Stimmt es, dass alle 20 min eine Art ausstirbt oder sind es mehr?
Grüße Coco
Stimmt es, dass alle 20 min eine Art ausstirbt oder sind es mehr?
Grüße Coco
Stimmt es, dass alle 20 min eine Art ausstirbt oder sind es
mehr?Grüße Coco
Genau diese Frage wurde hier schon einmal behandelt - ist aber vielleicht schon ein Jahr her.
In den letzten 10 bis 15 Jahren habe ich mich öfters mit diesem Thema beschäftigt. Mein derzeitiges Ergebnis ist, dass diese Zahlen hochgradig hypothetisch sind. Es ist nicht bekannt wie viele Tier- und Pflanzenarten existieren. Die Schätzungen gehen von wenigen Millionen bis in den dreistelligen Millionenbereich! Nur für einen verschwindend kleinen Anteil aller Arten ist bekannt, welche Lebensansprüche sie haben - entsprechend weiss man nicht, welches Maß an Lebensraumzerstörung von ihnen noch toleriert wird. Die Behauptung „alle 20 Min. (=72 Arten pro Tag = 26.280 pro Jahr)“ beruht offenbar auf Rechnungen mit zwei, höchstwahrscheinlich noch weit mehr Unbekannten. Mit Sicherheit weiß ich, dass nur von ein sehr kleiner Teil dieser Arten (seien es pro Jahr nun 26.280 oder nur ein paar 1.000) wissenschaftlich beschrieben ist, also einen Namen besitzt. Einige frisch ausgerottete Arten besitzen zwar einen Namen, ihr Zerschwinden wir aber selbst in den kommenden Jahrzehnten nicht bemerkt werden. Von vielen Organismengruppen gibt es weltweit nur eine Handvoll Experten - oder auch überhaupt keinen mehr.
Die mit Abstand am besten erforschte Tiergruppe sind die Vögel. Es gibt etwa 9000 Arten von denen im Jahr 1988 1078 Arten (9 %) in der weltweiten Roten Liste aufgeführt werden. Allerdings entfielen damals nur 247 Arten (2,7 %) in Rubriken, die man als „Mit großer Wahrscheinlichkeit hochgradig bedroht“ umschreiben kann. Über die Mehrzahl (min. 63 % der aufgeführten Arten = 7,6 % der Arten weltweit) wußte man nicht genug. Ich denke nicht, dass sich das in den vergangenen 15 Jahren wesentlich verbessert hat.
Ob man die (noch relativ sehr hochwertigen!) Zahlen aus der Vogelwelt auf andere Tiergruppen übertragen darf, ist schwer zu entscheiden. Zum Beispiel ist die Tierfauna der Tiefsee vermutlich noch kaum oder gar nicht menschlichen Einflüssen ausgesetzt. Andererseits gibt es offenbar hochempfindliche Tiergruppe. Das schlimmste Beispiel ist das anhaltende Aussterben bestimmter Froschgruppen in den tropischen und subtropischen Regionen.
Öfters wird auch behauptet, dass innerhalb der nächsten Jahrzehnte die Hälfte aller Arten vernichtet wird. Ich vermute, dass da irgendwelche Leute die hypothetischen Jahresraten auf die bisher beschriebenen Artenzahlen (irgendwo zwischen 1,5 - 3 Millionen) übertragen haben. Wenn diese Vermutung richtig ist, wäre das ein grober Fehler.
Insgesamt wird m. E. in einigen(!) Bereichen des Natur- und Artenschutz erstaunlich sorglos mit Statistiken umgegangen. Im Bereich der Sozialwissenschaften, Volkswirtschaft oder Medizin wäre so etwas nicht möglich bzw. mit einem Karriereende verbunden. Der Grund für diesen Unterschied ist wohl, dass sogar weltweit ein relativer Konsens darüber besteht, dass die Natur schützenswert ist. Unstimmigkeiten bestehen nur darüber, wer für was verantwortlich ist und wie viel es kosten darf.
Schöne Grüße, Eckhard
Die mit Abstand am besten erforschte Tiergruppe sind die
Vögel. Es gibt etwa 9000 Arten von denen im Jahr 1988 1078
Arten (9 %) in der weltweiten Roten Liste aufgeführt werden.
Da habe ich offenbar ein Fehler gemacht. 1078 von 9000 sind natürlich 12%.