Polyethylen selbst gießen ?

Hallo !

Hoffe, die Frage ist im richtigern Forum gelandet…Ansonsten wäre ein Hinweis, wohin ich mich stattdessen wenden muß, mehr als Gold wert…

)

Habe letztens einen Stuhl aus der Space Age der 70er gesehen, und wollte mich hier mal erkundigen, ob man mit Polyethylen (daraus war das Ding meines Wissens nach) selbst Formen gießen kann, und falls ja, wie teuer wäre
a) eine Gußform von ca. einem Kubikmeter
b) das Polyethylen für diesen Kubikmeter
c) weitere Informationen, wie man beim Gießen vorgehen muß, ob man das überhaupt selbst machen darf und falls nein (oder auch trotzdem, günstig ist immer gut), wo man es günstigst machen lassen kann.

Vielen Dank an alle Antwortenden im Voraus,
Marc

Tach Marc,

also Polyethylen selbst herstellen wird nicht gehen.

  1. Hochdruckverfahren :
    bei einem Druck von 150 - 300 MPa und einer Temperatur von 150
    -320°C entsteht PE mit einer Kettenlänge von n ~ 1000 und einer
    Dichte von 0,92g/cm³
    LD PE ( low density polyethylen)

LD PE ist Biegeweicher aber nicht so Zugfest und Temperaturbeständig wie HD PE

  1. Niederdruckverfahren
    bei 1,5MPa Druck und gegenwart metallorganischer Katalysatoren
    (teuer) entsteht PE mit einer Kettenlänge von n ~ 10000 und einer Dichte vom 0,96g/cm³
    HD PE ( high density polyerhylen)

Eigenschaften von PE :
PE ist ein Thermoplast, d.h. es erweicht beim Erwärmen, lässt sich verformen und wird beim Abkühlen unter Beibehaltung der Form wieder fest. Es besitzt einen sog. „memory effekt“ und ist somit geeignet für Reliningverfahren. Eine hohe mechanische Festigkeit und gute chemische Beständigkeit machen PE zu einem bevorzugtem Material zur Rohr- und Formteilherstellung.
Herstellung von Rohren :
Durch Strangpressen
Herstellung von Formteilen :
Durch Spritzgießen.

D.h. wenn Du es selber machen willst, dann muesstest du das Granualt vom hersteller kaufen und das verarbeiten, da bin ich aber ueberfragt, welche Temperatur- und andere Anforderungen an eine solche Anlage gestellt werden.
Aber wenn Du in der Naehe von Darmstadt wohnst, dann kannst du ja am DKI (deutsches Kunststoffinstitut) oder in Rosenheim an der FH dort kann man Kunsttofftechnik (Verarbeitung von Kunststoffen) studieren, ansonsten sind auch Unis mit einem Polymerinstitut sicherlich ne gute Auskunftsquelle.

ciao slam

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Also solche Teile werden im sogenannten Spritzgußverfahren hergestellt. Das teure daran ist nicht das PE, sondern die Formen. So wie Du Dir das Vorstellst wird es wohl nicht gehen, weil zu teuer.
Preise kann ich Dir nicht geben, aber ich schätze mal, daß eine Form locker ca. 100.000,- (oder mehr) kostet.

Also besser weiter auf Flohmärkten weitersuchen.

Gandalf

Was ist das teure an den Formen ?
Ist der Guß dieser Formen so teuer, weil sie hohen Temperaturen standhalten müssen ?
Das Design in CAD traue ich mir zu, habe auch einen Kollegen, dessen Firma Industrieformen herstellt, aber eher im Bereich Metall und Holz.
Wahrscheinlich nur ein Strohhalm, aber vielleicht hält der ja…

Trotzdem Euch beiden vielen Dank für die ausführlichen Infos…
Nehme mir immer die Zeit, alles zu bewerten, was hier im Forum an Antworten reinkommt.

Hallo !

a) eine Gußform von ca. einem Kubikmeter

ich denke, bei dieser Groesse reichen Gandalfs 100.000 DM noch nicht aus. Es haengt aber viel davon ab, wie kompliziert die Form werden soll und welche Toleranzen vorgesehen sind.

b) das Polyethylen für diesen Kubikmeter

billich, billich…

c) weitere Informationen, wie man beim Gießen vorgehen muß, ob
man das überhaupt selbst machen darf und falls nein (oder auch
trotzdem, günstig ist immer gut), wo man es günstigst machen
lassen kann.

Leider laesst sich PE nicht so weit verfluessigen, dass man es einfach ausgiessen kann. mit zunehmender Temp wird es zwar immer fluessiger, aber irgendwann zersetzt es sich oder verbrennt (brennt sehr gut!).
Bei den Spritzgussmaschinen wird mit Temp. von ca 160 Grad gearbeitet und das verfluessigte PE in die Form gepresst. Das geschieht mittels einer Schnecke. Auf der einen Seite wird in einen Trichter das Granulat geschuettet. die Schnecke transportiert das Material an Heizelementen (Verfluessigung) vorbei zur Form und spritzt es je nach Form an mehreren Stellen hinein.
Die Kunst im Formenbau ist, eine gleichmaessige Verteilung des Materials zu erreichen. Es muss jeden Winkel der Form erreichen, darf aber auch an keiner Stelle zu lange fluessig bleiben. So eine Form herzustellen ist sehr zeitaufwendig. Es sind viele Probespritzungen mit dem Auf- und Abruesten der Maschine notwendig. Das macht die Sache teuer.

Gruss, Niels

Hallo Marc!

Ist der Guß dieser Formen so teuer, weil sie hohen
Temperaturen standhalten müssen ?

Für Stahl (woraus ja die Formen bestehen) ist diese Temperatur (ca. 200°) keineswegs „hoch“.
Teuer ist vielmehr das Know-How, die Entwicklung und die
Fertigung dieser Formen:
Die Fließkanäle müssen fließoptimiert sein, eine hohe
Oberflächengenauigkeit und -güte an den kunststoffberührten
Teilen muß gegeben sein.
Die Formen müssen aber auch hunderttausende „Schuß“ aushalten
(=Spritzvorgänge) - auch nach vielfachem Zerlegen und Reinigen
der Maschine (=Verschleiß) sollen die Teile die Anforderungen
erfüllen…

Grüße, Robert.

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