Chromosomenverknotung bei Mitose möglich?

Hallo!

Ich weiß, die Frage klingt vielleicht dumm, aber kann es eigentlich passieren, dass sich Chromosomen während ihrer Spiralisierung in der Prophase miteinander verknoten?
Mir persönlich scheint das gar nicht mal so unmöglich zu sein, zumindest theoretisch.

Ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand sicher sagen könnte, ob so etwas passieren kann oder nicht.

Vielen Dank im voraus!
Anna

Ich weiß zumindest, daß Chromosomen sich bei der Mitose so nahe kommen, daß sie miteinander reagieren und auf diese Weise Segmente austauschen. Diesen Vorgang nennt man „crossing-over“.

Vielen Dank für Deine Antwort!

Aber ich meinte mit „Verknotung“ nicht die Chiasmen homologer Chromosomenpaare beim Crossing-over, sondern eben eine wirkliche „Verknotung“ während der Prophase.
Ich zeige vielleicht mal am Besten anhand eines Beispiels, was ich meine:

Eine Zelle befindet sich in der Prophase und die Chromosomen spiralisieren sich gerade.
Ein Chromosom 2 ist dabei zufällig etwas schneller als ein Chromosom 21 , erwischt bei seiner Spiralisierung einen Teil des Chromatinfadens von 21, der eben gerade unglücklich liegt, und spiralisiert diesen mit ein.
Dann spiralisieren sich 2 und 21 immer weiter und 21 hängt jetzt an 2 und kommt nicht weg.

Ich meinte so etwas in dieser Art. Ist es möglich, dass das passiert?

Viele Grüße,
Anna

Hi,

es gibt ein grunds"atzliches Problem dabei:

w"urden die Chromosomen sich unzertrennt auseinanderwickeln und wieder einwickeln, dann w"urden die Chromosomenenden mit "Uberlichtgeschwindigkeit rotieren.

D.h. es muss einen komplizierten Apparat geben, der die Chromosomen in Teilst"ucke zerlegt und dann wieder an der richtigen Stelle zusammensetzt. Da sowas extrem gut gegen Fehler abgesichert sein muss, denke ich mal, dass die Absicherung gegen den von Dir beschriebenen Fehler nebenbei mit erfolgt.

MfG Lutz

Hallo
: w"urden die Chromosomen sich unzertrennt
: auseinanderwickeln und wieder einwickeln,
: dann w"urden die Chromosomenenden mit
: "Uberlichtgeschwindigkeit rotieren.
???

:
: D.h. es muss einen komplizierten Apparat
: geben, der die Chromosomen in Teilst"ucke
: zerlegt und dann wieder an der richtigen
: Stelle zusammensetzt.
wie wäre es z.b. mit DNA-Gyrase?

: Da sowas extrem gut
: gegen Fehler abgesichert sein muss, denke
: ich mal, dass die Absicherung gegen den
: von Dir beschriebenen Fehler nebenbei mit
: erfolgt.
Hmm, vielleicht ist ja eine „verknotung“ (allerdings glaube ich nicht an „echte“
knoten, sondern nur an eine art verschlingung, d.h. knotenzahl=0, oder ein
verkleben) bei der meiose eine mögliche fehlerquelle beim trennen der homologen
chromos und damit ursache für so manche aberration?

Was die mitose betrifft: Ich habe bestimmt schon über 100 präparate von menschl. metaphasechromosomen hochauflösend mikroskopisch untersucht, eine „verknotung“ ist mir noch nicht untergekommen. (d.h. die wahrscheinlichkeit für diese art von fehler

Nachtrag
Ich meine natürlich zufällige „verknotungen“ in präparaten von gesunden probanden…
Krankhafte aberrationen sind in der literatur zuhauf beschrieben.

Was die mitose betrifft: Ich habe
bestimmt schon über 100 präparate von
menschl. metaphasechromosomen
hochauflösend mikroskopisch untersucht,
eine „verknotung“ ist mir noch nicht
untergekommen. (d.h. die
wahrscheinlichkeit für diese art von
fehler

Hallo,

w"urden die Chromosomen sich unzertrennt
auseinanderwickeln und wieder einwickeln,
dann w"urden die Chromosomenenden mit
"Uberlichtgeschwindigkeit rotieren.

Das verstehe ich nicht. Wieso müssten sie mit Überlichtgeschwindigkeit rotieren?

Viele Grüße,
Anna

Hallo,

Hmm, vielleicht ist ja eine „verknotung“
(allerdings glaube ich nicht an „echte“
knoten, sondern nur an eine art
verschlingung, d.h. knotenzahl=0, oder
ein verkleben) bei der meiose eine mögliche
fehlerquelle beim trennen der homologen
chromos und damit ursache für so manche
aberration?

Ich meinte eigentlich auch keine richtigen „Knoten“, sondern eben, wie Du schreibst, dass sich die Chromosomen ineinander verwickeln und dann erstmal nicht mehr auseinander kommen (zumindest bis zur Telophase der Mitose). Dass sich „echte“ Knoten bilden würden, halte ich doch für äußerst unwahrscheinlich.

Dass Chromosomen bei der Meiose verkleben, kommt wirklich vor (behauptete jedenfalls meine Bio-Lehrerin in der K12…).

Was die mitose betrifft: Ich habe
bestimmt schon über 100 präparate von
menschl. metaphasechromosomen
hochauflösend mikroskopisch untersucht,
eine „verknotung“ ist mir noch nicht
untergekommen. (d.h. die
wahrscheinlichkeit für diese art von
fehler

Hallo,

Hm, ich nehme jetzt einfach mal an, dass
dieser Fehler zwar theoretisch möglich
ist, aber in der Realität nur seltenst
vorkommt, u.U. vielleicht auch, weil ihm
auf irgendeine Weise vorgebeugt wird.

Ich denke schon alleine durch die (hochgradige!) organisation des chromatins im nukleus. Hier gibt es sogenannte chromosomale territorien.
(z.b. http://www.zi.biologie.uni-muenchen.de/institute/iah…
was besseres habe ich im netz zum thema nicht gefunden)
Allerdings weiss man im moment über die 3-d organisation der dna in der zelle zur zeit noch ziemlich wenig.
Aber offensichtlich spielt es bei der transkription eine rolle, wo das gen im zellkern liegt.
In der hoffnung nicht zuviel verwirrung gestiftet zu haben
Grüße Robert

Nachtrag: Links zu ‚chromosome territories‘
Hallo Anna,
nachdem ich gute links schuldig geblieben bin e voilà:

Mit bildern
http://www.foresight.org/Conferences/MNT6/Abstracts/…

http://www.dkfz-heidelberg.de/Macromol/muenkel/proje…

textlastig
http://www.dkfz-heidelberg.de/Macromol/research/ext…

leider alles keine leichte kost aber sehr spannend.

Grüße Robert