Steinbeißer?

Es gilt ja unter Menschen als Zeichen besonderer Armut, wenn man sich „von Wasser und Steinen“ (also nicht einmal von Wasser und Brot) ernähren muß.
HALLO, liebe Bio/Chemie-Gemeinde!
Meine Frage an Euch Kundige und Experten ist nun, ab welcher Stufe der Leiter der lebendigen Organismen „nach unten“ diese sich VORWIEGEND vom „bloßen Steinbruch“ ernähren (wenn sie nicht parasitär auf anderen Wesen leben), und ab welcher Stufe „nach oben“ sich Lebewesen vorwiegend vom Verzehr ANDERER LEBEWESEN ernähren.
Diese Frage wird mir umso dringender, nachdem ich die Anfrage unten von Antares mit der Antwort von drambeltier gelesen habe: „Insekten ernähren sich hauptsächlich von kleineren Insekten“.
Und die „kleineren Insekten/Spinnen“?
Sicherlich leben Amöben hauptsächlich von Wasser und „blanken“ Mineralien. Da stellt sich mir die Frage, wie diese „Viecher“ aus bloßen Mineralien und Wasser „Lebendigkeit“ zusammenbauen.

Und wovon leben eigentlich Würmer?
Von „kleineren Würmern“ und Flöhen?
Und wovon ernähren sich eigentlich Flöhe?

Daraus erwächst natürlich auch die Frage, wie diese kleinen „primitiven“ Organismen die „Steine (chemisch) knacken“? Mit einer Art „Biosäure“, ähnlich derjenigen, die wir wohl im Munde und Magen haben?
„Reicht“ die aber zum „Brechen“ von Steinen?
(oder gilt hier: „steter Tropfen höhlt jeden Stein“, und „kommt Zeit kommt Ratsch“?
(Daher vielleicht ernähren wir Menschen uns nicht von Steinen?)

Erste KernFRAGE, die ich gerne beantwortet haben würde (worüber es sicherlich vieleviele Fachliteratur gibt, aber ob das schon klar beantwortet worden ist, und wooo anfangen zu lesen, und in der Schule früher haben wir das nicht besprochen, nur die Vermehrung (von Bienen usw.) - sch…ßßß Sexualaufklärung):
WIE ernähren sich Würmer, und wie die Amöben?
Ich wäre glücklich, gelänge es jemandem, diese Fragen möglichst nachvollziehbar verständlich zu beantworten!
Liebe Krüsse, Moin, Manni.
Pst: gehört vielleicht auch oder eher ins Deutsch-Brett (aber paßt auch hier, inne Biologie, oder? Und in „Doitsch“ liebt man mich ja nicht):
Woher kommt eigentlich die Redensart: „sich einen WOLF laufen“?

Hallo,

ich will mich mal an einer allgemeinen Antwort versuchen.

Lebewesen brauchen unterschiedliche Substanzen zum Leben, und zwar zum einen für den Aufbau von „eigener Substanz“ (=eigene Biomasse, so nennt man das), zum anderen zur Energiegewinnung. Beide Prozesse (Aufbau und Energiegewinnung) sind im Stoffwechsel eng miteinander verwoben.

Was braucht ein Lebewesen? Natürlich im wesentlichen die Elemente, aus denen es besteht - ist ja klar. Das ist also hauptsächlich Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Magnesium, Calcium, Eisen und sehr viele weitere Elemente (darunter auch die vielzitierten Spurenelemente wie Selen, Mangan, Cobalt, Zink, …).

Woher kommt die Energie? Da gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: 1) aus dem Sonnenlicht (-&gt:stuck_out_tongue_winking_eye:hotosynthese)
2) aus der Oxidation von chemischen Substanzen (Eisen, Schwefel,…) (->Chemosynthese)
3) aus dem Abbau energiereicher Verbindungen (Kohlehydrate, Fette, Proteine) (->Glykolyse, Gärung und Atmung)

Photosynthese ist das, was grüne Pflanzen machen. Sie nutzen die Lichtenergie, um Wasser zu spalten, so daß Sauerstoff als Abfallprodukt frei wird. Dabei erhalten sie nutzbare Energie, die für verschiedene Stoffwechselprozesse gebraucht wird. Die beiden H-Atome können sie -quasi nebenbei- letzlich auf Kohlendioxid übertragen. Damit bauen sie aus Wasser und Kohlendioxid Kohlenwassersoffe auf - die wichtigste organische Grundbausubstanz. Daraus lassen sich im Stoffwechsel alle weiteren Komponenten des Organismus aufbauen, also auch Fette und Proteine. Die nötigen weiteren Elemente werden als Ionen meist über die Wurzeln aufgenommen. Phospor zB. als Phosphat, Schwefel als Sulfat, Stickstoff als Nitrat, usw.

Für die Chemosynthese sieht das prinzipiell ähnlich aus, nur daß eben die Energie nicht von der Sonne kommt, sondern zB. aus der Oxidation von Eisen(II) zu Eisen(III) oder oder. Außerdem wird hier kein Wasser gespalten, sondern zB. Schwefelwasserstoff. Abfallproduck wäre in diesem Falle elementarer Schwefel oder Schwefelsäure (Sulfat). Da Sauerstoff diese Reaktionen stört, gibt es chemosynthetisch aktive Organismen (nur Bakterien) nur dort, wo weder Licht noch Sauerstoff hinkommen (im tieren Boden, in der Tiefsee).

So, nun haben wir damit die Produzenten , die aus Mineralien, Wasser und Kohlendioxid organisches Material (Biomasse) aufbauen können. Diese Biomasse enthält natürlich genau alle Sachen, die ein Lebewesen braucht - und außerdem sind sie energiereich und können mit Sauerstoff verbrannt werden. Genau das nutzen die Konsumenten , welche andere Lebewesen fressen, um daraus die Baustoffe und auch die Energie zu beziehen. Große Zellen fressen kleinere Zellen, Vielzeller fressen große Einzeller, Pflanzenfresser fressen Pflanzen, Fleischfresser fressen Pflanzenfresser und adere Fleischfresser und Allerfresser fressen alles…

Das ist nocht kein Kreislauf. Irgendwie müssen die ganzen Baustoffe letzlich wieder mineralisiert werden, damit sie wieder von Pflanzen aufgenommen werden können und das große Fressen weitergehen kann. Bei der Verbrennung von Biomasse in unseren Zellen wird Wasser und Kohlendioxid frei. Stickstoff scheiden wir mit dem Urin aus. Ein Großteil andere Stoffe passiert den Verdauungstrakt und wird wieder ausgeschieden. Viele der Elemente sind dort aber noch organisch gebunden (zB. Sickstoff im Harnstoff, Phosphor in Erbmolekühlen, Schwefel in Proteinen usw.) und könne so von Pflanzen nicht aufgenommen werden.

Hier kommen nun die Destruenten ins Spiel. Dabei sind oft die allerkleinsten die allerwichtigsten. Es fängt schon an in unseren Därmen. Billionen von Mikroorgansimen im Verdauungstrakt von Tieren versuchen aus allem Verfügbaren noch Energie zu gewinnen. Letzlich werden alle Moleküle oxidiert bis zum Gehtnichtmehr, also zB. Stickstoff bis zum Nitrat, Schwefel bis zum Sulfat usw. Hier schließt sich der Kreislauf. Diese nunmehr wieder mineralischen Substrate, entstanden durch Verwesungs- und Zersetzungsprozesse von Mikroorganismen und Pilzen(!) sind der Dünger einer neuen Generation von Pflanzen.

Das ganze System ist vernetzt. Selbst Destruenten werden wieder von „höheren“ Organismen gefressen (zB von Würmern, gelle) und deren Verdauungsendprodukte werden wieder von anderen Mikroorganismen oder Pilzen „gefressen“. Wir essen mitunter auch Pilze, wenn wir sterben, werden wir von Pilzen, Maden, Käfern, Würmern, Amöben und Bekterien gefressen. Würmer, Käfer und Fliegen werden Igeln und Vögeln gefressen usw usw. Alles ist vernetzt.

Jezt nochmal konkret zu deiner Kernfrage:

Amöben fressen meist Bakterien. (Bakterien nehmen gelöstes organisches Material [Zucker, Aminosäuren, Kohlehydrate, Lipide, Proteine, …] aus ihrer Umgebung auf)

Wurm ist nicht gleich Wurm. Es gibt parasitäre, pflanzenfressende und räuberische Würmer. Die Speisekarte für einen „Wurm im allgmeinen“ ist also recht vielfältig. Der gemeine Regenwurm zB. frißt Mikroorganismen, die in der Erde sind. Darunter Bakterien, Algen, Amöben, „Plankton“, Flagellaten, Pilze, …

LG
Jochen

Hi Kurt.
Ein kurzer Lehrfilmausschnitt mit Aufnahmen eines ganz besonderen Destruenten: der Steinlaus.
http://www.kvsigmaringen.de/trainingslager/graf/lori…
Sehr schön, um sich mal ein Bild zu machen :wink:
Grüße,
Grünblatt