Der Urwald - wie kam er dorthin?

Hallo,

in Ländern mit viel Urwald und Dschungel sieht man die Folgen der Brandrodung und Abholzung: die dünne Humusschicht ist nach kurzer Zeit wegerodiert und anstelle des einstmals üppigen Waldes entsteht eine Steppe oder noch weniger.

Diese Gebiete so aufzuforsten, daß dort wieder „richtiger“ Urwald entsteht, ist bislang nie geglückt, soweit mir bekannt ist. Das führt mich zu der Frage, wie der Urwald/Dschungel sich eigentlich zu der grünen Hölle entwickeln konnte, die er im Normalfall ist. Welche Bedingungen mußten dazu gegeben sein? Was war dort vorher?

Danke für jeden Hinweis,
Snubbelfot.

Hallo!

Das führt mich zu der Frage, wie der Urwald/Dschungel
sich eigentlich zu der grünen Hölle entwickeln konnte, die er
im Normalfall ist. Welche Bedingungen mußten dazu gegeben
sein? Was war dort vorher?

Urwald! Jedenfall, wenn du in historischen Dimensionen denkst. Deine Frage bekommt erst eine andere Antwort als „Urwald“, wenn du geologische Dimensionen bemühst.
Du musst dir das so vorstellen:
Wo immer du tropische Bedingungen hast (ich beschränke mich jetzt mal auf die tropischen Regenwälder und lasse die Regen- und Nebelwälder der höheren Breiten ausser Acht), überall da hast du auch tropische Regenwälder. Sie „brauchen“ (in Wirklichkeit müssen sie einfach damit zurecht kommen) extrem nährstoffarme Böden, die eigentlich nur aus Sand bestehen - alle Nährstoffe wurden vom tagtäglichen Dauerregen ausgewaschen. Der Regenwald ernährt sich nur aus den Nährstoffen, die im auf dem Boden liegenden Laub stecken - er ernährt sich aus seinem eigenen „Abfall“! Fehlt der Wald, liegt also der Boden bloss, wäscht der Regen nicht nur die Nährstoffe, sondern gleich den ganzen Boden weg - bis der nackte Fels übrigbleibt. Deswegen fällt es so schwer (und dauert einige 1000 Jahre), den ursprünglichen Regenwald zu regenerieren, selbst wenn er nicht auf den typischen nährstoffarmen Böden steht, sondern zufällig mal das Glück hat, auf reicheren Böden wachsen zu dürfen.

Was war vorher da, wo jetzt Regenwald ist? Jetzt kommen wir in die geologische Zeittabelle:
Da sich die Kontinente bewegen, scheint es für uns Spätgeborene so, als seien die Urwälder z.B. von Europa nach Afrika gewandert. In Wirklichkeit ist Europa nach Norden gewandert, und Afrika ebenfalls. Die Tropen und die zugehörigen Regenwälder blieben jedoch zwischen den tropischen Wendekreisen, die Kontinente sind quasi drunterweg gewandert.
Diese Bewegung läuft jedoch extrem langsam ab, so dass die Wälder die Verluste in den Regionen, die die Tropen verliessen, ausgleichen konnten durch die Gewinne in den Regionen, die in die Tropen hineinwanderten.
Gleichzeitig hat die Verwitterung Zeit, den Boden im Wortsinn „zu bereiten“ für die Regenwälder: Je mehr du in die Tropen wanderst, desto intensiver wird die Verwitterung, bis die Bodenbildung in den Inneren Tropen einige Zehner Meter tief reicht. Bis so ein Boden „fertig“ ist, das dauert z.B. im Fall der typischen tropischen roten Lateritböden mehrere 10.000 Jahre (zum Vergleich: Alle unsere mitteleuropäischen Böden sind in den letzten 5000-8000 Jahren entstanden, aber sie reichen im Durchschnitt nur 1-2 Meter tief). Bis die Landschaften, die heute tropische Regenwälder tragen, in die Regionen gewandert sind, in denen die nötigen hohen Niederschläge, die hohen Temperaturen und das tropische Tagesklima herrschten, waren die Böden so tiefgründig verwittert (will heissen, alle Nährstoffe waren ausgewaschen), dass die Bedingungen für Regenwälder vorhanden waren - das an karge Böden angepasste Ökosystem „Regenwald“ konnte überleben!

Es konnte sich trockeneren Zeiten anpassen (als bei uns Eiszeit war), es konnte sich bis in unsere Breiten ausbreiten (im Tertiär), aber das alles passierte langsam. Der Mensch mit seinen Abholzungen ist zu schnell für die alten Wälder…das könnte das Ende der ältesten Pflanzenformation der Erde sein!

Pessimistische Grüße,
Christian

Das war eine Informativnische Antwort.
Es ist sehr Einleuchtend mit der Bewegung der Kontinente und den Neuen gewonnen Boden und den Verlorenen Boden.
Doch eine frage hätte ich da noch, wie reagierten die Wälder als sich die Erdasche verschoben hat. Und sich die Klimatischen Bedingungen geändert haben.
Das ging doch schneller denke ich als die Bewegung der Kontinente
Der Boden Verlust muss doch Enorm gewesen sein, kann es sein das dadurch der Tropische Regenwald so wie es ihn vor der Eiszeit gegeben hat ganz ausgelöscht würde.
Und sich ein neuer Tropischer Regenwald gebildet hat. Mit neuartigen Pflanzen.
Es ist nur ein Hypothese.
Danke
Mit freundlichen Grüßen
Hicham Bekouri

Hallo Christian,

danke für Deinen tollen Beitrag.

Ich hatte schon soetwas befürchtet - ein paar hundert Jahre und Geduld reichen für eine Erholung der Wälder keinesfalls aus. Beeindruckend, in welchen Zeiträumen sich das ganze abgespielt hat.

Viele Grüße,
Snubbelfot.

Das war eine Informativnische Antwort.

Danke. *rotwerd*

Es ist sehr Einleuchtend mit der Bewegung der Kontinente und
den Neuen gewonnen Boden und den Verlorenen Boden.
Doch eine frage hätte ich da noch, wie reagierten die Wälder
als sich die Erdasche verschoben hat. Und sich die
Klimatischen Bedingungen geändert haben.

Hallo Hicham!
Die Erdachse, meinst du?
Das geht doch auch sehr langsam, da hatten die weltweiten Wälder/Ökosysteme schon Zeit sich anzupassen. Die hatten ja Übung drin - die Erdachse taumelt ja andauernd, seit es die Erde gibt, bzw. den Mond, der das Taumeln in Grenzen hält - aber damit sind wir schon im Geografie-Brett…

Das ging doch schneller denke ich als die Bewegung der
Kontinente
Der Boden Verlust muss doch Enorm gewesen sein, kann es sein
das dadurch der Tropische Regenwald so wie es ihn vor der
Eiszeit gegeben hat ganz ausgelöscht würde.
Und sich ein neuer Tropischer Regenwald gebildet hat. Mit
neuartigen Pflanzen.
Es ist nur ein Hypothese.

Aber du hast Recht: Es gab ja Zeiten, da waren die Tropen als Tageszeitenklimagebiet mit täglichen Regenfällen nicht vorhanden - fast nicht! Denn auch als bei uns Eiszeit war, gab´s kleine Reste der tropischen Regenwälder: Die hatten sich da nur in Nischen zurückgezogen. Als sich das Klima wieder änderte, breitete sich der Regenwald wieder in die Fläche aus. Das ist auch der Grund für die enorme Artenvielfalt in den heutigen Regenwäldern: Sie befinden sich noch immer in einer Radiationsphase. In den Nischen hielten sich jeweils ganz andere Arten in den jeweils gleichen Ökotopen. Jetzt konkurrieren die diversen Konzepte, die sich so entwickelt haben, miteinander. Hätten sie noch ein paar tausend Jahre Zeit, würde sich das Ganze einpendeln.

Vg
Christian