Hi, also ich finde solche diskussionen eigentlich unsinnig, dennoch werde ich nun wohl mal nachschlagen müssen.
Hier liegt der Kasus Knusus. Die Ohrmuscheln kann man als den
Schirm eines Richtmikrophons verstehen.
Nein, dafür sind sie viel zu klein und außerdem ist eine
Richtwirkung „unerwünscht“, im Gegenteil, das menschliche Ohr
soll ja gerade möglichst in alle Richtungen empfindlich
reagieren.
Genau dafür sind sie gedacht!!!
hmm… warum schreibst Du dann oben von Richtmikrofon ?
Weil sich mein „Genau“ auf die von mir dargestellte Tatsache bezog.
„Die Richtung einer Schallquelle kann geortet werden […]. In der Regel liegen Schallquellen nicht genau in der durch den Kopf definierten Mittelebene (mediansagittalebene), sondern irgendwie seitlich. Dann ist die Schallquelle von einem Ohr weiter entfern als vom anderen. Der Schall trifft dadurch am entferntesten Ohr später und leiser ein. Das auditorische System ist dabei in der Lage, Intensitätsunterschiede von nur 1 dB und Laufzeitunterschiede bis hinab zu 3x10^-5 sicher zu beurteilen. […] Laufzeit und Intensitätsdifferenzen erlauben zwar die Bestimmung des Raumwinkels, nicht jedoch die Entscheidung, ob sich die Schallquelle oben, unten, vorne oder hinten befindet. Hierzu ist die Form der Ohrmuschel, die eine RICHTCHARAKTERISTIK besitzt, bedeutsam. […]“ s.S. 273 (Schmidt/Thews/Lang „Physiologie des Menschen“ Springer, 28.Aufl.)
Außerdem ist das genau der Effekt auf dem ein Dolby-Digital-5.1-System basiert…
Die Unterscheidung vorne-hinten ist aber definitiv möglich.
Auch wenn das Geräusch nicht genau von vorne oder hinten
kommt, gibt die Laufzeitauswertung keinen Hinweis darauf, ob
sich die Schallquelle schräg vor oder hinter Dir befindet.
Wie erklärst Du dann diese Fähigkeit ?
Das ist das, was ich geschrieben habe!!!
Wie erklärst Du denn nun diese Fähigkeit ???
s.o.
zugegeben. hier ist das buch etwas ungenau der Silbernagl/Despopoulos „Taschenatlas der Physiologie“ (Thieme, 5. Aufl. S.368f) stellt das etwas verständlicher dar…
Nein. Unbekannte Geräusche, Töne oder Klänge kannst du auch
orten. Kleinkinder z.B. wissen nicht unbedingt wie sich ein
Sinfonieorchester anhört. Wenn du aber nen Plattenspieler
anstellst, werden sie auf ihn orientierend reagieren
Das besagt nichts, denn auch Kleinkinder haben die
Möglichkeit, unbekannte Geräusche durch Drehung des Kopfes zu
orten. Das müßte man erst in einem Versuch unter definierten
Testbedingungen überprüfen.
Verstehe Deine Argumentation nicht ganz…
Wenn ein Kleinkind ein Geräusch ortet, weißt Du nicht, ob es
das auf Anhieb getan hat oder ob es die Richtung erst durch
Ausrichten des Kopfes auf die Schallquelle geortet hat.
Hier widersprichst du deiner Argumentation von oben. Wie soll das Baby wissen, wo es sich hinwenden soll, wenn es nicht wenigstens eine grobe idee hat woher der schall kommen mag? Andernfalls könnte man von einem sog. Neglect sprechen…
Kurz
gesagt: Dein Beispiel taugt nicht als Beweis dafür, dass man
unbekannte Geräusche ohne Kopfbewegung auf Anhieb 360° rundum
orten kann, was aber noch nicht heissen muß, das es nicht
möglich wäre.
Falls Du das alles trotzdem nicht glauben kannst, kanst Du es
in einem der Standardwerke der Physiologie des Menschen
nachlesen. Ich würde hier den Schmidt/Thews (Springer) oder
den Silbernagl (Thieme) empfehlen…
Falls ich WAS nicht glauben kann ? Hier ging es doch eher um
physikalische Probleme.
eben nicht. es handelt sich hier um höhere integrative leistungen des ZNS. Man könnte auch noch Psychophysiologische Literatur hinzuziehen. Eine rein physikalische betrachtungsweise führt aber ganz verständlicherweise zu Fehlinterpretationen…
LG Alex