Hallo,
Vorweg: „Lügen für Kinder“
Glutathion ist ein Schutzmolekül der Zelle, welches schädliche Nebenprodukte (Peroxide) des Stoffwechsels entgiftet. Die Entgiftungsreaktion wird von einem Enzym, der Glutathion-Peroxidase durchgeführt. Dabei werden je Peroxid zwei Glutathione „verbraucht“, indem sie miteinander Verbunden werden. Bei dieser verbindung zerstören sie das Peroxid. Die Verbundenen Glutathione können dann von der Zelle wieder getrennt werden, so daß sie für eine weitere Entgiftungsreaktion zur Verfügung stehen.
Genauer wird das ohne Verständnis von Redox-Prozessen nicht zu begreifen sein.
Zu Glutathion schau mal hier:
http://www.chemdat.de/pls/pi03/web2.search_page2?tex…
Klick aus den Link zur Strukturformel. Was die auffallen soll, ist, daß das Gluthation-Molekül Schwefelhaltig ist (daher der Namensteil „thio“, was grichisch für Schwefel steht). An dem Schwefel hängt noch ein Wasserstoff, was zusammen eine sogenannte funtionelle Thi ol gruppe (-SH) bildet (ganz ähnlich übrigends wie Sauerstoff mit einem Wasserstoff eine Alkoh ol gruppe -OH bildet).
Hier dann nochmal kurz Zitate aus dem Netz, bevor ich sage, warum die Thiolgruppe wichtig ist:
Die schwefelhaltige Aminosäure Glutathion wurde zuerst als Teil der Hefe beschrieben. Die Struktur als schwefelhaltiges Tripeptid wurde 1935 aufgeklärt. In der Leber wird aus Glutaminsäure, Glycin und Cystein Glutathion, eines der wichtigsten Antioxidantien im Körper, gebildet.
…
Glutathion spielt eine besonders wichtige Rolle im antioxidativen Verteidigungssystem des Körpers. Es entfaltet seine Wirkung zusammen mit dem selenhaltigen Enzym Glutathionperoxidase. Glutathion kann freie Radikale entgiften und oxidiertes Vitamin C und E wieder so aufbereiten, dass der Körper diese Vitamine erneut nutzen kann. Die aktive, reduzierte Form von Glutathion ist relativ instabil, vor allem bei oxidativem Stress wird es schnell verbraucht.
Bei Oxidativem Stress ist zuviel Sauerstoff da (bzw. es fehlen Elektronen, die bei Oxidationsprozessen auf andere Moleküle übertragen wurden). Dabei entstehen Sauerstoff-Verbindungen, denen Elektronen fehlen. Diese Sauerstoffverbindungen nennt man nicht mehr Oxide, sondern Peroxide. Das einfachste Peroxid ist das Wasserstoffperoxid H2O2. Beim Wasser H2O teilt sich ein Sauerstoffatom je ein Elektronenpaar mit je einem Wasserstoff: H-O-H. Effektiv beansprucht das O-Atom aber alle 4 Bindungselektronen für sich. Bei H2O2 teilen sich zwei O-Atome je ein Elektronenpaar mit einem H und mit dem anderen O: H-O-O-H. Auch hier beanspruchen die O’s die Elektronen der O-H-Bindungen für sich, aber das mittlere Paar müssen sie sich fair teilen. Jedes O hat also effektiv nur drei der Bindungselektronen, also eines weniger, als es gerne hätte. Ein Peroxid ist also sehr daran interessiert, ein weiteres Elektronenpaar zu bekommen. Das holt es sich gerne von beliebigen anderen Verbindungen, die es dabei oxidiert (also Elektronen abnimmt) und sich selbst reduziert (also sich Elektronen einverleibt). Da diese Reaktion sehr wahllos abläuft, schadet das dem geordneten Stoffwechsel in der Zelle. Diese muß Peroxide also möglichst „entgiften“ (also oxidieren) bevor sie einen Schaden anrichten. Das macht sie, indem sie Reaktionspartner für die Peroxide zur Verfügung stellt, die gut oxidiert werden können und deren oxidierte Form dann entweder ausgeschieden oder einfach wieder reduziert werden kann. Glutathion ist so ein Reaktionspartner.
Die Thiolgruppe des Glutathions kann von Peroxiden oxidiert werden. Dem Schwefel wird dabei ein Elektron abgenommen. Das gebundene Wasserstoffatom wird dabei als Proton abgegeben. Dann bleibt ihm ein Bindungselektron übrig, welches wieder Schaden anrichten kann, weil nun ja der Schwefel noch ein Elektron sucht. Darauf ist die Zelle aber vorbereitet: Sie sorgt dafür, das gleich noch ein zweites Glutathion vor Ort ist, mit dem das erste reagieren kann. Es kommt noch besser! Das Peroxid braucht ja zwei Elektronen. Wenn nun ein Paar von Glutathion-Molekülen zugegen ist, bekommen gleich beide je ein Elektron abgenommen und die beiden verbleibenden Elektronen können umgehen ein neues Elektronenpaar bilden. Das heißt, daß die zwei Glutathione über die Schwefelatome verbunden sind. Das ist die Konjukation. Die beiden Protonen die dabei frei werden, binden (bzw. neutralisieren) übrigends die beiden entstehenden Hydroxyl-Gruppen des Peroxids (aus H-O-O-H wird H-O(-) und (-)O-H, dazu je ein H(+) ergibt zwei H-O-H, also Wasser!). Damit das ganze reibungslos und vor allem schnell läuft, stellt die Zelle dazu ein Enzym bereit, was diese Reaktion katalysiert. Dieses Enzym ist die Glutathion-Peroxdid ase.
Zusammengefasst folgt:
2 GSH + H2O2 -> GS-SG + 2 H2O
GSH = Glutathion (freies, reduziertes Glutathion)
GS-SG = Glutathion-Konjugat (Verbindung aus zwei oxidierten Glutathionen)
Das entstehende GS-SG kann dann vom Enzym Glutathion-Redukt ase mit NADH als Kofaktor wieder zu zwei GSH reduziert werden.
Alles klar jetzt?
Grüße,
Jochen