- Für die chemische Reaktion A + B + C ----> Prod.
wurde das Reaktionszeitgesetz V = K*(A)*((B)^2) festgestellt.
Nun soll daraus auf den Reaktionsmechanismus (langsamster
Teilschritt) zurückgeschlossen werden :
Eigentlich sollte man es in der Praxis anders herum machen und aus dem Mechanismus der Reaktion das Zeitgesetz herleiten. Vom Zeitgesetz auf den Mechanismus zu schließen ist dagegen eher Glückssache.
Eine Möglichkeit ist vielleicht A + BB —> X, oder AB + B
—> X
oder A+B+B ------> X
Ist das so korrekt, könnten also alle diese Schritte dem
oberen Zeitgesetz folgen?
Wenn das Zeitgesetz tatsächlich nur eine Elementarreaktion wiedergibt und alle anderen Elementarreaktionen so schnell verlaufen, daß sie vernachlässigbar sind, dann ist Deine Lösung richtig, weil die Ordnungen einer Elementarreaktion gleich ihrer Molekularität ist. In diesem Fall würde es sich also um einen Dreierstoß handeln, bei dem die Reaktion durch gleichzeitiges Zusammenstoßen von einem Molekül A mit zwei Molekülen B susgelöst wird.
Handelt es sich aber nicht um eine einzelne Elementarreaktion, sondern um ein komplexes Reaktionssystem aus mehreren Elementarreaktionen, wie unter 2. beschrieben, dann ist der Schluß von der Reaktionskinetik auf den Mechanismus nicht zulässig:
- Angenommen man hat N2O2 + H2 —> N2O + H2O als
langsamster Teischritt einer Reaktion, also V = K*(N2O2)*(H2)
Ferner weiss man NO + NO ----> N2O2
Kann man daraus folgern, dass man für die Geschwindigkeit auch
V = K*((NO)^2)*(H2) sagen kann? :Sind in beiden Fällen die K’s die selben?
Weder noch. Das Zeitgesetz lautet in diesem Fall
dx1/dt = k1[NO]2
dx2/dt = k2[N2O2][H2]
wobei x1 und x2 die Umsatzvariablen der beiden Teilreaktionen sind. Die Konzentrationen erhält man, wenn man diese Umsatzvariablen mit den Stöchiometriekoeffizienten multipliziert:
[NO] = [NO]0 - 2x1
[N2O2] = [N2O2]0 + x1 - x2
[H2] = [H2]0 - x2
[N2O] = [N2O]0 + x2
[H2O] = [H2O]0 + x2
Um das differentielle Zeitgesetz für die Bruttoreaktion 2NO + H2 → N2O + H2O aufzustellen muß man die erste Differentialgleichung lösen und in die zweite einsetzen. Die Lösung von
dx1/dt = k1([NO]0-2x1)2
lautet
x1 = [NO]02k1 t/(2[NO]0k1 t+1)
Nach einsetzen in die zweite Differentialgleichung erhält man
dx2/dt = k2([N2O2]0+[NO]02k1 t/(2[NO]0k1 t+1)-x2)([H2]0-x2)
Würde es sich bei der Bruttoreaktion dagegen nur um einen einzigen Elementarschritt handeln, dann hätte die Gleichung folgende Form:
dx/dt = k([NO]0-2x)2([H2]0-x)
Die Kinetik wäre also eine vollkommen andere.