Kohlenwasserstoffe produzierende Lebewesen?

Hallo!

Gibt es eigendlich Lebewesen, die reine Kohlenwasserstoffe produzieren (und als Abfallstoffe ausscheiden)?
Ich habe letztens gelesen, Pflanzen, besonders Reis, würden Methan produzieren. Wie machen die das / bei welchem Stoffwechselvorgang fällt das Methan an? Und sind das überhaupt die Pflanzen selber, oder irgendwelche Bakterien?
Vielen Dank schonmal im Vorraus!
Grüße,
Amoeba proteus

Hallo Amöbe,

Gibt es eigendlich Lebewesen, die reine Kohlenwasserstoffe
produzieren (und als Abfallstoffe ausscheiden)?

ja!

Ich habe letztens gelesen, Pflanzen, besonders Reis, würden
Methan produzieren. Wie machen die das / bei welchem
Stoffwechselvorgang fällt das Methan an? Und sind das
überhaupt die Pflanzen selber, oder irgendwelche Bakterien?

Da brauchst Du gar nicht so weit gehen.
In fast jedem Pups von Dir ist ein gewisser Anteil Methan, das die in Deinem Darm lebenden Bakterien produzieren.
Reine Pflanzenfresser wie Kühe haben in ihren ‚Abgasen‘ einen erheblichen Anteil Methan, auch von Bakterien produziert.

Es gibt Bakterien, sog. Methanbildner, die zu etwa 50 % Kohlendioxid und zu 50 % Methan ausscheiden, das dann als Biogas genutzt werden kann.

Bildungsweg ist formal die Zerlegung von Essigsäure zu Methan und Kohlendioxid

CH<sub>3</sub>COOH --\> CH<sub>4</sub> + CO<sub>2</sub>

Gandalf

Hallo Amöbe,

zum Thema Methan und Reis - ein klimatechnisch sehr ernstes Problem. Das Methan wird aber nicht vom Reis (also der Pflanze) selber produziert, sondern von sogenannten methanogenen Bakterien, die zu den Archaebakterien gehören. Dies gilt vor allem für den Bewässerungsanbau, der den größten Teil der Reisflächen einnimmt.

Grundsätzlich entsteht aber bei fast allen Fäulnisprozessen, bei denen Mikroorganismen pflanzliches bzw. organisches Material zersetzen auch Methan, z.B. in Feuchtbiotopen, Rindermägen, Güllegruben, Kläranlagen.

Hier mal ein Auszug aus einer sehr informativen Seite zu dem Thema:

_Methan ist ein farb- und geruchloses Gas, das in der Natur immer dann entsteht, wenn sich Mikroorganismen über organisches Pflanzenmaterial hermachen und es zersetzen. Weil es brennbar ist, kann es in Bergwerken im Gemisch mit Luft für so genannte „schlagende Wetter“ sorgen. Darüber hinaus ist es ein wichtiger Bestandteil von Erdgas. Die größten natürlichen Methanquellen sind Feuchtgebiete, Rindermägen und Nassreisfelder. Dort nämlich finden methanogene Bakterien oder Archaea – so die wissenschaftliche Bezeichnung der Methan produzierenden Mikroorganismen – beste Arbeitsbedingungen, und das heißt im Wesentlichen: niedrige Sauerstoffkonzentrationen. Denn sobald größere Mengen an Sauerstoff vorhanden sind, können andere Mikroorganismen in Konkurrenz treten und das organische Material zu Kohlendioxid oxidieren. Sind Oxidationsmittel wie Sauerstoff jedoch verbraucht, können die Archaebakterien, ihre Methan-Produktion anschmeißen.

In überschwemmten Reisfeldern tummeln sich diese Bakterien im Schlamm. Dabei gilt: Je länger die Felder überflutet sind, desto geringer sind die Konzentrationen von Sauerstoff und anderen Oxidationsmitteln und desto eifriger läuft die Produktion des Treibhausgases. Welche mikrobiologischen und chemischen Prozesse im Detail dafür verantwortlich sind, untersuchen Ralf Conrad, Direktor am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg, und seine Mitarbeiter. „Nur wenn wir diese Mechanismen genau kennen, können wir gezielt nach Ansätzen suchen, um die Methan-Emissionen in Reisfeldern zu verringern, und damit zum Klimaschutz beitragen“, erklärt der Mikrobiologe._

Quelle: http://www.max-wissen.de/print.php?id=4051

Googeln mit den Suchwörtern Reis und Methan liefert weitere informative Seiten, z.B.
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/multimedia…
http://www.epo.de/index.php?option=com_content&task=…

Viele Grüße
Eva

Hallo Amöbe,

noch ein Nachtrag - weiteres Googeln machte auch mich schlauer.

Offensichtlich ist es wohl doch so, daß auch Pflanzen selber Methan produzieren können. Bisher hatte man angenommen, daß Methan nur unter anaeroben Bedingungen entstehen kann - also unter Abschluß von Sauerstoff.

Weitere Infos gibts hier:
http://www.science-at-home.de/news/regen/regen_det_2…

Welcher biochemische Mechanismus dahintersteckt ist noch unklar.
Zitat:
Obwohl es bereits erste Hinweise gibt, ist noch ungeklärt, welcher Prozess der Bildung von Methan in Pflanzen eigentlich zugrunde liegt. Die Heidelberger Wissenschaftler nehmen an, dass sich dahinter ein bisher unbekannter Reaktionsmechanismus verbirgt, der mit dem herkömmlichen Wissen über Pflanzen nicht zu erklären ist - also ein neues Forschungsgebiet für Biochemiker und Pflanzenphysiologen.

Und wer gerne die Originalquelle möchte:
Frank Keppler, John T. G. Hamilton, Marc Braß und Thomas Röckmann
Methane emissions from terrestrial plants under aerobic conditions
Nature, 12 January 2006

Man lernt nie aus…

Eva

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Hallo!
Danke euch zweibeiden! Istja cool, das Pflanzen das auch selber können…
Gibst einglich auch Lebewesen, die höhere Kohlenwasserstoffe produzieren? Naja, bei den flüssigen dürfte dann ja die Ausscheidung schwierig werden…
Gandalf, du schriebst ja

Es gibt Bakterien, sog. Methanbildner, die zu etwa 50 % Kohlendioxid :und zu 50 % Methan ausscheiden, das dann als Biogas genutzt werden :kann.

Werden da etwa auch extra irgendwelche Bakterien gezüchtet, um Biogas zu produzieren? Sind das die Bakterien, die den ganzen Biomüll zu zersetzen haben?
Ist dieses Gas, das einem beim Baden in Seen immer um die Füße blubbert, auch Methan, aus Fäulnisprozessen?
Ohje, schonwieder Fragen über Fragen *g
Naja, nochmal danke!
Viele Grüße,
Amöbe

Hallo Amöbe,

Werden da etwa auch extra irgendwelche Bakterien gezüchtet,
um Biogas zu produzieren?

die brauchst Du nicht zu züchten, die sind immer da, zumindestens dann, wenn kein Sauerstoff zugegen ist. Gegen den sind die äußerst empfindlich (sog. obligate Anaerobier).
Wenn Du die Bedingungen für Methanbildner günstig machst, vermehren die sich auch, allerdings recht langsam
Methanogene Bakterien sind übrigens mit die ältesten Lebewesen, die es gibt.

Sind das die Bakterien, die den
ganzen Biomüll zu zersetzen haben?

Auch.
Methanogene haben allerdings Probleme mit komplexeren Vernindungen, die müssen von anderen Organismen erst mal zerlegt werden.

Ist dieses Gas, das einem beim Baden in Seen immer um die Füße
blubbert, auch Methan, aus Fäulnisprozessen?

Wenn es das ist, wäre ich mit dem Baden vorsichtig :wink:
Im Ernst:
Zum Teil ist das sicher Methan, aber in Badeseen sollte das Sauerstoff sein, den Algen und Pflanzen produzieren.
Wenns Methan ist, ist der Boden eher schlammig und faulig, da möchte ich eher nicht schwimmen.

Gandalf