Warum gibt es im Tierreich keine Räder

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

Bei den Wirbeltieren kann ich mir das weniger vorstellen, da die Mechanik sicher zu kompliziert wird und ihre Effizienz fragwürdig wird. (ich denke da eher an den Blutkreislauf, der sicher etwas durcheinander geraten würde…)

Aber wie sieht es bei den niederen Tieren aus? Wäre nicht manchmal das Rad viel effizienter?

Mir ist klar, dass sich einige Tierarten wie Kugeln verhalten und dadurch fortbewegen können… aber ich meine eher die klassische „Autofahrvariante“

Hi,

wie stellst Du Dir eine rotierende Gliedmaße vor, die mit einem Gefäßsystem verbunden ist, daß sich dabei nicht verdrillt ?

Eben. Es geht nicht.

Des weiteren ist ein Rad nur auf ebenen und geraden (also künstlichen) Strukturen vorteilhaft. In der freien Natur ist das die Ausnahme. Das ist ja auch der Grund, warum Forscher so gerne eine „Gehmaschine“ bauen wollen - weil man damit jedes Terrain überwinden kann.

Gruß
Moriarty

wie stellst Du Dir eine rotierende Gliedmaße vor, die mit
einem Gefäßsystem verbunden ist, daß sich dabei nicht
verdrillt ?

Eben. Es geht nicht.

Dann muß man eben auf die Gefäße verzichten: http://tagc.univ-mrs.fr/BioInteractif/upload/p199/5…

Hallo,

neben der bereits genannten Unbrauchbarkeit im Gelänge bekommst du Reibungsprobleme. Entweder die Räder sind groß mit wenig Reibung im Lager, dann stellen sie eine unnötige Masse dar. Oder sie sind klein, dann sind hohe Drehzahlen mit den entsprechenden Schmierproblemen nötig.

Der wichtigste Grund aber: ein Rad ist im Ansatz nicht von Vorteil. Dh Beine sind auch in kleinem, ungelenkem Zustand besser als gar keine Beine. Vom Anfang, bis zum heutigen Zustand war jeder Entwicklungsschritt bei den Beinen eine Verbesserung / Optimierung auf die jeweils herrschenden Verhältnisse (alles andere ist ausgestorben). Ein Rad ist nur in seinem Endzustand nützlich. Jede Zwischenstufe würde die Überlebenschance (und damit die Vermehrungschance) des Individuums verringern. Der Sprung von „ohne Rad“ zu „fertiges Rad“ ist aber zu groß, um ohne Zwischenstufen abzulaufen.

Gruss, Niels

Hi.
also auf Deine Frage kann man nicht viel wirklich intelligentes antworten…

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das
Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

Weil das Rad eine Erfindung des Menschen ist, die die Reibung bei bestimmten Transportprozessen verringert.

Bei den Wirbeltieren kann ich mir das weniger vorstellen, da
die Mechanik sicher zu kompliziert wird und ihre Effizienz
fragwürdig wird. (ich denke da eher an den Blutkreislauf, der
sicher etwas durcheinander geraten würde…)

Aber wie sieht es bei den niederen Tieren aus? Wäre nicht
manchmal das Rad viel effizienter?

Glaub mir, wäre das wirklich der Fall hätte die Evolution uns Räder und keine Beine beschert. Das gilt im übrigen für alle anderen Lebensformen.

Mir ist klar, dass sich einige Tierarten wie Kugeln verhalten
und dadurch fortbewegen können…

Hier würde mich mal interessieren, welche Du meinst…

Ich kann mir das anatomisch auch nicht vorstellen. Du hättest ein wenig präziser damit sein sollen bei welchen Lebewesen Du Dir das genau vorstellst.
Also denken wir uns mal ein Tier, das statt Beine Räder hat (ROFL)…
Wie genau sollten da Kreislauf (wie schon gepostet) und, vorallem Muskeln angeordnet sein ohne zu verdrillen??? DENN die braucht man ja; zum einen für den Antrieb zum andern aber auch zum Bremsen (sonst würde unser tierchen ja evtl völlig hilflos auf nen Abhang zurollen).

aber ich meine eher die
klassische „Autofahrvariante“

Nun, Autoräder werden ja nur „indirekt“ über Wellen angetrieben. Der Motor greift ja nicht direkt dort an… Du weißt schon, die Fahrschulsache:„Der Kolben treibt die Pleuelstange an; die Pleuelstange treibt die Kurbelwelle an… usw, usw.“
Ich will mich jetzt nicht so ganz festlegen, aber ich glaube in Physik gehört zu haben, daß ein normaler Ottomotor so ca. 30% Energieausbeute hat. Und DAS ist für die Natur viel zu ineffizient (jetzt bitte nicht mit Energieumsatz des Kolibris argumentieren)…

Aber kurz und prägnant: Wenns in Millionen von Jahren der Evolution kein Tier mit Rädern gibt, dann bringen die auch mal überhaupt nix…
Is aber mal interessant drüber nachzudenken…

LG Alex :smile:

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das
Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

Bei den Wirbeltieren kann ich mir das weniger vorstellen, da
die Mechanik sicher zu kompliziert wird und ihre Effizienz
fragwürdig wird. (ich denke da eher an den Blutkreislauf, der
sicher etwas durcheinander geraten würde…)

Der würde nicht durcheinander geraten, sondern die Adern würden sehr schnell, nach einigen Umdrehungen, abdrehen.
Das Rad hätten die Tiere sicher erfinden können, aber nicht den Wellendichtring.

Gruß max

[halb-offtopic]
Hi,

sonst würde unser tierchen ja evtl völlig
hilflos auf nen Abhang zurollen.

das war ja auch das Schicksal des gemeinen Vierrad-Lemmings, weswegen der mittlerweile ausgestorben ist - der heutige Lemming gibt sich damit zwar auch Mühe, bringt es aufgrund der fehlenden Räder aber nicht zu dieser Höchstleistung… *g*

Ich will mich jetzt nicht so ganz festlegen, aber ich glaube
in Physik gehört zu haben, daß ein normaler Ottomotor so ca.
30% Energieausbeute hat. Und DAS ist für die Natur viel zu
ineffizient (jetzt bitte nicht mit Energieumsatz des Kolibris
argumentieren)…

Evolutionstechnisch erfindet der Kolibri aber gerade das Flügelrad, wie man gut sehen kann, wenn man mal die Bewegung seiner Flügel beim „Stillstand“ in der Luft beobachtet! :wink:

Aber kurz und prägnant: Wenns in Millionen von Jahren der
Evolution kein Tier mit Rädern gibt, dann bringen die auch mal
überhaupt nix…

Ich glaub allerdings, hier liegt insgesamt ein großes Missverständnis vor:
Das Rädertier gibt es ja schon längst!
Meiner Meinung nach ist das Problem hier die Definition des Begriffs „Rad“ - betrachtet man sich mal das Rädertierchen, fällt einem auf, dass es eigentlich ein Schlauch ist, und sowas hat die Evolution mittlerweile schon häufig und imho erfolgreich entwickelt! *g*

http://www.wasser-wissen.de/abwasserlexikon/r/raeder…

Is aber mal interessant drüber nachzudenken…

Genau!

LG,

Cess

Hallo,

die Natur hat das Rad schon längst erfunden, in molekularer Größe.
Das Enzym ATP-Synthase dreht sich.
http://idw-online.de/puplic/pmdi-4579/zeige_pm.html

Gruß
Michael

daß Internet ist für mich immer noch ein großes Geheimniss!
Der Link funktioniert nicht. Und eine Korrektur kann ich auch nicht machen.

Einfach die Suchbegriffe „rad“ „atp-synthase“ in Google eingeben und dann aus dem „cache“ laden.

nochmals sorry sorry !
Wie ich dieses Mißgeschick beheben kann, weiß ich nicht.
Michael

Das Rad hätten die Tiere sicher erfinden können, aber nicht
den Wellendichtring.

Warum nicht?

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das
Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

die einzige wenn auch flache antwort: geh mal mit rollschuhen in den wald. und einen rollstuhlfahrer nimmst du auch noch mit.

gruß
datafox

Hi,

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das
Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

Das stimmt nicht. Der Pfau hat eins :wink:

Bei den Wirbeltieren kann ich mir das weniger vorstellen, da
die Mechanik sicher zu kompliziert wird und ihre Effizienz
fragwürdig wird. (ich denke da eher an den Blutkreislauf, der
sicher etwas durcheinander geraten würde…)

Das ist kein Punkt. Ein Rad könnte auch aus Knochenmaterial
sein und gar keine „Versorgung“ benötigen allerdings kann
es sich erst drehen, wenn es „fertig ist“, da es im Aufbau
befindlich ja wächst und nicht drehbar gelagert sein kann.

Es geht also tatsächlich. Zuerst bildet das Tier ein Rad,
dann darin ein Knochenlager, welches über „Gelatine“ oder
Knorpel geschmiert wird.

Die Frage wäre, was soll das Tier damit anfangen? Es gibt
nicht viele Möglichkeiten, eine Drehkraft auf das Rad
zu übertragen. Über das Lager gehts nicht, es müsste also
ein zusatzlicher (Sehnen)-Antrieb her. Das Grundproblem
bleibt. Wo beginnt die Drehbewegung, wo wird sie erzeugt?

Darauf hat die Natur ausser bei Proteinkomplexen und
Bakterien keine Antwort gefunden.

Aber wie sieht es bei den niederen Tieren aus? Wäre nicht
manchmal das Rad viel effizienter?

Auf dem Land nicht. Es sei denn, die Lebewesen bauen
gleichzeitig Strassen oder parasitieren bei strassen-
bauenden Lebewesen :wink:

Interessant wäre eher eine Entwicklung für das Wasser,
sowas wie eine Turbine oder Raupe. Das würde man zuerst
erwarten. Das entspricht ja im Grunde den vorhandenen
Entwicklungen bei Bakterien. Eine „Turbine“ wäre dann
einfach ein Satz von 3 verknöcherten, geformten „Flagellen“ :wink:

Mir ist klar, dass sich einige Tierarten wie Kugeln verhalten
und dadurch fortbewegen können… aber ich meine eher die
klassische „Autofahrvariante“

Wie gesagt, auf dem Land nahezu immer unzweckmässig, wie hier
im Thread schon dargelegt. Allerdings wäre eine Turbine
bei Vögeln interessant, um die langen Strecken der
Wanderungen schneller zu bewältigen oder Raubvögeln im
Steigflug zu entkommen. Auch loopings wären dann möglich,
wichtig z.B. für das Balzritual :wink:

Grüße

Euer CMБ

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das
Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

Hallo,

Ich glaube, das eigentliche Problem sind die „Gänsefüßchen“ in Deiner Frage, und zwar diejenigen um das Wort „erfunden“.

Wir „aufgeklärten“ Menschen sprechen zwar von „Evolution“, denken aber weiterhin in der Logik von „Schöpfung“.

Um der Logik der Evolution gerecht zu werden, müssen wir unsere vertrauten Denkabläufe umkehren. Im Gegensatz zur Schöpfung erfindet die Evolution nichts, es gibt keinen Willen, kein Ziel, keinen Plan, keinen Zweck, kein „warum“ in ihr. Vielmehr findet eine Entwicklung statt, weil ein Weg dahin führt, als Folge von vielen Ursachen.

Zum Rad hat eben kein Weg geführt. Na und ?

mfg
Klaus

Es ist mir klar, dass die Natur nichts erfindet in dem Sinne von erfinden (allopoises). Ich habe es vielleicht ein wenig unwissenschaftlich ausgedrückt, aber auch ein weinig mit der Hoffnung, dass ihr euch nicht daran aufhaltet.
Diese „Erfindungen“ beruhen ganz einfach auf Mutationen während des „crossing over“… diese können zum Einen positiv für das Individuum ausfallen (dann ist er der fittere - nach Darwin) oder negativ (dann wird er seine Gene schlechter verbreiten können)

Dein „Na Und?“ finde ich nicht ausreichend! Mir geht es im Detail, warum es nicht benötigt wird… warum dies die schlechtere Mutation gewesen ist.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

:wink:
Hi,

lustig geniale Antwort… Danke :wink:

Wie gesagt, bei Wirbeltieren kann ich es mir ja auch nicht vorstellen, für mich wären Bakterien interresanter…

Weil die Nabe fehlt.
Hi vastitas,

Ich beschäftige mich zur Zeit mit der Frage, warum das
Tierreich kein Rad „erfunden“ hat.

ein Rad könnte ich mir durchaus vorstellen, aber das Rad ist nichts ohne Nabe. Soweit ich weiß, haben alle Gelenke, die in der Natur vorkommen, einen Drehwinkel von weniger als 360°. Die Nabe scheint mir das einzige mechanische Element zu sein, das die Natur nicht bereits vor dem Menschen „erfunden“ hat.

Gruß Ralf