Musikinstrument mit Aluminium(salz)bad reinigen?

Hallo!

Ich habe ein Waldhorn und darin befinden sich Zylinder, die sich beim Drücken der Tasten drehen sollen. Das sind die Ventile, obwohl es sich dabei nicht im eigentlichen Sinne um Ventile handelt. Leider bewegen sich die Zylinder nicht so schnell wie man sich das wünschen würde. Man drückt die Taste runter. Das geht natürlich schnell. Aber die Tasten gehen nicht so schnell wieder hoch, wie ich das gern hätte, da die Zylinder einen zu großen Widerstand gegen ihr Zurückdrehen ausüben. Die Rückstellkraft wird durch ein Federsystem erzeugt. Das liegt nicht an mangelnder Ölung oder so…
Ich habe gehört, der Grund ist eine leichte Oxidation der Zylinderoberflächen. Die rausnehmen und polieren/abschleifen kann ich aber nicht. Mein Hornlehrer hat gesagt, ich könne es mal selbst mit Rostlöser versuchen und den in das Ventilsystem tropfen. Rostlöser wirken reduzierend vermute ich mal. Wenn das nicht stimmt, wäre ich über Aufklärung dankbar. Da ich im Moment keinen Rostlöser habe, dachte ich, vielleicht könnte man es ja so machen wie mit dem Silberbesteck: Alufolie und Kochsalzlösung. Ich frage mich, ob das was bringen kann…
Ich will nicht das ganze Instrument versenken, sondern nur etwas Salzwasser in das Ventilsystem füllen und dann da ne Alufolienwurst reinstecken… Kann das was bringen? Ich dachte, es könnte vielleicht sinnlos sein, weil das Instrument aus Messing ein elektrostatisches Äquipotential bildet und dann die Reduktion durch das Aluminium irgendwo am Instrument stattfindet, aber nicht da, wo ich es haben will. Dann müsste ich es ja schon ganz eintauchen das Horn und große Mengen Alufolie benutzen. Das wär aber wieder zu umständlich. Die Frage ist also:
Kann mein Vorgehen des lokalen Einsatzes von Alufolie und Salzwasser zielführend sein unter der Annahme das größere Teile des Instruments von innen einen kleinen Wasserfilm besitzen?

Grüße, Stefan

Hallo Drache,

Alu und Salz dürften dem Metall nicht unbedingt gut tun, auf jeden Fall wird es nichts nützen.

Rostlöser ist wohl auch nicht das Mittel der Wahl, weil die nicht reduzieren, sondern beizen, sprich ätzen, was eine sehr gründliche anschließende Reinigung nötig macht, sonst hast Du ein richtiges Problem.

Was helfen könnte wäre ev. Graphitspray oder Molybdänsulfidspray.

Gandalf

Hi,
So wie Du’s beschreibst sind die Ventile „verharzt“, d.h. es haben sich über viele Jahre Rückstände von Ventielöl in den Zylindern angelagert.
Ohne Ausbauen der Wechsel wirst Du das Problem meiner Meinung nach nicht lösen können. Das ist allerdings eine etwas heikle Angelegenheit. Ich habe das früher bei meine Instrumenten immer selbst gemacht, lasse das inzwischen aber lieber vom Instrumentenbauer machen.
So eine Reinigung kostet nicht die Welt!

MfG
Osso

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lieber Stefan,

wie Dir bereits geraten wurde, dürften die beweglichen Teile verharzt sein. Das bekommst Du mit der Silberreduziermethode nicht weg. Im Gegenteil, je nach Metallart können zurückbleibende Salzreste erhebliche Korrosion verursachen, insbesondere, wenn dadurch verschiedene Metalle elektrisch leitend verbunden werden. NICHT versuchen, das gehört zum Fachmann!
Ein weiterer Tip: Zum ölen würde ich mir säure- und harzfreies Waffenöl besorgen. Dann kommt das Problem so schnell nicht wieder. Mal den Waffenhändler in Deiner Nähe fragen.

Gruß
BeLa

und noch was…
… ich selbst würde niemals irgendwas ggf. giftiges oder übel riechendes (wie z.B. Waffenöl, zu dem hier geraten wird) in mein Instrument kippen:
Da Du intensiv einatmest und das Instrument sehr nah am Mund hast, atmest Du auch die Dämpfe aus dem Instrument ein.
Wenn man da etwas sensibel ist, kann man dann das Öl (oder auch den muffigen Gestank eines ungereinigten Instruments) auf der Zunge schmecken (*würg*)…
Instrumentenöle sind im Prinzip alle harzfrei, aber über Jahre und Jahrzehnte bilden sich auch hier Ablagerungen.
Sehr gut finde ich die Öl-Serie von „Hetman“.

Grüße
Osso

Hi Stefan,
wurde auf deinen Verweis im Musikbrett aufmerksam.
Habe mit „dreventilen“ seit 1980 zu tun, weil ich im Musikinstrumentenhandel war und selbst auch Horn spiele.

Das Problem taucht immer wieder auf. Viele trauen sich aber nicht, die Ventile zu öffnen, da sie nachher den „Innendeckel“ nicht mehr plan draufbekommen und dann garnichts mehr funktioniert.

Gründe für das „Klemmen“:

  1. fehlende Schmierung
  2. Speichelablagerung
  3. Grünspan

Wenn du jetzt mit Chemie dem „Übel“ zu Leibe rücken willst, kannst du mehr kaputt machen als dir lieb ist.
Das Instrument ist Messing.Die Ventile sind entweder aus Stahl oder nur vernickeltem/verchromten Messsing. Das Gleiche gilt für die Hülse (in der das Ventil sitzt).
Dann ist das Instrument auch noch lackiert.
Ohne ganz exakte Informationen über die verwendeten Materialien, solltest du keine Chemie benutzen.

Im endeffekt musst du nur Ventile und Hülse von den Ablagerungen reinigen.
Wenn du gerade dabei bist, reinige auch gleich das ganze Instrument von Innen.

Wirksame „Bläsertipps“:
Instrument auseinander nehmen: Ventile raus, Bögen raus.
Alles „in die Badewanne“ legen. Lauwarmes Wasser mit Fettlöser (z.B. Spülmittel)
Einige Stunden einweichen lassen. Dann mit Brauseschlauch jeweils vom kleinen Rohrdurchmesser zum großen hin durchspülen.
Umgekehrt ist zwar leichter… aber… du wirst schon sehen, weshalb es besser ist… und dich ekeln was in deinem Instrument alles so drinstecken kann.
(Habe schonmal aus EINEM Tenorhorn 3 Handschuhe und 2 Brötchen herausgeholt *würg*)

OK, nun sind also alle Spülmittelreste herausgespült… das Wasser wird schon leicht „dunkel“ sein.
Nun nimmst du einen Lappen und wischt die Bogenansätze und die Innenrohre ab, damit die Fette komplett weg sind.
Die Bogenansätze werden nun mit einer leichten Politur gereinigt und neu eingefettet (Spezialbogenfett/Zugöl oder eine Mischung aus Hirschtalg+Öl- einige Längsstriche Hirschtalg auf den Bogen, dann hineinstecken und drehen… danach einige Tropfen l drauf und wieder holen. Dann noch etwas Öl und endgültig reinstecken)
Puuuh. Schreiben dauert länger als machen.

Nun zum eigentlichem Problem: Ventile
Auch diese entfettest du. Nun nimmst du wieder eine LEICHTE Politur und enmtfernst damit die Ablagerungen.
Schau dir vorher mal das Ventil an: Siehst du die kleinen Riefen ? Da klemmt es schon und hat erhöhten Abrieb. Auf Dauer wird der Schaden immer größer, wenn du jetzt nichts dagegen machst.
Wenn sowohl Hülse als auch Ventil wieder schön glatt poliert sind, musst du jetzt natürlich wieder neu ölen. klar.
Spar nicht mit Öl. Was zuviel ist wird nachher einfach in die Rohre gedrückt und du bekommst es über die Wasserklappe oder angrenzende Bögen wieder raus.
Der Innendeckel und das Ventil haben jeweils Kerben. Bringe diese Kerben überein. Lege den Inendeckel auf und drücke ihn ganz dsanft rein. Vorsicht. Wenn du verkanntest, klemmt das ventil.
Am Einfachsten ist es, wenn du den Innendeckel leicht andrückst und dann den Ventildeckel draufschraubst. Der dückt den innendeckel automatisch gleimäßig nach Innen.
Ist manchmal Fummelei, bis alles wieder perfekt sitzt. Aber du kannst ja immer wieder neu anfangen… bis es endlich stimmt.

Zum Auseinanderbau:
Wenn Bögen nciht rausgehen, kannst du einen Lappen durchziehen und dann mit etwas mehr Zug den Bogen herausbekommen. Solte das nicht klappen, ziehe nicht weiter, sonst lösen sich ebventuell Lötungen. Dann ist eine andere Technik nötig, die ich hie nicht beschreibe, da man als Laie zuviel falsch machen kann und dann evtl. sehr hohe Kosten hat. Also: Wenn der Bogen partout nciht raus will, muss es ein instrumentenbauer für dich machen.

Bei den Ventilen ist es nicht so kritisch:
Wenn alle „Anbeiteile“ abgeschraubt und abgehoben sind, nimmst du z.B. den Griff eines Schraubendrehers und klopfst gegen den Ventilschaft. (Deckel abdrehen nciht vergessen?)
Irgendwann springt des Ventil und der Innendeckel aus der Hülse und du kannst reinigen und ölen.

Zum Öl:
Nicht umsonst gibt es spezielle Öle für Musikinstrumente. Bei Drehventilen sollte es etwas dickflüssiger sein. Probiere einfach mit Daumentest, welches besser schmiert oder lasse dir die Eigenschaft schildern.
Nur wenn du kein Instrumentenöl bekommst - und nur in Notfällen:
Waffenöl ist die beste Alternative.

Zum angesprochenen Gestank: Macht nix. Gibt Trompetenöle, die stinken schlimmer.
Du holst ja keine Luft durch dein Horn (Blödsinn) und die Ventile sind auch soweit entfernt, dass du im Normalfall keinen "Belag auf der Zunge hast *lach*

Weiteres: Wenn du siehst, dass der Lack beschädigt ist (Handschweiß oder Speichel)- Material wird plötzlich stumpf oder hat braune Flecken:
Den Bereich polieren und mit dünnem Klarlack wieder versiegeln.
Bei braunen Flecken ist der Lack durch Speichel zerstört. Die Zerstörung greift auf das Messing über, wenn du den Bereich nicht reinigst und neu lackierst. (Lack abmachen, polieren,versiegeln)

Grünspan, Speichel und Handschweiß sind die Hauptfeinde eines Blechblasinstrumentes.

Gruß
BJ