Homologe Rekombination in Prokaryonten?

Hallo,
daß in Eukaryonten z.B. Doppelstrangbrüche der DNA durch den Mechanismus der homologen Rekombination ausgebessert werden können, ist aufgrund des diploiden Genoms verständlich. Allerdings findet man immer wieder den Hinweis, daß eine derartige Reparatur auch in Prokaryonten stattfinden kann. Allerdings haben die natürlich keinen doppelten Chromosomensatz. Wie kann also eine homologe Rekombination erfolgen? Die einzige Erklärung für mich wäre, daß die homologe Rekombination nur nach einer Konjugation erfolgen kann. Dies wäre allerdings für die Zelle sehr unzuverlässig. Gibt es weitere Möglichkeiten für Bakterien, um durch homologe Rekombination Doppelstrangbrüche zu reparieren?
Vielen Dank für alle Anregungen,

Ru

Denkbar wäre noch, daß wichtige chromosomale Bereiche auf dem Chromosom oder einem Plasmid in Kopie vorliegen.

Aber: Das hohe Fehlerrisiko bei der Rekombination bei der Konjugation ist nicht unbedingt unerwünscht. Ein einzelliger r-Stratege hat als Spezies damit wahrscheinlich eine höhere Fitness, auch wenn gar manche Individuen dabei draufgehen.

Gruß
Jochen

Denkbar wäre noch, daß wichtige
chromosomale Bereiche auf dem Chromosom
oder einem Plasmid in Kopie vorliegen.

Das ist natürlich eine Idee. Da muß ich mal drüber nachdenken. Vielen Dank für den Hinweis!

Aber: Das hohe Fehlerrisiko bei der
Rekombination bei der Konjugation ist
nicht unbedingt unerwünscht. Ein
einzelliger r-Stratege hat als Spezies
damit wahrscheinlich eine höhere Fitness,
auch wenn gar manche Individuen dabei
draufgehen.

Prinzipiell gebe ich Dir recht. Allerdings hast Du mich falsch verstanden: es wäre für die Zelle doch vermutlich ungünstig, wenn sie doppelstrangbrüche nur dann zu reparieren vermag, wenn gerade eine Konjugation erfolgt ist. Oder besser: es wäre günstiger, wenn die Reparatur eben nicht nur dann erfolgen könnte.

Gruß, Ru

Nachgelesen
Ok, dumm darf man sein, man muß nur wissen, wo’s steht…

Du kannst es z.B. in Nickoloff, Hoekstra: DNA Damage And Repair Vol.I, Humana Press 1998, Totowa, New Jersey nachlesen.

Hier wird beschrieben, daß die hohen Wachstumsraten auch helfen, exzessive Fehlerraten zu vermeiden. So liegen eigentlich ständig mehr als ein Chromosom je Zelle vor, da Reduplikation und Zellteilung nicht synchron laufen. So besteht also für den größten Teil des Genoms immer die Möglichkeit einer homologen Rekombination. Im Notfall ist auch eine heterologe Rekombination denkbar.

CU
Jochen

Ok, dumm darf man sein, man muß nur
wissen, wo’s steht…

Der Meinung bin ich auch immer, aber erzähl das mal meinen Prüfern!!! :o)

Du kannst es z.B. in Nickoloff, Hoekstra:
DNA Damage And Repair Vol.I, Humana Press
1998, Totowa, New Jersey nachlesen.

Ist das Buch gut? Ich kenne als Standard-Reparatur-Werk nur den Friedberg, welcher überall zitiert wird. Ist nicht schlecht, aber von 1995 schon ziemlich alt.

Hier wird beschrieben, daß die hohen
Wachstumsraten auch helfen, exzessive
Fehlerraten zu vermeiden. So liegen
eigentlich ständig mehr als ein Chromosom
je Zelle vor, da Reduplikation und
Zellteilung nicht synchron laufen. So
besteht also für den größten Teil des
Genoms immer die Möglichkeit einer
homologen Rekombination. Im Notfall ist
auch eine heterologe Rekombination
denkbar.

Hätte man wahrlich selber drauf kommen können. Aber offensichtlich war ich auch nicht schlau genug. Das die „fehlende Synchronisation“ vorliegt, ist mir natürlich bekannt. Aber das so zusammenzubringen… :o)
Wow!!! Vielen Dank für die schnelle und kompetente Antwort.
Einen wunderschönen Montag wünscht

Ru

Der Meinung bin ich auch immer, aber
erzähl das mal meinen Prüfern!!! :o)

Bei den meisten Prüfern hilft ein kompetentes Auftreten mehr als tatsächliches Fachwissen. Es gibt auch Prüfer, die sich freuen, wenn der Delinquent mal was nicht weiß und sich dann schlaue Gedanken macht. Das ist oft mehr wert als das Runterrasseln auswendiggelernter Litaneien.

Ist das Buch gut?

Ja. Zur allgemeinen Vorbereitung aber viel zu detailliert.

Hätte man wahrlich selber drauf kommen
können. Aber offensichtlich war ich auch
nicht schlau genug. Das die „fehlende
Synchronisation“ vorliegt, ist mir
natürlich bekannt. Aber das so
zusammenzubringen… :o)

Es hat schon Nobelpreise für die Erkenntnis banalerer Zusammenhänge gegeben…

Einen wunderschönen Montag wünscht

dito !

Jochen

Bei den meisten Prüfern hilft ein
kompetentes Auftreten mehr als
tatsächliches Fachwissen. Es gibt auch
Prüfer, die sich freuen, wenn der
Delinquent mal was nicht weiß und sich
dann schlaue Gedanken macht. Das ist oft
mehr wert als das Runterrasseln
auswendiggelernter Litaneien.

Ja, das weiß ich, aber etwas wissen muß man auch und in der Prüfung wäre ich darauf wahrscheinlich erst recht nicht gekommen. :o)

Ja. Zur allgemeinen Vorbereitung aber
viel zu detailliert.

Erstens muß ich mich detailliert vorbereiten, zweitens werde ich in diesem Bereich arbeiten bzw. habe es auch schon. Allerdings ist es sehr teuer, wie ich gerade gesehen habe.

Es hat schon Nobelpreise für die
Erkenntnis banalerer Zusammenhänge
gegeben…

Die waren aber auch nicht immer richtig: die Polymerase I aus E. coli war eben nicht das Enzym der Replikation. Trotzdem hat es genau dafür den Preis gegeben.

Vielen Dank für Deine Mühe!!! :o)

Ru