Homologe Rekombination in Prokaryonten?

Von: , Frage gestellt am Mo, 11. Okt 1999

Hallo,
daß in Eukaryonten z.B. Doppelstrangbrüche der DNA durch den Mechanismus der homologen Rekombination ausgebessert werden können, ist aufgrund des diploiden Genoms verständlich. Allerdings findet man immer wieder den Hinweis, daß eine derartige Reparatur auch in Prokaryonten stattfinden kann. Allerdings haben die natürlich keinen doppelten Chromosomensatz. Wie kann also eine homologe Rekombination erfolgen? Die einzige Erklärung für mich wäre, daß die homologe Rekombination nur nach einer Konjugation erfolgen kann. Dies wäre allerdings für die Zelle sehr unzuverlässig. Gibt es weitere Möglichkeiten für Bakterien, um durch homologe Rekombination Doppelstrangbrüche zu reparieren?
Vielen Dank für alle Anregungen,

Ru

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
    Re: Homologe Rekombination in Prokaryonten?

    Denkbar wäre noch, daß wichtige chromosomale Bereiche auf dem Chromosom oder einem Plasmid in Kopie vorliegen.

    Aber: Das hohe Fehlerrisiko bei der Rekombination bei der Konjugation ist nicht unbedingt unerwünscht. Ein einzelliger r-Stratege hat als Spezies damit wahrscheinlich eine höhere Fitness, auch wenn gar manche Individuen dabei draufgehen.

    Gruß
    Jochen

    • Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
      Re^2: Homologe Rekombination in Prokaryonten?

      Denkbar wäre noch, daß wichtige
      chromosomale Bereiche auf dem Chromosom
      oder einem Plasmid in Kopie vorliegen.
      Das ist natürlich eine Idee. Da muß ich mal drüber nachdenken. Vielen Dank für den Hinweis! Aber: Das hohe Fehlerrisiko bei der
      Rekombination bei der Konjugation ist
      nicht unbedingt unerwünscht. Ein
      einzelliger r-Stratege hat als Spezies
      damit wahrscheinlich eine höhere Fitness,
      auch wenn gar manche Individuen dabei
      draufgehen.
      Prinzipiell gebe ich Dir recht. Allerdings hast Du mich falsch verstanden: es wäre für die Zelle doch vermutlich ungünstig, wenn sie doppelstrangbrüche nur dann zu reparieren vermag, wenn gerade eine Konjugation erfolgt ist. Oder besser: es wäre günstiger, wenn die Reparatur eben nicht nur dann erfolgen könnte.

      Gruß, Ru

      • Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
        Nachgelesen

        Ok, dumm darf man sein, man muß nur wissen, wo's steht....

        Du kannst es z.B. in Nickoloff, Hoekstra: DNA Damage And Repair Vol.I, Humana Press 1998, Totowa, New Jersey nachlesen.

        Hier wird beschrieben, daß die hohen Wachstumsraten auch helfen, exzessive Fehlerraten zu vermeiden. So liegen eigentlich ständig mehr als ein Chromosom je Zelle vor, da Reduplikation und Zellteilung nicht synchron laufen. So besteht also für den größten Teil des Genoms immer die Möglichkeit einer homologen Rekombination. Im Notfall ist auch eine heterologe Rekombination denkbar.

        CU
        Jochen

        • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
          Re: Nachgelesen

          Ok, dumm darf man sein, man muß nur
          wissen, wo's steht....
          Der Meinung bin ich auch immer, aber erzähl das mal meinen Prüfern!!!!! :o) Du kannst es z.B. in Nickoloff, Hoekstra:
          DNA Damage And Repair Vol.I, Humana Press
          1998, Totowa, New Jersey nachlesen.
          Ist das Buch gut? Ich kenne als Standard-Reparatur-Werk nur den Friedberg, welcher überall zitiert wird. Ist nicht schlecht, aber von 1995 schon ziemlich alt. Hier wird beschrieben, daß die hohen
          Wachstumsraten auch helfen, exzessive
          Fehlerraten zu vermeiden. So liegen
          eigentlich ständig mehr als ein Chromosom
          je Zelle vor, da Reduplikation und
          Zellteilung nicht synchron laufen. So
          besteht also für den größten Teil des
          Genoms immer die Möglichkeit einer
          homologen Rekombination. Im Notfall ist
          auch eine heterologe Rekombination
          denkbar.
          Hätte man wahrlich selber drauf kommen können. Aber offensichtlich war ich auch nicht schlau genug. Das die "fehlende Synchronisation" vorliegt, ist mir natürlich bekannt. Aber das so zusammenzubringen.... :o)
          Wow!!! Vielen Dank für die schnelle und kompetente Antwort.
          Einen wunderschönen Montag wünscht

          Ru

          • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
            Re^2: Nachgelesen

            Der Meinung bin ich auch immer, aber
            erzähl das mal meinen Prüfern!!!!! :o)
            Bei den meisten Prüfern hilft ein kompetentes Auftreten mehr als tatsächliches Fachwissen. Es gibt auch Prüfer, die sich freuen, wenn der Delinquent mal was nicht weiß und sich dann schlaue Gedanken macht. Das ist oft mehr wert als das Runterrasseln auswendiggelernter Litaneien. Ist das Buch gut?
            Ja. Zur allgemeinen Vorbereitung aber viel zu detailliert. Hätte man wahrlich selber drauf kommen
            können. Aber offensichtlich war ich auch
            nicht schlau genug. Das die "fehlende
            Synchronisation" vorliegt, ist mir
            natürlich bekannt. Aber das so
            zusammenzubringen.... :o)
            Es hat schon Nobelpreise für die Erkenntnis banalerer Zusammenhänge gegeben... Einen wunderschönen Montag wünscht
            dito !

            Jochen

            • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
              Re^3: Nachgelesen

              Bei den meisten Prüfern hilft ein
              kompetentes Auftreten mehr als
              tatsächliches Fachwissen. Es gibt auch
              Prüfer, die sich freuen, wenn der
              Delinquent mal was nicht weiß und sich
              dann schlaue Gedanken macht. Das ist oft
              mehr wert als das Runterrasseln
              auswendiggelernter Litaneien.
              Ja, das weiß ich, aber etwas wissen muß man auch und in der Prüfung wäre ich darauf wahrscheinlich erst recht nicht gekommen. :o) Ja. Zur allgemeinen Vorbereitung aber
              viel zu detailliert.
              Erstens muß ich mich detailliert vorbereiten, zweitens werde ich in diesem Bereich arbeiten bzw. habe es auch schon. Allerdings ist es sehr teuer, wie ich gerade gesehen habe. Es hat schon Nobelpreise für die
              Erkenntnis banalerer Zusammenhänge
              gegeben...
              Die waren aber auch nicht immer richtig: die Polymerase I aus E. coli war eben nicht das Enzym der Replikation. Trotzdem hat es genau dafür den Preis gegeben.

              Vielen Dank für Deine Mühe!!!! :o)

              Ru

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