Walzen von Ackerböden

Von: , Frage gestellt am Sa, 3. Jul 2004

Warum werden manche Äcker gewalzt und manche nicht?
Wird vor oder nach der Saat gewalzt?

Danke.

josch

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 3 hilfreich
    Re: Walzen von Ackerböden

    Hallo Josch,

    jetzt mal aus bedingt biologisch/chemischer Sicht, schlicht der landwirtschaftlichen: Warum werden manche Äcker gewalzt und manche nicht?
    Wird vor oder nach der Saat gewalzt?
    Ackerbau findet auf höchst unterschiedlichen Böden und auch auf dem gleichen Standort mit unterschiedlichen Anbaumethoden statt.

    Walzen kann grundsätzlich zwei Zwecken dienen: (1) Verdichten (2) Einebnen des Bodens.

    Verdichten ist nützlich, wo grobschollig liegende, in der Regel schwere Böden keinen gescheiten (kapillar-)Anschluss an den Unterboden kriegen. Ferner kann man damit in sehr beschränktem Umfang etwa tonige Böden, die zu feucht gepflügt wurden und keine gescheite Frostgare haben, ein wenig kleiner schollig kriegen (Notbehelf!).

    Verdichten durch Walzen auf eher leichten Böden wird heute kaum mehr praktiziert, weil man auf diesen viel besser mit pfluglosem Anbau zurechtkommt und die dabei verwendeten Geräte (Grubber) viel weniger "Löcher" in der Bodenstruktur hinterlassen.

    Beide Funktionen werden heute besser als mit der Walze mit dem Packer (relativ lose nebeneinander laufende, auf einer Achse aufgereihte Scheibenräder mit einem Zahnprofil) erreicht. Dieser kann je nach Zweck auch schon mit dem Pflug mitlaufen.

    Die beschriebenen Vorgänge gehen der Saatbettbereitung mit Egge & Krümler voraus.

    Bereits aufgelaufenes und bestocktes Wintergetreide wird gewalzt, wenn durch im oberen Bodenbereich gefrorenes und dadurch ausgedehntes Wasser die Getreidepflanzen teilweise ausgehoben wurden und dadurch den Anschluss an Bodenlösung & Wasser teilweise oder ganz verloren haben.

    Ebenfalls nach der Saat wird bei steinigen Böden gewalzt, um die Steine in den Boden zu drücken und auf diese Weise schartige Sensen (früher) und gerissene oder festsitzende Messerbalken am Mähdrescher (heute) zu vermeiden.

    Grundsätzlich ist Walzen zur Bodenverdichtung immer ein Hinweis auf unvorhergesehene Entwicklungen, schlechte Wetterverhältnisse beim Pflügen oder im Winter oder auch Fehler in der Bodenbearbeitung. Böden, die im Frühjahr die Walze brauchen, weil sie nicht ordentlich krümeln, sind oft genug solche, die durch schlechte Humusversorgung bei viehloser Wirtschaft, zu häufiges Befahren mit zu schweren Geräten, Bodenbearbeitung bei Nässe etc. im Mikrobereich bereits stark verdichtet sind. Oder schlicht nicht für Ackerbau geeignet, aber es muss unbedingt Mais drauf, weil Grünland Viehhaltung voraussetzen würde, aber Mais sich auch in Huhn & Schwein reindrücken lässt.

    Walzen bei Auswintern ist nicht gut durch freundlichere Methoden zu ersetzen.

    Walzen zum Einebnen geht oft damit einher, weil die süddeutschen Fröste und die süddeutschen Glazialböden in der gleichen Gegend vorkommen. Wo es nur um die Steine geht, ist Steinelesen die bessere (aber praktisch nicht bezahlbare) Methode, oder auch ab und zu eine Überfahrt mit einem Steinlese- und/oder zertrümmerungsgerät. Ein aufmerksamer Mähdrescherfahrer kann durch entsprechende Akrobatik mit dem Tisch auch schon viel erreichen, aber wer ist nach zwei Wochen mit sechzehn Stunden täglich aufm Bock noch ganz aufmerksam?

    Schöne Grüße



    MM

  2. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Walzen von Ackerböden

    Hallo !

    Acker gewalzt??

    Gewalzt werden im Frühjahr Wiesen und Weiden.

    mfg Conrad

    • Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Walzen von Ackerböden

      Hallo Conrad,

      ja, Acker gewalzt.

      Es gibt für jede der beiden Arbeiten einen eigenen Walzentyp: Eine Wiesenwalze ist - je nach Zugkraft - rund zwei Meter breit bei einem Durchmesser von etwa einszwanzig bis einsfünfzig. Da Wiesen nicht so empfindlich auf Verdichtungen sind, kann man sie bei Bedarf teilweise noch mit Wasserballast versehen.

      Wiesenwalzen sind generell schwerer als Ackerwalzen.

      Eine Ackerwalze ist üblicherweise aus drei zylindrischen Rollen zusammengesetzt, die in einem Rahmen so gelagert sind, dass eine voraus laufende lenkbar mit zwei seitlich versetzten nachlaufenden Rollen verbunden ist. Es geht dabei um etwa fünfzig bis siebzig Zentimeter Durchmesser bei geringfügig größerer Gesamtarbeitsbreite als bei der Wiesenwalze.

      Zum Anbau an der Heckhydraulik des Schleppers, wo es auf Lenkbarkeit nicht so ankommt, weil der ganze Rahmen im Vorgewende ausgehoben werden kann, gibt es auch Ackerwalzen mit größeren Arbeitsbreiten, bei denen eine größere Zahl von Rollen in einem starren Rahmen nebeneinander angeordnet sind.

      Wenn wir grade beim Wiesenwalzen sind: Hier geht es ebenso wie beim Ackerwalzen um Bodenschluss bei Auswintern und um Einebnen, ferner um Wiederandrücken der beim Schleppen der Weiden (bei Wiesen wird weniger, oft gar nicht Geschleppt/Gewalzt) gelockerten Pflanzen.

      Zum Thema Ackerwalzen: In den neunzehnhundertachtziger Jahren habe ich hie und da Ackerwalzen und Packer im Frontanbau gesehen, die es ermöglichen, zusammen mit einer Saatbettkombi im Heckanbau ein komplettes Saatbett unter Einsparung einer Überfahrt herzustellen. Seither aber nicht mehr, kann auch mit der Gegend zu tun haben. Denke aber eher, dass die verschiedenen Arbeitsgeschwindigkeiten zu einem schlechten Kompromiss führten und dass sich diese Kombination deswegen nicht durchgesetzt hat.

      Schöne Grüße




      MM

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