Destillation / Spaltrohrkolonne

Hallo allerseits!

Im Laufe eines Laborantenlebens begegnen einem ja doch eine stattliche Anzahl verschiedener Destillationsapparaturen. Nur von einer einzigen habe ich in der Praxis noch nie etwas gesehen, und zwar von der Spaltrohrkolonne die im allseits bekannten „Organikum“ erwähnt wird.

Da die Spaltrohrkolonne laut Organikum eigentlich recht herausragende Betriebsparameter hat (geringer Druckverlust, niedrige theoretische Bodenhöhe, hoher Durchsatz) und da auch der Aufbau recht einfach ist (Isoliertes Rohr mit Innengewinde in dem sich ein zylindrischer Hohlkörper mit gegenläufigem Außengewinde befindet. Der Dampf steigt in dem Spalt zwischen Rohr und Hohlkörper auf, kondensiert und läuft langsam, dem Gewindeschnitt folgend wieder herunter), frage ich mich, warum diese Kolonne nicht eine der am weitesten verbreiteten Destillationskolonnen ist?

Mich würde nun mal interessieren, ob hier schon mal jemand mit einer solchen Spaltrohrkolonne gearbeitet hat, und ob es eine Erklärung dafür gibt, warum die Kolonne scheinbar so selten anzutreffen ist.

Gruß

Stefan

Hallo Stefan: Im Betrieb wird zur Destillation meistens eine Kolonne mit Gewebepackung (Sulzer-Kolonne) verwendet. Im Labor wird diese Gewebepackung ebenfalls verwendet wenn eine hohe Trennstufenzahl erforderlich ist. Gegenüber der Spaltrohrkolonne ist bei der Gewebepackung der ganze Kolonnendurchmesser für die Destillation verfügbar und nicht nur ein Spalt. Dies erhöht den Durchsatz pro Zeiteinheit respektive Kolonnendurchmesser bei hoher Trennstufenzahl pro Meter Kolonne. Gruss

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Hallo Paul

Kolonne mit Gewebepackung (Sulzer-Kolonne) verwendet.

Das ist mir soweit bekannt.

Gegenüber der
Spaltrohrkolonne ist bei der Gewebepackung der ganze
Kolonnendurchmesser für die Destillation verfügbar und nicht
nur ein Spalt.

So was in der Art habe ich auch vermutet, allerdings sprechen die Daten im Organikum dagegen, (Müsste mir die genauen Daten noch mal raussuchen) wobei ich ja vermute, dass da bei irgend einem Wert (wahrscheinlich Belastbarkeit) die Kommastelle um eine Position verrückt ist.

Hast du denn schon mal praktisch mit einer Spaltrohrkolonne gearbeitet, und kannst du mir typische, reale Anwendungsbereiche nennen?

Gruß

Stefan

Hallo Stefan,

meinst Du eine Drehbandkolonne?

Das Ding ist theoretisch sehr gut, aber in der Praxis eher was für Frickler :wink:

Die Belastbarkeit ist nur mäßig, und die Höher eines theoretischen Bodens nicht besser als bei guten Füllkörpern.
Ein großer Vorteil ist der geringe Betriebsinhalt (–> man kann sehr geringe Probenmengen destillieren) und der recht geringe Druckverlust.
Nachteil ist es, daß man das Ding mehr als genau aufbauen muß und wenn man über einen größeren Temperaturbereich fährt, kann es passieren, daß das Ding anfängt zu schrammen, d.h. die Bänder reiben an der Wand und dann ist der Trenneffekt fast perdü und die Belastbarkeit null und es geht fast nichts mehr. Der Rührmotor muß auch sehr präzise justiert werden und wenn Du keine fest installierten Stative hast kannst Du das schon vergessen.
Alles in allem, wie gesagt, eine Sache für Leute, die an so was Spaß haben und gerne rumbasteln.

Gandalf

Hallo Gandalf!

meinst Du eine Drehbandkolonne?

Nein, die steht im Organikum zwei Zeilen tiefer. Aber die habe ich in der Tat auch noch nirgendwo gesehen. (Naja bei der Frickelei ist das ja auch klar)

Ich denke, dass sich Drehbandkolonne und Spaltrohrkolonne in sofern recht ähnlich sind, dass sie in der Mitte eben einen gewundenen Körper tragen, nur dass das bei der Spaltrohrkolonne ein (wahrscheinlich evakuierter) Hohlkörper ist, der wohl auch fest eingebaut ist.

Auf jeden Fall scheint Betriebsinhalt und Druckverlust wie bei der Vigreux-Kolonne zu sein, die Trennleistung dagegen eher wie bei einer Füllkörperkolonne. Und da will mir einfach nicht in den Sinn, warum das Teil nicht viel weiter verbreitet ist.

Gruß

Stefan