Auslesen von DNS

Hallo liebe Experten,

ich möchte gerne im Groben herausfinden, wie DNS ausgelesen wird. Nachdem, was ich bisher gelesen habe, ist das momentan angewendete Verfahren PCR - „Polymerase Chain Reaction“. Ist das immer noch der Fall?

Leider habe ich die PCR nicht genau verstanden, daher dieser Artikel. Ich habe folgendes verstanden: Die DNA wird vervielfältig, und unter Erwärmung an die 90°C wird die DNS scheinbar gezogen und die Doppelhelix aufgespalten. Ist das noch richtig?

Danach werden sogenannte Primers an die Basen der DNS gebunden. Was sind denn Primers? Und was passiert dann, um die DNS auszulesen?

Über Hilfe würde ich mich sehr freuen!

Grüße,
Bernhard

Hi Berrnhard,

ich bin zwar kein Experte, aber vielleicht kann ich dir deine Fragen auch beantworten.
Die PCR wird durchgeführt, um wenig Probenmaterial zu vervielfältigen. Bei jedem Durchgang der PCR wird dein Material verdoppelt.
Hier ein link, der vielleicth weiter hilft:
http://www.pathologen-luebeck.de/Methoden/Molekularp…

Wenn du dann genug DNA in deiner Probe hast, kannst du einen Restriktionsverdau durchführen. Das heißt deine DNA wird an spezifischen Stellen (AS-Muster) gespalten.
Danach kannst du eine Gelelektrophorese durchführen, o.ä. Anhand der Banden kannst du dann verschiedene Proben vergleichen, wenn du Glück hast gibt es welche die identisch sind… Bei einem Vaterschaftstest ist dies allerdings nicht von jedem erwünscht :wink:

Falls du genauere Fragen hast, kannst du dich ja nochmal melden… Vielleicht kann ich dir ja noch weiterhelfen… wenn niht wird sich hier bestimmt noch ein Experte finden lassen :wink:

Grüssle

m.

Hallo Bernhard,

Eine Kurzbeschreibung kann ich aus meiner Arbeit über PCR zitieren:

Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist es möglich, spezifische Sequenzbereiche aus geringsten Ausgangsmengen von Nukleinsäuren in vitro und zudem schnell zu amplifizieren, um sie so einer Analyse oder Weiterverarbeitung zugänglich zu machen. Das Grundprinzip der Polymerase-Kettenreaktion stellt sich wie folgt dar: Ein doppelsträngiges DNA-Molekül wird durch Hitzeeinwirkung aufgeschmolzen (denaturiert). Die Einzelstränge dienen in der Folge als Matrize für die enzymatisch katalysierte Polymerisation von Desoxyribonukleotiden, wodurch wieder doppelsträngige DNA-Moleküle entstehen. Die als Primer bezeichneten Oligodesoxyribonukleotide definieren dabei den zu kopierenden Sequenzabschnitt, indem sie an Orten komplementärer Sequenz mit der Ziel-DNA hybridisieren und als Starter für die Polymerisation dienen. Der Prozess exponentieller Produktbildung wird von verschiedenen Faktoren begrenzt. Im Laufe der PCR geht die Netto-Produktbildung daher schließlich auf Null zurück und die Gesamtmenge an PCR-Produkt erreicht einen Plateauwert. Die Ursachen dafür werden z. B. bei MORRISON & GANNON umfassend diskutiert. Erstmals beschrieben wurde ein Verfahren zur biochemischen Amplifikation von DNA in vitro bereits 1971 von KLEPPE et al. Die damals verfügbare KLENOW-Polymerase zur DNASynthese war nicht hitzestabil und musste nach jeder Denaturierung erneut dem Reaktionsansatz zugegeben werden. Dieser Aufwand stand einer weiten Verbreitung dieser Methode entgegen, bis MULLIS 1988 den genialen und durch seine Einfachheit bestechenden Einfall hatte, eine aus thermophilen Bakterien (Thermus aquaticus) isolierte DNA-Polymerase zu verwenden, welche den Denaturierungsprozess der DNA unbeschadet übersteht.
Vielleicht hilft das ja schonmal. Doch jetzt konkret zu deinen Fragen:

ich möchte gerne im Groben herausfinden, wie DNS ausgelesen
wird.

Ich bin mir nicht sicher, was du mit „auslesen“ meinst. Mit der PCR an sich kann man die Abfolge der Basen (also die genetische Information) nicht lesen, sindern eben nur vervielfältigen. Nichtsdestotrotz ist eine solche Vervielfältigung definierter Abschnitte der DNA (ach ja: DNA ist englisch für DNS, eben A cid statt S äure) Voraussetzung für das eigentliche „Auslesen der Basensequenz“, was man aber als „Sequenzierung“ bezeichnet. Ich denke aber, du willst wissen, wie die PCR funktioniert.

Nachdem, was ich bisher gelesen habe, ist das momentan
angewendete Verfahren PCR - „Polymerase Chain Reaction“. Ist
das immer noch der Fall?

Ja. PCR ist immer noch die Methode, um definierte Abschnitte der DNA zu vervielfältigen. Diese Verfielfältigung ist die Voraussetzung für sehr viele weitere Analysen oder Experimente, die man mit der DNA machen kann (zB. Sequenzieren).

Ich habe folgendes verstanden: Die DNA wird
vervielfältig, und unter Erwärmung an die 90°C wird die DNS
scheinbar gezogen und die Doppelhelix aufgespalten. Ist das
noch richtig?

Ja. Die PCR ist ein Temperaturgesteuerter Prozeß. Dieser Prozeß startet mit der DNA, die kopiert werden soll sowie einigen anderen Zutaten und endet mit zwei Kopien dieser DNA. Dieser Kopiervorgang läuft in drei Schritten:

  1. Aufschmelzen (denaturieren) der DNA-Doppelhelix in die beiden Einzelstränge. Das erfolgt bei hoher Temperatur (>90°C).
  2. Das Binden sehr kurzer, synthetisch hergestellter DNA-Stücke definierter Sequenz (die sog. „Primer“). Diese kurzen (ca. 20 Basen) langen Moleküle finden und binden die komplementäre Sequenz auf dem zu kopierenden DNA-Molekül. Diese sogenannte Hybridisierung erfolgt bei niedriger Temperatur (ca. 55°C).
  3. Die hybridisierten Primer werden von einem Enzym, der DNA-Polymerase, verlängert. Dabei werden die beiden Einzelstränge des ursprünglichen DNA-Moleküls - die hier jeweils als Matrize dienen - wieder zu zwei Doppelsträngen vervollständigt. Das passiert bei der Wohlfühltemperatur des Enzyms. Da ein Enzym aus thermophilen Bakterien verwendet wird, ist diese Temperatur recht hoch, so 60-80°C, meist 72°C.

Danach werden sogenannte Primers an die Basen der DNS
gebunden. Was sind denn Primers?

Wie schon gesagt, ein Primer ist ein kurzes Stück einzelsträngige DNA, synthetisch hergestellt, mit bekannter Basenabfolge.

Und was passiert dann, um die
DNS auszulesen?

Wie auch gesagt: Das Enzym DNA-Polymerase erkennt und bindet diese DNA-Primer-Hybride und beginnt, den Primer zu verlängern. Dazu bedient sich das Enzym der freien Desoxyribonukleosid-Triphosphaten (kurz dNTP’s, also dATP, dCTP, dGTP und dTTP). Welches davon als nächstes angehängt wird, entscheidet die korrespondierende Base in DNA-Strang (der ja als Matrize dient). Nur das zu dieser Base komplementäre dNTP kann sich anlagern und wird dann vom Enzym unter Abspaltung eines Pyrophosphat-Restes an die wachsende Kette angehängt (das Enzym katalysiert dabei die Bildung eine Phospho-Diesterbindung vom neuen dNTP zum 3’-OH der Desoxyribose der Kette). Dieser Vorgang wiederholt sich, bis das Ende des Matrizenstranges erreicht ist oder das Enzym abfliegt oder die Temperatur wieder erhöht wird.

Über Hilfe würde ich mich sehr freuen!

Hoffe, das hat nur etwas verwirrt und trotzdem geholfen. Jetzt kannst du ja nochmal präziser nachfragen.

Grüße,
Jochen

Infos zur PCR
Hallo Bernhard,

mir ist im Moment nicht ganz klar, was du mit ‚auslesen‘ meinst? Wenn du den Zusammenhang, in dem das für dich wichtig ist noch etwas erläutern kannst, dann kann ich dir sicher noch weiterhelfen. Meinst du etwa die Sequenzierung von DNA-Abschnitten (Bestimmung der Basenabfolge, z.B. GAACTGAACGGTACTGCA…)? Das wäre wiederum ein Kapitel für sich.

Nun erst mal zur PCR:
Wie unten schon beschrieben, ist die PCR-Technik eine Methode, die es erlaubt aus ganz geringen DNA-Mengen bestimmte DNA-Abschnitte zu vervielfältigen. Man erhält so viel Produkt, daß man das amplifizierte DNA-Fragment z.B. durch Gelelektrophorese sichtbar machen kann. Im Prinzip kann sogar DNA aus einer einzigen Zelle untersucht werden.

Die PCR beruht auf folgendem Prinzip:

Im Reaktionsansatz befindet sich DNA (z.B. aus Blut, Gewebe, Sperma isoliert). Außerdem benötigt man eine hitzestabile DNA-Polymerase (z.B. ein Enzym namens Taq-Polymerase, es gibt aber auch andere), das Enzym, welches für die Verfielfältigung der DNA zuständig ist. Das Enzym benötigt bestimmte Puffer-Bedingungen sowie Magnesium-Ionen um zu funktionieren. Dann braucht man noch die Bausteine für die Synthese neuer DNA-Moleküle, die (Desoxy-)Nukleotide, nämlich dATP, dCTP, dGTP und dTTP. Und schließlich braucht die DNA-Polymerase noch sogenannte Startermoleküle (Primer), an die sie für die weitere Synthese andocken kann. Sie kann nicht de novo irgendwo an der DNA-Vorlage mit der Neusynthese anfangen. Die Primer sind kurze einzelsträngige DNA-Abschnitte, etwa 20-30 Basen lang. Diese Primer sind komplementär zu den Enden des DNA-Abschnitts, den man amplifizieren möchte. Die Auswahl solcher Primer ist natürlich davon abhängig, ob man bereits Informationen zur Sequenz des DNA-Abschnitts hat, den man ‚vermehren‘ und sichtbar machen möchte. Ohne Sequenzkenntnis geht das nur über Umwege, auf die ich hier nicht eingehen will.
Diesen Reaktionsansatz (Volumen ca. 10-50 µl) stellt man in einen sogenannten Thermocycler, der in der Lage ist, automatisiert bestimmte Temperaturprofile abzuarbeiten.

So, nun zum Amplifikationsvorgang:

  1. Schritt: Denaturieren der DNA bei etwa 92-96 Grad für etwa 1 Minute. Dies ist nötig, da nur an einem Einzelstrang die Neusynthese erfolgen kann. Der Einzelstrang dient als Matritze für die folgende Verdopplung.
  2. Schritt: Abkühlung auf ca. 50-60 Grad (ist von der Schmelztemperatur der Primer abhängig) für ca. 1 Minute. Bei dieser Temperatur können sich die Primermoleküle an komplementäre Sequenzen der Matritze anlagern (‚Annealing‘) und einen kurzen doppelsträngigen Abschnitt bilden.
  3. Schritt: Erwärmung auf ca. 72 Grad für 1-2 Minuten. Dies ist die optimale Reaktionstemperatur für die DNA-Polymerase. Sie beginnt dann an einem Ende der Primer weitere Nukleotide einzubauen, die jeweils komplementär zur Matritze sind (‚Extension‘). Steht in der Matritze ein A baut sie ein T ein, steht in der Matritze ein C baut sie ein G ein etc.

Die Schritte 1-3 werden nun etwa 25-40 mal wiederholt. Theoretisch führt das zu einer exponentiellen Vermehrung der DNA-Moleküle.
Meist werden DNA-Abschnitte in einem Größenbereich von etwa 200 bis 5000 Basenpaaren auf diese Art amplifiziert, es gibt aber auch Sonderfälle. Solche Amplifikationsprodukte werden dann z.B. auf Agarose-Gelen, Polyacrylamid-Gelen oder durch Kapillarelektorophorese der Größe nach aufgetrennt und sichtbar gemacht.

Weitere Infos (englisch) mit einem Schema zur PCR findest du hier: http://wine1.sb.fsu.edu/bch5425/bch5425.htm (Lecture 22).

Ich hoffe, ein wenig geholfen zu haben. Falls du weitere Infos brauchst einfach nochmal melden.

Viele Grüße
Eva

Mit
der PCR an sich kann man die Abfolge der Basen (also die
genetische Information) nicht lesen, sindern eben nur
vervielfältigen.

Das ist so nicht ganz richtig, weil die Sequenzierung im Wesentlichen auf einer modifizierten PCR beruht, bei der man den Desoxy-Nucleotiden einen bestimmten Prozentsatz (vorzugsweise farblich markierter) Didesoxynucleotide zugibt und nur einen Primer verwendet. Der Einbau der Diedesoxynukleotide führen dabei zu einem Kettenabbruch und damit zu einem Gemisch unterschiedlicher langer DNS-Abschnitte, die durch Gelelektrophorese getrennt werden. Aus der Längenverteilung läßt sich das relativ einfach die Basensequenz ermitteln, weil die Länge der Ketten gleich der Position der eingebauten Didesoxynucleotide ist.

Hallo,

Du hast Recht, zur Sequenzierung werden ddNTPs zugegeben, und die führen nach Einbau auch zu einem Kettenabbruch (Abbruch der Verlängerung des neu synthetisierten Stranges). Genau das ist aber das Problem: Wird der Strang nicht bis zum Ende verlängert (also so lange, bis die Bindesequenz des Gegenprimers teil des Stranges ist), kann der Gegenprimer im nächsten Zyklus nicht binden. Damit ist diese Reaktion i.e.S. keine PCR.

Die praktische Konsequenz ist ja die, daß man zunächst eine PCR macht (ohne ddNTPs), um das zu sequenzierende Fragment zu amplifizieren und anschließend eine Sequenzierreaktion (mit nur einem Primer und eben ddNTPs), um die frablich markierten Abbruchketten zu bekommen.

Mit „Kettenreaktion“ (von PCR - Polymerase chain reaction: Polymerase-Kettenreaktion) ist ja gemeint, daß die Zielsequenz zumindest exponentiell amplifiziert wird. Das ist bei der Sequenzierreaktion nicht gegeben. Die reine Kettenverlängerung ist eben nicht die Kettenreaktion, auch wenn die Wörter verwandt sind, sondern nur die emzymkatalysierte Polymerisations-Reaktion.

Ok, das ist zwar alles akademische Klugscheißerei, aber ich ich halte die Unterscheidung für wichtig, wenn man das Prinzip erstmal verstehen will.

Liebe Grüße,

Jochen