wow, Sibylle,
vielen dank für deine ausführlichen ausführungen
jetzt weiss ich gar nicht so genau, wo ich anfangen soll. vielleicht probiere ich es mal am anfang…
du hast recht, dass man immer die verschiedensten faktoren mitbedenken muss, bzw. die verschiedensten faktoren bei solchen entwicklungen eine rolle spielen. erst in der rückschau interpretieren wir in die evolution eine stringente logik hinein. ob es diese logik oder eine andere war, die zum ergebnis führte bleibt offen.
So’n Elch lebt ja überwiegend in
eher kühlen Gegenden, in denen nicht nur die Weiber sich den
Kerl mit dem größten Geweih rauspicken (bzw. der seine
Konkurrenten verscheucht), sondern auch Schnee liegt - das
Geweih hat so nicht nur im Liebes- sondern auch im
alltäglichen Leben eine Bedeutung: man kann damit lässig
Schnee wegschieben um an Futter zu kommen - saupraktisch;
deutlicher Überlebensvorteil; setzt sich durch…
klingt sinnvoll, doch erstens weiss ich nicht genau, ob die elche das geweih als schneeschaufel brauchen und zweitens haben die tatsächlich schneeschaufelnden rentiere keine (oder nur andeutungsweise) schaufeln an ihrem geweih entwickelt.
dazu kommt die unpraktikabilität eines großen elchgeweihs im dichten wald der taiga. vielleicht hätte ja ein kleiner bulle ohne geweih den überlebensvorteil 1. weniger nahrung zu brauchen, da er nicht auch noch das schwere geweih tragen muss, 2. fressfeinden besser entfliehen zu können, 3. mit seinen tretern den schnee genausogut beseitigen zu können und 4. durch seine größere behendigkeit den weibchen besser imponieren zu können. ergo: dass sich geweihschaufeln ausgebildet haben ist tatsächlich zufällig, was ja eigentlich zu beginn zur diskussion stand. oops, solte ich mir da gerade eine denkfalle gebaut haben…?
und jetzt
stülpen wir dieses Geweih mit den riesen Schaufeln mal einer
Oryx über: […]
und, schwupps, ist aus dem vorteilhaften
Elch-Geweih ein ziemlicher Nachteil für den armen Oryx
entstanden.
wenn man mal vom schattenspenden absieht 
Es ist also das Zusammenspiel der grundlegenden
Evolutions-Faktoren (Umwelt, Fress-Feinde, Konkurrenten,
Partner), die erst gemeinsam das Ergebnis zustandebringen. Und
weil diese Faktoren keine festen Parameter sind, sondern sich
verändern und aneinander anpassen (und zwar ständig und
laufend), gibt es unendlich viele Variationen der Arten.
wohl gesprochen!
Ich bin mir nicht sicher, ob sich da eine kulturelle Norm
niederschlägt - nach der klassischen Genetik kann sich ja die
Lebensweise eines Individuums auch gar nicht in den Genen
niederschlagen… (ich finde die Lösung für dieses Dilemma,
die Rupert Sheldrake sich ausgedacht/gefunden hat, sehr
schön/möglich)
ich weiss leider nicht, was rupert sheldrake so rausgefunden hat. ich weiss eigentlich noch nicht mal, wer rupert sheldrake ist oder war. bitte mal aufklären!
Aber solche „Schönheitsideale“ können sich ja auch über
mehrere Stufen auf einem komplexeren Weg entwickelt haben:
ein Stier hat als erster seiner Art Hörner - die Kühe
schließen sich dem Stier an, der am besten blöd kucken kann
(oder so), ob er Hörner hat ist den meisten egal
ich habe mir einmal überlegt, wie das mit den bodybuildern eigentlich so funktioniert. ich vermute mal, dass die männer das machen, weil sie denken, dass sie dadurch attraktiver auf das weibliche geschlecht wirken und die frauen bei ihrem anblick in jubel ausbrechen. andererseits kenne ich im weiten umkreis keine frauen, die diese hypertrophierten muskelmassen schön finden. also habe ich mir gedacht, dass hier eines der großen missverständnisse zwischen den geschlechtern wirkt und wundersamerweise nicht zur katastrophe führt. da gibt es dann einen jungen mann, der denkt, seine frau liebe ihn, weil er so gut trainiert ist. die frau aber liebt ihn wegen seiner schönen augen. dafür nimmt sie seine dicken muskeln, die sie eigentlich fürchterlich findet, in kauf. oder aber sie findet es so süß, dass er sich so für eine sache, die bodybuilderei, begeistern kann und schätzt an ihm, dass er konstant und mit elan solches durchhaltevermögen zeigt, eine eigenschaft, die auch für die kinderaufzucht wichtig ist. 
Ich glaube, das liegt aber an unserer Sprache. Es geht
eigentlich darum den Sachverhalt auszudrücken, daß alle
Eigenschaften einer Art irgendwann im Laufe der Existenz
dieser Art, bzw, derer Vorgänger, einen irgendwie gearteten
Vorteil beim Überleben gehabt haben muß, sonst hätten
Individuen mit dieser Eigenschaft nicht überlebt und diese
Eigenschaft an Nachkommen weitergegeben und diese Eigenschaft
wäre nicht da. Diese Eigenschaften sind gleichzeitig Grund und
Ergebnis des Überlebens der Art und damit ist „Überleben der
Art“ der „Sinn“ der Eigenschaften…
was ich mit meinem einwand gegen biologistische (nicht biologische!) begründungen gesellschaftlicher phänomene meinte ist, dass ich eine große gefahr darin sehe, menschliche/kulturelle phänomene auf die evolutionären vorteile zurückführen zu wollen.
a) wir hatten ja bereits gesehen, dass evolutionäre entwicklungen vom zufälligen zusammenspiel verschiedener faktoren in einem gewissen zeitraum abhängen. diese entwicklung hätte genausogut anders laufen können, wenn zu einem zeitpunkt/während eines zeitraums ein oder mehrere faktoren nicht mitgespielt hätten oder andere dazu gekommen wären. eine sinngebung der biologisten unterstellt aber häufig eine zielgerichtetheit der evolution. mich erinnert das ein bißchen an die leute, die meinen, beim roulette ein system entdeckt zu haben…
b) schaut man sich die geschichte der moden und geschmäcker an, dann stellt man fest, dass sich diese immer wieder total geändert haben (z.b. von dem faible für rubens-frauen bis zu twiggy, von solch unsinnigen schönheitsidealen wie den diversen körperverstümmelungen -tellerlippen, giraffenhälse, gestreckte schamlippen, gefeilte oder ausgehebelte zähne, penisstifte etc.- mal ganz zu schweigen.) diese moden und geschmäcker bestimmen aber auch, wer der jeweilige bevorzugte geschlechtspartner und im weiteren verlauf der vater/die mutter meiner kinder wird. wiederum absehen möchte ich von solchen faktoren wie wirtschaftlichen gründen für die bevorzugung bestimmter ehepartner. also hat kultur ganz wesentliche bedeutung für die entwicklung und die phänomene menschlicher gesellschaften. da spielt biologie m.e. nur eine geringe rolle.
eine weit
verbreitete Methode bei Säugern und Vögeln ist übrigens die
feste Partnerschaft mit regelmäßigen Seitensprüngen… *g*
nach dem letzten tierischen streit mit meiner freundin versage ich mir diese erfolgreiche methode… 
Entwickelt sich z.B. eine Art dahingehend, daß die Jungen
soviel Pflege brauchen, daß das Weibchen zeitweilig nicht mehr
selbst auf Nahrungssuche gehen kann, dann ist eine mögliche
Lösungsstrategie die Monogamie - das Männchen hilft dem
Weibchen und damit seinem Nachwuchs.
oder aber die polygamie mit den anderen weibchen als zusätzliche kinderaufzuchthelferinnen…
Es können sich aber auch
mehrere Weibchen zusamentun und sich gegenseitig helfen
alles kann, nichts muss!
der
Kerl, der dann monogam nur eines der Weibchen deckt, ist im
Nachteil gegenüber dem poligamen.
und hat deutlich weniger spaß!
in diesem sinne grüßt ganz herzlich
dein
burkhard