Hallo zusammen,
Wie funktioniert das mit den Schneckenhäusern.
Wächst das Ding, so wie uns die Fußnägel?
Oder sagt sich die Schnecke: Ganz schön eng hier. Ich
bau jetzt mal eine Windung dran. Also: Die Schnecke baut
das Haus aktiv.
Gruß Gustav
Hallo zusammen,
Wie funktioniert das mit den Schneckenhäusern.
Wächst das Ding, so wie uns die Fußnägel?
Oder sagt sich die Schnecke: Ganz schön eng hier. Ich
bau jetzt mal eine Windung dran. Also: Die Schnecke baut
das Haus aktiv.
Gruß Gustav
Hi Gustav,
die Schnecke erweitert ihr Haus schlicht und ergreifend weil sie wächst. Und da SChnecken ziemlich regelmäßig wachsen, kann man an der Anzahl der Kammern im Schneckenhaus bzw. dessen Größe recht genau auf das Alter des Exemplars schließen.
Gandalf
Naja, so ungefähr wie Fußnägel. Die Schnecke hat am Mantelrand ein Gewebe, welches kontinuierlich Perlmut absondert. Das Haus wächst so immer mit der Schnecke. Ab und an wird hinten eine Trennwand eingezogen, damit wird die neue vorderste Kammer eingeweiht.
Jochen
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Bildung von Gastropodenschalen
Sorry Gandalf und Jochen, aber eure Antworten sind nicht ganz richtig.
„Kammern“ im Inneren der Gehäuse (Conchylien) von Weichtieren (Mollusken) werden ausschließlich von den Gattungen Nautilus und Spirula gebildet. Das aber sind keine Schnecken (Gastropoden), sondern Kopffüßler (Cephalopoden), eine ganz andere Klasse der Weichtiere. Zu dieser Klasse gehören u.a. auch Tintenfische (Sepia) und Kraken (Octopus). Diese Cepaholopodenschalen haben auch eine ganz andere Funktion als die Schneckengehäuse. Ihre periodisch gebildeten Zwischenwände (Septen), durch die „Kammern“ entstehen, dienen der Hydrostatik: Hier wird Luft eingeschlossen, durch die diese Tiere beim Schwimmen ihre Körperorientierung und ihre Wassertiefe steuern. Bei den Kopffüßlern bilden außer diesen beiden Gattungen nur noch die Weibchen der Argonauta (äußere) Schalen. Hier dient die Schale der Eiablage.
Bei den Mollusken, zu denen außer den genannten auch die Klasse der Muscheln (Bivalvia, mit zwei - oft symmetrischen - Schalenhälften) und einige andere Klassen gehören, werden die Schalen tatsächlich von Ausscheidungen des sog. „Mantels“ erzeugt. Dies ist eine Hautfalte, die meist den ganzen Körper überdeckt.
Das Wachstum der Schale geschieht immer am äußeren Rand der schon vorhandenen Schale. Hier wird vom Mantelrand im Allgemeinen zunächst eine organische Substanz ausgeschieden, das Conchiolin, das mit dem Chitin der Insekten und Krebse chemisch verwandt ist. Dieses Conchiolin bildet die äußere Haut (Periostrakum) des Gehäuses.
Das Gehäuse selbst wird dann darunter durch Ausscheidungen anderer Schichten des Mantelrandes und der Manteloberfläche gebildet, und zwar hauptsächlich durch Calciumcarbonat CaCO3, das dann als Aragonit und/oder Calcit auskristallisiert. Dabei schiebt sich der Mantelrand immer wieder nach vorn/außen Richtung Gehäuserand und streift die Substanzen am bereits vorhandenen Gehäuse bzw. Gehäuserand ab.
Die Kristallisierung von Aragonit und Calcit erfolgt dabei auf verschiedene Weisen: Die häufigsten sind prismatische und gekreuzt-lamellenartige Mikro-Kristallstrukturen. Aber es gibt auch eine weitere - tafelartige - Aragonitstruktur, bei der dünne Plättchen von wenigen Moleküldicken übereinandergelegt wird: Diese ist uns dann als " Perlmutt" bekannt. Die Farben kommen dabei durch Interferenzen des ein- und ausfallenden Lichtes zustande.
Perlmuttschichten kommen bei Cepholopoden nur (geringfügig) bei Nautilus vor. Bei den Muscheln gibt es verschiedene Familien, die Perlmutt in den Innenschalen bilden, u.a. die Ostreidae (Austern). In der Klasse Gastropoda (Schnecken) sind es einige (allerdings nur marine) Familien der Ordnung Archaeogastropoda: Die Haliotidae (Meerohren) sind die bekanntesten, aber auch die Turbinidae und Angariidae bilden Perlmutt auf der Innenseite des Gehäuses.
Die Wachstumsrate des Gehäuses ist sehr unterschiedlich bei den Schnecken. Bei den Landlungenschnecken kann man die Tages"arbeit" manchmal mit der Lupe in Form von Streifen parallel zum Gehäuserand erkennen.
Bei den Meeresschnecken finden sich oft periodische Wachstumsphasen: Z.B. bilden viele Muricidae ein 6-tel (Gattung Hexaplex) bis ein 3-tel (Gattungen Murex, Chicoreus usw.) des Gehäuseumfangs innerhalb von 2 Tagen.
Darauf folgt dann eine längere Ruhephase, in denen sich der Gehäuserand lediglich verdickt und dadurch sog. Varizen bildet. Aber bei vielen Gattungen und Arten dehnt sich der Mantelrand in der Ruhephase enorm aus, bildet Falten und stülpt nach außen/oben aus. Dadurch entstehen sehr komplexe Stachel- bzw. Lamellenformen teils in mehren Ordnungen (sekundäre, tertiäre usw. „Unter“-Stacheln bis zur 5.(!) Ordnung z.B. bei Chicoreus palmarosae) mit einer bisher noch nicht erklärbaren Regelmäßgkeit (auf allen Varizen eines Individuums dieselben und bei allen Individuen derselben Art dieselben), deren Muster wiederum artspezifisch ist.
Das Schalenwachstum und das Wachstum des Weichtierkörpers sind dabei natürlich synchronisiert.
Grüße
Metapher
WOW !
Lehrbuchmäßig !
Das habe ich vor 5 Jahren mal so gelernt… aber man vergißt ja schneller als man lernen kann…
Jochen