LCAO
Hallo,
was Du da beschreibst ist die „linear combination of atomic orbitals“.
http://ac16.uni-paderborn.de/lehrveranstaltungen/_aa…
Ich hätte da mal eine Verständnisfrage zu Molekülorbitalen:
Wenn zwei Atome reagieren, z.B. 2 Sauerstoffatome, verbinden
sich dann nur ein paar äußere Orbitale ( im Beispiel halt die
beiden 2p(x) und 2p(y) zu 'ner sigma- und einer pi-Bindung),
oder verbinden sich da alle Atomorbitale zu je einem bindendem
und einem antibindendem MO???
Eiwei, für die 10. Klasse ist die Frage superschwierig.
Darauf gibt es ein klares „sowohl als auch“ als Antwort:
Stell’ Dir unter einem Orbital nichts Konkretes vor. Dahinter stecken einfach nur orthogonale Funktionen wie Sinus und Cosinus. Oder etwas vereinfacht: Ein Orbital ist eine Funktion wie Sinus oder Cosinus - mehr nicht. Der Betrag der Funktion (genauer die Wurzel aus dem Betragsquadrat) gibt Dir die Elektronendichte. Auf Sin und Cos übertragen: Das Orbital ist so etwas wie f(x)=Sin(x), ein anderes Orbital ist sowetwas wie f(x)=Cos(x). Die entsprechende Elektronendichte ist dann |Sin(x)| bzw |Cos(x)|.
D.h. was Du machst ist nichts anderes als z.b. bei der Fourierentwicklung, wo du eine Funktion nach Sinus und Cosinus-Funktionen entwickelst. Das hattest Du in der zehnten Klasse noch nicht. Leider stehen „orthogonale Funktionen“ meines Wissens in der Schule nicht im Lehrplan. Ohne diesen Grundbegriff wird dir in der Schule niemand das eigentliche „Wesen“, also die Idee hinter den Orbitalen, wirklich erklären können.
Nicht erschrecken, stell Dir unter „Orbital“ einfach nur sehr kompliziertere Funktionen vor. Die grafische Darstellung des Betrags kennst Du ja. Wie die Formeln genau aussehen, ist für Dich im Moment unwichtig. Anstatt dass man den langen Term hinschreibt, nennt man das ganze einfach Orbital. Genauer: Orbital(x,y,z). Genauso ist Sin(x) ja eigentlich auch nur eine Abkürzung für eine viel kompliziertere Schreibweise. (Oder wüsstest Du, wie man Sin(x) mit den vier Grundrechenarten hinschreiben kann?)
Die gesamte Elektronendichte ist jetzt
d(x,y,z)=a |orbital1(x,y,z)|+ b |orbital2(x,y,z)| + c |orbital3(x,y,z)| + …
Beim Wasserstoffatom ist es nun so, dass die Entwicklungskoeffizienten für das Orbital eines Energieniveaus nur für ein einziges Orbital ungleich Null ist.
also für das 2s Orbital:
d2s(x,y,z) = 0,00 * orbital1(x,y,z)+ 1,00 orbital2(x,y,z) + 0,00 orbital3(x,y,z) + … = 1,00 orbital2(x,y,z)
Sobald Du mehrere Elektronen hast, ist das nicht mehr so einfach, dann sind die anderen Vorfaktoren zwar klein, aber nicht Null!
So viel zu einem Atom.
Jetzt nimmst Du zwei Atome und machst ein Molekül daraus. Welche Basisfunktionen nimmt man, um das Molekülorbital zu beschreiben? Genau man denkt nicht weiter nach, sondern nimmt die, die man sowieso schon hat. Es sind also Linearkombinationen der Atomorbitale.
Genaugenommen nimmst Du also _alle_ Atomorbitale, um das Molekülorbital zu berechnen
Molekülorbital1(x,y,z)=a1 orbital1Atom1(x,y,z)+ b1 orbital2Atom1(x,y,z) + c1 orbital3Atom1(x,y,z)+… + a2 orbital1Atom2(x,y,z)+ b2 orbital2Atom2(x,y,z) + c2 orbital3Atom2(x,y,z) …).
Jedes Molekülorbital enthält also Anteile _aller_ Atomorbitale und es entstehen so _viele_ Molekülorbitale (nicht nur das bindende und das Antibindende).
Jetzt ist es aber so, dass die Beiträge der einzelnen Atomorbitale zum Molekülorbital unterschiedlich gross sind.
In Deinem Beispiel tragen also nur die 2p(x)und 2p(y) Orbitale wesentlich zum Molekülorbital bei. (So wie das bei sinus und Cosinus ist: f(x)=Sin(x)+Cos(x) und f(x)=Sin(x)-Cos(x) sind entsprechende Linearkombination von Sinus und Cosinus)
Die anderen Atomrbitale sind zwar auch „da“, tragen aber nur wenig zur Elektronendichteverteilung bei. Man kann das bindende und das antibindende Molekülorbital deshalb als eine Kombination der beiden Atomorbitale 2p(x)und 2p(y) ansehen. Deshalb kann man auch so tun, als ob _nur_ diese beiden Orbitale zur Bindung beitragen, ohne einen grossen Fehler zu machen.
Du siehst, genau genommen ist es so, dass sich _alle_ Atomorbitale zu _vielen_ Molekülorbitalen verbinden. Näherungsweise (als Faustregel) kann man aber auch sagen, dass nur die äusseren Orbitale an der Bildung der Molekülorbitale beteiligt sind. Für Dein Beispiel O2 ist diese Näherung sehr gut. Bei komplizierten Molekülen ist das nicht mehr der Fall! Das wird wichtig, wenn man den Bindungswinkel bzw. die Molekülkonformation abschätzen will (was man zu meiner Zeit seltsamerweise in der 11. Klasse gemacht hat, ohne dass es jemand wirklich begriffen hätte).
Ich vermute, Du bist jetzt endgültig verwirrt. Lass Dich nicht entmutigen. Deine Frage ist sau-schwierig und die Antwort ist erst nach einem Studium wirklich zu verstehen.
Ciao R.
*der sich fragt, was Quantenchemie in der Schule verloren hat*