BSE erst durch Tiermehl entstanden?

Neulich hörte ich, das BSE erst durch die Verfütterung von Tiermehl entstanden sei?
Das soll angeblich so vor sich gehen: Tiermehl löst in dem Wiederkäuermagen andere chemische Reaktionen aus. Dabei entsteht wohl irgendein Produkt (?) welches übrigbleibt und irgendwelche Vergiftungen hervorruft. Soweit vorstellbar. Aber daraus soll sich irgendwie der Virus entwickelt haben???
Kann mir jemand sagen, das man mir einen Bären aufgebunden hat!
Wenn nicht wäre das ja ganz schön Mist, dann muß man ja bei wenigstens 50% der durch den Menschen veränderten Nahrung irgendwelche nichtvorhersehbaren Folgeschäden rechen.

Irgendwie klingt sowas immer nach Horror.

Gruß Jo

Neulich hörte ich, das BSE erst durch die Verfütterung von
Tiermehl entstanden sei?

Damit ist wohl gemeint, daß die SEUCHE sich erst durch die Verfütterung bilden konnte - nicht der Erreger.

Das soll angeblich so vor sich gehen: Tiermehl löst in dem
Wiederkäuermagen andere chemische Reaktionen aus. Dabei
entsteht wohl irgendein Produkt (?) welches übrigbleibt und
irgendwelche Vergiftungen hervorruft. Soweit vorstellbar. Aber
daraus soll sich irgendwie der Virus entwickelt haben???

Erstmal: DAS Virus, nicht der Virus. Dann: es ist kein Virus, sondern ein Prion. Das ist ein Protein, welchen deformiert ist und so anderen Proteinen seiner Art auch Deformieren kann. So Breitet sich die Deformation aus.

Kann mir jemand sagen, das man mir einen Bären aufgebunden
hat!

Wahrscheinlich Halbwissen, nicht richtig verstanden aber Hauptsache rumposaunt.

Prionen wurden als Ursache von Scrapie (Traberkrankheit bei Schafen) nachgewiesen. Scrapie wurde aber schon im Mittelalter beschrieben (naja, das charakteristische, auffällige Verhalten der Tiere), und da ist sicher noch kein Tiermehl verfüttert worden. Durch die Verfütterung infizierter Schafe an Rinder stieg dort aber der Infektionsdruck dermaßen stark an, daß auch Rinder „Scrapie“ bekamen, BSE eben. Durch die zunehmenden Konzentrationen deformierter Prionen in der Nahrungskette hat auch nun der Mensch mit einem hohen Infektionsdruck zu rechnen (wobei man nicht weiß, ob man sich nur an Tieren infizieren kann, welche auch Symptome zeigen oder z.B. auch an Schweinen oder Hühnern).

Wenn nicht wäre das ja ganz schön Mist, dann muß man ja bei
wenigstens 50% der durch den Menschen veränderten Nahrung
irgendwelche nichtvorhersehbaren Folgeschäden rechen.

Richtig. Das ist aber immer eine langfristige Folge industrieller Nahrungsproduktion. Ich befürchte, das die aufkommende Verfütterung von Sojamehl (was SICHER genmanipuliert sein wird) langfristig wiederum böse Folgen haben wird…

Irgendwie klingt sowas immer nach Horror.

Industrielle Nahrungsmitelproduktion IST Horror.

Gruß ebenfalls Jo

Danke Jo

Gruß Jo

Hallo Jo,
erst einmal muß ich sagen, daß ich die Verfütterung von Tiermehl an Pflanzenfresser ziemlich pervers finde (ich habe ein anderes Wort gesucht, aber mir fällt keins ein). Ebenso die Tatsache, daß wir nie genau wissen, was wir eigentlich essen: auf den Lebensmitteln steht (wenn überhaupt) immer nur was von Aroma- und Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern, Emulgatoren…

Richtig. Das ist aber immer eine langfristige Folge
industrieller Nahrungsproduktion. Ich befürchte, das die
aufkommende Verfütterung von Sojamehl (was SICHER
genmanipuliert sein wird) langfristig wiederum böse Folgen
haben wird…

Aber: „künstlich“ hergestellte Nahrung (am besten aus dem Replikator :wink:) könnte jeden Hunger, jede Mißernte und viele logistische Probleme lösen. Man müßte auch keine Gifte mehr spritzen, um die immer resistenteren Insekten abzuwehren (ich hatte gerade letzte Woche eine Lebensmittelvergiftung, die wohl durch gespritzte Orangen entstand). Obwohl ich zugeben muß, daß ich lieber etwas Gift konsumiere als Nahrung, an der schon diverse Käfer, Maden, Raupen, Schnecken und was weiß ich geknabbert haben (*igitt*).
„Genmanipulation“ ist ja letztlich auch nur Züchtung, nur geht es damit schneller. Erbgut wird ja schon seit der Steinzeit verändert.

Ciao
Uwe

Tach Uwe !

Aber: „künstlich“ hergestellte Nahrung (am besten aus dem
Replikator :wink:) könnte jeden Hunger, jede Mißernte und viele
logistische Probleme lösen.

Das Problem kann auch gelöst werden, indem man die Populationsdichte auf ein geringers Niveau führt.

„Genmanipulation“ ist ja letztlich auch nur Züchtung, nur geht
es damit schneller. Erbgut wird ja schon seit der Steinzeit
verändert.

Ja, das Problem sind die eingebrachten Selektionsmarker. Substanzen, die noch nie nicht mal in ähnlicher Form auf unserem Speiseplan standen werden aprupt in die Nahrungskette eingeführt. Über das allergene Potential ist nichts bekannt. Zudem liegt hier -langfristig- der prinzipielle Unterschied zur Züchtung: Einbringung von natürlichen und/oder artifiziellen Substanzen in die Nahrungskette, die in dieser oder ähnlicher Form nie in der Nahrungskette auftauchten. Die Züchtung hat nur Konzentrationen geändert, nie Charakteristika.

CU
Jochen

Hallo Jo!

Das Problem kann auch gelöst werden, indem man die
Populationsdichte auf ein geringers Niveau führt.

Überbevölkerung ist ja wirklich ein Problem, anerderseits sollte man Alternativen zur Landwirtschaft finden. Der klassische, von Wind, Wetter und Insekten abhängige Abbau ist nicht unbedingt das, was man unter fortgeschrittener Zivilisation versteht.

Ja, das Problem sind die eingebrachten Selektionsmarker.
Substanzen, die noch nie nicht mal in ähnlicher Form auf
unserem Speiseplan standen werden aprupt in die Nahrungskette
eingeführt. Über das allergene Potential ist nichts bekannt.

Auch Allergien, die sich ja zur Zeit explosionsartig vermehren, sind natürlich ein Problem. Aber ich denke, daß hier auch die Genetik sehr schnell Möglichkeiten zur Bekämpfung finden wird.

Zudem liegt hier -langfristig- der prinzipielle Unterschied
zur Züchtung: Einbringung von natürlichen und/oder
artifiziellen Substanzen in die Nahrungskette, die in dieser
oder ähnlicher Form nie in der Nahrungskette auftauchten. Die
Züchtung hat nur Konzentrationen geändert, nie
Charakteristika.

Stimmt, Genetik ist Evolution auf höherem Niveau. Übrigens auch unsere einzige Chance gegen Erbkrankheiten, da wir mit unserer klassischen Medizin ja die natürliche Selektion ausgehebelt haben…

Ciao
Uwe

Hallo,

du uebersiehst eine entscheidende Sache bei der Replikatornahrung: Der hohe Wirkungsgrad, mit dem Pflanzen Wasser, Co2 und andere Naehrstoffe zu Proteinen, Zuckern Fetten etc aufbauen ist ungeschlagen.
Wieviele tausend Kraftwerke willst du bauen, um die Weltbevoelkerung zu ernaehren? Dafuer reichen unsere Energievorraete schlicht nicht aus.

Stimmt, Genetik ist Evolution auf höherem Niveau. Übrigens
auch unsere einzige Chance gegen Erbkrankheiten, da wir mit
unserer klassischen Medizin ja die natürliche Selektion
ausgehebelt haben…

Das stimmt allerdings. Nur ist Gentechnik eben sehr einseitig. Wer weiss schon, was fuer Geister wir mit dem „Segen fuer die Menschheit“ rufen?

Gruss, Niels

Der hohe Wirkungsgrad, mit dem Pflanzen
Wasser, Co2 und andere Naehrstoffe zu Proteinen, Zuckern
Fetten etc aufbauen ist ungeschlagen.
Wieviele tausend Kraftwerke willst du bauen, um die
Weltbevoelkerung zu ernaehren? Dafuer reichen unsere
Energievorraete schlicht nicht aus.

Der Wirkungsgrad von Planzen ist sehr schlecht, weil sie erstens nur einen sehr kleinen teil des Sonnenspekrums nutzen und zweitens einen Großteil der Energie selbst verbrauchen.
Der eigentliche Vorteil der Planzen besteht darin, daß sie sich selbst reproduzieren. Wenn wir Fabriken hätten, die sich bei Bedarf selbst reproduzieren können, dann wären die bei weitem effektiver als Pflanzen.

Hallo!

Schwupps, sind wir von der „technischen“ Frage über BSE zu menschlicher Ernährung im Allgemeinen gekommen. Um im nächsten Moment wieder bei der technischen Frage des Wirkungsgrades von Pflanzen zu landen.

Es scheint so, als hinge unsere Lebensqualität von der richtigen Technik ab, sei es Gentechnik, ein günstiger Wirkungsgrad von Pflanzen oder Kunstnahrung. Als wären wir eine ziemlich miserable Fehlkonstruktion, die unbedingt durch allerlei Dingens verbessert werden müßte, um überleben uzu können oder eine akzeptable Lebensqualität zu erlangen.

Ich will deshalb auf ein Phänomen hinweisen, das dem eigentlich widerspricht: Viele der genannten Probleme (Allergien, Erbkrankheiten,…) haben wir nämlich erst durch die Anwendung von Technik. Technik, in die früher ebenso große Hoffnungen gesetzt wurden.

Daß Technik oft nach hinten losgeht hat meiner Meinung nach zwei Gründe:

  1. Oft durchschauen wir die komplexen Vorgänge nicht. (z.B. Aralsee)
    Das läßt sich durch Forschung bessern, allerdings muß man einschätzen können, wie weit man ist, wenn man entscheidet und handelt.

  2. Oft stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. (z.B. BSE)
    Dann wird eben wider besseres Wissen verharmlost oder gelogen. Ein Kraut gegen sowas wäre interessant :smile:

Insofern finde ich verfrüht, vertraute und bewährte Bahnen zu verlassen. Lösungen für bekannte Probleme (Allergien) oder Scheinprobleme (z.B. Überbevölkerung) findet man mit geringerem Risiko ganz woanders als ausgerechnet bei Gentechnik.

Der BSE-Skandel veranschaulicht neben Hormonschweinen und Insektizidhonig, daß da was nicht stimmt. Und zwar sowohl bei unserm Wissen, welche Folgen Tiermehlverfütterung haben kann als auch beim „moralischen Handeln“ derjenigen, die sich Gewinn oder auch bloß Bestechungsgeld mit Billigfleisch versprechen.

Tschuess, Sven.

1 „Gefällt mir“

Hi !

Auch zum Posting von MrStupid unten:

Es gibt eine etablierte Technik, ein maximum an Individuen unter best möglichen Lebens-Bedingungen langfristig überleben zu lassen. Die Evaluierungsphase läuft seit Mrd Jahren und hat daher sogar schon Systeme entwickelt, sich veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Naja, egal wie, aber was wir daraus lernen können ist doch folgendes: Langfristig ist die photosynthese das effizienteste System, Sonnenenergie zu nutzen. Der Energieträger ist übrigends NICHT Kohlenstoff, sondern Wasserstoff/Sauerstoff (und Wasser), eine Technik, der man sich ja langsam technologisch nähert. Der Kohlehydrat/CO2/H2O-Kreislauf ist da „nur“ eingeklingt. Wenn wir damit fertig sind, werden sich die Maschinen nicht sehr viel von Chloroplasten unterscheiden. Zu Ende gedacht ist es natürlich optimal, für Bau, Instandhaltung und Reparatur solcher Maschinen keine menschliche Arbeitskraft zu benötigen… und schon sind wir bei „lebenden“ Zellen. Ich prophezeie, daß wir heute schon alles vor unseren Füßen liegen haben, was wir mit aller Forschung und Ingenieursleistung erst in Dekaden oder Jahrhunderten entwickeln können oder werden. Auch die Gentechnik ist doch schon fertig entwickelt und getestet. Eine Gentechnik, die eben langfristig die besten Ergebnisse erziehl (und nicht zwanzig Jahre großes Absahnen und Abzocken, gefolgt vom großen Crash). Gegen die Rekombinations- und gezielten(!!) Mutationsprozesse (Bsp: Immunsystem, Homing-Systeme etc), die nach und nach von den Biologen aufgedeckt werden, sind unsere Möglichkeiten gentechnischer Manipulation nichts weiter als tapsiger Müll, und offenbaren zudem noch, wie irrsinnig weit wir davon entfernt sind, die Genetik wirklich zu verstehen. Die Situation heute erinnert mich etwas an die vor 60 Jahren, als mit der Kernkraft experimentiert wurde. Nach A-Explosionen sollten Soldaten zum Detonationszentrum laufen, um nachzusehen, was so passiert ist… !!! Unterschied: Die Risiken bei der Gentechnik sind Größenordnungen höher.

Gruß
Jochen

Nabend!

„Tödliche Mahlzeit“, Rhodes, Richard
Goldmann, Mchn., Taschenbuch, 16,90 DM

In dem Buch wird die Entdeckung dieser Krankheitengruppe mit verschiedenen Hypothesen, Forschungsmethoden etc. recht interessant vorgestellt. Wie man z.B. anhand der Ausbreitung einer Krankheit versucht, ihr auf die Spur zu kommen (interessant auch bei AIDS). In diesem Zusammenhang werden kannibalistische Praktiken von Ureinwohnern dargestellt, die ihre Verstorbenen verspeisen und der Versuch, diese rituelle Handlung „abzugewöhenen“.
Verglichen wird der Vorgang einer Erkrankung mit dem Kristallisationsvorgang in einer übersättigten Lösung: Die Prionen entsprechen den Kristallisationskernen. In dem Moment, wo diese hinzugefügt werden, wird der Prozeß in Gang gesetzt.

Tschuess, Sven.

P.S. Ich kanns ja mal borgen.

GENAU !!!
Aber warum ist Überbevölkerung ein Scheinproblem ??

Jochen

Hi,

Ich bin in fast allen Punkten mit Dir einer Meinung. Aber :wink:

Ernaehrung:
Die „Technik“, die wir heute zur Verfuegung haben (die Produkte der natuerlichen Evolution), wurden zwar in Mrd Jahren „entwickelt und optimiert“, allerdings mit fuer uns - gelinde gesagt - suboptimalen Entwicklungszielen. Mit den Originalen (das was es vor menschlicher Zuechtung gab) wuerden wir heute nicht weit kommen, da sie viel zu ineffektiv sind. Unsere Zuechtungen auf der anderen Seite wuerden natuerliche Selektion keine zwei Generationen ueberleben. Diese Zuechtungen haben aber die Entwicklung zu unserer Zivilisation erst ermoeglicht. Ohne hiesse es langfristig zurueck in die Hoehle (Hoehlenwohnraum waer dann kein Problem, da ja nicht viele von uns ueberleben wuerden). Unsere Zuechtungen bringen offensichtlich auch viele Pobleme mit sich, weitere Verbesserungen waeren also wuenschenswert.

Medizin:
Ja, wir sind phantastische Hardware. Leider sind wir da nicht die einzigen auf diesem Planeten (Krankheitserreger …). Und leider haben wir die Urspruengliche Selektion wirklich durch etwas anderes ersetzt (Erbkrankhiten …). Und leider haben wir Umweltfaktoren eingefuehrt, auf die wir nicht optimiert sind (Allergene, Mutagene …).

Fuer alle diese Probleme gibt es vermutlich Loesungen.
Wenn Du sagst, dass wir noch Jahrhunderte brauchen um diese zu finden, kannst Du das nicht im geringsten belegen. Du kannst natuerlich recht haben. Wissen kann mans aber nicht, und deswegen sollte man auch forschen! Wenn kein Zivilisitionszusammenbruch dazwischen kommt, hast Du vermutlich allerdings nicht recht. Du uebersiehst - wie sehr viele Menschen - die Informationsrevolution. Die maximale Komplexitaet von Systemen, die wir steuern (!!!) koennen, nimmt seit Jahrzenten exponentiell zu. Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten 200 Jahren kontinuierlich alle paar Dekaden radikal umgekrempelt. Unter diesen Gesichtspunkten, ist Deine Prognose recht fraglich.

Dennoch ist es natuerlich unverantwortlich, Technologien, die nicht verstanden sind und ungeheures Gefahrenpotential haben aus welchen Gruenden auch immer anzuwenden.
Ach ja, reine Marktwirtschaft ist offensichtlich ein Optimierungsverfahren, das nach fuer uns nicht unbedingt vorteilhaften Kriterien optiniert - aber das ist eine andere Diskussion.

Gruss

Thorsten

Jetzt kommen die Roboter :wink:
Hallo Thorsten,
da Du ja auf Deiner Visitenkarte über Deine Arbeit mit Robotern schreibst, vorab eine Frage: wie findest Du die Befürchtungen vieler Menschen, daß die Roboter irgendwann einmal die Weltherrschaft an sich reißen? Wenn Du jetzt schreibst, Du kannst dieses Thema schon nicht mehr hören, hast Du möglicherweise demnächst auch ein wenig Verständnis für die geplagten Genetiker, die versuchen, uns das Leben ein wenig leichter zu machen (mag sein, daß unter ihnen hier und da ein Dr. Frankenstein lauert, aber die gibt´s in jeder Wissenschaft).

Ernaehrung:…

Stimmt, unserere Nahrung ist alles andere als effektiv, transportanfällig und verrottet zu schnell.

Medizin:
Ja, wir sind phantastische Hardware…

Geht so, aber wenn ich mich allein im Tierreich umsehe, könnte ich schon neidisch werden. Nicht nur wesentlich schärfere und zusätzliche Sinnesorgane, unglaubliche sportliche Leistungen, Giftresistenzen, ja sogar ganze Körperteile können nachwachsen! Eine Liste wäre schier endlos…

Fuer alle diese Probleme gibt es vermutlich Loesungen.
Wenn Du sagst, dass wir noch Jahrhunderte brauchen um diese zu
finden, kannst Du das nicht im geringsten belegen…

Genau, die Entwicklung beschleunigt sich rapide. Ich wage jetzt mal die Prognose, daß es in Japan in fünf (!) Jahren einen Jurassic Park mit geklonten Sauriern geben wird (Japaner lieben Saurier) und ein Jahr später sind die ersten echten Pokémon in der Zoohandlung (die erste Generation noch ohne Spezialattacken, aber man arbeitet daran :wink:)

Dennoch ist es natuerlich unverantwortlich, Technologien, die
nicht verstanden sind und ungeheures Gefahrenpotential haben
aus welchen Gruenden auch immer anzuwenden.

Wie war das mit den selbstdenkenden Kampfrobotern, die uns alle ausrotten werden? Vielleicht besteht die Gefahr tatsächlich, aber es liegt (zum Glück) nicht in der Natur des Menschen, sich änglich zu verkriechen, wenn es etwas Neues auszuprobieren gibt.

Ach ja, reine Marktwirtschaft ist offensichtlich ein
Optimierungsverfahren, das nach fuer uns nicht unbedingt
vorteilhaften Kriterien optiniert…

Oh ja… :wink:

Ciao
Uwe

Atombomben vs. Genetik
Hallo Jo!

Situation heute erinnert mich etwas an die vor 60 Jahren, als
mit der Kernkraft experimentiert wurde. Nach A-Explosionen
sollten Soldaten zum Detonationszentrum laufen, um
nachzusehen, was so passiert ist… !!! Unterschied: Die
Risiken bei der Gentechnik sind Größenordnungen höher.

Oha! Bei der Zündung der ersten Atombombe war man sich nicht sicher, ob durch eine Kettenreaktion vielleicht unsere gesamte Atmosphäre zerblastert wird. Bei der Genetik in der Lebensmittelproduktion besteht allenfalls die Gefahr, daß sich Allergien verstärken. Selbst wenn „neue“ Lebensmittel tödliche Folgen für den Großteil der Erdbevölkerung hätten, wären einige Menschen immun dagegen und Evolution/Selektion würde wieder greifen :wink:

Ciao
Uwe

Gruß
Jochen

Hallo !

Nicht provokativ gesprochen muß ich dir in allen Punkten natürlich recht geben. Meine Provokative darstellung zielte darauf ab, die extrem technokratische Sichtweise erstmal zu brechen. Diese Diskusion ist jetzt auf einem fruchtbaren Niveau, denke ich. Für mich ist wichtig, klarzumachen, daß ein nicht reflektierte Glaube an das Gute in der Technik und im Menschen nicht der beste Weg ist. Die Überheblichkeit des Menschen, seine paar Krümel Wissen und Wissenschaft so überzubewerten kann uns großen Schaden zufügen (muß aber nicht). Wenn wir bedenken, daß die Natur, die uns hervorgebracht hat und uns beherbergt, gute Gründe gehabt hat, es so zu machen, wie sie es macht, fahren wir besser, denke ich. Wir sollten lernen, die Potentiale der Natur zu lenken und nicht zu brechen.

Ach ja, reine Marktwirtschaft ist offensichtlich ein
Optimierungsverfahren, das nach fuer uns nicht unbedingt
vorteilhaften Kriterien optiniert - aber das ist eine andere
Diskussion.

Ja, Marktwirtschaft optimiert nach relativ kurzfristigen Gewinnen. Arten, die bis heute überlebt haben, wurden optimiert auf langfristige Existenzsicherung.

Gruss

Jochen

Hallo !

Oha! Bei der Zündung der ersten Atombombe war man sich nicht
sicher, ob durch eine Kettenreaktion vielleicht unsere gesamte
Atmosphäre zerblastert wird. Bei der Genetik in der
Lebensmittelproduktion besteht allenfalls die Gefahr, daß sich
Allergien verstärken. Selbst wenn „neue“ Lebensmittel tödliche
Folgen für den Großteil der Erdbevölkerung hätten, wären
einige Menschen immun dagegen und Evolution/Selektion würde
wieder greifen :wink:

Bitter. Muß denn das Kind immer erst in den Brunnen fallen ?

Genauso konnte man auch bei der A-Explosion behaupten, daß im Falle einer gigantischen Katastrophe schon irgendein Mutant überbleibt und eine neue (menschliche?) Art begründet.

Es ist schlichtweg nicht richtig, daß sich bei der Industriellen Anwendung der Gentechnik zur Freisetzung überlebensfähiger (aber nicht unbed. Fruchtbarer) GVOs in der freien Natur „nur“ Allergien verstärken können. Fakt ist: Man weiß einfach nicht, was die Risiken sind, weil man die genetischen Prozesse nicht im Detail kennt und versteht. Fast jeden Tag kann man einen neue Überraschung in einem Fachblatt lesen. Wir sind momentan FÄHIG, Lebewesen in mancher Hinsicht zu manipulieren und die uns bekannten Risiken dabei nahezu 100%ig auszuschließen. Wir sind aber noch nicht MÜNDIG, das auch wirklich zu tun.

Gruß
Jochen

Heilen wir uns krank?
Hallo Jochen!

Es ist schlichtweg nicht richtig, daß sich bei der
Industriellen Anwendung der Gentechnik zur Freisetzung
überlebensfähiger (aber nicht unbed. Fruchtbarer) GVOs in der
freien Natur „nur“ Allergien verstärken können. Fakt ist: Man
weiß einfach nicht, was die Risiken sind, weil man die
genetischen Prozesse nicht im Detail kennt und versteht. Fast
jeden Tag kann man einen neue Überraschung in einem Fachblatt
lesen. Wir sind momentan FÄHIG, Lebewesen in mancher Hinsicht
zu manipulieren und die uns bekannten Risiken dabei nahezu
100%ig auszuschließen. Wir sind aber noch nicht MÜNDIG, das
auch wirklich zu tun.

Siehst Du irgendeine Alternativen zur Genetik? OK, auf manipulierte Lebensmittel kann man ja vielleicht verzichten, aber durch unsere Selektionsumkehrung werden wir doch von Generation zu Generation „kranker“. Heute haben Menschen Nachkommen, die früher nicht einmal das 20. Lebensjahr erreicht hätten. In den Ländern, in denen es noch ein bißchen funktioniert (den arikanischen beispielsweise) sterben die Leute an Hunger, in unseren reichen Industriestaaten reproduzieren sich Leute mit Dutzenden von Erbkrankheiten, die jährlich den Krankenkassen manchmal Millionen kosten (jeder einzelne!). Und in drei Generationen wären 90% der Bevölkerung unfruchtbar, würden wir nicht wieder neue Medikamente erfinden, die ein paar Symptome unterdrücken. Es gibt doch schon niemanden mehr, der noch völlig gesund ist!

Ciao
Uwe

Wow, das Thema ist wirklich nicht leicht zu behandeln…

Vorweg: So, wie unsere Gesellschaft funktioniert gibt es wohl keine Alternative.

Eine zumindest theoretisch denkbare Alternative ist die Veränderung der ganzen Gesellschaft, genauer ihrer Ethik. Die natürliche Selektion ist ja der unmittelbare Weg…durch die Gentechnik ist es vielleicht möglich, genau die Elemente zu eliminieren, die auch von der natürlichen Selektion aus dem Genpool geworfen worden wären. Der Unterschied ist eben, ob der Genpool oder das Individuum wichtiger ist. Für uns ist es eindeutig das Individuum (könnte ja auch mich treffen). Man macht sich Sorgen, wegen eines nachteiligen Gens viele andere, positive auch zu verlieren. Dagegen ist zu sagen: Die Gene sind ja auf die Population verteilt. Kopplungsgruppen werden bei der Keimzellenbildung ja auch durchbrochen. So, aber was ist mit den Erfahrungen, der Bedeutung für Familie und Gesellschaft ? Tja, hier ecken wir wieder an unserer Gesellschaftsform an. Jeder Verlust einer Person führt bei den Mini-Familien die ganze Familie ins Chaos. Grosfamilien oder Klans haben mit dem Verlust eines Mitglids zumindest strukturell weniger Probleme. Bei uns Säugetieren ist ja die eigene Erfahrung, das Gelernte wichtig. Darum verschmerzen höhere Säuger und alle Arten mit einer individualisierten Kultur den Verlust eines Individuums schlecht. Hier hat aber der Mensch genau den Vorteil, daß er Wissen und Erfahrungen durch abstrakte Sprache und Schrift unabhängig von Individuen speichern und verbreiten kann.

Ich will dieses Gedankenspiel oben nicht mal werten - weder gut noch schlecht heißen. Es soll nur zum Nachdenken anregen. Ich bin selbst zu sehr Teil dieser Gesellschaft mit ihrer Ethik, als daß ich eine andere Ethik bewerten könnte (wozu man eigentlich ja eine Meta-Ethik brauchte).

Wie dem auch sei, wenn wir andersherum behaupten, daß das Ziel unserer Entwicklung nicht die Population, sondern das Individuum ist, habe ich die Vision, daß wir uns immer mehr auf unseren Geist, unseren Intellekt reduzieren. Letzlich ist eine Körperlichkeit dazu nicht mehr nötig. Ich sehe kein prinzipielles Problem dabei, soetwas wie Selbstbewußtsein, Geist, Intellekt usw. in technischen Systemen zu realisieren. Von diesem Ziel sind wir - denke ich - ca. ebensoweit entfernt wie von einer vollständigen Kenntnis der Genetik und ihrer sicheren Beherrschung.

Schönen Samstag noch,

Jochen

Verfolge Euren Dialog mit Interesse,und was Du schreibst,entspricht dem,was ich denke.Nur fehlen mir die Details aus der aktuellen Genetik,denn an der Uni war das Thema mit Drosophila beobachten auch schon beendet.

Was wird in Fachkreisen diskutiert betreffs der Risiken? Allergien sind nach meinem Gefühl bei weitem nicht das grösste Risiko.
Du schreibst zwar,dass die Wissenschaft letztendlich keine Ahnung hat,das ganze sieht auch mir wie ein globaler Feldversuch aus,aber die die mittendrin in der Forschung sind wissen doch vergleichsweise viel.
Kannst Du dazu mal was posten?
Schöne Grüsse,Mina