Biologisches Perpetuum mobile?

Ist es theoretisch möglich, ein abgeschlossenes
Gewächshaus beliebig lange mit den eigenen Abfällen
zu düngen, oder wird irgendwas verbraucht, was
man ständig nachliefern muss?

Marco

Hi Marco,

Ist es theoretisch möglich, ein abgeschlossenes
Gewächshaus beliebig lange mit den eigenen Abfällen
zu düngen,

Ja!

oder wird irgendwas verbraucht, was
man ständig nachliefern muss?

Sonnenlicht bzw. Energie.
–> Kein Perpetuum mobile!

Wenn das Gewächshaus groß genug ist, kann man es autark betreiben.
Stichwort Flschengarten oder auch Earth II

GAndalf

Wei machen die es den da die richtige Mänge Kohlenstoff auszugleichen?
Auf der Erde verstehe ich es ja. Da fackelt mal ein Wald ab, dagibt es Lebewesen, Da wird Kohle und Öl verbrennt, Holz verbaut. Sumpgebiete trockengelegt, mal ein Vulkanausbruch usw. Wie rechnen die das den in so einer Anlage aus?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

ok, Energie ist klar…

Wenn das Gewächshaus groß genug ist, kann man es autark
betreiben.
Stichwort Flschengarten oder auch Earth II

Genau das ist ja das Problem:
Sowohl Earth II, als auch alle anderen Experimente
in diese Richtung haben nicht, oder nur relativ
kurze Zeit funktioniert. Bei Earth II musste man,
glaub ich, Sauerstoff oder Wasser nachliefern.

Ich habe mal selbst einen Flaschengarten gebastelt
(große Flasche mit Pflanzen). Der hat sich nach ein
paar Monaten so verändert, dass nur noch Moos drin
gewachsen ist. Es hat also zwar gelebt, war aber
total außer Kontrolle.

Dass Energie rein muss, das ist klar, glaub ich :smile:

Es ist ja nur die Idee aus einem SciFi-Roman,
dass man Nahrung aus einer Black-Box holen kann,
und nur die eigenen Abfälle und Energie reinstecken
muss.

Wie gesagt, theoretisch Pflanzen rein, Abfälle rein,
deckel zu, warten. Aber Praktisch läuft immer irgendwas
schief. Vielleicht gibt es ja auch einen theoretischen
Grund, warum das nicht funktionieren kann?

Gruss, Marco

Sowohl Earth II, als auch alle anderen Experimente
in diese Richtung haben nicht, oder nur relativ
kurze Zeit funktioniert.

Das gilt nur für Experimente, bei denen man den Schwerpunkt auf die Werbewirksamkeit gelegt hat (wie bei Biosphäre II). Entsprechende Experimente, bei denen man sich auf eine Hand voll Arten beschränkt hat, waren schon in den 60er Jahren erfolgreich. Solche Systeme sind einfach genug um kontrollierbar zu sein, aber sie sind natürlich nicht so spektakulär wie eine Miniaturausgabe der gesamten Biosphäre.

Ich habe mal selbst einen Flaschengarten gebastelt
(große Flasche mit Pflanzen). Der hat sich nach ein
paar Monaten so verändert, dass nur noch Moos drin
gewachsen ist. Es hat also zwar gelebt, war aber
total außer Kontrolle.

Und daraus kannst Du schlußfolgern, daß Du beim nächsten Versuch darauf achten mußt, daß keine Moossporen in das Gefäß gelangen (was schwer realisierbar ist), oder eine Pflanze wählen solltest, die unter Bedingungen gedeiht, die Moos nicht verträgt (z.B. einen Kaktus). Alternativ könntest Du aber gleich von vorn herein nur Moos in das Gefäß setzen um ein stabiles Miniaturökosystem zu konstruieren.

Es ist ja nur die Idee aus einem SciFi-Roman,
dass man Nahrung aus einer Black-Box holen kann,
und nur die eigenen Abfälle und Energie reinstecken
muss.

Zumindest Atemluft könnte man heute schon mit Bioreaktoren recyclen, aber ich habe gehört, daß die NASA gerade an einem System bastelt, das Astronauten bei einem Flug zum Mars nicht nur mit Luft, sondern auch mit Nahrung versorgen kann.

Biosphäre II
Hai, Marco,

Genau das ist ja das Problem:
Sowohl Earth II, als auch alle anderen Experimente
in diese Richtung haben nicht, oder nur relativ
kurze Zeit funktioniert. Bei Earth II musste man,
glaub ich, Sauerstoff oder Wasser nachliefern.

Bei der Biosphäre haben die Sauerstoff nachliefern müssen, weil sie einen offensichtlichen Fehler gemacht haben:
der größte Teil des Luftsauerstoffs in unserer Atmosphäre wird nicht etwa durch Wälder produziert, sondern durch Cyano-Bakterien (Blaualgen) - daß ihr niedliches Klein-Meer nicht genug Oberfläche hatte, um ausreichend Cyano-Bakterien erhalten zu können, war mir schon beim ersten Bericht über die Biosphäre klar - warum die 'n riesen Haufen Kohle in die Erzeugung künstlicher Gezeiten gesteckt haben, aber diese scheinbar nebensächliche Kleinigkeit vergessen haben, ist mir nicht klar…
Dazu kommt, daß sie die im Boden lebenden Kleinstorganismen und deren Sauerstoffbedarf völlig unterschätzt haben und sich obendrein noch Arten mit eingeschleppten, die ihr Flaschen-Ökosystem schwer beeinträchtig haben (z.B. Ameisen, die einen großen Teil der benötigten fliegenden Bestäuber ausrotteten - die Leutchen mussten ihr Gemüse per Hand bestäuben)

Ich habe mal selbst einen Flaschengarten gebastelt
(große Flasche mit Pflanzen). Der hat sich nach ein
paar Monaten so verändert, dass nur noch Moos drin
gewachsen ist. Es hat also zwar gelebt, war aber
total außer Kontrolle.

Einen funktionierenden Flaschengarten hinzukriegen, ist eine Kunst, die man nur selten beim ersten Versuch beherrscht.
Vermoosen ist oft ein Zeichen für zuviel Wasser in der Flasche, darum soll man eine frisch bepflanzte Flasche auch nicht gleich verschließen, sonder den Luftaustausch solange ermöglichen, bis innerhalb der Flasche die richtigen Verhältnisse herrschen.
Die Moossporen draußen zu halten, ist eigentlich unmöglich, da Du ja keine sterilisierte Erde verwenden kannst. Du brauchst innerhalb der Flasche tierische Kleinstlebewesen, damit wieder Kohlenstoffverbindungen erzeugt werden, die in die Atmosphäre gelangen (und dort dann von den Pflanzen aufgenommen und wieder Sauerstoff produziert und wieder von den Tieren aufgenommen… etc pp)
Und auch hier muß man wieder rumprobieren, bis man die Erde gefunden hat, die die „richtigen“ Kleinstlebewesen enthält - mir ist ein Flaschengarten gelungen (nachdem mir etliche veralgt, vermoost, verfault oder sonstwie kaputtgegangen sind), der nur etwas irritierend war, weil in dem Ding Springschwänze waren…

Es ist ja nur die Idee aus einem SciFi-Roman,
dass man Nahrung aus einer Black-Box holen kann,
und nur die eigenen Abfälle und Energie reinstecken
muss.

Ich schätze mal, daß wir auf Nahrungs-Replikatoren noch lange warten müssen - so toll, wie die Natur, können unsere Ingenieure und Chemiker die Nährstoffe noch nicht zusammensetzen, nicht mal mit gigantischen Anlagen, geschweige denn mit einem kleinen Gerät, das in ein Raumschiff passt…

Wie gesagt, theoretisch Pflanzen rein, Abfälle rein,
deckel zu, warten.

*ggg* sowas nennt sich dann Hoch- oder Frühbeet - da kommen unten die Gartenabfälle aus dem letzten Jahr rein, obendrauf ein bißchen Erde und ein paar Handvoll Samen und -schwupps- werden aus den Abfällen des letzten Jahres, die Gemüse des laufenden…

Aber Praktisch läuft immer irgendwas
schief.

Ääääh - nö, so klappt’s schon seit Jahrhunderten immer wieder… :wink:

Vielleicht gibt es ja auch einen theoretischen
Grund, warum das nicht funktionieren kann?

Ich wüsste keinen…

Gruß
Sibylle

Danke, Nachhaken…
Danke für die Infos!

Das gilt nur für Experimente, bei denen man den Schwerpunkt
auf die Werbewirksamkeit gelegt hat (wie bei Biosphäre II).
Entsprechende Experimente, bei denen man sich auf eine Hand
voll Arten beschränkt hat, waren schon in den 60er Jahren
erfolgreich. Solche Systeme sind einfach genug um
kontrollierbar zu sein, aber sie sind natürlich nicht so
spektakulär wie eine Miniaturausgabe der gesamten Biosphäre.

Das würde mich sehr interessieren!
Welche Arten waren das, wonach muss man da
googeln?

[… Moos überwuchert alles …]

Und daraus kannst Du schlußfolgern, daß Du beim nächsten
Versuch darauf achten mußt, daß keine Moossporen in das Gefäß
gelangen (was schwer realisierbar ist), oder eine Pflanze
wählen solltest, die unter Bedingungen gedeiht, die Moos nicht
verträgt (z.B. einen Kaktus).

Vorzugsweise einen mit Meskalin :smile:
… dann braucht man nicht mal Schnaps mitnehmen.

Gruss, Marco