Nicht stimmt nicht. Sie sind bei weitem nicht so toxisch wie für Prokaryoten. Aber das nur so. Eigentlich ging’s darum, daß die Resistenzgene verbreitet werden können und man in Zukunft mit mehr polyresistenten Stämmen konfrontiert werden kann.

Außerdem kann man das Transgen durchaus stabil in Hefe
einbringen, so daß das Transgen nicht bei der „nächsten
Gelegenheit“ verloren geht entfernt wird.

Gut, das mag sein. Hier ist mein Wissen schon einige Jahre alt nicht das aktuellste. Ich weiß noch von JH Hegemann, daß wirklich stabil Transformationen ein Problem waren. Das hat man wohl inzwischen gelöst. Kannst du mir dazu mal eine Quellle nennen?

Liebe Grüße und danke für die Klarstellung,
Jochen

Genmanipulierte Bier-Hefe gibt es!
Hallo Bernd,

Mögliche Anwendungen der Gentechnik (alles aus www.transgen.de / Suche nach Bier): da gibt es auch noch weitere links:

Bei Bieren, die nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sind ist derzeit eine unmittelbare Nutzung der Gentechnik ausgeschlossen.
Dagegen sind bei ausländischen Bieren verschiedene Anwendungen der Gentechnik möglich.

Im Ausland ist der Einsatz isolierter Enzyme zulässig. Ihre Herstellung erfolgt häufig mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen.

Die Enzyme sollen den Aufschluss der Stärke und anderer pflanzlicher Stärkeverbindungen verbessern, den Mälzvorgang beschleunigen, die Reifung verkürzen, Fehlaromen unterdrücken und das Herstellungsverfahren optimieren (etwa durch weniger Filterverstopfungen). Eingesetzt werden etwa die Enzyme Amylasen, Proteasen, Pullulanase, Glucanase, Acetolactate-Decarboxylase.

In Deutschland ist jedoch der Einsatz isolierter Enzyme mit dem Reinheitsgebot nicht vereinbar und daher beim Bier nicht zulässig.

Die aus Mittel- und Südamerika importierten Biere werden häufig mit Mais gebraut. Gentechnisch veränderter Mais wird in mehreren Ländern großflächig angebaut.

Im Ausland werden nicht nur Gerste bzw. Weizen als Rohstoffe eingesetzt werden, sondern auch Mais, Reis, Glukosesirup und andere Stärkeprodukte.

Die aus Mittel- und Südamerika importierten Biere werden häufig mit Mais gebraut. Gentechnisch veränderter Mais wird in mehreren Ländern großflächig angebaut.

Veränderungen an der Hefe sind hingegen mit dem Reinheitsgebot vereinbar - unabhängig davon, ob sie mit „klassischer“ Züchtung oder Übertragung von Genen erreicht werden. Die Züchtung von Bierhefen (Reinzuchthefen) hat eine lange Tradition. Ein Verfahren ist die künstliche Auslösung von Mutationen. Dabei werden die enzymatischen Leistungen der Hefen optimiert.

Es sind verschiedene gentechnisch veränderte Hefen bis zur Praxisreife entwickelt worden, vor allem für alkohol- oder kalorienarme Biere. Bis auf eine kleinere Versuchsbrauerei in Großbritannien sind derartige Hefen bisher nicht eingesetzt worden. Die deutschen Brauereien haben versichert, diese Hefen nicht zu verwenden.

Bier enthält in aller Regel keine Hefen mehr; sie werden herausfiltriert und das Bier pasteurisiert. Bei bestimmten „trüben“ Bieren sind jedoch noch Hefen im Bier vorhanden, etwa bei Weizen- oder Malzbier.

Gruß Julia