Enkopresis
Hallo Harald!
Kann mir jemand Ideen, Gedanken oder Hypothesen zum Einkoten von
Kindern geben?
Die Frage ist nicht gerade präzise. Ich fasse sie mal so auf, daß Du Informationen über die Störung haben möchtest.
Die Störung nennt sich Enkopresis und kann in zwei Formen vorkommen:
- primär: wenn die Kinder über das 4. Lebensjahr hinaus noch sie sauber waren
- sekundär: wenn trotz erfolgreicher Sauberkeitserziehung wieder zum Einkoten kommt.
Die Störung ist nicht sehr häufig. Bei 7-8jährigen Kindern kommt sie mit 1,5%iger Häufigkeit vor, bei Jungen mit 2,3%, bei Mädchen mit 0,7%. Bei 10-12jährigen Jungen liegt die Häufigkeit bei 1,3%, bei Mädchen bei 0,3%. Die Störung kommt häufig zusammen mit Enuresis (Einnässen) vor.
Bevor auf psychische Ursachen geschlossen werden sollte, müssen organische Störungen ausgeschlossen werden, weil die Störung auch Konsequenz organische Defekte sein kann. Wenn es sich nicht um eine organisch bedingte Enkopresis handelt, dann werden theoretisch ein fehlgeschlagener Lernprozess und / oder eine emotionale Störung als Ursachen angenommen, bei denen biologische Faktoren eine Rolle spielen (Reifungsverzögerung, organische Anomalien).
Auf Dein Fallbeispiel bezogen würde ich eher auf eine psychisch bedingte Enkopresis tippen (ACHTUNG! DIES IST KEINE DIAGNOSE). Gründe könnten in der familiären Situation liegen (Mutter kann sich nicht gegenüber den Jungen durchsetzen). Für weitergehende Analysen fehlen die Informationen. Mehr zu sagen, wäre mehr Spekulation als Interpretation.
Es ist bei sekundärer Enkopresis eher so, daß belastende Ereignisse oder akute / chronische Konflikte zum Einkoten führen. Unter belastende Ereignisse fallen: Disharmonie in der Familie, Rivalität und Streit unter den Geschwistern, psychische Störungen eines Elternteils, Gewalt zwischen den Eltern, Mißhandlungen der Kinder.
Allerdings würde ich in dem von Dir genannten Fall auch überprüfen, ob und inwieweit bei den Jungen emotionale Störungen und / oder Störungen des Sozialverhaltens vorkommen. Zusätzlich würde ich eine Intelligenzdiagnostik bei den Kindern machen, weitere anamnestische Daten über die Familie und die Situation in der Schule (Schulleistung, soziales Verhalten) erheben. Ich habe zwar eine bestimmte Hypothese, welche Rolle die Enkopresis im von Dir geschilderten Fall haben könnte, doch wäre es - wie gesagt - mehr Spekulation als Dateninterpretation.
Grüße,
Oliver