Hallo Thomas,
entschuldige, beim letzten Posting hatte ich am Ende keinen
Gruß hinterlassen. Das war keine Absicht.
okay, es sei Dir verziehen 
Glaube ich nicht. Morden muß man nicht lernen. Man muß einfach
nur die Hemmschwelle überwinden und die ist bei vielen
Menschen viel niedriger als man vielleicht wahrhaben will.
Dieses „nur“ ist leicht geschrieben. Tatsächlich gehört eine
ganze Menge Kaltblütigkeit dazu, Leben allgemein auszulöschen.
Die Hemmschwelle mag je nach Individuum unterschiedlich hoch
sein - wozu hier meiner Meinung nach die Erfahrung eine große
Rolle spielt - insgesamt ist diese jedoch als hoch
einzustufen.
Das trifft sicher auf einen großen Prozentsatz der Menschen zu. Ich denke aber, dass bereits ein kleiner Protzentsatz kaltblütiger Killer ausreicht. Die Erfahrung ergibt sich schnell aus der Situation. Die Menschen mit erhöhter Hemmschwelle lassen sich dann im „Eifer des Gefechtes“ sicher leichter zum Töten anstiften.
Aber wahrscheinlich können wir diese Frage hier
nicht klären.
Ich denke damit werden sich noch Generationen von Wissenschaftlern befassen.
Es mögen viele Menschen anderen den Tod
wünschen, wenn sie aber die Möglichkeit dazu hätten oder haben
ist erst einmal die Hemmschwelle da.
Richtig, aber bereits der Wunsch ist ein erster Schritt zum Mord, denn er hilft beim Wegsehen, wenn es jemand anders tut und schützt letztlich den tatsächlichen Täter.
Spiele sind eine gute Gelegenheit, Aggressionen abzubauen und
Gruppendynamisches Verhalten zu üben. Dabei meine ich
natürlich nicht das Computerspielen. Das tolle am Spiel ist
ja, dass eben den Mitspielern nichts wirklich passiert.
Agression ist eine sehr fundamentale Verhaltensweise und richtet sich doch offensichtlich vorwiegend gegen Artgenossen. Wäre es nicht wesentlich einfacher, solche Eigenschaften im Laufe der Evolution zurückzubilden statt sie durch bestimmte Rituale zu kontrollieren ?
Das läßt doch vermuten, dass Agression, also die Bereitschaft Artgenossen anzugreifen und Notfalls auch zu töten, ein wichtiger Überlebensinstinkt ist, wobei Überleben im Sinne der Evolution ja immer die Erhaltung der eigenen Gene bedeutet.
Wenn jeder jeden kennt und in dieser kleinen Gemeinschaft
keine Besitzansprüche vorhanden sind, wie es ja ursprünglich
für Menschen ist, dann werden Aggressionen auf andere Weise
ausgelebt. In der Regel jedoch nicht durch Mord und Totschlag.
Innerhalb der Gruppe schon. Ich gehe aber davon aus, dass sich der Killerinstinkt gegen diejenigen richtet, die die eigene Familie und Nachkommen bedrohen könnten.
Na gut, dann schauen wir mal nach Ruanda. Da waren in den
90-ern die berüchtigten Massaker der Hutus an den Tutsis.
Diese Völker unterliegen den Einflüssen der Zivilisation noch
nicht so sehr lange. Dabei ist das nur eines von vielen
Beispielen in Afrika.
Sie unterstehen dem Einfluss der Zivilisation lange genug, so
dass ihre über Jahrhunderte stabilen Stammesgebiete durch die
Kolonialherren ignoriert wurden und diese ihnen beigebracht
haben, dass es toll ist, um Land und Ressourcen zu kämpfen.
Die alten gewachsenen Stammesstrukturen sind bei diesen
Völkern längst nicht mehr intakt gewesen.
Zivilisation hin oder her, es zeigt jedenfalls, dass Gruppen, die in anderen Gruppen eine Gefahr für ihre eigene Zukunft sehen, sehr wohl bereit sind, kaltblütig zu töten oder töten zu lassen.
Natürlich. Der „Krieger“ war in erster Linie Jäger. Er hat mit
Tieren gekämpft. Ehrungen gab es bei den amerikanischen
Ureinohnern für den Mut, dem Adler Federn aus dem Nest zu
entwenden, den Grizzly im Kampf zu überwinden oder Büffel für
den Stamm zu töten.
Das macht aber eigentlich keinen Sinn. Mit ihren Waffen konnten die Indianer mühelos ihre Beute töten. Da hätte selbst ein Grizzly keine Chance gegen eine Horde bewaffneter Krieger. Wozu also das Risiko eines Zweikampfes mit einem Tier eingehen, wenn nicht zur Vorbereitung auf den „Ernstfall“, den Zweikampf Mann gegen Mann ?
Stammesfehden wurden meist über Spiele geregelt. Dabei geschah
es schon mal, dass einer der Mitspieler starb, dann zahlte der
gegnerische Stamm jedoch eine Wiedergutmachung. Dass die
Spiele dabei auch für uns gefährlich anmuten ist der Übung und
Erziehung der Indianer zuzurechnen. Die kriegerischen Momente
kamen erst mit dem Erscheinen der Europäer auf.
Ich vermute, dass das aber eher bei befreundeten Stämmen so geregelt wurde.
Es ist auch kein Geheimnis, dass
viele Stämme untereinander Krieg führten, lange bevor die
Europäer eintrafen.
Das ist allenfalls bei den Indianern der Fall, die nicht
täglich in kleinen Gruppen den Widrigkeiten der Natur
ausgesetzt waren.
Klar, zunächst geht es um das nackte Überleben und wenn dann etwas Luft ist, kann man sich überlegen, was zu tun ist, um gefähliche Konkurenten für die Zukunft zu beseitigen.
Ich bin nicht gerade ein Verfechter der Soziologie, aber ich
kann auch nicht sagen, dass alle Verhaltensweisen genetisch
festgelegt sind. Dann befinden wir uns ja wieder bei der
biblischen Erbschuld. Diebe sind nun einmal so, weil es
genetisch festgelegt ist. Hm. Das erscheint mir sehr
vereinfacht und auch nicht stimmig. Hier hat die Umwelt mehr
Einfluss auf die Entwicklung de Einzelnen als die Gene.
Meines wissens haben neuere Untersuchungen bereits ergeben, das unser Verhalten zumindest weit mehr von den Genen bestimmt wird als man allgemein wahrhaben will.
Ich meine haupsächlich die Menschen, der letzten, sagen wir
mal 2000 Jahre, deren Taten sich aus der Geschichtsschreibung
noch einigermaßen gut nachvollziehen lassen. Natürlich meine
ich nicht nur Europäer und deren Nachkommen, sondern alle
Kulturen, die über eine brauchbare Geschichtsschreibung
verfügen.
Also alle, bei denen die Individuen in der Anonymität der
Masse verschwinden, es sei denn sie machen etwas, das sie von
der Masse abhebt. Meinst Du das?
Im Prinzip ja, da Geschichtsschreibung in erster Linie eine Erfindung der Zivilisationen ist. Geschichtsschreibung geht aber über die eigene Zivilisation hinaus und beschreibt auch Ereignisse beim Zusammentreffen mit Naturvölkern. Das wären dann die interessanteren Kapitel.
Ich denke, auch Gastfreundschaft ist eine über alle Kulturen
hinaus angeborene Verhaltensweise des Menschen. Das macht auch
Sinn, denn Fremde bringen frisches Blut in die Familie und
bereichern so den Genpool der Gemeinschaft. Erst bei einer
„Überfremdung“ (sorry für dieses häßliche Wort) schlägt die
Gastfreundschaft in Fremdenhaß um, denn jetzt droht die
Verdrängung des eigenen Genpools.
Die Gene haben damit in erster Linie nichts zu tun und ein
Genpool kann auch nicht verdrängt werden sondern höchstens
bereichert. Hier zeigt sich dann, wer sich flexibel auf neue
Situationen einrichten kann und wer nicht.
Also wenn sich die Siedler erfolgreicher vermehren, wird ihr Erbgut doch früher oder später die Region dominieren und das wäre für die Ureinwohner der Super-GAU im Sinne der Evolution.
Aber das muss nicht
in Fremdenhass ausarten.
Vielleicht nicht unbedingt, aber diese Reaktion ist doch sehr häufig zu beobachten.
Dies änderte sich erst, als Übergriffe aus der Zivilisation
erfolgten.
Nach meiner Theorie war dieser Vorgang unvermeidlich.
Die „Übergriffe“ der Zivilisation?
Die auch, aber natürlich genauso die Ereignisse davor und danach
Warum kämpfen, wenn Freundschaft reicht? Vielleicht stimmt es
ja, dass Kriege die Bevölkerung von Zivilisationen regulieren.
Denn hinsichtlich des Stresses dem die Menschen in unserer
Umwelt ausgesetzt sind, sind die sonst üblichen Reaktionen
nicht mehr denen der Steinzeitjäger vergleichbar, die sich in
übersichtlichen Gruppen bewegten.
Genetisch dürften wir uns kaum bis garnicht vom Steinzeitmenschen unterscheiden und auch unsere typischen Verhaltensweisen stammen noch aus diesen Zeiten. Insofern würde ich schon sagen, dass man auch aus dem heutigen Verhalten des zivilisierten Menschen viel Rückschlüsse auf das Leben in der Steinzeit und noch lange davor ziehen kann.
Ob es nun wirklich die meisten waren… Naja, kann ich jetzt
nicht nachprüfen. Wie dem auch sei, der Feldherr kann aber
sehr wohl etwas gegen den Hunger ausrichten, denn die Logistik
eines Krieges ist wesentlicher Bestandteil der Strategie. Wenn
er das übersieht, hat er als Feldherr eben versagt.
Nehmen wir Hannibal: ein großartiger Stratege, der seine
Truppe aus eigener Kraft versorgte und in Italien ungeschlagen
war. Er wurde vom karthagischen Senat nach Afrika
zurückgerufen und wurde dann im eigenen Land geschlagen. Zwar
mit seiner eigenen Taktik von Cannae, aber bei der Moral der
Truppe war ein anderes Ergebnis auch nicht möglich. Er hat die
römischen Legionen wieder und wieder vernichtet. Haben die
Römer den Krieg verloren? Hat Hannibal als Feldherr versagt?
Hier war nicht die Leistung des Feldherrn ausschlaggebend.
Dieses Muster wiederholt sich immer wieder in der Geschichte.
Ich denke schon, dass die Feldherren die Schlacht entschieden haben. In Scipio hat Hannibal eben seinen Meister gefunden und damit war der Untergang Karthagos besiegelt. Ein anderer römischer Feldherr hätte vielleicht den Untergang des römischen Reiches verschuldet.
Hier könnte auch die Diplomatie ausgenutzt werden. „Helft ihr
uns und gebt uns Nahrung, dann helfen wir Euh bei der Ernte.“
Unter bestimmten Umständen ja. Wenn jetzt aber mitten im
Winter die Vorräte alle sind und der Nachbar mit seinen
eigenen selbst kaum über die Runden kommt, ist eine
diplomatische Lösung kaum denkbar.
Oder die Suche nach anderen Ressourcen, die für diese Gruppe
dann der Garant sind, in ähnlichen Fällen wieder zu überleben.
Aber das ist Zukunfstmusik fürs nächste Jahr. Wenn der Hungertod droht, gilt es schnell zu handeln.
Die wahren Intelligenten verzichten auf die Gewalt.
Das sehe ich anders. Gewaltbereitschaft und Intelligenz haben
nichts miteinander zu tun. Ich gehe mal davon aus, dass Leute
wie z.B. Cäsar, Napoleon, Alexander und Karl der Große trotz
ihrer Gewaltbereitschaft sehr intelligent gewesen sein müssen
und teilweise auch sehr erfolgreich.
Caesar hat seine Gegner in höchstem Maße geschont. Am Ende
wurde er von einigen Empfängern seiner Wohltaten ermordet. Das
kann man nun als negative Auswirkung seiner Güte auslegen.
Andere Herrscher sind weniger zimperlich mit ihren Gegnern umgegangen und am Ende eines natürlichen Todes gestorben. Güte zahlt sich offensichtlich nicht unbedingt aus.
Wieso Nachteil ? Wenn es ein Nachteil wäre, wären Egoisten
schon vor langer Zeit ausgestorben, sind sie aber nicht.
Offensichtlich waren sie doch erfolgreich.
Hier kommt die Spieltheorie zum Tragen. Ein einziger Egoist in
einer Gruppe hat ohne Frage viele Vorteile. Aber wenn alle
egostisch handeln, dann zerfallen die Gruppen und die
bisherigen Regeln werden zum Verderben für die Gruppe. Das
wurde in zahlreichen Exprimenten gezeigt.
soweit einverstanden.
Daher lohnt sich der
Egoismus auf Dauer nicht.
Er lohnt sich nur dann nicht, wenn es zu viele davon gibt. Die Evolution hat von jeher auf Vielfalt gesetzt und in verschiedenen Situationen erweisen sich verschiedene Verhaltensweisen als vorteilhaft. Auch der Egoist muß also in der Gruppe seine Daseinsberechtigung gehabt haben, selbst wenn er nur dazu diente, in kritischen Situationen ohne rücksicht auf die Gruppe das eigene Leben zu retten um wenigstens seine Gene erhalten zu können.
Das Ergebnis dieser Entwicklung
können wir in den zerfallenen Reichen der Geschichte erkennen.
Sie wurden größer und größer und kollabierten, weil sie von
innen her verfaulten.
Das dürfte wohl ein ganz normaler Prozess sein, der sich wahrscheinlich immer wiederholt. Solange sich der Mensch weiterentwickelt, falls er das tut, wird kein Reich von Dauer sein. Auch unsere westliche Zivilisation zeigt ja bereits erste Zerfallserscheinungen. Ob sie die nächsten Jahrhunderte übersteht, ist mehr als zweifelhaft.
Jörg