ich arbeite gerade an einem referat über die wirkung von uv-strahlen auf der haut. dabei bin ich auf eine aussage gestoßen, die ich nicht richtig einordnen kann ob sie richtig ist oder einfach nur eine spekulation darstellt.
es wird gesagt, dass zwischen dem lichtschade, also der zerstörung der DNA, und den ersten anzeichen des hautkrebs bis zu 20 jahre liegen kann (diese aussage stammt von prof. h. ippen aus göttingen).
für mich hört sich das ziemlich unlogisch an - oder kann das doch stimmen?
Glaub’ ruhig dem Prof, das kann stimmen. Bei anderen bösartigen Erkrankungen ist diese „Latenzzeit“ unter Umständen noch länger, kann zum Beispiel bei Asbest mehrere Jahrzehnte betragen.
eine mögliche Erklärung für diese lange Latenzzeit ist, dass die Teilungsperiode der Zellen der Basalmembran (Stratum basale) bzw. der darüberliegenden Schichten (hier befinden sich die Melanozyten - hier entsteht auch das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs) relativ lang ist. Die Zeit zwischen der Zellteilung im Stratum basale und der Abschilferung dauert etwa vier Wochen.
Angesichts dieser Zeit und wenn man beachtet, dass ein Großteil der Tochterzellen abgeschilfert wird und dass eine oder wenige Zellen als Krebs kaum auszumachen sind, kann man sich leicht vorstellen, dass eine so lange Zeit vergehen kann, bevor genügend Krebszellen an einer Stelle gehäuft vorhanden sind und die Diagnose „Hautkrebs“ gestellt werden kann.
Es gibt auch im Hautbereich Krebsarten, die unterschiedlich - sehr schnell oder sehr langsam - wachsen, was aber nicht unbedingt etwas über die Malignizität zu sagen hat, denn: manche langsam wachsende Krebsart neigt mehr zur Metastasenbildung/Filiarisierung als andere schnell wachsende Krebsarten. Und in einem anderen, fremden Gewebe einmal festgesetzt („Metastasen“ oder „Filiae“), wachsen viele Krebszellarten um ein vielfaches schneller als im Ursprungsgewebe, was wiederum auch mit der Art des DNA-Schadens zu tun hat.
Dazu (bezüglich der Latenzzeit) kommt noch, dass sich nicht alle Zellen des Stratum basale im gleichen Stadium des Zellzyklus befinden. Es kommt vor, dass Zellen so zu sagen „schlafen“, so dass aus bestimmten Gründen ihre geschädigten Genabschnitte (noch) nicht exprimiert werden. Wenn dann aber einmal das Signal zur Zellteilung kommt, geht das ungehemmte, nicht mehr regelbare Wachstum los und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Schäden an der DNA führen selten unmittelbar zur Krebsentstehung. Die Krebsentstehung ist in den allermeisten Fällen ein Mehr- bis Vielstufen-Prozeß, bei dem mehrere Dinge zusammen kommen müssen (in der Folge ist zB. auch das Immunsystem beteiligt). Bis es in einer deiner zig-Billionen (!!) Körperzellen mal dazu kommt, ziehen (bei gesunder Lebensweise und ohne genetische Disposition) durchschnittlich 50-70 ins Land. Das ist eine ganz gute Leistung, denke ich.
Durch die verstärkte Einwirkung mutagener Faktoren (Zigarettenrauch, Benzoldämpfe, UV-Licht, radioaktive Strahlung, …) steigt die Anzahl an Schäden in der DNA und mithin die Wahrscheinlichkeit einer ungünstigen Kombination. Dennoch kann es durchaus Jahrzehnte dauern, bis eine Zelle diesen „Negativ-6er im Lotto“ zieht und entartet und es schafft, ihrer Neutralisierung durch das Immunsystem zu entgehen und eine so ausgeprägte lokale Wucherung zeigt, daß man sie erkennen kann.