Und was schützenswert ist und was nicht, was ein Unkraut ist
und was eine Zierpflanze das sind doch alles Definitionen vom
Menschen, das was IHM schadet ist ein Schädling, das was IHM
nutz eine Nutzpflanze. Kann das denn das Maß aller Dinge sein?
Hat nicht jedes Leben Recht auf Leben, wäre es sonst da? Macht
denn nur der Mensch die Evolution? Oder ist er gar das Ziel
der Evolution? Wohl kaum, er ist Teil davon, genauso wir E.
coli oder Ackerunkräuter. Dass der Mensch wirtschaftet und
einen Nutzen für sich zieht ist auch ok - aber dass steht
alles auf einem anderen Blatt und man darf die beiden Aspekte
nicht zusammen schmeißen. Natürlich müssen Medikamente
entwickelt werden und man muss abwägen, welchen Organismus man
schützt und welchen nicht. Ganz klar. Da bin ich auch dafür.
Aber gerade auch diese kleinen Organismen wir E. coli bringen
uns molekularbiologische Erkenntnisse, die uns wiederum zugute
kommen.
Grüße C.
Hi,
zunächst muss ich ja mal anmerken, daß dafür, daß Du keine Grundsatzdiskussion wolltest, das hier schon ganz gut in die Richtung geht. Das ist aber auch gut, denn über solche Dinge kann man ger nicht genug diskutieren und nachdenken.
Ich finde Deine Meinung recht respektierenswert; allerding widersprichst Du Dir recht häufig. Du sagts, es sei in Ordnung, wenn der Mensch sntscheidet, welche Organismen er schützt und welche nicht. Sagst aber, daß ALLES Leben recht auf eben dieses hat. Und genau diese beiden Standpunkte widersprechen sich, wenn man so vehement für das leben plädiert.
Du darfst Dich hier nicht auf E.coli festlegen, denn damit hast du genau dem PRO-VITAM-Standpunkt widersprochen.
Daß wir solche Entscheidungen treffen ist notwendig um unsere Art zu erhalten (aber dazu später).
Nun ist E.coli ein Bakterium wie jedes andere. Du sagst, da es unser Gefährte ist, ist es besonders schützenswert. Ist es das??? Seine einzige nützliche Aufgabe erfüllt es im Darm. Andernorts verusacht es Krankheiten. So ist es z.B. häufigster Erreger von Harnwegsinfektionen und anderen Krankheiten. Ist es dann immer noch schlecht es mit Antibiotika zu bekämpfen???
Es ist ALLES ein Abwägen von Gut und Schlecht. Natürlich nur aus sicht des Menschen; und da liegt die Doppelmoral.
Nun zurück zu dem „Zellhaufen“ aus dem potenziell Leben entstehen könnte. Was hälst du denn von dem Kinderwunsch bei Frauen, die Aufgrund einer abgelaufenen Salpingitis (Tubenentzündung) z.B. keine Kinder bekommen können. Ist da eine In-Vitro-Fertilisation in Ordnung? Dabei werden nämlich eine Menge Eizellen extrakorporal befruchtet und bis zu einem gewissen Teilungsstadium inkubiert. Bei einer erfolgreichen Implantation werden die restlichen verworfen. Ist das dann nicht auch eine Art der Abtreibung oder Tötung schützenswerten Lebens? Warum sollte man diese Embryonen nicht für die Stammzellforschung heranziehen? Das ist die Frage, die man sich stellen muss. Darf man Zellen, die potentiell zwar zu Leben werden könnten, dies aber niemals werden, zu wissenschaftlichen Zwecken verwenden?
Und nun sind wir schon bei der Stammzellforschung und Evolution, die Du ja auch angesprochen hast.
Genauso wie man bestimmte Organismen tötet, um Krankheiten zu heilen, sollte man auch Zellen verwenden dürfen um dasselbe Ziel zu erreichen.
Du fragst ob der Mensch Teil oder Ziel der Evolution sei. Natürlich ist er eigentlich Teil von ihr; aus seiner Sicht aber ist er die Spitze und ich werde Dir auch sagen wieso. Ich meine nicht als Krone der Schöpfung, aber er hat sich selbst zum Ziel der Evolution gemacht, indem er seine eigene Evolution getoppt hat.
Was bedeutet denn eigentlich Evolution für einen Organsmus oder eine Art? Mal ganz wissenschaftlich gesprochen ohne die menschliche Vermessenheit (schlag ruhig bei Darwin nach). Es bedeutet Weiterentwicklung und genetische Selektion. Das ist normalerweise Aufgabe der Natur in einem jahrtausendlangen Prozess. Es bedeutet, daß der stärkste überlebt. Der stärkste ist der, der von der Natur mit einem Fortpflanzungsvorteil ausgestattet wurde. Sei es die Giraffe, die an das hohe Futter kommt oder der Primat, der plötzlich aufrecht gehen konnte. Alle anderen werden von der Natur aussortiert.
Und genau diese Aufgabe haben wir der Natur abgetrotzt; wir haben unsere eigene Evolution angehalten an dem Tag, an dem die Medizin und die Wissenschaft erfunden wurden.
Man spricht immer von „Eingriff in die Natur“; vor allem die, die gegen Gentechnik und Abtreibung sind. Ich aber sage, die erfindung der Medizin war der schwerwiegenste Eingriff in die Natur, seit Menschen leben. Daher kann ich weder gegen Klonen oder gegen Stammzellforschung sein, da das nur Doppelmoralität entlarven würde. Man malt sich nur allzu gern Szenarien aus wie z.B.: Superhühner, Dollies und Menschen aus dem Katalog.
Habt ihr mal „Gattaca“ gesehn? Das ist kein Horrorszenarium, sondern der einzige Weg, wie wir den Wettlauf gegen Krankheiten gewinnen und so den Fortbestand unserer Art sichern können. Durch die Medizin erst werden die Menschen alt genug, daß sich die sog. Volkskrankheiten (Koronare Herzkrankheit, Diabetes, Krebs) manifestieren können.
Würde ich solche Techniken verteufeln, müsste ich das mit allen Konsequenzen tun:
Keine Lösung für denWelthunger, keine Heilung für Krebs, kein Impfstoff gegen Aids. Ich kann mich aber nicht hinstellen und sagen das sei ein fürchterlicher Eingriff in die Natur und habe dabei vergessen, daß ich ohne die Medizin sehr wahrscheinlich mit 8 Jahren an Keuchhusten oder einer anderen Kinderkrankheit elendig verreckt wäre.
Es ist falsch in solchen Angelegenheiten von gebrochenen Tabus zu sprechen, denn das haben wir schon längst getan. Z.B. mit dem Penicillin oder dem Poiloimpfstoff.
Wir haben den Kampf mit den Krankheiten begonnen, jetzt müssen wir ihn auch ausfechten.
Soweit erst mal…
Lg Alex