Kommunikation-Schwierigkeiten

Ich bin 21, männlich. Ich bin etwas zurückhaltend. Neuer Kontakt zu fremden Leuten fällt mir schwer, da ich mich oft unbehaglich fühle. Prinzipiell bin ich bereit, neuen Kontakt zu finden, jedoch fehlen mir immer Gesprächsthemen. Bei Parties oder anderen Treffen weiß ich nicht (oder nach „Abarbeitung“ einiger Themen), worüber ich mit anderen (besonders Unbekannten) sprechen soll.
Um klarzustellen: ich bin nicht jemand, der jeglichen Kontakt scheut - ich bin durchaus mit Leichtigkeit in der Lage einen Fremden anzusprechen / mich mit ihm zu unterhalten, wenn ich einen konkreten Grund habe. Aber der sogenannte Small Talk fällt mir schwer.
Kann mir jemand ein paar Tipps geben, wie ich an solche Momente herangehe? Oder vielleicht ein Buch empfehlen?

Ajo

ich meine Kommunikation>s
leer

Ich bin 21, männlich. Ich bin etwas zurückhaltend. Neuer
Kontakt zu fremden Leuten fällt mir schwer, da ich mich oft
unbehaglich fühle.

Was stört dich besonders?

Prinzipiell bin ich bereit, neuen Kontakt
zu finden,

Ja, jetzt auch.

jedoch fehlen mir immer Gesprächsthemen.

Keiner kann dich zwingen,
mit ihm zu sprechen,
wenn du nicht magst.

Bei
Parties oder anderen Treffen weiß ich nicht (oder nach
„Abarbeitung“ einiger Themen), worüber ich mit anderen
(besonders Unbekannten) sprechen soll.

Soll? *g

Zeit strukturiert
sich auch wortlos.

Um klarzustellen:

ich bin nicht jemand,
der jeglichen Kontakt
scheut - ich bin durchaus
mit Leichtigkeit in der Lage,
einen Fremden anzusprechen /
mich mit ihm zu unterhalten,
wenn ich einen konkreten Grund habe.
Aber der sogenannte Small Talk
fällt mir schwer.

Und das ist gut so :smile:

Kann mir jemand ein paar Tipps geben, wie ich an solche
Momente herangehe?

Am besten
mit Stoppuhr,
um sie
noch besser
zu vermeiden.

Ich würde mich mit
einer Riesenportion
Eigenzeit belohnen.

Oder vielleicht ein Buch empfehlen?

Ja, ein Tagebuch.

hallo ajo,
wie immer von muschel den hinweis vorab: ich bin keine psychologin und berichte nur aus meinen erfahrungen.
ein buch kann ich dir auch nicht empfehlen, aber ein paar gedankenanstösse kann ich dir sicher geben, bis hier von den ‚profis‘ jemand antwortet. so lang erzähl ich einfach mal.

was du beschreibst, das kenne ich gut. das war bei mir früher auch so bzw. ist es gelegentlich heute auch noch, wenn ich auf leute treffe, mit denen ich mir im wahrsten sinne des wortes ‚nichts zu sagen habe‘. aber das ist ja normal, das gibt es immer.
ich habe damals (heute auch noch) darüber nachgedacht, warum das so ist… warum kann ich mit fremden leuten nicht reden, warum lerne ich ‚nie‘ jemand kennen? natürlich waren da zunächst die typisch weiblichen gedanken: wenn ich grösser, schlanker, schöner wäre… ja dann… dann wäre alles ganz anders. das ist es aber nicht, von grösseren, schlankeren, schöneren menschen habe ich genau die gleichen probleme erzählt gekriegt (jetzt, jahre später, ich habe einen grossen bekanntenkreis mittlerweile).
mir fiel auf, dass ich an die gespräche einen zu hohen anspruch gestellt habe. ich hätte zwar oberflächlich gedacht gerne small talk gemacht, aber innerlich wollte ich es nicht wirklich. ich wollte eigentlich keine unverbindlichen bekanntschaften, ich habe freunde gesucht. dass ein neuer kontakt aber in der regel immer über small talk eingeleitet wird, auch einer, der später eine richtige freundschaft wird, das hab ich nicht realisiert damals. ich konnte nicht locker sein, der anspruch, jede person, die ich kennenlerne, gleich auf ihre eignung als freund/freundin abzuchecken war zu hoch.

wo habe ich die kunst des unverbindlichen lockeren gesprächs dann gelernt? zunächst mal beim jobben. ich habe während des studiums dann als briefträgerin gearbeitet. da bin ich mit vielen leuten in kontakt gekommen und hatte nur den anspruch, meine post zu verteilen. und hin und wieder gabs mit den leuten kleine unverbindliche gespräche. damals wurde ich wirklich lockerer, denn es hat spass gemacht. das war eine neue erfahrung für mich: blabla kann spass machen. der hohe anspruch auch an inhaltlich anspruchsvolle gesprächsthemen war weg.

freunde hatte ich dadurch aber immer noch nicht gefunden. klar, an der uni hatte ich ein paar lockere freundschaften, wir hatten ja die gleichen interessen. auf feten etc. stand ich wieder vor dem gleichen problem, was du beschreibst. ein paar themen (wetter, auto, auf die uni schimpfen, woher kommst du, wie heisst du, was arbeitest du etc.) abhandeln und schweigen.

lange rede … hm… überspringe ein paar jahre mit den üblichen versuchen, das problem zu lösen (kurse, bücher lesen etc.) … was es mir letztendlich gebracht hat, dass dieses problem ziemlich schnell aus dem weg geschafft war, das erzähle ich jetzt. kann sein, dass mich hier im board einige sonstwas heissen und meinen weg völlig verteufeln, aber meinen umgang mit kommunikation, smalltalk, umgang mit fremden personen etc. hat es völlig verändert. es war MEIN weg, bei vielen führt dieser weg zugegebenermassen völlig in die sackgasse, MIR hat es jedenfalls eine neue welt eröffnet. es war das chatten im i-net. das hat mich aus der ecke gebracht, zunächst nur im i-net, dann auch draussen, in der ganz normalen welt hier um mich rum. wie gesagt, ich weiss wohl, dass es menschen gibt, die dadurch endgültig in der isolation landen.

ich habe damit vor ca. 1,5 jahren begonnen und hatte glück, sofort an nette leute zu geraten. im nachhinein betrachtet kann ich dir auch sagen, warum es DAS war, was mir geholfen hat. letztendlich war es doch die unzufriedenheit mit mir und meiner optik. und ich habe mir von diesem weg nichts erwartet, hab das nur spasseshalber an einem langweiligen abend probieren wollen. dort konnte ich plötzlich ganz locker einfach mit den leuten reden, sie wussten nichts von mir, nicht wer ich bin, wie ich aussehe, wie alt ich bin. ich konnte mich nicht blamieren, denn ich hätte jederzeit ins nirwana verschwinden können, ich konnte kommunikation probieren ohne risiko. ich habe sehr schnell sehr viele leute kennengelernt, und es ging auch weiter, es entstanden auch genau DIE gespräche, die ich immer gesucht habe, die anspruchsvolleren, tiefergehenden, alles im schutz der anonymität. aus dieser bin ich dann irgendwann herausgetreten, langsam. erst durch ein foto … und siehe da, die haben immer noch mit mir geredet. sie haben sich immer noch gefreut, wenn ich einen chatraum betreten habe. dann mal telefonate … auf einmal war das miteinander sprechen auch kein problem mehr, die themen gingen nicht aus, denn vorher war ja schon viel geredet worden. dann auch treffen … mittlerweile hat sich ein richtiger freundeskreis herausgebildet. leute, die sich regelmässig treffen und abends in einem chatraum sitzen wie an einem stammtisch in einer kneipe.

und genau durch DIESE erfahrungen war ich auch in der ganz normalen welt locker geworden. auch da hat das mit dem leutekennenlernen auf einmal funktioniert. weil ich die positive erfahrung gemacht habe, dass ich den leuten wirklich was zu sagen habe und mich unheimlich gern unterhalte und das gnadenlos spass macht und es dabei nur auf eine positive ausstrahlung ankommt, dass man kontakte findet.

wie gesagt… mein weg… bei anderen kann es ins gegenteil umschlagen. und es war natürlich die geraffte rosarote fassung. negative erfahrungen habe ich damit auch gemacht, die macht jeder. man muss lernen, damit umzugehen.

so, nun hoffe ich, dass dir auch noch andere antworten gegeben werden. das waren meine erfahrungen.

toi toi toi! muschel

Hallo

hmmm…der Weg, den dieMuschel beschrieben hat war auch ein wenig mein Weg, wenn auch nicht so intensiv.
Ich glaube auch, dass es erst einmal gut ist völlig unverbindlich und anonym im Internet Kommunikation zu trainieren, das mag vielleicht so etwas extrem klingen, aber es geht erstmal wirklich ums probieren, denn eines habe ich festgestellt, egal ob im Internet oder im wirklichen Leben, all zu große Ansprüche darf man erst einmal nicht stellen…probieren, probieren, probieren, auch wenn man sich mal blamiert, das war uns ist teilweise mein Problem, ich habe Angst mich mit dem was ich sage zu blamieren (weil meine Gedankengänge immer etwas quer verlaufen und ich normalerweise sehr weit aushole, wie du auch hier sehen wirst)und halte deshalb immer noch öfter die Klappe als mich zu beschweren oder aktiv an Gesprächen teilzunehmen…
erst das letzte halbe Jahr hat mir geholfen, dass ich im Umgang mit anderen Menschen selbstbewußter geworden…hätte nie gedacht, dass der Zivildienst dazu gut ist.
Aber zu deinem Problem zurück:
kurz zusammengefasst habe ich aus meinem Erfahrungsschatz folgende Tipps für dich:

  • probieren, probieren, probieren…sag was du sagen möchtest, egal ob u dich blamierst oder nicht, jemand der Interesse daran hat mit dir zu reden, wird über Schwächen hinwegsehen
  • wenn du jemanden kennenlernst, dann versuche ihn/sie doch mal zum chatten im Internet zu überreden, das hat bei mir sehr viel geholfen, so habe ich nach dem ersten persönlichen eine heute sehr gute Freundin kennengelernt und wir haben festgestellt, dass wir uns sehr gut verstehen und nach ein bis zwei WOchen konnten wir uns dann auch am Telefon über alles unterhalten, der Schritt uns dann von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten fiel dann auch nicht mehr schwer

Ich hoffe diese Tipps helfen dir ein bisschen, ich möchte aber ncoh sagen, dass sie nicht unbedingt helfen, sie haben bei mir geholfen, das muss aber nicht heißen, dass es bei dir auch so klappt.
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück! Das wird schon werden!

Grüße aus THüringen

Kristof

Danke erst mal für diese ausführliche und ernsthafte Antwort. Chatten war nie meine Sache, weil ich da bisher auch nicht gewusst hätte/habe, was man sich so lange über irgendetwas „sinnloses“ unterhalten könnte. Aber ich werde deinen Tipp beherzigen und das mal austesten. Vielleicht hilft es auch mir.

Ajo

auch dir ein dickes Danke. Das mit den Gedankengängen, die so wahnsinnig quer sind, kenne ich nur zu gut. Wenn ich jemanden etwas erläutern soll, kriege ich das manchmal einfach nicht hin - auch wenn ich mich in diesem Thema bestens auskenne - weil ich nicht weiß, wo anfangen - welche Übergänge - wie es am verständlichsten zu erklären …
Wie ich schon Muschel gesagt habe - das mit dem Chatten werde ich mal testen.

Ajo

Hallo, Ajo,
das ist wirklich so. Kommunikation muß man üben und das tut man am einfachsten, wenn’s um nix geht. Daher ist Chat nicht die übelste der Möglichkeiten.

Noch etwas gehört dazu: Man muß sich selber gut finden. Nicht größenwahnsinnig, sondern einfach so, dass man davon überzeugt ist, dass man selbst ein prima Kerl ist, der zwar einige Macken hat, der aber auch vieles gut kann, was andere nicht so gut hinkriegen.

Das andere ist, dass man sich klarmacht, dass das Gegenüber u.U. mit genau den gleichen Handicaps zu kämpfen hat. Aber dass er auch seine Fähigkeiten hat. Wenn man die herausfindet und auch anerkennt, wird man zum geschätzten Gesprächspartner.

Im übrigen ist den Meisten das liebste Gesprächsthema die eigene Person. Da geduldig zuzuhören ist oft schon die halbe Miete.
Selbstsicherheit und eine realistische Selbsteinschätzung auf der einen und Geduld und Nachsicht auf der anderen Seite sind also die Dinge, die es einzuüben gilt.
Und irgendwann klappt es dann von ganz allein.

Schädlich ist es, sich im Chat eine „Maske“ aufzusetzen, so erscheinen zu wollen, wie man in Wirklichkeit gar nicht ist. Das kostet viel zu viel Kraft und ist auf Dauer gar nicht durchzuhalten. Das geht unter Garantie nach einer Weile in die Hose.

Dann mach mal, Du packst das schon :smile:
Grüße Eckard.

hallo ajo nochmal:
kann ich verstehen, denn zunächst erscheint es wirklich als ein endloser strom sinnlosen geplappers, ist es auch häufig, aber das entscheidende geht nicht auf der ebene ab, die du siehst, wenn du einloggst. es ist entscheidend, wo du hingehst und was für leute du antriffst. ist auch viel glück dabei. und die alleinseligmachende lösung ist es auch nicht.
wenn du tips brauchst, dann meld dich einfach.

ich habe mir heute nacht auch noch die andere antwort unter mir durchgelesen. und ich plädiere noch einmal dafür: auch geplapper und small talk hat seinen sinn, wir können nicht immer nur tiefgreifende intensive gespräche führen. mag aber sein, dass ich aufgrund der müdigkeit den sinn der antwort nicht mehr ganz erfassen konnte ;o)

viele grüsse von muschel

hallo ajo,
das ist wichtig, was eckard da geschrieben hat. das hatte ich vergessen zu erwähnen bzw. deutlich zu machen. kommunikation probieren heisst keinesfalls, sich eine künstliche identität zu schaffen. das hält eh keiner lange durch, geübte chatter spüren das und du wirst die positiven erfahrungen nicht machen, sie lassen dich gnadenlos auflaufen. sei ganz du, dort kannst du es sein ;o) … und wenn du ganz du bist, dann kommst du auf jeden fall gut an! dort sind so unterschiedliche menschen vertreten, dass sich meistens doch nach einer weile ein paar passende zusammenfinden.

Schädlich ist es, sich im Chat eine „Maske“ aufzusetzen, so
erscheinen zu wollen, wie man in Wirklichkeit gar nicht ist.
Das kostet viel zu viel Kraft und ist auf Dauer gar nicht
durchzuhalten. Das geht unter Garantie nach einer Weile in die
Hose.

*weiter mutmach* … muschel

tip
hallo ajo,
auf der folgenden seite gibt es gute tips für den einstieg ;o) (ach für alte hasen zu empfehlen)
http://www.webwelten.de
auf chatlands tippen und einfach grinsend die seiten lesen *g*
viele grüsse… muschel

Hallo,
bzgl. „sinnlos“. Ziel des Smalltalks ist i.allg. ein
gegenseitiges Wohlgefühl zu erzeugen - es geht hier
weniger um das Austauschen von tiefgründigen Weisheiten.
Wurde schon gesagt - zuhören ist dabei wichtig. Wenn Du
nur Deine Platte ableierst, wirst Du sehr bald allein im
Saal stehen. Ansonsten kann man das wie jegliches
Sozialverhalten schwer willentlich erlernbar.

Gruss
Enno

habe gern geholfen!

und falls es am Anfang icht klappen sollte, dann kannst du dich zum chatten auch an mich wenden icq: 135958540 oder einfahc mal eine mail an mich: [email protected]

grüße aus thüringen

kristof

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