Trieb

hallo ihr wissenden und halbwissenden,

in einem anderen brett läuft gerade eine diskussion um kinderschänder, deren bestrafbarkeit usw.
darin wurde auch wieder die triebthematik angesprochen.
das ist ein punkt, welcher mich schon seit längerem interessiert.
die triebe (speziell sexualtrieb) sind für mich insofern eine thematik neuren datums, da in der ddr früher das vorhandensein selbiger verneint wurde.
lehrmeinung:der mensch besitze im unterschied zum tierischen paarungstrieb ein „sexuelles“ bedürfnis, ergo kontrollierbar und beherrschbar.
jetzt würde mich interessiern, wie es die psychologen halten: trieb oder nichttrieb?
oder kann man das gar nicht so sagen, gibt es unterschiedliche ansichten, ähnlich dem streit um die psychoanalyse?

antworten bitte allgemeinverständlich, nicht im vorlesungsstil.

vielen dank schon mal im voraus.

strubbel

Hallo,

in einem anderen brett läuft gerade eine diskussion um
kinderschänder, deren bestrafbarkeit usw.
darin wurde auch wieder die triebthematik angesprochen.
das ist ein punkt, welcher mich schon seit längerem
interessiert.
die triebe (speziell sexualtrieb) sind für mich insofern eine
thematik neuren datums, da in der ddr früher das vorhandensein
selbiger verneint wurde.
lehrmeinung:der mensch besitze im unterschied zum tierischen
paarungstrieb ein „sexuelles“ bedürfnis, ergo kontrollierbar
und beherrschbar.
jetzt würde mich interessiern, wie es die psychologen halten:
trieb oder nichttrieb?
oder kann man das gar nicht so sagen, gibt es unterschiedliche
ansichten, ähnlich dem streit um die psychoanalyse?

Wie überall lässt sich auch dazu streiten. Im Allgem. geht es bei dieser Diskussion darum, was den Menschen vom Tier unterscheidet.

Wie es die Psychologie an sich lehrt weiss ich auch nicht. Doch ich denke das was im allgem. heute als „Psychologie“ gehalten wird, ist auch nichts anderes als Psychoanalyse nach Freud, etc… Denn ohne …analyse keine …logie.

Ich bin der Meinung das der Mensch durchaus triebgesteuert ist. Gerade der Sexualtrieb steht weit im Vordergrund (danach kommt gleich der „Machttrieb“). Allerdings bin ich auch der Meinung, dass der Trieb oder Triebe im Allg. von einem zu einem Willen fähigen Menschen kontrolliert werden kann.

Also: Wenn es nur ein „sexuelles Bedürfnis“ wäre, müsste ich nicht die ganze Zeit dran denken :wink:, denn „Bedürfnisse“ sind nicht dauernd präsent. Und wenn der Trieb nicht kontrollierbar wäre, dann würden wir alle den lieben langen Tag nichts anderes machen, als „für den Erhalt der menschlichen Gattung zu sorgen“.

Hallo,

Allerdings bin ich auch der Meinung, dass der Trieb oder
Triebe im Allg. von einem zu einem Willen fähigen Menschen
kontrolliert werden kann.

indirekt ist das sicher möglich. Indem man z.B. präventiv
Situationen vermeidet, wo man ggf. keine Kontrolle über seinen
Trieb hat (vermutlich verfolgt der gesamte gesellschaftliche
Verhaltenskodex dieses Ziel). Dazu muß das ganze allerdings
planbar sein, die Reaktion auf spontan auftretende Ereignisse
bleibt m.M. nach außerhalb der willentlichen Kontrolle.

Gruss
Enno

In den Altkleidersack
Hallo strubbel!

Das Trieb-Konzept ist ziemlich veraltet und spielt in der wissenschaftlichen Psychologie und der Psychiatrie kaum noch eine Rolle.

In der behavioristischen Psychologie hatte das Triebkonzept bei Clark Hull (den kennt wohl heute keiner mehr; früher einer der Giganten der Psychologie) eine bedeutende Rolle. Selbst Skinner (noch so ein früherer Gigant) hat das Triebkonzept eine Zeit lang noch benutzt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs hat sich der Triebbegriff in der behavioristisch orientierten Psychologie aber erledigt.

In der Motivationspsychologie ist der Triebbegriff durch den Begriff des Motivs verdrängt worden. Aber eigentlich ist zwischen Trieb und Motiv kein so großer, wenn aber auch wichtiger Unterschied (Trieb ist mehr biologisch-physiologisch bedingt, Motiv mehr sozial-kognitiv). Die Motivationstheorien beschäftigen sich heute weniger mit konkreten Motiven (z.B. Leistungs-, Macht-, Anschlußmotiv), sondern eher mit den motivationalen und volitionalen (Willens-) Prozessen (also nicht welches Motiv führt zu welchem Verhalten, sondern wie kommt es zu einem bestimmten Verhalten).

In der Psychoanalyse und in anderen tiefenpsychologisch fundierten Richtungen mag der Triebbegriff noch vorkommen. Diese Ansätze sind aber nicht als wissenschaftlich im Sinne der akademischen Psychologie zu bezeichnen.

Wie gesagt, für Psychologie und Psychiatrie gehört der Triebbegriff in den Altkleidersack.

Grüße,

Oliver Walter

tribtäter
hallo oliver,

wie ich schon vermutete, gehört demzufolghe auch der „triebtäter“ seit langem ins reich der märchen.
hoffentlich spricht sich das irgendwann auch mal bei journalisten rum.das stösst mir schon seit langem auf, daß immer vom nicht beherrschbaren „trieb“ gesprochen wird.

dankeschön

strubbel
§:o)

Hallo,

indirekt ist das sicher möglich. Indem man z.B. präventiv
Situationen vermeidet, wo man ggf. keine Kontrolle über seinen
Trieb hat (vermutlich verfolgt der gesamte gesellschaftliche
Verhaltenskodex dieses Ziel).

Was ist daran indirekt ? Wenn ich weiss, daß ich mich unter bestimmten Umständen (mir fällt da nur Alkohol, Rauschgiftbedarf oder übermäßiger Gruppendruck ein) nicht mehr unter Kontrolle habe, verlangt das, was mich vom Tier unterscheidet, daß ich mich möglichst aus solchen Situationen raushalte !

Dazu muß das ganze allerdings
planbar sein, die Reaktion auf spontan auftretende Ereignisse
bleibt m.M. nach außerhalb der willentlichen Kontrolle.

Imho gibt’s bei Menschen nichts „außerhalb“ der willentlichen Kontrolle. Die Frage ist nur, wieviel Selbstdisziplin mute ich mir zu und auf welcher „Ebene des Verantwortung“ sehe ich mich (meint : „hier und jetzt, nach mit die Flut, was in 5 min ist, ist mir egal“ oder eher Kantisches Bewußtsein).

eljot

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Hallo,


Was ist daran indirekt ?

Als direkte Kontrolle würde ich es bezeichnen, wenn man auch
bei einer Ausführung einer Tätigkeit, die einen prinzipiell
Probleme bereiten könnte, die Kontrolle behält.
Indirekte Kontrolle dagegen, wenn ich mir über meine eigenen
Probleme zwar bewußt bin, sie aber eigentlich nicht lösen,
sondern nur umgehen kann.

Dazu muß das ganze allerdings
planbar sein, die Reaktion auf spontan auftretende Ereignisse
bleibt m.M. nach außerhalb der willentlichen Kontrolle.

Imho gibt’s bei Menschen nichts „außerhalb“ der willentlichen
Kontrolle. Die Frage ist nur, wieviel Selbstdisziplin mute ich
mir zu und auf welcher „Ebene des Verantwortung“ sehe ich mich
(meint : „hier und jetzt, nach mit die Flut, was in 5 min ist,
ist mir egal“ oder eher Kantisches Bewußtsein).

Das ist sicher eine Frage, was Du als Wille definierst.
Ich verbinde damit rationelles/analytisches Denken,
während ich Spontanreaktionen (z.B. auf den Angriff eines Tiers)
ausschließen würde. Zudem glaube ich auch nicht, das Du
beliebige Triebe nur durch Selbstdisziplin unter Kontrolle
halten kannst, z.B. in Extremsituationen. Der ganze Kontroll-
mechanismus ist doch im Rahmen eines Lernprozesses enstanden.
Man hat z.B. durch Erziehung gelernt, daß in bestimmten
Situationen manche Reaktionen „schlecht“, andere „gut“ sind.
Tritt eine analoge Situation ein, wird das erlernte
Verhaltensmuster abgespult. Bei einer neuartigen Situation
scheitert dieser Ansatz (zugegebenermaßen sehr abhängig von
dem zugrundegelegten Analogiebegriff von Situation).
Das ist nur mein persönliches naives Verständnis des Kontroll-
mechanismus. Vielleicht könnte ja einer der angehenden/prak-
tizierenden Psychologen mal diesbzgl. etwas zum „State of
the art“ sagen.

Gruss
Enno