Re: Wie Nützlinge im Garten ansiedeln?
Hi Jonas,
die Vielfalt bringt's - und die Geduld. Also:
- Lauter kleine Flecken, jeder mit seinem eigenen Klima, nass, trocken, schattig, sonnig, steinig, sandig, lehmig, bewachsen, bemoost. Jedes Viecherl braucht eine andere Umgebung.
- Pflanzen aus der Natur besorgen: Moose, Gräser, Rindenbruch. Ich staune immer wieder, was aus dem Moos alles herauswächst, selbst noch nach zwei Jahren.
- Teiche: Besser zwei als einen, lieber klein als groß, keine Pumpe, keine Fische. Die schwarzen Wannen reichen völlig aus, wichtig ist die Flachwasserzone am Rand; die Randwulste deckst Du mit Moos von einem Bach ab, nach zwei Jahren ist alles zugewuchert und die Wulste sind nicht mehr zu sehen. Ein Paradies für Frösche, Libellen, Taumelkäfer, Wasserläufer, ...
- Teiche auffrischen: Im April ziehe ich mit zwei Eimern los und hole mir Schlamm aus der Uferzone eines Weihers, den kippe ich in die Teiche (sind nur Teichlein, 120 * 80 cm). Nach zwei, drei Tagen ist die Winterbrühe wieder klar, weiß der Geier, was da alles für Getier an der Arbeit ist.
- In einer Ecke Steine aufschichten, die beim Garteln anfallen, bisschen Sand und Erde dazwischen, liegen lassen. Zwei Jahre später steht da alles auf einem Haufen, wonach der Biosphärenkultivator lechzt, die Vögel schleppen Samen heran.
- Auf die Knie! Nach nicht allzulanger Zeit wird irgendein Kraut versuchen, alles andere zu ersticken. So ist sie nun mal, unsere unschuldige Natur. Das heißt, Du musst eingreifen und jäten, besser gesagt mit beiden Händen rausrupfen, was zuviel wird. Keine Sorge, kommt alles wieder - doppelt so schlimm.
- Wiese darf auch sein, schon wegen des Kontrastes. Die letzten 30 Quadratmeter freien Raumes sprießen bis Mitte Juni als Blumenwiese, wenn das Zeug Samen geworfen hat, gehe ich mit der Sense durch, das sieht erstmal recht verrupft aus, für den Rest des Sommers wird das der Liegeplatz für die Sonnenfreunde.
- Geduld: Drei Jahre braucht's zum Renaturieren.
- Geduld und Spucke: Jedes Jahr aufs Neue stehe ich in der Wildnis und frage mich, was wächst da bloß alles heran. Wer zu früh ordnend eingreift, bringt sich um viel Schönes. Wer zu lang wartet, wird der Pracht nicht mehr Herr.
- Nützlinge? Schwer zu beurteilen. Blattläuse sehe ich immer wieder, die Marienkäfer und die Ohrenkneifer scheren sich darum allerdings nicht, sie finden wohl Besseres. Der Igel kommt schon mal vorbei, um Schnecken zu fressen. Vor kurzem habe ich mal gezählt, was sich alles an Vögeln tummelt, 20 verschiedene waren es wohl. Auf einer Schafgarbe habe ich 27 unterschiedliche Fliegen und Käfer gezählt. Bienen kommen in Völkerscharen (an einer Wand wächst Wein), aber auch solitäre Wildbienen, Hummeln, Hornissen finden in den Garten. Was im Gras alles kraucht - 5 Schreckenarten, Zikaden, Tuasendfüßler, Asseln, graubraune winzige Libellen (?), und und und.
Gruß Ralf