Ursuppentheorie völliger Unsinn?

Hallo,

mit einem netten Zeitgenossen diksutiere ich über u.a. über die Entstehung des Lebens. Dieser Zeitgenosse hat nun die These aufgestellt, dass aus der Ursuppe niemals Leben hätte entstanden sein können. Da mir das Fachwissen fehlt, würde mich Eure Meinung zu der folgenden Äußerung interessieren - oder zumindest Literaturhinweise…

Danke schonmal!

Hier das Zitat (ET heisst Evolutionstherorie):
"Nun also zur Ursuppe und der Entstehung des Lebens.
(Die exacte Nachforschung überlasse ich jedem selbst. Hier werden nur einige Eckdaten der Usuppen-Theorie aufgezeigt)

  1. a) Chemisch-Biologische Bedingungen für Leben
    Man braucht 20 verschiedene Aminosäuren. Diese wiederum können nur in einer Atmosphäre ohne Sauerstoff entstehen, da dieser die Aminos sofort zersetzt. Ebenfalls benötigt man Energie, welche geringere chemische Verbindungen (Wasserstoff, Methan, Ammoniak, Wasserdampf) spaltet, um die Bauteile für Aminosäuren zur Verfügung zu stellen. Diese Energie jedoch würde eine gebildete Aminosäure in wenigen Sekunden wieder zerstören, daher müßte irgendein nicht vorhandener Prozess diese neuen Aminosäuren sofort aus der Nähe der Energiequelle entfernen, damit sie bestehen bleiben können.
    Allein dieser Prozess konnte unter idealen Laborbedingungen (keine Mischmaschursuppe, sondern perfekte Umgebung) nur so nachgestellt werden, daß 4 der benötigten 20 Aminos durch Zufuhr von Energie in das Suppengemisch erzeugt werden konnten. Es war und ist bis heute völlig unmöglich ohne wesentlichen steuernden Eingriff alle 20 zu erzeugen (auf anderem Weg geht das natürlich, aber nicht aus einem unkontrolliert im Raum schwebenden Materiegemisch).
  2. b) Zusatzinformation
    Was oben nicht erwähnt wird ist, daß es leider 100 Aminos gibt… Für Leben benötigt man davon aber nur 20. Ebenfalls gibt es sozusagen links- und rechtshändige Aminos (sog. Chiralität). Für Leben braucht man aber nur linkshändige… In der Entstehung unterscheiden sich aber alle 100 in keiner Weise voneinander. Woher sollte also in der Ursuppe der steuernde Einfluß kommen, welcher nur die Bildung von genau 20 und auch noch linkshändigen Aminos bevorzugt hätte?
    (ACHTUNG! Jetzt beginnt eigentlich schon die unmögliche Schlußfolgerung, denn ansich haben wir ja die Bauteile gar nicht, aber wir NEHMEN mal an, daß wir sie HÄTTEN…)
  3. a) Entstehung von Molekülen technisch
    Die Ursuppe bezieht sich ja vorallem auf die Athmosphäre, wo wir also nun annehmen, daß sich rein zufällig alle richtigen 20 Aminos gebildet haben. Diese müßten wie erwähnt sofort aus der ultravioletten Strahlung raus. Gemäß ET entstand das Leben ja im Meer, als ab damit ins Wasser. Wie kommen sie denn da rein? Ach vergessen wir auch den Punkt und setzen ihn ganz evolutionistisch voraus… Hier im Wasser ist nämlich schonwieder das nächste Problem: Aus dem Aminos müßten nun die Moleküle gebildet werden. Dazu braucht man aber Energie… Diese befindet sich aber nur außerhalb des Wassers. Dort wiederum würden die Aminos aber von der UV-Strahlung gespaltet. Hmmm, wat nu? Ach so: wir ignorieren das Problem einfach mal wieder… (sorry, so läuft das bei ET…)
    Jetzt kommt nämlich ein weiteres Problem, nämlich, daß Wasser besonders das Wachstum komplexer Moleküle hemmt. Hier die Erklärung:
    Wir brauchen ja die verschiedenen Protein- und Nukleinsäure -Moleküle. Dies sind lange Ketten einfacher Moleküle. Wenn sich diese einfachen Moleküle jedoch verbinden, setzten sie ein Molekül Wasser frei. Ein Überangebot von Wasser spaltet jedoch die Verbindungen wieder. Also gleiches Problem wie bei 1.: Das Wasser müßte im Wasser von den Molekülen entfernt werden . Blöd, gell?
  4. b) Entstehung von Molekülen logisch/rechnerisch
    Betrachtet man die Moleküle, so ist festzustellen, daß die 20 Aminos nicht beliebig kombinierbar sind, sondern jedes nur exact an der richtigen Stelle und alle genau im richtigen Verhältnis gemischt das korrekte Molekül ergeben. (Denkt an links/rechts und an 20 aus 100…). So jetzt stellt sich mal jeder einen Haufen kleiner M&Ms vor (alle Farben - gibt zwr noch lange nicht 100, aber nur so zum Denken…) Es gibt M&Ms mit Mr (rechts) drauf und andere mit Ml (links) drauf. Da wir aus den 100 nur 20 brauchen, sagen wir mal auf einer fiktiven Schaufel dürften nur rote und blaue drauf und dann auch noch nur Mls… Mathematiker haben errechnet, daß die Wahlscheinlichkeit exact die richtige Kombination zu erhalten 1:10hoch113 (1 mit 113 Nullen) ist. Damit man sich das Vorstellen kann: Astrophysiker sagen, daß diese Zahl größer ist, als ALLE Atome im gesamten Universum! Anders gesagt, sagen sie daß bereits 10hoch50 als absolut unmöglich gilt.
    Und jetzt haben wir noch nicht vorausgesetzt, daß diese korrekte Selektion der M&Ms auch noch in genau der richtigen Konstellation auf der Schaufel liegt…
    (ACHTUNG: Jetzt kommt die 3. Annahme, welche auf 2 bereits unmöglichen Thesen mit diversen unmöglichen Unterproblemen basiert…!)
  5. Zellen
    Tja das wäre der nächste Schritt. Nun nehmen wir nur einen kleinen Teil: Die Enzyme. Einige der Proteine wirken als Enzyme, welche die Zelle (die wir ja gerade schon als existent voraussetzen…) überhaupt am Leben erhalten. Eine Zelle benötigt 2000 solcher Proteine. Nehmen wir alle Unmöglichkeiten von oben als existent an, so ist die Entstehung aller 2000 Proteine mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10hoch 40.000 beziffert. Vergeßt es!
    (ACHTUNG: Es ist zwar hirnrissig, aber wir gehen mal wieder mit völliger Ignoranz der Fakten einfach weiter…)
  6. Polynukleide (RNS/DNS)
    Wollen wir wirklich weitermachen? Nein, kein Bock mehr, es ginge aber ohne großen Aufwand nochmal weitere 4 Schritte, welche allesamt insich völlig unmöglich sind. Daher hier nur die Erwähnung des Ergebnisses: Für Gene benötigt man die sog. Histone. Eine zufällige Entwicklung liegt bei einer Wahrscheinlichkeit von 1:20hoch100
    Dann wäre da noch das Huhn/Ei Problem (nein!!! ich meine zelltechnisch…): DNS kann sich ohne vorhandenes Protein nicht bilden. Protein benötigt aber den Bauplan DNS. Uuuups "

Viele Grüsse

Stefan

LOL!

Hier das Zitat (ET heisst Evolutionstherorie):
"Nun also zur Ursuppe und der Entstehung des Lebens.
(Die exacte Nachforschung überlasse ich jedem selbst. Hier
werden nur einige Eckdaten der Usuppen-Theorie aufgezeigt)

  1. a) Chemisch-Biologische Bedingungen für Leben
    Man braucht 20 verschiedene Aminosäuren. Diese wiederum können
    nur in einer Atmosphäre ohne Sauerstoff entstehen, da dieser
    die Aminos sofort zersetzt.

Es gab zu dieser Zeit keinen Sauerstoff in der Atmosphäre.

Ebenfalls benötigt man Energie,
welche geringere chemische Verbindungen (Wasserstoff, Methan,
Ammoniak, Wasserdampf) spaltet, um die Bauteile für
Aminosäuren zur Verfügung zu stellen.

UV-Strahlung, Wärme, möglicherweise auch Katalysatoren

Diese Energie jedoch
würde eine gebildete Aminosäure in wenigen Sekunden wieder
zerstören, daher müßte irgendein nicht vorhandener Prozess
diese neuen Aminosäuren sofort aus der Nähe der Energiequelle
entfernen, damit sie bestehen bleiben können.

Falsch! Thermodynamik beachten: Wenn zwei Stoffen Energie zugeführt wird, so dass diese im aktivierten Zustand einen dritten Stoff bilden (unter der Vorraussetzung dass die Reaktion exotherm verläuft und die Energie nur zur Aktivierung dient) dann ist dieses Prosukt energetisch tiefer als die Ausgangsstoffe. Um diesen zu zersetzen, braucht man mehr Energie als für die Bildung.

Allein dieser Prozess konnte unter idealen Laborbedingungen
(keine Mischmaschursuppe, sondern perfekte Umgebung) nur so
nachgestellt werden, daß 4 der benötigten 20 Aminos durch
Zufuhr von Energie in das Suppengemisch erzeugt werden
konnten. Es war und ist bis heute völlig unmöglich ohne
wesentlichen steuernden Eingriff alle 20 zu erzeugen (auf
anderem Weg geht das natürlich, aber nicht aus einem
unkontrolliert im Raum schwebenden Materiegemisch).

Diese Information ist irrelevant, da das Leben nach der „ET“ zunächst in Form von Nucleinbausteinen begann. Aminosäuren kamen erst später ins Spiel.

  1. a) Entstehung von Molekülen technisch
    Die Ursuppe bezieht sich ja vorallem auf die Athmosphäre, wo
    wir also nun annehmen, daß sich rein zufällig alle richtigen
    20 Aminos gebildet haben. Diese müßten wie erwähnt sofort aus
    der ultravioletten Strahlung raus. Gemäß ET entstand das Leben
    ja im Meer, als ab damit ins Wasser. Wie kommen sie denn da
    rein? Ach vergessen wir auch den Punkt und setzen ihn ganz
    evolutionistisch voraus… Hier im Wasser ist nämlich
    schonwieder das nächste Problem: Aus dem Aminos müßten nun die
    Moleküle gebildet werden. Dazu braucht man aber Energie…
    Diese befindet sich aber nur außerhalb des Wassers. Dort
    wiederum würden die Aminos aber von der UV-Strahlung
    gespaltet. Hmmm, wat nu? Ach so: wir ignorieren das Problem
    einfach mal wieder… (sorry, so läuft das bei ET…)

Seeehr unsachliche Argumentation, dient eher dazu, die Theorie Deines Kumpels krampfhaft aufrechtzuerhalten, sorry.

Jetzt kommt nämlich ein weiteres Problem, nämlich, daß Wasser
besonders das Wachstum komplexer Moleküle hemmt. Hier die
Erklärung:
Wir brauchen ja die verschiedenen Protein- und Nukleinsäure
-Moleküle. Dies sind lange Ketten einfacher Moleküle. Wenn
sich diese einfachen Moleküle jedoch verbinden, setzten sie
ein Molekül Wasser frei. Ein Überangebot von Wasser spaltet
jedoch die Verbindungen wieder.

Braucht man dazu nicht Katalysatoren (z.B. Mineralsäuren)? Wir bestehen zu über 60% aus Wasser. Zerlegen wir uns trotz Wasser, Wärme und Solarium?!

Blöd, gell?

Jaups.

  1. b) Entstehung von Molekülen logisch/rechnerisch
    Betrachtet man die Moleküle, so ist festzustellen, daß die 20
    Aminos nicht beliebig kombinierbar sind, sondern jedes nur
    exact an der richtigen Stelle und alle genau im richtigen

und bla und blupp…

.daß diese

korrekte Selektion der M&Ms auch noch in genau der richtigen
Konstellation auf der Schaufel liegt…
(ACHTUNG: Jetzt kommt die 3. Annahme, welche auf 2 bereits
unmöglichen Thesen mit diversen unmöglichen Unterproblemen
basiert…!)

Was hat der denn für eine Vorstellung von der Entstehung des Lebens?! Glaubt der, man sprengt einen Wald und es kommt ein Buch heraus?!? *lol*

  1. Zellen
    Tja das wäre der nächste Schritt. Nun nehmen wir nur einen
    kleinen Teil: Die Enzyme. Einige der Proteine wirken als
    Enzyme, welche die Zelle (die wir ja gerade schon als existent
    voraussetzen…) überhaupt am Leben erhalten. Eine Zelle
    benötigt 2000 solcher Proteine. Nehmen wir alle
    Unmöglichkeiten von oben als existent an, so ist die
    Entstehung aller 2000 Proteine mit einer Wahrscheinlichkeit
    von 1:10hoch 40.000 beziffert. Vergeßt es!
    (ACHTUNG: Es ist zwar hirnrissig, aber wir gehen mal wieder
    mit völliger Ignoranz der Fakten einfach weiter…)

s.o.

  1. Polynukleide (RNS/DNS)
    Wollen wir wirklich weitermachen? Nein, kein Bock mehr, es
    ginge aber ohne großen Aufwand nochmal weitere 4 Schritte,
    welche allesamt insich völlig unmöglich sind. Daher hier nur
    die Erwähnung des Ergebnisses: Für Gene benötigt man die sog.
    Histone. Eine zufällige Entwicklung liegt bei einer
    Wahrscheinlichkeit von 1:20hoch100
    Dann wäre da noch das Huhn/Ei Problem (nein!!! ich meine
    zelltechnisch…): DNS kann sich ohne vorhandenes Protein
    nicht bilden.

oh… doch!

Protein benötigt aber den Bauplan DNS. Uuuups "

Ohhh nein! UUUUPs ist schon richtig…

Viele Grüsse

Stefan

Viel Spass beim Weiterdiskutieren, vielleicht liege ich ja auch falsch, bitte um Berichtigung

MfG Alex

Ein paar interessante Artikel zum Thema …
Hallo Stefan,

ohne jetzt im Detail alles durchgegangen zu sein, gebe ich Dir im folgenden ein paar Literaturhinweise eines gewissen Prof. G. Wächtersheimer, der sich mit der Chemie einer wie auch immer gearteten „Ursuppe“ beschäftigt und immer wieder gute Hinweise dafür findet, dass sich erste Biomoleküle direkt bilden konnten…

The cradle chemistry of life: on the origin of natural products in pyrite-pulled chemoautotrophic origin of life. Waechtershaeuser, G… Munich, Germany. Pure and Applied Chemistry (1993), 65(6), 1343-8. CODEN: PACHAS ISSN: 0033-4545. Journal written in English.

Formation of amide bonds without a condensation agent and implications for origin of life. Keller, M.; Bloechl, E.; Waechtershaeuser, G.; Stetter, K. O. Lehrstuhl Mikrobiologie, Munich, Germany. Nature (London, United Kingdom) (1994), 368(6474), 836-8.

Viel Spaß damit,

Henning.

Hallo,

wie die Evolutionstheorie im allgemeinen hat auch die Theorie mit der Ursuppe das Problem, daß man sie nicht direkt belegen kann. Im Ggs zu esotherischen Theorien kann man sie aber widerlegen. Praktisch ist eine handfeste Widerlegung aber noch nicht gelungen, sonst würden nicht mehr so viele gut ausgebildete Leute sich ernsthaft damit auseinandersetzen.

Dein Freund hat ein recht grundsätzliches Problem: Er hat das Prinzip von Evolution (die gibt es auch auf chemischer / biochemischer Ebene, sog. präbiotische Evolution) nicht ansatzweise verstanden und kaut uralte Argumentationen wieder, die heute eindeutig widerlegt sind.

Er ignoriert, daß es unzählige _Möglichkeiten_ gibt, daß sich spontan, natürlich unter Energieumsatz, komplexere molekulare Strukturen bilden können. Wir wissen eben noch nicht, wie genau das funktionierte. Zumindest wissen wir aber, daß es nicht einfach im freien Wasser oder in der freien Atmosphäre entstanden ist. Man benötigt wohl Oberflächen strukturen und Katalysatoren. Beides war auch auf der Ur-Erde schon reichlich vorhanden, und irgendwo, vielleicht nur auf einigen cm², waren die Bedingungen eben günstig. Ziel der Forschung ist es aber immer noch, erstmal herauszufinden (bzw. zu beweisen), _welche_ Bedingungen denn eigentlich günstig sind. Energie wird durch katalytische Eigenschaften der Oberflächen nur wenig benötigt (womit die entstandenen Moleküle nicht gleich von dieser Energie wieder zerstört werden), zum anderen stehen viele Energiequellen zur Verfügung (Geothermie, UV-Einstahlung, Radioaktivität, Kristallisations- und Oxidationsprozesse,…).

Vielleicht sollte dein Freund mal hier reinschauen:

Orgel, L. E., The origin of life on the Earth. Scientific American, October 1994, Volume 271, pages 76-83.

Orgel, L. E., The origin of life - a review of facts and speculations, Trends in Biochemical Sciences, December 1998, Volume 2-3, pages 491-495.

http://en.wikipedia.org/wiki/RNA_world_hypothesis

Ok, geh’n wir’s mal schnell durch:

  1. a) Chemisch-Biologische Bedingungen für Leben
    Man braucht 20 verschiedene Aminosäuren. Diese wiederum können
    nur in einer Atmosphäre ohne Sauerstoff entstehen, da dieser
    die Aminos sofort zersetzt.

Man braucht 20 AS? Erster Trugschulß! Richtig ist: Die heutigen Lebensformen basieren auf der Verwendung von 20-22 versch. AS. Ok. Das ist aber schon das Ergebnis einer EVOLUTION. Damit hat es sicher noch nicht angefangen!

Atmosphäre? Wo auch immer - die Bedingungen zu dieser Zeit auf der Erde waren überwiedend reduzierend. Außerdem gibt es auch heute noch anaerobe Habitate.

Ebenfalls benötigt man Energie,
welche geringere chemische Verbindungen (Wasserstoff, Methan,
Ammoniak, Wasserdampf) spaltet, um die Bauteile für
Aminosäuren zur Verfügung zu stellen.

Nein, man braucht Energie, um diese zu größeren Molekülen zu _verbinden_!

Diese Energie jedoch
würde eine gebildete Aminosäure in wenigen Sekunden wieder
zerstören, daher müßte irgendein nicht vorhandener Prozess
diese neuen Aminosäuren sofort aus der Nähe der Energiequelle
entfernen, damit sie bestehen bleiben können.

Katalysatoren senken die benötigten Aktivierungsenergien. Als Katalysatoren können zB Metallablagerungen oder Tonoberflächen dienen.

Es war und ist bis heute völlig unmöglich ohne
wesentlichen steuernden Eingriff alle 20 zu erzeugen (auf
anderem Weg geht das natürlich, aber nicht aus einem
unkontrolliert im Raum schwebenden Materiegemisch).

Ist hatl auch gar nicht nötig. Der Urmensch hat ja auch noch keine Autos gebaut. Zunächst hat er das Feuer genutzt, dann kam das Eisen (ohen Feuer nicht denkbar), dann mal ein Hammer, später ein Schraubenzieher, und so gibt eins das andere, bis er irgendwann mal Autos gebaut hat. Dein Freund argumentiert in etwa, daß man durch das Schütteln von Holz und Erz unter Energiezufuhr zu fertigen Autos kommen müßte. Klar, tatsächlich waren die ersten Experimente von Miller et al. so ähnlich. Interessant aber, daß dabei wenigstens schonmal nagelähnliche Metallsplitter bei rausgekommen sind (um in der Analogie zu bleiben).

  1. b) Zusatzinformation
    Was oben nicht erwähnt wird ist, daß es leider 100 Aminos
    gibt… Für Leben benötigt man davon aber nur 20. Ebenfalls
    gibt es sozusagen links- und rechtshändige Aminos (sog.
    Chiralität). Für Leben braucht man aber nur linkshändige… In
    der Entstehung unterscheiden sich aber alle 100 in keiner
    Weise voneinander. Woher sollte also in der Ursuppe der
    steuernde Einfluß kommen, welcher nur die Bildung von genau 20
    und auch noch linkshändigen Aminos bevorzugt hätte?

Genau, die Evolution! Das hat dein Kollege eben nicht verstanden. Warum gibt es denn soviele IBM-kompatible Rechner, wo man doch beliebig viele Rechnerarten bauen könnte, darunter wahrscheinlich sogar viel bessere? Weil der Markt sich so ENTWICKELT hat. Das ist die Evolution eines Marktes. Die erste erfolgreiche Firma war eben IBM, also hat sie die Standards gesetzt. So ähnlich beruhten die ersten Selbstreplizierenden Systeme, die auch schon AS beteiligten, auf einem kleinen Satz damals gut verfügbarer AS, die eben linkshändig waren. Die anderen sind vom Marktführer verdrängt worden. Wo ist das Probelm?

(ACHTUNG! Jetzt beginnt eigentlich schon die unmögliche
Schlußfolgerung, denn ansich haben wir ja die Bauteile gar
nicht, aber wir NEHMEN mal an, daß wir sie HÄTTEN…)

Wir brauchen dazu ja auch nicht alle Bausteine, die wir heute finden. Denk an die Autos!

  1. a) Entstehung von Molekülen technisch

Oberflächen, Katalysatoren, Energiequellen. Hab ich schon diskutiert.

Jetzt kommt nämlich ein weiteres Problem, nämlich, daß Wasser
besonders das Wachstum komplexer Moleküle hemmt.

Hmmmm, denk mal bitte nach! Alle deine Proteine und Nukleinsäuren befinden sich in wässriger Lösung (also: in Wasser). Wenn das stimmen würde, was dein Kumpel da losläßt, dann würdest du dich recht schnell auflösen! Übrigends lagern wir auch im Labor Proteine und Nukleinsäuren in wässrigen Lösungen. Sie halten also auch ohne einen Zellstoffwechsel drumrum.

Blöd, gell?

Ja, wenn Du seine Argumentation meinst.

  1. b) Entstehung von Molekülen logisch/rechnerisch
    Betrachtet man die Moleküle, so ist festzustellen, daß die 20
    Aminos nicht beliebig kombinierbar sind, sondern jedes nur
    exact an der richtigen Stelle und alle genau im richtigen
    Verhältnis gemischt das korrekte Molekül ergeben.

Dazu sage ich nur: Auto!
Trotzdem, um das nochmal klar zu machen:
Ein Vergleich, der oft von Evolutionskritikern angeführt wird, um zu zeigen, das ein Mensch nie zufällig hätte entstehen können:

Wie lange braucht ein Affe, um durch zufälliges Tippen alle Werke Shaklespears fehlerfrei zu schreiben (soll ungefähr der Information der Basenabfolge des menschlichen Genoms entsprechen)? Die Antwort ist klar: Das Alter des Universums reicht bei Weitem nicht! Die Folgerung: Der Mensch kann nicht durch das Wirken des Zufalls entstanden sein.

Doch was haben wir übersehen? die Grundprinzipien der Evolution! Dort würde nämlich der Affe sich erstmal teilen, und millionen bis milliarden Affen würden parallel schreiben. Und ebenso wichtig: Die geschriebenen Seiten würden auf Ihren Inhalt geprüft!!! (Stichwort: Selektion!) Affen, die Seiten schreiben, deren Inhalt zu Shakespears Werken ähnlich ist, werden ausgewählt - sie vermehren sich. Deren Nachkommen schreiben von sich aus schonmal „shakespear-ähnlicher“ (Stichwort: Vererbung!). Für Affen, die nur Müll schreiben, wird das Leben härter. Sie haben weniger Nachwuchs und immer geringeren Anteil an den Schriftstücken. Je besser und komplexer die Texte werden, desto weniger neigen die Affen dazu, diese bereits geschriebenen texte zu ändern. Vielleicht werden sich Affenschulen bilden, die gemeinsam eine höhere Überlebenschance haben, weil sie sich gegenseitig helfen und Wörter, Sätze oder Absätze untereinander austauschen. Es mag Zufall sein, daß ein Affe auf die „Idee“ kommt, Texte auszutauschen, aber wenn es mal einer macht, hat er einen so großen Vorteil, daß schnell alle anderen aus dem Rennen sind. Auch klar, das seine vielen Kinder auch strärker dazu neigen, Texte untereinander auszutauschen. Vielleicht entsteht auch in den Klans die Idee, Texte korrektur zu lesen, indem die Wörter mit schon oft geschrieben Wörtern verglichen werden. Werden sehr ähliche Wörter gefunden, die sich vielleicht nur in ein oder zwei Buchstaben unterscheiden, werden diese ersetzt. Gleiches gilt für Wortfolgen. So entwickelt sich ein System zu Einhaltung von Rechtschreibung und Grammatik, geleitet durch die Selektion, ohne daß die Affen selbst auch nur eine Ahnung davon hätten! Es würde wohl nur einige zigmillionen Jahre dauern, dann wären Shakespears Werke fertig. Nun muß man aber noch klarstellen, daß die Natur ja nicht die Aufgabe hatte genau diese Art Mensch zu „entwickeln“. Wir sind einfach nur das, was sich eben durchgesetzt hat. Andere Zufälle an andere Stelle könnten ein ganz anderes Ergebnis gehabt haben. Das Ergebnis muß nur lebensfähig sein. Also müßte die Aufgabenstellung noch erweitert werden: Die Affen sind am Ziel, wenn sie ein beliebiges aber sinnvoll lesbares Werk dieser Größe zustande bringen. Und das ist sicher noch viel eher möglich.

Die biologische Weg zum Menschen ist komplexer, schwieriger. Aber die Evolution hatte ja auch 4 Milliarden Jahre Zeit…

  1. Zellen
    Tja das wäre der nächste Schritt. Nun nehmen wir nur einen
    kleinen Teil: Die Enzyme.

Siehe oben!

  1. Polynukleide (RNS/DNS)
    Wollen wir wirklich weitermachen? Nein, kein Bock mehr, es
    ginge aber ohne großen Aufwand nochmal weitere 4 Schritte,
    welche allesamt insich völlig unmöglich sind. Daher hier nur
    die Erwähnung des Ergebnisses: Für Gene benötigt man die sog.
    Histone.

Quark! Schonmal was von Bakterien gehört? Oder von Viren?

DNS kann sich ohne vorhandenes Protein
nicht bilden.

Auch falsch. Ok, nicht mit der heute in Zellen beobachteten Effizienz, aber die war in der „Ursuppe“ auch noch nicht nötig.

Protein benötigt aber den Bauplan DNS. Uuuups

Es gibt sogar Polypeptide, die sich selbst replizieren. Uuuups.

Viele Grüsse
Jochen