Temperatur limitiert bakteriol. Wachstum

Von: (abgemeldet) , Frage gestellt am Mo, 29. Mai 2006
Hallo!

Mal was grundsätzliches.
Wie genau limitiert die Temperatur das Wachstum von Mikroorganismen?
Mir ist klar, dass Wachstum bei niedrigen Temperaturen gebremst und höheren Temperaturen bis zu einem Temperaturoptimum beschleunigt wird. Oberhalb dieses Optimums wirkt die Tremperatur wieder "bremsend" bis hin zum Stillstand. Bei zu niedriger Temperatur ist zuwenig kinetische Energie vorhanden, daher langsamer. Bei zu hoher gehen die Enzyme kaputt.
Soweit, so vereinfacht gut. (Berichtigt mich bitte, wenn ich Blödsinn verfasse)

Aber: Wirkt die Temperatur auch so, dass ein Maximalwachstum (bis zb Nährstoffe limitierend wirken) nur bei optimaler Temperatur erreicht werden kann? Oder dauert das dann nur länger?

Hat die Temperatur innerhalb der Grenzen einer Art nur eine zeitliche Auswirkung auf das Wachstum?

Gespannte Grüße
OnkelHeini

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
    Re: Temperatur limitiert bakteriol. Wachstum
    hallo, Soweit, so vereinfacht gut.
    grundsätzlich richtig. Aber: Wirkt die Temperatur auch so, dass ein Maximalwachstum
    (bis zb Nährstoffe limitierend wirken) nur bei optimaler
    Temperatur erreicht werden kann?
    ich bin mir nicht sicher, ob ich die frage richtig verstanden habe.
    grundsätzlich gibt es verschiedene faktoren, die sich positiv oder negativ auf bakterienwachstum auswirken. davon sind i.d.R. wichtig:
    - temperatur
    - sauerstoffverhältnisse (anaerob - anoxisch - aerob)
    - vorhandensein von nährstoffen (C- und E-quelle), spurenelementen und hemmend wirkenden stoffen
    - pH-wert
    - etc...

    wenn alle faktoren für das betreffende viech günstig sind, kann es mit seiner maximalen wachstumsgeschwindigkeit wachsen. wenn ein od. mehrere faktoren suboptimal sind, wächst das tierchen halt langsamer.

    grüße, simon
  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Temperatur limitiert bakteriol. Wachstum
    Hallo OnkelHeini, Wie genau limitiert die Temperatur das Wachstum von
    Mikroorganismen?
    das hängt vom Temperaturoptimum (ev. den Optima) des Enzymapparates ab.
    Man unterteilt grob in Psychrophil (Kälteliebend), Mesophil (mäßige Temperaturen bevorzugend) und Thermophil (hohe Temperaturen bevorzugend).

    Ein thermophiles Bakterium wirst Du bei 0 °C kaum zum Wachsen kriegen, wohingegen ein psychrophiles Bakterium bei 85 °C ziemlich sicher abgetötet wird.


    Unabhängig davon sind natürlich andere Faktoren auch limetierend, wie Nährstoffangebot, pH-Wert etc. da auch diese Faktoren Optima für den jeweiligen Organismus haben.

    Gandalf
  3. Antwort von (abgemeldet) nach einem Tag 0 hilfreich
    Frage neu formuliert!
    Hallo nochmal und danke für Eure Antworten!

    Ich werde mal versuchen, die Frage anhand eines Beispiels zu präzisieren:

    Ein (meinetwegen mesophiles) Bakterium hat sein Temperaturoptimum bei 36°C.
    Das bedeutet, dass eine Kultur dieses Bakteriums bei 36°C schneller wächst als bei anderen Temperaturen. Die optimale Temperatur führt also dazu, dass die Wachstumsgeschwindigkeit der Kultur hier am höchsten ist. Innerhalb von z.B. 48 Stunden werden daher mehr Zellen gebildet als in den Kulturen, die bei anderen Temperaturen inkubiert werden.

    Nehmen wir an, die beschriebenen Kulturen seien Batch-Kulturen. Nach einer bestimmten Zeit sind also die Nährstoffe verbraucht und eine maximale Zellzahl wird in der Kultur erreicht. Die Kultur mit der Lieblingstemperatur schafft dies am schnellsten, sagen wir nach 72 h ist die zum Wachsen benötigte organische Verbindung (z.B. Glucose) so weit verbraucht, dass die Kultur das Wachstum einstellt. Eine Vergleichskultur wächst bei 26°C und braucht 144 h, bis das Wachstum eingestellt wird, da die organische Verbindung so weit verbraucht wurde.

    Hat die Kultur jetzt dieselbe Zellzahl erreicht wie die bei Optimaltemperatur inkubierte Kultur nach 72 h? Dann hätte die Temperatur im Beispiel nur einen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Wachstums, nicht aber auf z.B. den Ausbeutekoeffizienten. Die Nährstoffkonzentration hingegen wirkt als limitierender Faktor.
    Wäre es auch denkbar, dass die kälter inkubierte Kultur weniger Zellen bildet, egal wie lange sie dafür Zeit hat?

    Folgt man nur der Monod-Kinetik und der Arrhenius-Geichung wäre dies nicht möglich bzw. würde nicht berücksichtigt, wenn ich mich nicht irre.

    Hoffe, das war nicht zu lang und bin schon sehr gespannt auf Eure Antworten!
    OnkelHeini
    • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
      Re: Frage neu formuliert!
      Hi,

      da dir bisher noch keiner auf deine präzisierte Frage geantwortet hat, versuche
      ich mich mal dran... Innerhalb von z.B. 48 Stunden
      werden daher mehr Zellen gebildet als in den Kulturen, die bei
      anderen Temperaturen inkubiert werden.
      soweit alles korrekt. Die Kultur mit der Lieblingstemperatur
      schafft dies am schnellsten, sagen wir nach 72 h ist die zum
      Wachsen benötigte organische Verbindung (z.B. Glucose) so weit
      verbraucht, dass die Kultur das Wachstum einstellt. Eine
      Vergleichskultur wächst bei 26°C und braucht 144 h, bis das
      Wachstum eingestellt wird, da die organische Verbindung so
      weit verbraucht wurde.
      D.h. die Viecher wachsen, bis C- und E-Quellen ausgehen Hat die Kultur jetzt dieselbe Zellzahl erreicht wie die bei
      Optimaltemperatur inkubierte Kultur nach 72 h?
      Ich würde sagen, die Kulturen haben beide die selbe Zellmasse erreicht (wenn
      man von identischen Startbedingungen ausgeht). Immerhin wird das Wachstum
      beider Kulturen durch Substratmangel beendet. Dann hätte die
      Temperatur im Beispiel nur einen Einfluss auf die
      Geschwindigkeit des Wachstums, nicht aber auf z.B. den
      Ausbeutekoeffizienten.
      Ja. Die Nährstoffkonzentration hingegen wirkt als limitierender Faktor.
      Ja. Wäre es auch denkbar, dass die kälter inkubierte Kultur
      weniger Zellen bildet, egal wie lange sie dafür Zeit hat?
      Kann ich mir nicht vorstellen, sofern es nicht so kalt ist, dass die
      Wachstumsgeschwindigkeit praktisch null ist. Folgt man nur der Monod-Kinetik und der Arrhenius-Geichung
      wäre dies nicht möglich bzw. würde nicht berücksichtigt, wenn
      ich mich nicht irre.
      Kannst du das genauer erläutern, warum das nicht möglich sein sollte?

      Grüße, Simon


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