Was ist ein Lebewesen?

Von: , Frage gestellt am Sa, 18. Sep 1999

Wir haben uns in Astronomie gefragt: Wann kann man im Weltall von einem Lebewesen sprechen? Es wäre mir also sehr hilfreich, wenn ihr mir verschiedene Definitionen geben könntet.

Danke Andreas

12 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 8 Minuten hilfreich
    Re: Was ist ein Lebewesen?

    Wir haben uns in Astronomie gefragt: Wann
    kann man im Weltall von einem Lebewesen
    sprechen?
    Also für mich wäre maßgeblich das sich das Wesen fortpflanzen kann sei es ein- oder zweigeschlechtlich.
    Dagma

  2. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Was ist ein Lebewesen?

    Ich meine, mich zu erinnern, dass ein Stoffwechsel ein Kriterium ist...
    aber das mit der Vermehrung klingt auch plausibel....
    Gruß
    Ayla, noch unentschlossen über die Lebewesen...

  3. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Re: Was ist ein Lebewesen?

    Hallo!

    Die Biologie gibt keine Definition des Begriffs "Lebewesen", sondern beschreibt
    die Eigenschaften des Lebendigen. Als notwendig werden angesehen:

    - Stoffwechsel,
    - Bewegung,
    - Fähigkeit zur Reproduktion und
    - Mutation.

    Beachte, daß die Grenze zwischen Lebendigem
    und toter Materie tatsächlich *nicht scharf*
    gezogen werden kann! Viren können z. B. nicht als "vollwertige Lebewesen" gelten, da sie keinen Stoffwechsel haben, aber tote Materie sind sie bestimmt auch nicht, da sie sich reproduzieren können (wozu sie aber auf Wirtszellen eines höheren Lebewesens angewiesen sind).

    Tschau

    Martin

  4. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Was ist ein Lebewesen?

    Martin hat absolut Recht. Allerdings hat er 'Reizbarkeit' als Kriterium vergessen.

    Eine Definition von Leben und noch mehr von Lebewesen ist mehr eine Alltagsdefinition als eine wissenschaftliche Definition. Besonders die Def. des Begriffs "Lebewesen" häng auch sehr vom eigenen Standpunkt ab. Ist die Zelle ein Lebewesen ? Ist ein Vielzeller dann auch eins ? Ist dann ein Teil eines Vielzellers ein Lebewesen (z.B. ein Ast von einem Baum, oder ein Ableger von einer Erdbeerpflanze) ? Ist ein toter Hund auch ein Lebewesen ? Will man das wissenschaftlich betrachten, bringt einem die Einführung dieses Begriffs mehr Probleme als Vorteile.

    Gruß
    Jochen

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Was ist ein Lebewesen?

      Hallo!

      Ist mir das Kriterium "Reizbarkeit" doch
      tatsächlich entfallen... Danke für den Hinweis!

      Wieso man aber die Frage stellen kann, ob ein toter Hund lebendig ist oder nicht, ist mir völlig unklar. Ist die Sache in diesem Fall denn nicht absolut eindeutig, da ein toter Hund doch keines der Kriterien erfüllt, oder irre ich mich da?

      Das Beispiel, das die Problematik der Lebewesen-Definition für mich am eindrucksvollsten demonstriert, ist übrigens die Kerzenflamme! Erfüllt sie doch in gewissem Sinne immerhin die Kriterien Bewegung (im Luftzug), Reizbarkeit (sie "zeigt eine Reaktion", wenn man sie anpustet), Reproduktionsfähigkeit (man kann beliebig viele Kerzen an einer "Mutterkerze" anzünden) und Stoffwechsel
      (klar - bei jeder Verbrennung werden chemische Verbindungen ineinander umgewandelt) aber trotzdem ist sie ganz bestimmt kein Lebewesen! Nicht schlecht, oder?

      Tschau

      Martin

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^3: Was ist ein Lebewesen?

        Hallo, Wieso man aber die Frage stellen kann, ob
        ein toter Hund lebendig ist oder nicht,
        ist mir völlig unklar. Ist die Sache in
        diesem Fall denn nicht absolut eindeutig,
        da ein toter Hund doch keines der
        Kriterien erfüllt, oder irre ich mich da?
        die einzellnen Zellen des toten Hundes metabolisieren, je nach Energievorrat und -verbrauch noch eine Weile weiter. Und wenn jemand dem Hund, der gerade tot umgefallen ist, eine Zellprobe entnimmt und in einer Nährlösung anzüchtet - leben diese Zellen dann oder nicht?

        Da kommt mir gerade ein Gedanke, den ich hier mal zur Diskussion stellen möchte (auch wenn ich ihn nicht soweit zu Ende gedacht habe, daß ich wüßte, was rauskommt), weil die Ursprungsfrage aus der Astronomie kam: Könnte man nicht ein Lebewesen als System definieren, das seine Struktur gegen die Entropie aufrecht erhält? Das ist vielleicht etwas allgemeiner als Stoffwechsel.

        Grüße, Thomas

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          Re^4: Was ist ein Lebewesen?

          Hi!

          Deine Erklärung, daß die Zellen eines Hundes, der stirbt, noch eine Zeitlang weiter"leben", leuchtet mir natürlich ein. Daran hatte ich nicht gedacht. Aber da ich "nicht vom Fach" bin, sondern nur Schulkenntnisse in Bio habe, ist das wohl entschuldbar, hoffe ich. Also: Noch was gelernt - danke für die Antwort.

          Das Stoffwechsel-Kriterium halte ich persönlich für das "schwächste". Spätestens, wenn es irgendwann einmal gelingt, Computer zu bauen, die den Turing-Test bestehen (woran ich glaube), müßte man es verallgemeinern (oder streichen?). Die von Dir vorgeschlagene Entropie-Definition von Leben hört sich recht vernünftig an. Worauf sie allerdings abzielt, denke ich, ist nichts anderes als der Informationsverarbeitungsaspekt des Lebens: DAS Merkmal ÜBERHAUPT eines Lebewesens ist, daß es Information codiert, diese in einem sehr komplexen Prozeß verarbeitet und durch natürliche Auslese bewahrt (und mit all dem kann dann auch die Kerzenflamme eben *nicht* dienen!).

          Viele interessante Details zu dieser Betrachtungsweise finden sich übrigens in F. J. Tiplers Buch "Die Physik der Unsterblichkeit".

          Gruß
          Martin

          • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
            Re^5: Was ist ein Lebewesen?

            ....Die von Dir vorgeschlagene
            Entropie-Definition von Leben hört sich
            recht vernünftig an. Worauf sie
            allerdings abzielt, denke ich, ist nichts
            anderes als der
            Informationsverarbeitungsaspekt des
            Lebens: DAS Merkmal ÜBERHAUPT eines
            Lebewesens ist, daß es Information
            codiert, diese in einem sehr komplexen
            Prozeß verarbeitet und durch natürliche
            Auslese bewahrt (und mit all dem kann
            dann auch die Kerzenflamme eben *nicht*
            dienen!).
            die entropie-definition hatte doch mit dem informationsaspekt nichts zu tun.
            und der begriff "bewahrte information" hört sich stark anthropozentrisch an.
            in erster linie ist es doch wirklich die eigene vermehrung und diesem aspekt genügt die flamme (leider(ich wünschte es gäbe eine feste definition))
            die anfänge des lebens dürften doch autokatalytisch abgelaufen sein, und da kann nicht vom weitergeben von informationen im eigentlichen sinne die rede sein.
            gruß
            onde

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re^6: Was ist ein Lebewesen?

              Hallo Andreas, die entropie-definition hatte doch mit
              dem informationsaspekt nichts zu tun.
              die Entropie-Definition und die Definition über den Informationsaspekt sind nur zwei Sichtweisen einer Sache. Es gibt sogar eine thermodynamische Definition des Begriffs der Information: Bei einem (idealen) Gas benötige ich nur zwei Variablen zur Beschreibung, bei einem geordneten System sind es viel mehr. und der begriff "bewahrte information"
              hört sich stark anthropozentrisch an.
              Nur, wenn man den Begriff "Information" anthropozentrisch begreift. Strukturinformationen sind auch Informationen und die meisten nichtmenschlichen Lebewesen benutzen Sinne, um Informationen über ihre Umwelt zu erhalten und auszuwerten. in erster linie ist es doch wirklich die
              eigene vermehrung und diesem aspekt
              genügt die flamme (leider(ich wünschte es
              gäbe eine feste definition))
              Und was würdest Du zu einem Computer sagen, dessen Verhalten so komplex ist, daß ihm selbst der allergrößte Kritiker (z.B. ich) Intelligenz zubilligt? Er kann sich nicht vermehren, ist aber intelligent. Ist er also auch tot? die anfänge des lebens dürften doch
              autokatalytisch abgelaufen sein, und da
              kann nicht vom weitergeben von
              informationen im eigentlichen sinne die
              rede sein.
              Könnte doch so sein: Das Leben konnte sich nur etablieren, indem Atomkonfigurationen auftreten, deren Struktur gegenüber ihrer Umgebung stabil ist. Diese Strukturinformationen müssen ja irgenwie weitergegeben werden. gruß
              onde
              Grüße, Thomas



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