Medikamentöse Therapie

Von: , Frage gestellt am Fr, 15. Feb 2002

hallo

mal `ne kleine frage um eine grosse unklarheit aufzuklären:

in der psychiatrie werden doch (manchmal) medikamente gegeben um bestimmte krankheiten zu lindern/kurieren/etc.

meines wissens nach soll es bei gewissen krankheiten ein zuwenig an bestimmten botenstoffen, etc. im gehirn geben (vergleichbar parkinson).
wie kommt es dazu dass zuwenig davon da ist??

kann man über "psychische" beeinflussung dies ausgleichen? (daher auch die hohe erfolgsrate von placebo), d.h. kann man rein "mental" die neurone, etc. dazu bringen wieder mehr dieser stoffe zu produzieren?

danke und tschüss

matthias


p.s. ist ein bisschen "wirr" geschrieben - aber ich hoffe das die experten trotzdem damit zurecht kommen! ;-))

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Minuten 0 hilfreich
    Medikamentöse Therapie

    Hallo Matthias! in der psychiatrie werden doch (manchmal) medikamente gegeben
    um bestimmte krankheiten zu lindern/kurieren/etc.
    Ziemlich häufig sogar (Neuroleptika, Antidepressiva usw. usf.) meines wissens nach soll es bei gewissen krankheiten ein
    zuwenig an bestimmten botenstoffen, etc. im gehirn geben
    (vergleichbar parkinson).
    Ja, richtig. Bei Schizophrenie z.B. Dopamin (aber Überschuß). Bei Depression Serotonin. wie kommt es dazu dass zuwenig davon da ist??
    Immer noch ein Rätsel. Es gibt zwar Ansätze (Genetik z.B.), aber:

    Nichts genaues weiß man nicht. kann man über "psychische" beeinflussung dies ausgleichen?
    Klar. Nennt sich Psychotherapie und liegt in den verschiedensten (und kuriosesten) Formen vor. Bei einigen Störungen hilft Psychotherapie (v.a. VT; auch wenn manche das von Psychotherapie abgrenzen) genau so gut wie Medikamente (z.B. bei Depression, Angststörungen), jedoch werden meistens Medikamente und Psychotherapie zusammen als Behandlung eingesetzt (ich spreche von klinischen Patienten).

    Bei manchen Störungen hilft aber alles nix und die medikamentöse Behandlung muß sein (z.B. Schizophrenie ohne Neuroleptika zu behandeln, ist ein Kunstfehler - sagen die meisten Psychiater). (daher auch die hohe erfolgsrate von placebo), d.h. kann man
    rein "mental" die neurone, etc. dazu bringen wieder mehr
    dieser stoffe zu produzieren?
    Ja, aber schwierig. Denn die Nervenzellen machen´s bei nicht Gestörten ja auch, wenn sie richtig stimuliert werden. Das Problem ist nur, daß bei schweren Störungen normale Stimulation nicht (immer) ausreichend ist, weil z.B. Gendefekte oder sonstige ungeklärte Ursachen für die Störung der Hirnchemie verantwortlich sind.

    Grüße,

    Oliver

  2. Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
    Re: Medikamentöse Therapie

    Hallo Matthias,
    Die Sache mit dem Dopamin und Serotonin hat der Oliver bereits erläutert und er hat auch Recht, wenn er sagt, das man noch nicht so ganz genau weiss, was da passiert.
    Es werden aber noch weitere Ursachen, vermutet, die leider noch nicht von den Psychiatern berücksichtigt werden.
    Zum einen gibt es die Vermutung, dass z.B. auch Allergien Psychosen verursachen können; zum Anderen gibt es auch Erkrankungsfälle, bei denen anscheinend Erkrankungen des Darms eine Rolle spielen. So kann z.B. eine Zöliakie Depressionen verursachen oder es können auch andere psychische Veränderungen auftreten, wenn die Permeabilität (Durchlässigkeit) des Darms erhöht ist. (Hab solche Fälle schon in meiner Praxis gehabt).
    Gruß
    Crotalus

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Somatische Störungen als 'Ursachen'

      Hallo Crotalus,

      das ist interessant mit dem Darm. Wieder was dazu gelernt. ;-)
      Was mir noch zu Depressionen einfällt, ist, daß z.B. Herzinfarktpatienten ein erhöhtes Risiko haben, an Depressionen zu erkranken. Ich glaube, dies und die Darmgeschichte bestätigt die Auffassung, daß so genannte organische Störungen "Ursachen" von psychischen Störungen sein können. Dies scheint mir ja ziemlich plausibel und ist allgemein bekannt. Der Knackpunkt ist nur leider der, das es halt eine Reihe von psychischen Störungen gibt, die nicht auf organische Störungen zurückgeführt werden können. Und leider, leider tappen die klinischen Psychologen und die Psychiater noch im Dunkeln, was deren Ursachen sind (z.B. Genetik, soziale Faktoren, kognitive Störungen usw.). Vermutungen gibt´s natürlich viele.

      Have a nice weekend,

      Oliver

      • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
        Re: Somatische Störungen als 'Ursachen'

        Hallo Oliver,
        Zum Thema Zöliakie und psychische Störungen hab ich hier einen interessanten Link für dich:
        http://www.zoeliakie.ch/tagungen.html

        Was die Psychiatrie betrifft; ich hab da mal als Dipl.Soz.Päd. gearbeitet und war erschrocken über die Hilflosigkeit der Mediziner. Ich durfte an den Ärztekonferenzen teilnehmen und war somit recht gut informiert über das, was dort getrieben wurde.
        Besonders interessant fand ich eine Untersuchung eines Medizinsoziologen, der dort tätig war. Er hatte die Häufigkeit bestimmter Diagnosen im Zusammenhang mit dem jeweiligen Chefarzt untersucht und konnte nachweisen, dass die diagnostizierenden Ärzte sich offensichtlich an der Sichtweise ihres Chefs orientierten. Das war bei einem Chefarztwechsel sehr deutlich zu sehen. Da ging dann ganz plötzlich die Häufigkeit von Diagnose A zurück, während B plötzlich stark zunahm.
        Manche Ärzte machten sich die Diagnose auch sehr einfach.
        Einer der leitenden Ärzte prahlte auf einer der Konferenzen damit, dass er keine Hilfmittel benötige, denn er habe den diagnostischen Blick. In der Zeit, die ein Patient von der Tür bis zu seinem Schreibtisch benötige habe er bereits die Diagnose gestellt.
        Gruß
        Crotalus
        (und dir natürlich auch ein schönes Wochenende)

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Das Grauen in der Psychiatrie

          Hi Crotalus!

          Danke für den Link.

          Was die Psychiatrie betrifft, ich war da auch mal tätig. Ich habe in einer Suchtklinik gute Erfahrungen gemacht. Anderswo hat mich das Grauen gepackt, weil ich so etwas Ähnliches wie Du erlebt habe. Daher auch meine "verbissene" ;-) Meinung, lieber nach ICD oder DSM zu diagnostizieren als nach Chefarzt oder common-sense. Manche Ärzte machten sich die Diagnose auch sehr einfach.
          Einer der leitenden Ärzte prahlte auf einer der Konferenzen
          damit, dass er keine Hilfmittel benötige, denn er habe den
          diagnostischen Blick. In der Zeit, die ein Patient von der Tür
          bis zu seinem Schreibtisch benötige habe er bereits die
          Diagnose gestellt.
          Ja, ja. Solche Leute stellen mir als Studenten die Frage: Was hat der Patient? Ich sage, daß ich es nach so kurzer Zeit nicht beantworten könne. Der Arzt sagt: Das und das. Ich schlage nach und finde kein einziges Symptom, das der Patient hatte, bei der Störung, die der Arzt diagnostizierte. Als ich ihn darauf ansprach, sagte er, daß er den Patienten nicht beunruhigen wolle (!).

          Bis bald,

          Oliver

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Medikamentöse Therapie

      Hallo,
      es ist doch nicht abwegig, daß Allergien und Erkrankungen
      des Darms ebenfalls Einfluß auf den Neurotransmitterhaus-
      halt haben. Wie reagieren solche Patienten auf herkömmliche
      Antidepressiva ?
      M.m. ist die Erkenntnis, daß z.B. Serotoninmangel/-minder-
      verwertung Depressionen hervorruft (nehmen wir mal an, es wäre
      _das_ Kriterium), nur einen Schritt weit von der
      Krankheitssymptomatik entfernt - allerdings mit dem Vorteil
      gezielt (pharmazeutisch) dagegen vorgehen zu können. Die
      Erforschung der Ursachen ("was führt zum Serotoninmangel bzw.
      dessen verminderten Verwertung") bleibt dann immer noch ein
      offenes Problem.

      Gruss
      Enno

      • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Medikamentöse Therapie

        Hallo,
        es ist doch nicht abwegig, daß Allergien und Erkrankungen
        des Darms ebenfalls Einfluß auf den Neurotransmitterhaus-
        halt haben. Wie reagieren solche Patienten auf herkömmliche
        Antidepressiva ?
        Ob diese Patienten auf Antidepressiva anders oder gar nicht reagieren kann ich nicht genau sagen und will hier auch nicht darüber spekulieren. M.m. ist die Erkenntnis, daß z.B. Serotoninmangel/-minder-
        verwertung Depressionen hervorruft (nehmen wir mal an, es wäre
        _das_ Kriterium), nur einen Schritt weit von der
        Krankheitssymptomatik entfernt - allerdings mit dem Vorteil
        gezielt (pharmazeutisch) dagegen vorgehen zu können. Die
        Erforschung der Ursachen ("was führt zum Serotoninmangel bzw.
        dessen verminderten Verwertung") bleibt dann immer noch ein
        offenes Problem.

        Die Behebung eines Serotoninmangels z.B. mit einem Serotoninwiederaufnahmehemmer bringt auch nicht bei allen Patienten den gewünschten Erfolg.
        Eine Depression nur auf einen Serotoninmangel zurückzuführen ist auch zu simpel. Wenn es wirlich so einfach wäre, dann müssten die entsprechenden Medikamente bessere Wirkung zeigen.
        Tatsache ist, dass man heute noch nicht genau weiss, was bei einer Depression wirklich geschieht.
        Was mich allerdings ärgert ist, dass andere Krankheitsursachen, wie von mir erwähnt, nicht berücksichtigt werden.
        Damit nimmt man vielen Erkrankten eine Chance auf Heilung.
        Hier auch für dich ein Link zum Thema Zöliakie und psychische Störungen:http://www.zoeliakie.ch/tagungen.html
        Gruß
        Crotalus

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!